Verloren

verirrtes Kind

Wie Nacht den Kopf verdreht
in taumelnd schwebenden Gebeten
so schweigt deine Wolkenschrift
im Abgrund meiner Seele
und es wird taub in ihr

Nur voller Wehmut
ersehne ich den grauen Morgen
und die Sonne, die mich ein letztes Mal berührt
wie der Wind dich meinem Blick entreißt
bevor die Schwere regnet

und meine Sehnsucht
dieses unwissend verirrte Kind
in stiller Ferne verreist

© Amy Herzog

Einmal noch (immer)

Immer einmal noch
folge auf leisen Schritten
von Freude bis Gelitten
durch die Nacht

Amnesiegetränkte Worte
zeichnen deinen Schatten
im Vollmondlicht
Windig ist die Nacht
trägt Flüstern in Orte
denen ich glaubte
doch sie hielten mich nicht

Verloren an der Gabelung
dunkellinks, dunkelrechts
renne wieder zurück
und ende
(wieder)
im Nichts

© Amy Herzog

Ich verschwinde…

Ich sitze hier auf einem Stuhl
und alles was ich weiß ist,
dass ich hier sitze

Doch ich spüre es nicht.

Alles was ich spüre ist,
dass ich suche –
verzweifelt

Und dann wieder lächelnd
in Erinnerungen schwelge,
doch ich erinnere mich nicht

Ich verliere nur,
und deshalb weine ich,
weil ich so vieles verloren habe

Nur was?

Doch ich überlege nicht.
ich sitze nur auf einem Stuhl
und spüre mich nicht

Ich verschwinde,
während Gesichter mich anlächeln
und sagen, es sei alles okay.

Doch ich verschwinde in (m)eine Welt –

Und das spüre ich.

© Amy Herzog

Die Stimme in meinem Kopf…

Sie baut sich leis‘ und fest ihr Nest,
aus meinen Schmerzen und dem Leid,
und plötzlich bleibt die Zahl ein Test,
bis in? – sie sagt mir nicht wie weit.

Doch ich, ich möchte ihr Vertrauen,
weil sie mir sagt, der Mensch, der lügt,
„statt essen sollst du Gummi kauen“,
ich frage mich, wer hier betrügt.

Die Stimme – sie – beginnt zu klagen,
wird lauter, schimpft, gar bis sie schreit,
„wie kannst du es denn nur noch wagen,
als wär sie schlicht Notwendigkeit.

Ich denke nächtelang nur schwach,
sie nimmt das Leid, sie hat wohl recht,
hinfort ist Welt- und Lebenskrach,
mit ihr bin ich niemals geschwächt.

Doch bald schon bin ich ganz allein,
zu spät – ich wollte wohl nicht sehen,
sie macht nicht stark, sie macht nur klein,
doch jetzt wird sie so bald nicht gehen.

Jetzt sehne ich nur nach dem Menschen,
der vor ihr auch schon nicht bei mir,
im Büchlein kann ich leise wünschen,
mit ihr bin ich bald nicht mehr hier.

Was bleibt ist nur die stumme Leere,
mein falsches Lächeln und die Angst,
ein kaltes Nest und Knochenschwere,
„nur bis du nicht mehr zählen kannst“..

 

© Amy Herzog

Flucht…

Ich fürchte mich vor diesen Nächten,
dort wo kein Licht über mich wacht,
wenn nur der Mond hinter den Wolken,
am schwarzen Himmel lauter lacht.

Ich fürchte mich vor all den Worten,
wie als Gespenster in dem Wind,
mit roten Augen durch Gedanken,
und ich als das verlorene Kind.

Ich fürchte mich vor tausend Tränen,
am Tag versteckt in einer Schlucht,
doch in der Dunkelheit ertrinkend,
verbleibt als Hoffnung nur die Flucht.

 

 

© Amy Herzog

Die Seelenlose…

Reichte dir mein Hirn, mein Herz,
Und legte mich in deinen Arm,
Fühlte mich mit dir so sicher,
Geborgen, angekommen, warm.

Die Seele hab ich dir geschenkt,
Als du ein Seelenloser warst,
Hast sie kurz gepflegt, gehegt,
Bis du sie dann zerbrochen hast.

Jetzt bin ich die Seelenlose,
Verloren hier im Schein des Lichts,
Du bist fort mit meiner Seele,
Und ich verbleibe hier im Nichts.

Nur die Sehnsucht hab ich noch,
Mit ihr die dunkle Erinnerung,
An dich, an uns, und an ein ich,
Das weiterlebt hier ohne Grund.

Ein letzter Wunsch, der bleibt mir noch,
Das du im Glück lebst mit der Seele,
Wenn ich dann hier verschwunden bin,
Und als Nichts nach oben Schwebe.

© Amy Herzog

inspiriert von Maccabros

Verlorenes Mädchen…

Bäume, starke, dicke, große, Bäume,
lange knöcherige Äste, dicht an dicht,
schlagen laut im nächtlichen Wind.
Schwarzgekleidete Nebelschwaden,
und mittendrin ein verlorenes Kind.

Rennt entlang dem verregneten Weg,
nasses Laub, das kleine Mädchen fällt,
in Erde und Matsch, in Kälte gehüllt.
Blutige Knie und weinende Augen,
ängstliche Schreie, nur Bäume hören.

Wispert im Nebel geheimnisvoll zu,
„Kleine, renn weiter, gib keine Ruh!“
Rennt und fällt sie, Stunden vergehen,
bis dann am Ende der Nebel verzieht,
und in warmer Sonne die Tränen glänzen.

© Amy Herzog

Melancholie…

Von Schmerzen geleitet,
zu lange gewartet,
die Seele zerrissen,
versickert in Massen.

Für immer verloren,
rasend in Jahren,
sucht die Melodie,
inmitten der Melancholie.

© Amy Herzog