Poem

konturen

wie lange hast du schon keine
glatten Konturen
mehr gesehen? Nur schemenhafte
Geister, kommen und gehen
und brechen stets
ein Stück aus dir heraus

© Amy Herzog

die Luftpolsterfolie zum Frühstück
knallt lauter
wenn wir zu zweit davon essen.

© Amy Herzog

magnetisch

seitdem die zeilen
magnetisch
sind
bin ich in dir
und
bleibe
bis du es nicht mehr
verbergen
kannst

© Amy Herzog

Sonnenseufzen

Der Rhythmus fällt
aus verblühten Gedichten
Sonnenseufzen
schlägt jede Nacht tot
deinen ausgetrunkenen Vollmond
übergieße ich mit frisch aufgebrühtem Sex
und wenn mein Herz noch taumelnd fragt
atme ich Träume in deinen Nacken
die mein Mund nicht mehr
zu spüren wagt

© Amy Herzog

mein herz

aufbruch
in meinen augen
seelenschwere schwebt
und mein herz
es leidet, lacht und liebt
nur immer schwer
es wandert und es lebt

und wenn du es berührst
so hab nur keine angst
wie du verbrennst
es dehnt sich
zeigt dir weltenfarben
die du noch nicht kennst

© Amy Herzog

verloren

sternensplitter rieseln
nachtmusik
aus unseren augen
federberührung
bei weit aufgerissenen blicken
hellwache sehnsucht
müdes schweigen
streift
über körper
die nicht wissen
wohin der weg sie führt
die fragen stehen auf dem nachttisch
und erhellen den moment
der gefehlt hat

immer zu verlockend
dieses gift
in verklebten ohren
die immer nur dem klang folgen
nie dem ganzen lied
und unzählige geschichten schreiben
bevor sie vergangen sind

irgendwie hier
halb da ganz davon
mittelleben
und am ende verloren
im sternenschnee

© Amy Herzog

Poesiealbum

schreibe in ein Poesiealbum
Sommerbilder
und wildgewachsene Wiesen
in denen wir leben-
sein und
was wir könnten
nur immer kurz vor Winter
wirst du mich nicht
finden
weil ich mich selbst
darin verliere

© Amy Herzog

lila

Ich schwitze Zeit
aus Haut
tätowierten Leitstreifen
Gewitter schlägt blaue Flecken
tropft aus Lila Lidern
ein Loch
in meinen dichten Wald

Lungenäste
duften nach verbranntem Holz
staubiger Erde
und hohes Gras flüstert
nach lang ersehntem Regenfall
aus deinen Poren

Halte mich
an meiner linken Hand
und verteile
rechts
die Brotkrumen
aus den Resten meiner Kruste
damit der letzte
Farbton
mein Auge nicht verliert

© Amy Herzog

Aufhören

Moos wächst
auf meinen Worten
und Schwalben nisten sich ein
die Hoffnung sitzt mit gelassen baumelnden
Beinen auf der morschen Planke
ich höre auf durch dich durchzuschauen
– diese ausdruckslosen Blicke
weil es da draußen
nur noch leichte Fingerspuren
glattgeriebene Gedanken
und Nebelschwaden
für mich gibt

© Amy Herzog

Dein Meer.

Fühlst du fließend Liebe
wie ein ganzes Meer
nur kannst du sie nicht sprechen
weinen Zweifel, Angst
und Kummer in Anadiplosen.

Bricht dein großes Herz
auf halber Strecke
wird es klein
und du sagst dir leise
„na, es wird schon reichen“
dieses Meer ist mein.

© Amy Herzog

Stummfilm

Das Programmheft
immer eine vergilbte Kopie
deines Stummfilms
ich spreche dich rückwärts mit
wenn du auf ‚Play‘ drückst
und durchschaue im Hintergrund
keinen tieferen Sinn
nur verteiltes Schwarzpulver
auf deiner Zungenspitze
und den Hagel der Granaten
der mich übertönt

© Amy Herzog

anstandslos

durchaus hängt müde haut
von meinen knochen
und es brennt
im zufriedenheitsgegrinse
kommt mir doch zwischen fick
und schweigend in leisen tränen
kein glück mehr vor die linse
und kein fragen
mehr nach einer zeit
sie war nie da

die zukunft
liegt jahre zurück
schon lange
geht es nicht mehr
um den zyanotischen monolog
nicht mehr um die wahl
wie tiefgründig
ist mir noch zu seicht
und das wasser
das du zum kochen bringst
steht mir bis zum hals
bis der strick reißt
und ich anstandslos ertrinke

© Amy Herzog

kalte Tränen, Leben und Traum

Wenn ich dich nicht festhalten kann, dann die Halluzination. Zwischen der Leidenschaft, die um unsere Lippen tropft, über das Meer, welches wir mit unseren Zungen füllen, bis in die Gruft, in der wir gemeinsam in Vergessenheit geraten. Und ich schlafe, schlafe, schlafe in diesem kleinen Traum und falle auf die Knie vor schwermütigschlagender Distanz in meiner Brust. Das morsche Herz, es schlägt eisern am wolkenlosen Himmel und ersehnt in dieser zehrenden Seelendürre nichts mehr, als deinen warmen Regen. Selbst die Szenen in meinem Hirn starren nach einer Weile nur noch aus dem Fenster, wie sich nichts darin spiegelt. Ich bin unsichtbar wie der Wind ohne Blätter. Und dann schließe ich fester meine Augen und halte dich auf meinem unbeschriebenen Papier fest. Und ich schreibe eine endlose Geschichte über kalte Tränen, Leben und Traum…

Wie geht es dir?

© Amy Herzog

Verlust

Nur ein Zettel
an der Außenseite meiner Tür
erinnert mich noch daran
was ich verlor

Kann meinen Schlaf
nicht halten
(wieder einmal nur zu viel)
so taste ich durch deine Venen
Bilder sinken, Worte hinken
als sei das alles nur
ein fades Spiel

Doch ich schweige
und im Innern wird es kühl
was ich einst verlor
es war zu viel

© Amy Herzog