nächte

Zeitlos

Die Kreuze im Kalender reduzieren sich. Weder kennt sie den genauen Tag, noch das Jahr. Und die Uhrzeit? Nun, es ist Nacht, es ist immer Nacht. Diese verregnet kalte, in der sie einsam vor einem leeren Blatt sitzt, der Vollmond scheint durch’s Dachlukenfenster und sie spürt einen Windhauch von Inspiration. Irgendwo ersehnt irgendwer das Selbe. Dann begegnen sie sich in dieser dunklen Wohnung, aus Distanz wird Nähe. Sie setzt ihre Kopfhörer ab, schließt ihre Augen in die echte Welt und genießt die Liebe und warmen Atem in ihrem Nacken. Wenn sie ihre Augen wieder öffnet, blutet Tinte auf ihr Papier.

*Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Kreuz, Kopfhörer, Dachluke.

Sonnenuntergang

Dem Sonnenuntergang aber
sende ich meine Liebe
und so fürchte dich nicht
vor deiner Dunkelheit, Liebster
wo doch die Liebe in diesem Licht
bis zum Aufgang für dich scheint

Und ich wärme deine Dunkelheit
in dieser wolkenlosen Nacht
nehme sie mit zu mir nach Haus
so sende ich dem Sonnenaufgang
die Sterne, die ich darin zählte
und deine Kälte, die ich wählte

Dann morgen wird es regnen
doch fürchte nicht dem Ertrinken
aus unseren Poren tropft die Liebe
in der wir, wenn die warme Sonne
unsere müden Augen verschließt
wolkenzart gebettet versinken

© Amy Herzog

Das wertvollste spiel.

Ich sehe traurig durch mein Fernglas
die mit reifen quietschende kurze Zeit,
als sei das Auto, das mich mitnimmt
nicht weit entfernt und schon vorbei
gefahren. Voll gepackt mit meinen
Erinnerungen, die ihren Wert verlieren.

Auf ins Niemandsland, an den Rand 
der Grenze des strahlenden Scheins.
Hat es mich vergessen, oder ich mich
verloren in der Sanduhr des nassen
Sandes? Die zwei Silben der Nähe des
ängstlich (selbst) verschütteten Bandes.

Es geht nicht um des Lebens Rennen,
doch geht es um den erkämpften Sieg.
Um mein Gehör, mein Gespür, zu folgen,
auch ohne zu wissen, wofür. Klopfend
an die Tür des Glücks. Mit meinen Regeln
einfach über die Grenze hinaus zu segeln.

Und dort angekommen, ist die Aussicht
in seinen spektakulären Farben frei. Zeit
bekommt einen Sinn ohne spürbar zu sein.
Doch weit ist dann kein Ziel, nur die Stille 
des Waldes bedeutet dann unendlich viel.
Hinter des Glückes Tür im wertvollsten Spiel.

© Amy Herzog

In dunklen Nächten…

Schlaflos singen Stunden durch die Nacht,
wie sanft die Hand des Mondes mich begleitet,
er kämpft und hält mich fest mit aller Macht,
bis sich mein Herze auch dem Tage weitet.

So sind die Wolken gleich der aller andern,
wenn sie so zaghaft doch von dannen ziehen,
und könnte ich mit einer sicher wandern,
ich würde niemals mehr dem Tag entfliehen.

Doch bleibt in allen Nächten dieser Wind,
der durch die Tage auf der Freiheit reitet,
und wenn wir dann des Nachts alleine sind,
dann weine ich dem Mond, der mich begleitet.

© Amy Herzog

Reisender…

So bist du gegangen, weit fort von mir,
doch lebst du im Herzen auf ewig hier,
wanderst über Meere, Berge und Tal,
durch Stunden und Nächte ohne die Wahl.

So bist du gegangen, der Suche voran,
sag nur, ja sage mir, wann kommst du an,
bin ich zu müde mit langsamen Schritt,
und ging deine Reise nur ohne dich mit.

So bist du gegangen, und finde die Ruh,
ich schaue solange den Träumen noch zu,
bis sich im Herbste das Blatte sich wendet,
dann sind uns’re Zeiten für alles beendet.

© Amy Herzog

Sterbend Kusse…

Lebt im sterbend Kusse,
zählend noch, wo nichts beginnt,
nur lächelt tief im Flusse,
so wenn die Müh‘ der Zeit gerinnt.

Und Blicke fallen tief,
in Nächten sich das Herz gewehrt,
erhört was keiner rief,
sodann im Mondenschein begehrt.

Doch niemand hier erlebt,
ein Ufer bleibt im Nichts gewahr,
im Traume leise schwebt,
der Münder Kuss war einst zu nah.

© Amy Herzog

Wildgeworden…

Schwarzbunt gemischte Farben
schenken sich Wildgewordene Lust
Durch die ewigen Nächte…

© Amy Herzog