schlaflos

Dreißig Stunden, Ende offen.

Würde mich nicht als müde beschreiben. Eher als betrunken. Nein, ich habe keinen Alkohol getrunken. Ich bin einfach nur seit 30 Stunden wach. Naja, nicht ganz. Irgendwann gestern Nachmittag habe ich ne Stunde gedöselt, wollte wenigstens ein wenig auf den Nachtdienst vorbereitet sein. Und mir war klar, dass ich heute so müde sein würde, dass ich entweder der Ohnmacht nahe ins Bett falle, oder mit lauter Musik auf den Ohren abdrehe. Interessant, dass es letzteres wurde, manchmal weiß ich nicht, woher die Energie kommt. Und mein Verstand fühlt sich messerscharf an, ist aber vermutlich genauso weitreichend, wie der einer Fliege. Aber die Hemmschwelle sinkt – wie bei betrunkenen. Aber keine Sorge, das sage ich mir selbst, ich plaudere keine Geheimnisse aus. Zumindest nicht mehr als sonst. Ich weiß, dass es reicht, wenn ich dir hier schreibe: wenn du meine Gedanken fühlen könntest, dann… Ja, das genügt völlig. Wobei ich nun für deine Gedanken nicht verantwortlich bin. Es sind deine Phantasien. Und ich fühle deine Gedanken. Lass mich dir einen guten Rat geben: Leg noch ein, zwei drauf, dann treffen unsere Gedanken aufeinander. Bis dahin, Kuss.

© Amy Herzog

taumelnd

Die tagelange Schlaflosigkeit
macht mich taumelnd im Kreis
und zurück bleibt nur dieses Sehnen
nach zurückgerufenen Gedanken
die sich gegen dich wehren

Und dein Schweigen schlägt
lauter in meiner Brust
als dein Schreien jemals wiegt
und zurück bleibt nur dieses Hoffen
dass du in meinen Träumen liegst

Zu dunkel spüre ich die Anmut
deiner allumkreisenden Anwesenheit
doch zurück bleiben nur bleierne Lider
wieder wartend auf einen Hauch
sinken meine Gedanken nieder

© Amy Herzog

schlaf, mein Liebster

trinke die schlaflosschleifende Nacht
schmeckt genauso gut wie eine dieser bunten
halbliter Cocktails auf Ex – knallt
aber besser als dein gelegenheitstrauriger Sex

schon zwanzig nach drei, mein Liebster
du bist endlich frei, flieg – flieg – flieg –
Gefühl ist im Preis, Tränen kosten extra
nimm den Alkohol mit, brauchst ihn dringender als ich

Die milde Nacht denkt mir ein, denkt mir nach
bis zum Mond und wieder zurück ist zu kurz
nur ein Sturz in deine Tränen mit Dingen
die du nie hattest – schlaf endlich Liebster, schlaf

© Amy Herzog

Sternschnuppenmacht…

Schlaflos flossen die salzigen Tränen,
bis halb zwei in die Tiefen der Nacht,
sie tanzten im Schein von Sternen und Mond,
und wünschten sich die Sternschnuppenmacht.

Die Tränen glitzerten heller und heller,
und es wurden alle Himmelslichter berührt,
der Wunsch dieser Seele so unendlich stark,
dass jede kleinste Sternschnuppe spürt.

So schossen am Himmel die Lichter umher,
und ich, ich schlief langsam ein,
der Wunsch hat die endlose Reise begonnen,
und wird irgendwann Erfüllung sein.

 

© Amy Herzog

Wach…


Wach –

Die ganze Nacht

Gedankenloses schaukeln

Mit dem Herzen starrend trinken

Näher – du zu mir, ich zu dir

Küssend durch die Brunnen

Im Schlafsack durch die Wand

Summen wir im Stillstand

Bis an den Rand – darüber

In den Wahnsinn

– schlafen



© Amy Herzog