Allgemein

Ich könnte eine Menge schreiben, aber….

Man soll ja nichts absenden, was wütend geschrieben wurde. Und so sind bisher so einige Texte entstanden, die darauf warten veröffentlicht zu werden. Das problem ist, immer wenn ich anfange zu schreiben, muss ich auch recherchieren. Und wenn ich recherchiere, werde ich wütend.

Unterm Strich ist mir in den letzten Monaten alles zu viel. Mein Handy ist voll von sortierten Screenshots- Nazikommentaren und die geballte Kraft jener, bereitet mir Sorge.

Manchmal kommentiere ich auch hier und da. Wird aber direkt gelöscht. Direkte Worte gegen Nazis werden offenkundig nicht gern gesehen. Aber das hier ist meine Platform. Und hier muss ich nicht schreiben „die Person ist politisch n bisschen rechts, aber doch nur, damit es mit unserem Land wieder bergauf geht…is also was gutes“ NEIN! Ich kann hier schreiben, dat sind fuckig NAZIS, und davon ganz schön viel.

Ich mein, was ist denn los mit dem Leuten? Ein paar dumme Hühner gibts immer, aber warum zum fliegenden Spaghettimonster werden das immer mehr? Und warum befürworten ganz normale Leute, meine und deine Nachbarn es, dass behinderte Kinder kein Recht auf Bildung haben? Ausländer auch nicht (und dabei sind halt echt alle angesprochen, ist egal ob du in der 50. generation in Deutschland wohnst und deinen Rasen mit ner Nagelschere perfektionierst, oder ob du innerhalb weniger Monate besser deutsch sprichst, als jene, die sich als reinrassige Arier bezeichnen.)

Ich werd schon wieder wütend. Dabei hab ich jetzt nicht mal recherchiert.

Unterm Strich wird mir alles zu viel. Und ich habe Angst. Werden wir wieder in eine Zeit kommen, in der es legal ist, Ausländer sowie nicht-Christen zu töten, in der Behinderte Kinder in Kinderfachabteilungen „versorgt“ werden? In der auch an erwachsenen behinderten Experimente durchgeführt werden/Erwachseneneuthanasie? In der LGBTQ+ in jeder Form unter Strafe steht? In vielen Köpfen ist das so.

Ich denke nicht mal bewusst. Und das ist auch ein Problem. Viele stellen sich auf die Seite von Nazis und wissen eigentlich gar nicht genau, welchen scheiss die da glauben. War damals auch so. Aber hey: haben wir heute nicht deutlich mehr Zugang zu Bildung als damals? Darf jeder drauf zugreifen. Auch Nazis.

Als Mensch mit Behinderung macht mir das Angst. Und ich verstehe nicht, warum das vielen anderen keine Angst bereitet. Ich mein, wir leben schon in nem System, das genannte Menschengruppen und mehr benachteiligt. Du bekommst schlechter nen Job, ne Wohnung, wirst nicht angemessen beim Arzt behandelt. Und oft kann man nicht mal durch die Stadt gehen, ohne dumm begafft zu werden, ohne dass getuschelt wird oder du gar angegriffen wirst. Natürlich bekommt das kaum jemand mit, weil diese Leute- Betroffene- keine Stimme bekommen.

Und ist das wirklich das, was Naziprotestwähler wollen? Scheisse, wählt meine Katze, eure und Nachbars Pudel…aber benutzt euer Hirn doch kurz zum denken…jeder kennt jemanden, der unter diesem bereits benachteiligendem System leidet. Soll das wirklich noch schlimmer werden?

Jeden Tag lese ich von neuen Anhängern, verfolge Demos. Und wenn man dann persönlich mit den Leuten spricht, dann sagen sie „ne, dich meinen wir nicht, wir schließen niemanden aus“…und zeigen dann den Vorzeigeausländer und den Vorzeigehomosexuellen vor. Damit die Leute den scheiss auch glauben.

Abschließend kann man dann nur sagen: bete, dass dein Kind nicht gehörlos auf die Welt kommt und deshalb auf ne Sonderschule ohne Chance auf Abschluss muss. Pardon. Wir sagen ja das nettere Wort Förderschule. Warum mich das persönlich so betroffen macht ist, dass ich selbst autistisch bin. Und jemand wie ich auf ne Förderschule gesteckt wird oder gar von der Schulpflicht befreit wird / nicht beschulbar ist.

Statt den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten und die pädagogische Ausbildung auch auf Menschen mit Behinderung (körperlich, geistig, seelisch) zu erweitern, wird gesagt, dass Lehrer überfordert sind und Kinder, die nach Nazistandard nicht perfekt sind, separiert werden. Und dann wird DAS Förderung genannt. Das jeder Mensch auf deine Weise Potential bietet ist völlig egal.

Btw: meine Schulnoten waren eher Durchschnitt bis schlecht. Warum? Weil ich mit Aufgaben, für die wir ne Schulstunde lang Zeit investieren sollten, nach 5-10 Minuten fertig war. Dann habe ich vor gearbeitet und dafür Ärger bekommen. Na, dann habe ich halt gemalt. Und was der Lehrer gesehen hat, war ne faule dumme Schülerin, die nicht mitmacht.

War in der Erwachsenenbildung dann besser. Bin dann auch „ne Fachkraft der Zukunft“ geworden. Aber ich weiß wie hart das war. Wegen dem System und den Menschen, die diesem folgen. Und es zerreißt mir das Herz, dass Kinder heute noch immer darunter leiden. Dass die am Ende auch völlig kaputt dastehen, nur um irgendwie reinzupassen.

Ich mache Lehrern keinen Vorwurf. Dem System aber schon. Und ganz allgemein entwickelt sich dieses zurück.

Es war etwas still…

Die vergangenen Tage waren ganz schön aufreibend, denn eine meiner Katzen ist krank geworden. Ärzte, Tierklinik und natürlich fast tausend Euro später 😅 habe ich eine Diagnose. Pancreatitis, was akut lebensbedrohlich ist. Ausgelöst durch Diabetes.

Wahrscheinlich hat sie das schon eine Weile, es ist bloß nicht aufgefallen, bis sich ihr Zustand „plötzlich“ rapide verschlechterte.

Aber nun bekommt sie noch Antibiotika und ich messe ihren Blutzucker am Ohr und spritze Insulin. Bisher habe ich das berufsbedingt nur bei Menschen gemacht. Nun weiß ich: die oberste Hautschicht der Katze ist schwerer zu einzustechen, als beim Menschen.

Nun hat sie wieder ordentlich Appetit, nachdem sie tagelang kaum gefressen hat und sie schmust mit ihren BZ-Utensilien. 😊 Sie hat zum Glück keine Angst, ist sehr neugierig und legt sich schon immer brav hin, wenn sie weiß, dass es gleich losgeht. Sie schnurrt und freut sich natürlich auf ihr Bonbon – natürlich geeignet für Diabetiker Katzen.

Manch einer sagte mir: „warum tust du das Gepieke der 13 Jahre alten Katze noch an?“ frei nach dem Motto: du quälst deine Katze. Oder aber: „das würd ich aber nicht alles ausgeben“ frei nach dem weiteren Motto: ne neue Katze ist billiger, das lohnt sich nicht mehr“

Klar, die Tierklinik war teuer, aber ohne wäre sie gestorben. Ein Tier ist nicht nur nebenher ein nettes Accessoire!!! Ein Tier ist Verpflichtung! Und für mich ein Familienmitglied! Sie ist in Menschenjahren so um die 60 Jahre. Würde man da auch sagen „das lohnt sich nicht mehr“?

Die Futterkosten sind gar nicht gestiegen. Hab zuvor MjamMjam gefüttert, das ist wohl auch für Diabetiker geeignet, jedoch ist mir der Fettgehalt noch etwas zu hoch wegen der Pankreatitis. Daher gibts derzeit etwas vergleichbares mit weniger fett. Insulin kostet ca 50 Euro, es ist 6 Wochen haltbar. Da sie morgens und abends nach Bedarf nur eine IE bekommt (zunächst, ich teste mich da noch durch) wird es entsprechend lange halten. Die Spritzen kosten 100 Stück 15-20 Euro. Und natürlich das BZ Gerät samt stechhilfe und Teststreifen. Da kommen die Kosten aufs Gerät an. Manche Apotheken rücken gern kostenlose Geräte heraus.

13 Jahre ist kein Alter für ne reine Hauskatze, die bei Gelegenheit aufm Balkon chillt. Und ich bin sehr froh, dass es ihr wieder deutlich besser geht und sie sich so schnell mit den bösen Nadeln angefreundet hat. Noch dazu ist sie sehr geduldig mit mir, denn es ist gar nicht so leicht aus der kleinen Vene am Katzenohr Blut zu bekommen. 🙈

Aber sie zuckt nicht mal. Auch nicht beim Insulin spritzen. Sie legt sich einfach hin, schmust und schnurrt. Und wenn wir Glück haben, verschwindet die Krankheit wieder, das ist ja auch möglich. Diabetes ist nun wirklich keine Krankheit, an der man sterben muss. Und auch ne Katze ist es wert behandelt zu werden.

Ein bisschen daneben sieht sie noch aus, aber es die Kliniktage, die Entzündung, schmerzen natürlich, Stress…das alles war sehr auszehrend. Aber: es wird wieder 😊

„Es gibt viele Gründe für einen Drink“

Zum Ende ein Dialog aus der Netflix Serie „After Life“. Eine, wie ich finde, sehr interessante Serie zum Thema Trauerbewältigung. Die Hauptfigur, gespielt von Ricky Gervais, die sich die meiste Zeit selbst das Leben nehmen will, hat mich dabei sehr angesprochen. Tony, ein Lokaljournalist, der nach dem Tod seiner Frau zum „Arsch“ wurde. „Gepackt“ hat mich sein anfängliches „Lebensmotto“. Sinngemäß „ich kann machen was ich will, denn wenn alles beschissen ist & es nicht mehr weiter gehen kann, dann kann ich mich immer noch umbringen“. Irgendwie ist das auch mein Lebensmotto. Aber – und das zeigt der Verlauf dieser Serie auch – es geht immer weiter, weil es auch immer mal wieder Momente gibt, die besser sind. Oder der Hund will essen. – In meinem Fall wollen Katzen essen.

Ich glaube ganz oft bin ich auch ein Arsch. Oder sagen wir, zu ehrlich. Wie jemand, der morgen tot sein könnte. Es ist mir egal. Ich sage was ich will und mache was ich will. Ich bin frei. Liegt nur manchmal am Autismus, dass ich tatsächlich nicht merke, dass ich möglicherweise unhöflich bin oder mich generell falsch verhalte im zwischenmenschlichen Kontakt. Ich weiß einfach nicht, was oder ob etwas von mir erwartet wird. Manchmal weiß ich das aber ganz genau und meine Zeit ist mir zu schade, um ne dicke Schicht Euphemismus um das zu klatschen, was ich eigentlich sagen will. Aber ich sage durchaus auch positive Dinge. Es ist eben egal. Ich habe keinen Grund zu lügen.

Meistens läuft das gut. Manchmal ist meine Direktheit verletzend, aber meist ist sie verletzend für mich selbst. Viele sagen nicht, was sie wirklich denken, was sie wirklich fühlen, weil die Reaktion des Anderen sie selbst verletzen könnte. Na und ich scheiße halt drauf. Und bin ganz ohne Schnickschnack verletzt.

Nun, zum Ende ein Dialog. Die Kernaussage finde ich darin gut. Das Drehbuch ist im Übrigen ebenfalls von Ricky Gervais. Drei kurze Staffeln bei Netflix. Keine große Aktion, dafür viel Gefühl. Sehr empfehlenswert.

»Es gibt viele Gründe für einen Drink. Ich hab schon immer getrunken, aber früher habe ich getrunken, weil ich glücklich war. Und das war okay. Aber jetzt trinke ich, weil’s mir schlecht geht und das ist nicht gut, denn es passiert öfter und etwas früher.« »Dann hör‘ einfach auf.« »Brillant.« »Komm schon, es ist ernst. Wenn du ein Problem hast könntest du dir Hilfe holen, n Entzug machen oder so.« »Wieso?« »Um gesund zu werden!« »Das Trinken ist nicht meine Krankheit.« »Naja, nein, aber es ist ungesund.« »Alles ist ungesund. Sterben werden wir alle. Gesund sein heißt nur, dass man langsamer stirbt.« »Okay dann lebst du länger.« »Ja, aber wieso?« »Was meinst du? So kannst du länger Dinge tun, die du gern machst.«

»Ich trinke gern.«

Postkarte

Vielleicht will ich mir etwas ausdenken, irgendeine krasse Story, die nur rein zufällig Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen aufweist, vielleicht will ich einen Moment lang wichtig sein, wahrscheinlich will ich dich abschrecken, damit du nicht weiterliest, vielleicht will ich, dass du angewidert bist, solltest du doch weiterlesen. Vielleicht will ich aber auch nur da sein, irgendwas sein, irgendwas, egal was. Nur nicht nichts. Nur nicht jemand, der sich etwas ausdenkt, oder jemand, von dem jeder denkt, dass er frei erfunden ist. Und Ähnlichkeiten rein zufällig entstanden sind. Irgendjemand hat diese Geschichte sicher erlebt. Wer sie schreibt, ist dabei egal. Und wer sie liest, nun, ich weiß nicht. Vielleicht bist du auch nichts, so wie ich. Genauso unsichtbar, genauso irrelevant. Nur ein verpuffender Regentropfen der Weltenzeit.

Liege ich in meinem Bett? Nachts um eins und starre ich die fast dunkle Decke an, an der sich die schwachen Lichter der Straßenlaternen abzeichnen, hier und da ein vorbeifahrendes Auto, leises Rauschen und würde ich kurz die Augen schließen, könnte ich vom Strand träumen, könnte ich unter meiner Bettdecke verschwinden und mein Smartphone ausschalten. Und dann verkünde ich zuvor freudig einen bevorstehenden Urlaub, erzähle euch allen vom Sand und von der Wärme auf meiner Haut. Und dann schalte ich mein Smartphone aus, werfe einen letzten Blick an die beinahe dunkle Zimmerdecke und verschwinde unter meiner Bettdecke. Ich schließe die Augen und bin unsichtbar.

Unsichtbar für alle Menschen, für alle Spiegel, die mich nicht mehr betrachten können, weil ich ihnen so fremd geworden bin, dass jeder Blick sehnlichst Heimweh ruft. Nicht leise winselt, nein, es ruft, es schreit mir im vorbeigehen hinterher. Irgendwo zwischen dem Loslassen und den auf mich hereinbrechenden Tränen finde ich mich wieder, suchend, suchend einen Weg heraus, als würde ich rennen, schneller atmen, schwitzen aus Augen und Haut. Immerhin reichte das schon aus für eine Postkarte. Ich würde dir schreiben, wie weich doch das Wasser hier ist, süß und klar, doch wenn du mich küssen könntest, schmecktest du das Salz auf meinen Lippen und die Kälte unter meiner Bettdecke. Aufatmen kann ich, weil du viel zu weit entfernt bist und ich, ich bin im Urlaub.

Niemand will die Wahrheit auf Postkarten lesen, es genügt ein tolles Strandbild und die Worte von Wasser und weichem Sand. Ich schreibe dir also nicht, dass es pausenlos regnet, kalt ist, so kalt, dass es heute sogar kurz die Schneeflocken aus den Wolken trieb und dunkel, so dunkel, dass ich nur existiere. Ich und dieses Zimmer, aus dem ich einen Weg heraus suche, mitten in der Nacht, inmitten der Gedanken, die ich nicht mehr denken will, der Gedanken, die mich dastehen lassen, starr wie ein verlorenes Kind im Wald. Oder vielleicht wie ein Geist, der noch immer in deinen Seilen hängt.

Mit den Jahren wurde ich ein geduldiger Mensch, ein ruhiger, einer der hinnimmt, während das Blut mein Fleisch langsam garen lässt. Warten hingegen, dem Alter bin ich entwachsen. Na, immerhin sage ich mir das immer mal wieder, wenn ich mich beim warten erwische. Warten auf einen Anruf, der eigentlich gar nicht wichtig ist und mich ohnehin nie erreichen würde, weil ich mein Smartphone ausgestellt habe, warten auf die nächste Gelegenheit, die ich gar nicht ergreifen würde, warten auf etwas Neues, das ich gar nicht wissen will. Warten um des warten Willens. Warten im Urlaub oder unter der kalten Bettdecke. Warten auf einen Mann, der ganz anders riecht als du. Und hin und wieder auf den Lieferservice oder der Lieferservice wartet auf mich. Gebratenes Gemüse, das vor meiner Wohnungstür erkaltet, weil ich doch verdammt nochmal im Urlaub bin und die Klingel ausgestellt habe.

Also lasst mich, lasst mich unsichtbar, lasst mich sein, lasst mich, was ich bin. Vielleicht will ich’s mir nicht ausdenken, keine krasse Story, keine Urlaubsbilder und wahrscheinlich will ich dir auch keine Postkarte schicken. Eine Postkarte aus dem verschneiten inneren meiner Bettdecke. Mit Lügen, Sonne und Strand. Während die nackte Wahrheit aufgestanden ist, sich auf den am offenen Fenster stehenden Stuhl gesetzt hat und eine Zigarette danach raucht. Und ich, die im Bett liegt, wie immer doch einfach nur existiert / und nicht, die fast dunkle Decke anstarrt und keine Sekunde mehr allein sein kann. Immer so ganz unspektakulär irgendjemanden anstarrend mit der unterschwellig überschwappenden Sehnsucht nach dir. Und mir.

Warum so abgestumpft?

Weil du da draußen meistens Menschen begegnest, denen du völlig egal bist. Und das lassen sie dich spüren. Sie halten dich lediglich gelegentlich bei Laune, hier und da ein nettes verlogenes Wort, damit du dich kurz wichtig fühlst, damit du verfügbar bleibst, falls mal niemand anders verfügbar ist.

Damit du Zweifel hegst am „egal“. Obwohl es das einzige ist, das wirklich wahr ist.

Gedanken aus dem Krankenbett

Da ich heute den ersten Tag wieder ein wenig lebendig zu sein scheine, vollgepumpt mit Medikamenten natürlich & mich zudem immer wieder schwer damit tue, mich einfach nur auszuruhen, also gar nichts zu machen, habe ich angefangen nachzudenken. Das Nachdenken endet bei mir nie gut, leider mache ich das öfter.

Na jedenfalls hab ich jetzt mal über ein spezielles Verhalten von Männern nachgedacht. I don’t know, ob Frauen das auch machen. Kann ich mir aber durchaus vorstellen. Aber aus meinen Erfahrungen heraus, welch bunte Kiste, sind da nur Männer mit diesem Verhalten. Es wird vielleicht n bisschen sarkastisch.

Und zwar: ein Mann will dich, so richtig haben will der dich. Von morgens bis abends, von links nach rechts. Und dazwischen auch. (Hi, Falschdenker) Kann sich aber nicht für dich entscheiden. Das „warum“ sei dahingestellt, denn dafür müsste man ja n total offenes Gespräch führen. Das geht ja mal gar nicht. Aber der will dich haben. Ok. Vielleicht willst du den auch haben. Keine Ahnung. Ist auch egal. Aber er stellt Besitzansprüche. Also er will dich, aber greift nicht zu. Aber andere sollen dich auch nicht haben. Und das zeigt der dir auch. Manchmal laut. Oft aber so passiv-aggressiv. Ein offenes Gespräch darüber? Nene, das gibt’s nicht. Und als Frau bist du irgendwann komplett immun gegen dieses Verhalten. Wenn du den Mann auch willst, fuckt dich das im Innern zwar total ab, aber oberflächlich kannst du’s super ignorieren und machst halt weiter wie bisher.

Also, noch geschwächt aus dem Krankenbett heraus, finde ich dieses Verhalten gerade total witzig. Ich versteh den Sinn dahinter einfach nicht.

Das ist so…wir warten auf nen Bus, der vielleicht irgendwann kommt, vermutlich aber nicht, vielleicht aber doch, dann aber wieder nicht, aber wer weiß, aber, wahrscheinlich, vielleicht doch, mal um die Ecke gucken, vielleicht ist meine Uhr kaputt, wir bleiben einfach stehen, weil, und aber ja, aber nein, aber ja, aber nein & am Ende sind wir zum Glück alle tot. Auf die Art wartet immerhin niemand ewig. Und als Frau gehste dann solange spazieren.

Vielleicht

Vielleicht verstehe ich
die Welt zu Kopf
und leben ist der Sinn nur irgendwie
und irgendeine schwere Luft
– zwischen uns
dann werde ich zu Wind
und säusel dir in roten Sommernächten
leicht Lavendelduft & Liebe
durch dein wehend Haar
& Hals &
sanfter Kuss

 © Amy Herzog

Wie Weltuntergangs- & Herzschmerzlyrik entsteht

& weitere 90er. Dazu Kopfbewegungen und Haare im Schleudergang like a Metalhead. Halbnackend laut mitsingen, damit es die halbe Stadt hört & ein flummiartig wippender Körper, der versucht die Buchstaben auf der Tastatur zu treffen. Ne, bin nicht auf Droge. Das ist normal so.

Komet

Beide Künstler eigentlich nicht meine Musikrichtung. Aber Udo Lindenberg kennt man. Und man kennt doch mindestens 3 Songs auswendig, weil man sie besoffen oft genug gehört hat. Und Apache, naja der Song „Roller“ hat es mir vor ner Weile angetan. Versuche immer noch herauszufinden, ob der sarkastisch gemeint ist. Oder ironisch. Kann das selten trennen. Und wenn, dann nur zufällig. Bin trotzdem kurz davor mir alle Alben zu kaufen und hab Lust aufn Konzert. Soll sehr toll sein, selbst wenn es eigentlich nicht die Musikrichtung ist.

Aber die Kombi der beiden stimmen in dem neuen Song „Komet“ gefällt mir sehr.

Beichte #26

Bin sehr nonverbal geworden. Auch das Schreiben mit anderen Menschen fällt mir schwer, selbst auf kleine Kommentare reagieren dauert oft länger. Gerne würde ich wieder vorlesen vor der Kamera, aber dafür brauche ich wohl die Stimme, die ich nicht übrig habe. Zumal seit zwei Monaten auch die Werke drei anderer Autor:innen auf meinem Stapel liegen zum vorlesen. Es grenzt an einen Kraftakt meine Stimme zu benutzen, mit anderen zu reden.

Entspannt euch, Zicken?

Wenn eine Frau für irgendwas krass einsteht, n Lauten macht für meist wichtige Themen, kommt immer irgendein Mann daher und sagt „die alte muss nur mal ordentlich durchgefickt werden“ quasi auflockern. Garantiert.

Schönen Valentinstag

Bin nicht romantisch. Ich weiß, jemand der Gedichte schreibt muss ja irgendwie romantisch sein, aber nein, ich bin eher pragmatisch. Oder habe eine andere Vorstellung von Romantik. Dieses gegenseitige zugeschleime kann ich gar nicht ab. Diese Herzchen, Küsschen, etc. Die Schätzchens, die Süßen. Oder jemanden bewundern, den Boden unter den Füßen küssen. Kannst mich am Arsch lecken, das war’s dann aber auch. Mein „Ich liebe dich“ beschränkt sich auf ein „Hi, Bro.“ So oder so ähnlich. Und ich habe heute keine Blumen bekommen. Das finde ich ziemlich romantisch, weil ich lieber Kakteen mag. Oder Kacktussen. Ich mag zuhören. Aufeinander zugehen. Respekt. Ehrlichkeit. Oder einfach Dasein. Sich nahe sein. Immer. Das ist für mich romantisch. Ich brauche keine Kerzen, keine Liebeslieder und keine Einladung in ein schickes Restaurant. Ich brauche niemanden, der mir ständig sagt, dass er mich liebt, oder sich heute, am Valentinstag besonders lieb mir gegenüber verhält. Ich brauche jemanden, der mir hilft, an jedem Tag, zu jeder Zeit ne Leiche verschwinden zu lassen, bzw. jemanden, dem ich dabei helfen kann. Nicht, dass ich gerade ne Leiche hätte, aber man weiß ja nie. Ich brauche keine großen Taten, keine Süßholzraspeln. Beständigkeit, Gewissheit geben und entgegennehmen in einer Welt, die ungewiss ist. Das brauche ich. Das ist für mich Romantik.

Anmachspruch

Wie man eine Künstlerin anmachen kann: „Willst du mit mir im Baumarkt shoppen gehen?“ Als Zusatz könnte noch helfen: „Ich bezahle.“ Kleiner Hinweis aber dazu…es ist teurer, als ein Restaurant mit Stoffservietten.

Gesundheits & Krankenpflege 1894

Muss ich einfach direkt zeigen! Gerade auf nem Trödelmarkt gefunden und gekauft. Ich liebs soo sehr! Ein Fachbuch für Gesundheitspflege aus dem Jahre 1894. Könnt flennen vor Freude…soooo toll 😍😍😍

Verfall

Überall pulsiert das Leben
– nur meine Augen
so trocken wie die letzte Ernte
aus Kiesgruben Dürre
gefühlte Liebe
oder den glänzenden Schimmer
des langsamen Verfalls
dann wieder kalt
& unter der Sonne eines Fremden
haucht der Wind einer Blüte
noch etwas Leben ein

© Amy Herzog

kleines Herz

Schreie, kleines Herz
& kalte Haut
verdrängtes lieben, Eis und Staub

Zwischen vertrockneter Tinte
& dem rasenden Puls im Schreibmaschinenrhythmus
brechen Äste & Wolken starren mich ins Leere
selbst wenn ich noch tief ersehne
schreie ich den Wald
& blaue Venen

Verdrängtes lieben, Eis und Staub
schrei‘ lauter, Herz
sei endlich taub

© Amy Herzog

Dickpics.

Na ich weiß, man kann die Männer zu den Bildern inzwischen anzeigen. Aber das ist mir zu langweilig. Und überhaupt – blocken geht schneller.

Stattdessen finde ich die Idee gut, die Teile zu sammeln & ne hübsche Collage draus zu machen. Und die Männer können sich selbst dann darauf suchen, wie auf nem alten Klassenfoto.

ewig regen, ewig leben

Regen schnürt die Erde
sagt Welt
& hält sich fest
an dir
weil sonst nichts lebt, sagst du

Du hältst den Drink
schweigender Mann hinter verregnetem Fenster
lebst die Leere durch den Tag
& ein schlaffes Herz
in die Nacht

Wir werden ewig leben
Regen
Regen
Regen

© Amy Herzog

Das Gefühl, jemandem den man gern hat, gleichgültig zu sein fühlt sich so an, als wollte man seine zerbrochene Lieblingstasse zusammenkleben wollen – mit Wasser.

Beichte #8

Okay, zwei peinliche Dinge. Ich, dat dunkle Ding, höre echt gern Country& kann sogar Line Dance. Und ich zocke gerade echt viel Minecraft, töte aber keine Hühner, Schafe und Schweine, weil die niedlich sind. Kühe werden geschlachtet.

Entgleiten

Es kommt dir vor wie die totale Kontrolle, wie viele kleine Erfolge, die sich aneinanderreihen. Und du bildest dir ein, dass es leicht ist, während dir die Stimme in deinem Kopf laufend dein Versagen vorhält. Nicht direkt, nein, sie klingt sarkastisch. „Toll, konntest du ausnahmsweise mal etwas richtig machen“. Unweigerlich denkst du darüber nach, dass du es hättest besser machen können, mehr hättest tun können. Letztendlich ist es nie genug, diese vielen kleinen Erfolge, die in Wahrheit gar keine sind. Eigentlich weißt du das. Eigentlich weißt du, dass das, was du euphemistisch „stark“ nennst, schwach ist. Aber dann ist es wiederum okay einen Moment lang schwach zu sein. Als sei das Ganze für eine gute Sache und selbst der Moment wird zum sehr dehnbaren Begriff. Und während du dich in deiner totalen Kontrolle suhlst & deine vielen kleinen Erfolge notierst, entgleitet alles, entgleitest du.

Juten Rutsch!

Hab ick schon ein inner Krone? Nein. Aber gleich. Vielleicht. Nun, wünsch allen nen guten Rutsch. Macht euch schöne Gedanken und lasst die übrigen zurück. Macht, wonach sich‘s Herz sehnt. Seid ehrlich zu euch selbst und macht’s beste draus. Und alle die noch an Wunder glauben: ihr habt schon einen inner Krone. Na, bis nächstes Jahr. Haha. Hahahahah. (Seit Tagen höre ich mir die „nächstes Jahr“ Witze an. Oh man.)

Was wollt ich sagen? Ach ja. Juten Rutsch!

Suche.

In schneebedeckten Nächten
glatte Straßen, Leere
schreit im Wind
und zeigt mir jede Flocke
das weiße deiner Augen eine lägst
verstorbene Welt.

& so trauere ich
um dich
in jedem schweren Stiefelabdruck meiner Selbst
auf dem Weg der Existenz
& lausche dem Flüstern des Windes
zwischen Laternen

Und suche nach Leben darin.

© Amy Herzog

Na endlich :-) Bissl trash.

Habe ja schon vor einigen Monaten geschrieben, dass ich gern auf Twitch live gehen würde…denn ich bin ja auch – nebst dem Schreiben ein begeisterter Gamer.in. 😉 Und endlich wird das möglich sein! Denn ich habe nun einen dafür geeigneten PC. Na, das hat sich so ergeben. Erst klemmte die olle Tastatur…da gabs dann eine schicke neue. Daneben sah dann der Rest schäbig aus. Und überhaupt ist der alte PC gefühlt stündlich abgestürzt. Zuletzt bekam er nicht einmal mehr Internet. Weiß der Geier warum. Nichts half. Naja – fast nichts. Ein neuer PC löste das Problem. Und weil dann der Bildschirm schäbig aussehen würde, gabs da auch nen neuen. I freu mir! Zum einen, weil die Klamotte nun technisch in der Lage sein wird, endlich anständig live zu zocken…aber auch, weil das ein oder andere in bunten Farben leuchtet. Na, ich weiß, dass das im Grunde unwichtiger Schnickschnack ist. Aber ich bin halt n Mädchen. Hach…was soll ich nur zu erst zocken. Bin ja Richtung Horror und Simulation unterwegs.

Ach…Pardon, bin hier gerade so abwesend…für meine Verhältnisse. Nicht, dass es jemand gemerkt hätte. Bin aber auf Insta krass unterwegs. (Ich wünsche mir, dass ich jemanden mit dem Wort „krass“ triggern konnte).

Und noch was Gutes! Das dumme Rot auf meinem Kopf hat sich auf wundersame Weise in dunkles Lila & Blau geändert. Obwohl das Blau eher Schwarz wirkt. Töne also noch mal drüber, weil ich offenbar heute Abend nichts besseres zu tun habe, als zwei, drei Stunden mit Farbe aufm Kopf aufzupassen, bloß nicht (schon wieder) alles einzusauen, was sich in meiner Umgebung befindet.

So – und nun Pause vom schreiben, morgen kann’s weitergehen. 🙂

Von Innereien, nem Büchlein und den Katakomben.

Gerade ist alles etwas unstrukturiert. Sowohl im Leben, viel mehr aber im Kopf. Vielleicht habe ich dahingehend einfach zu viel Zeit.

Auf Insta bin ich nun seit einem Monat mit meiner Lyrik unterwegs und da passieren einige Dinge. Hauptsächlich sehr viele Kontakte, selten persönlicher, meist weniger persönlich. Oftmals bin ich überfordert, jeder Interaktion gerecht zu werden. Menschen an mich heranzulassen fällt mir derzeit extrem schwer. Und ich fühle mich eben auch nur sehr selten angezogen.

Zumal ich immer noch nicht begreife, wie das eine oder andere funktioniert. Aber ich bin schon glücklich, wenn mein PC nicht in Flammen aufgeht, von daher… Aber ich räume dort fleißig auf.

Ich hatte Gelegenheit, all meine Texte/Lyrik durchzugehen und muss sagen, manchmal bin ich selbst erschrocken, was ich so vor Jahren geschrieben habe. Auf dieser Seite habe ich mich jedoch dazu entschlossen, nichts zu löschen. Denn irgendwie gehört das ja alles zu mir. Selbst das Meiste, bei dem ich denke…was für’n Scheiß.

Menschen werden mir gerade zu viel, gleichzeitig zu wenig. Oder es sind nicht die richtigen. Für meine autistischen Verhältnisse ist gerade viel los, vor allem in mir. Viel Spontanität…dementsprechend viel Masking. Ich suche Nähe, die ich brauche, obwohl meine Batterie komplett leer ist. Dazu bin ich in mir sehr verschlossen…ich glaube nicht, dass irgendwer noch durchblickt, was ich wirklich denke/fühle. Irgendwie finde ich das gut, andererseits wär’s wie immer leichter, wenn jemand einfach alles sehen könnte.

Immer wieder an meine Grenzen in Sachen Kommunikation zu stoßen, ist frustrierend.

Eine schöne Entwicklung ist die, dass ich an meinem Büchlein arbeite und wenn ich nur ein klein Wenig strukturierter vorgehe, könnte das 2023 endlich mal etwas werden. Nach zahlreichen Kontakten, Gesprächen und Überlegungen habe ich mich da definitiv für’s Self Publishing entschieden. Alles Andere macht da keinen Sinn.

Ich kann nicht behaupten, mich selbst finden zu müssen. Ich weiß genau, was ich will. Gleichzeitig bin ich irgendwie verloren und manche Tage sind unsagbar schwer. Aber ich halte den Kopf hoch und bemühe mich um Struktur in allen Bereichen. Natürlich könnte ich mit Menschen reden und der ein oder andere Mensch fragt auch ehrlich danach, wie es mir geht. Aber diese Frage kann ich einfach nicht mehr beantworten. So verschlossen zu sein tut weh, andererseits schützt es mich gerade auch. Ich weiß nicht was nötig ist, damit ich mich jemandem anvertraue, mich jemandem öffne und im Moment will ich das auch gar nicht herausfinden. Ich denke, wenn Zeit, Ort und Mensch richtig ist, werde ich das erfahren.

Das Schreiben bereitet mir natürlich weiterhin Freude und trotz aller Überforderung, finde ich es auch schön, wenn ich andere Menschen erreiche. Ich bin sehr dankbar und freue mich tatsächlich über jeden einzelnen Menschen, der hier oder auf Insta liest wie ein Honigkuchenpferd!

Nun, das wollte ich einfach mal abtippen, nur so für mich und die Katakomben hier. Obwohl das Meiste zwischen den Zeilen steht.

einfach so.

Musik, schreiben, Alleinsein, und ein mich-normal-machendes-Getränk. Was will man mehr?

Hab zwar irgendwie immer Wochenende, wünsch euch trotzdem ein schönes!

Merkwürdiges.

Die Vorstellung war schon merkwürdig, die Realität setzte einen drauf. Und nun kribbelt sie wieder, diese Never ending Story. Ich müsste nur kurz atmen, bevor ich mir meine Schwäche für das Unerwartete eingestehe.

Eine Angst und ein Gefühl.

Ich finde über diese Dinge wird oft geschwiegen, vielleicht aus Scham, oder weil man niemanden verletzen oder belasten möchte. Und manchmal auch, weil man nicht weiß, was passiert, wenn man sich offenbart. Ich möchte zwei Dinge teilen, ein Gefühl und eine Angst. Nur teilen.

Ich kenne das Gefühl von „Zuhause“ nicht. Und bin gedanklich eigentlich immer am suchen, sortieren und auf Reisen.

Ich habe Wahnsinns Verlustängste. Warum weiß ich nicht, weil ich noch nie etwas (aus meinem Herzen) verloren habe. Deshalb versuche ich stets Sicherheit zu vermitteln, Beständigkeit und Loyalität. Weil ich weiß, wie zehrend diese Angst sein kann. Und ich möchte nicht, dass Menschen, die mir wichtig sind, sowas (wegen mir) Fühlen oder befürchten müssen. Ich weiß, dass man darauf keine Garantie geben kann. Ich mache das trotzdem, weil das eben doch geht. Gleichzeitig bemühe ich mich, mir einzureden, dass mir alles und jeder furzegal ist…meine Verlustangst eben. Oder ich falle in einen Gedanken, nicht gut genug zu sein, für alles mögliche eben. Obwohl ich das nur noch selten denke.

Wer mag kann sich einreihen. Manchmal tut es auch gut, wenn auch nur kurz, sowas mal rauszulassen.

Insta 2.0

Hab’s noch mal versucht mit dem Lyrik Instaaccount. In zwei Tagen zwei mal gesperrt worden. Diesmal mit Widerspruch. Beim dritten mal würd ich den Support nerven. 😉 Ich glaube das wird nicht mal geprüft, irgendwelchen Leuten ist stinklangweilig und sie melden. Nun, um die unnötige Schleichwerbung zu vervollständigen: @amy_dark_lyrik

Gibt Neues (was es auch hier gibt) und grabe auch mal Altes aus.

Polyamorie – Allgemeines und meine persönliche Gefühlswelt.

Es gibt viele Formen der Polyamorie. Die einen haben zwanglose Dates, dabei geht es um Körperlichkeiten. Andere führen mehrere Liebes-Beziehungen. Manche leben sogar zusammen, andere nicht. Der Unterschied zum klassischen Betrügen liegt darin, dass alle Beteiligten Bescheid wissen und damit auch einverstanden sind. Ein weiterer Unterschied ist, dass die (ich nenne es mal so-) Haupt-Beziehung sehr stabil ist, wohingegen die Beziehungen, in denen man den Partner betrügt, schon vor der ersten verheimlichten Nachricht vermutlich ein Ende finden sollte. Aber das ist nur meine Meinung. Eine offene Kommunikation ist unabdingbar.

Ich möchte hier einmal meine Gefühlswelt und meine Gedanken dazu teilen, vielleicht hilft das jemandem (bei der Selbstfindung zum Beispiel), vielleicht auch nicht. Egal. 😉

Zunächst mal ein paar Tipps bzgl.: Wie kann ich am besten meinen Partner damit überfallen. 😀

Sei dir bewusst, dass in der Gesellschaft und bis dato ggf. auch in deinem Leben bisher nur die Monogamie als das einzig Richtige angesehen wird. Dein Partner könnte denken, dass es an ihm/ihr liegt, nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein, etc. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dieses Thema nach dem ersten Ansprechen auf Eis gelegt wird. Es wird möglicherweise abgelehnt.

Mache dir im Vorfeld Gedanken darüber, weshalb du die Beziehung öffnen möchtest, damit du es erklären kannst. In meinem Fall geht es zum Beispiel um eine mögliche Liebe. Also nicht nur um Sex, sondern um meine umherschwirrenden Gefühle. 🙂

Wähle einen ruhigen Zeitpunkt, habt keinen Streit und lasst es auch da möglichst nicht zum Streit kommen. Redet in Ruhe darüber. Und wenn dein Partner nicht zugänglich ist, versuche es zu einem späteren Zeitpunkt erneut, denn wenn dir das wichtig ist, solltest du dafür einstehen. Gehe aber auch auf deinen Partner ein, denn seine/ihre Gefühle sind genauso valide wie deine. Versuche dich in deinen Partner hineinzuversetzen. Auch in die Klischees, die man diesbezüglich im Kopf hat. Dein Partner wird Angst haben, wird vielleicht auch Unsicher sein und mit Eifersucht zu kämpfen haben. Es liegt dann an dir, diese Gefühle aufzufangen und ehrlich und direkt zu argumentieren. Gib deinem Partner Zeit dich zu verstehen.

Nun ein bisschen zu mir. Die Idee zu diesem Beitrag kam übrigens von meinem Partner. Mein Partner empfindet selbst nicht so und hat bisher nicht das Bedürfnis mehr als einen Menschen, das bin ich, romantisch zu lieben oder einem anderen Menschen sonst wie näher zu kommen. Das ist auch okay, dennoch bin ich dafür aufgeschlossen. Bei mir sieht das anders aus. Ich empfinde seit über 15 Jahren so. Seitdem befand ich mich in drei erwähnenswerten festen Beziehungen. Und gelegentlich kam es vor, dass ich mich romantisch einem anderen Menschen nähern wollte. Ich spreche ungern von Liebe aus meiner Person, weil sie nicht zu definieren ist. Der Einfachheit halber nenne ich es nun aber so.

Selten, aber es kam vor. In meiner ersten Beziehung, welche 2,5 Jahre anhielt, habe ich mich ein mal zusätzlich in einen anderen Menschen verliebt. Den Kontakt habe ich damals abgebrochen. In meiner zweiten Beziehung, die Ehe bestand 9 Jahre, die Beziehung an sich ging länger, verliebte ich mich zwei mal. Auch da habe ich die Kontakte abgebrochen. Warum? Weil das nicht richtig war, weil wir monogam sein müssen. Und weil ich nie das Gefühl hatte, mich meinem Partner so sehr zu öffnen. Betrogen habe ich nie. Nun, Emotional wohl schon, aber was kann man schon gegen Gefühle machen? Ich habe die Kontakte abgebrochen und jeweils ein paar Monate Liebeskummer in mir herumgetragen. Btw.: Die letzte Liebe ist mir bis heute im Herzen geblieben.

Wie ihr nun gemerkt habt, spreche ich nicht von Dates und Sex. Was nicht heißt, dass diese beiden Dinge ausgeschlossen sind. Aber es geht mir um mehr. Ich bin durch und durch ein Gefühlsmensch und nehme bevorzugt Gefühle mit ins Spiel. Ich bin ebenfalls ein Mensch, der nicht viel Platz im Leben für Menschen hat, weshalb ich auch nur eine weitere Person „suche“. Auf viel mehr kann ich mich gar nicht konzentrieren und dem auch nicht gerecht werden. Ja, es ist sehr schwer so einen zweiten Menschen zu finden, weshalb ich bisher auch niemanden in dieser Richtung habe. Wir sind halt zu monogam in Sachen Liebe. 🙂

Wie kann man sich das in mir vorstellen? Schwer zu erklären, aber man stelle sich einfach zwei Personen vor, die zwei Menschen völlig unabhängig voneinander liebt. Zwei Beziehungen pflegt, jede auf ihre Weise. Man ist selbst anders mit einem anderen Menschen, interagiert anders, andere Gespräche, andere Gefühle. Nichts davon ist besser oder schlechter, mehr oder weniger. Es ist einfach nur anders. Ich vergleiche nicht. Und es dienst auch nicht der Umorientierung.

Eine monogame Beziehung wird ja auch nicht hinterfragt mit: „was ist denn wenn er/sie sich in den anderen Menschen verliebt/mehr liebt?“ Das kann immer passieren! Und das hat dann nichts mit einem neuen Menschen zu tun, sondern mit der bestehenden und vermutlich instabilen Beziehung. Oftmals liegt das an mangelnder Kommunikation und am mangelnden Verständnis. In einer geöffneten Beziehung ist das nicht anders.

Als ich meinem Partner meine Gefühle eröffnet habe, haben wir in der darauffolgenden Zeit sehr viel darüber geredet, ich habe mich so gut es ging versucht zu erklären. Das war eine sehr große Öffnung meinerseits. Was unsere Beziehung im Nachhinein weiter gestärkt hat. Nicht immer war es ruhig in diesen Gesprächen, Streit würde ich es nicht direkt nennen, denn wir streiten uns eh fast nie und wenn dann nur sehr kurz. Ich bin aber auch eine sehr direkte und offene Person, sofern ich das Gefühl habe, das auch sein zu dürfen. Und genau das ist bei meinem Partner der Fall. Inzwischen ist das aber auch kein allzu großes Thema mehr, denn das ganze liegt schon ne ganze Weile zurück. Wir möchten also noch immer heiraten.

Trotzdem bin ich meinem Partner gegenüber sehr ehrlich. Ich muss keine Nachrichten löschen und auch nicht „auf Fortbildung“ gehen. 😉 Ja, das sind so Ausreden, die man findet. Das finde ich widerlich.

Nun, wenn man sich verständigt hat, ist das ganze eigentlich ganz leicht. Ich lasse mich treiben und informiere meinen Partner, wenn’s was Neues in Sachen Liebe gibt. Ich rede sogar sehr gern darüber, sind ja schöne Gefühle. Es war ein unglaublich befreiendes Gefühl, ihm meine Geschichte zu erklären, meine freifliegenden Gefühle und auch über den Liebeskummer zu sprechen, den ich all die Jahre nur für mich behalten habe. Es ist nicht falsch so zu empfinden, es ist auch nicht falsch so leben zu wollen. Wer bin ich, dass ich für meinen Partner ALLES sein kann? Und wer ist mein Partner? Wundervoll, selbstverständlich und ebenfalls vollkommen ausreichend für mich, in jeder Lebenslage. Und stets mein Ritter in glänzender Rüstung. Nichts fehlt mir. Sicher, in der Monogamie ist das so. Aber ein anderer Mensch ist eben ganz anders und auch auf eine ganz andere Weise romantisch zu lieben. Und auch wenn ich die Liebe nicht definieren kann, einen Fehler kann ich darin nicht finden.

Es geht nicht darum, nicht gut genug sein, nicht um unzureichend sein. Es ist in mir einfach nur anders. Wie zwei Menschen, die fühlen. Und ich fühle einfach so unfassbar überschwappend. Und ja, selbstverständlich möchte ich einem Menschen dann auch nahe sein. So fühle ich eben. Und mein Partner bedeutet mir so viel, dass ich ihm das ehrlich sage, wenn es so ist. Man sieht aber, Polyamorie ist nicht mangelnde Liebe, Betrug, auch kein wildes Herumgepoppe. Es geht um Gefühle, um Bedürfnisse und um die Liebe, Kommunikation, Ehrlichkeit und um das Vertrauen in einer stabilen Partnerschaft. Ich fühle mich frei und mein Herzchen ist offen – für meinen Partner und für das, was da kommen mag.

Ein paar Bilder vom Movie Park Tag :-)

Ich war heute im Movie Park. 🙂 Es war schön, wenn auch sehr anstrengend, weil laut, durcheinander und viele Menschen. Konnte aber ein paar Bilder machen. 🙂

Nicht erschrecken, das bin nur ich mit Doppelkinn, Augenringen und ohne Make-Up und selbstverständlich ohne Filter. Die Sexy Strümpfe muss ich auch zeigen, die habe ich zum Geburtstag bekommen. Laut Aussage haben sich einige Menschen die Strümpfe angeschaut, aber ich kann das nicht beurteilen, weil ich nicht darauf achte, wer gucken könnte. Meistens bin ich die, die starrt. 😀 Den kleinen auf meinem Arm hat mein Partner beim Enten-Angeln für mich gewonnen. 🙂

Vorbereitungen für Halloween. 🙂

Ich mag Spongebob und habe auch eine Tasse gekauft. 🙂

So, das war’s. Leckeres Essen gab es auch, leider nicht vegan. Heute war also ein recht vegetarischer Tag, aber draußen ist das eben manchmal schwer umzusetzen. Es gab Veggieburger und Pommes zum Mittag/Frühstück. Und dann noch ein Eis. 🙂 Liegt soo schwer im Magen, war aber trotzdem ganz okay.

Ein kleines Buch mit Stift habe ich auch noch gekauft, muss doch immer sein als Schreiberling. 🙂

Einfach mal Danke!

Na wer behauptet, gelesen/gehört/gesehen zu werden sei egal, der lügt. Natürlich möchte man das, wenn man, wie in meinem Fall, schreibt und veröffentlicht.

Ein wenig Zwiespalt ist aber schon dabei, denn einerseits bemühe ich mich stets darum, so unsichtbar wie möglich zu sein, andererseits freue ich mich über den Anblick diverser wachsender Statistiken. Inzwischen hat es sich so entwickelt, dass die Leser zu einem recht großen Anteil nicht mehr von WordPress kommen. Manchmal werden Beiträge irgendwo auf Social Media geteilt – klar, die Möglichkeit besteht. Dann aber dieser Zwiespalt und der damit verbundene Schock, wenn tatsächlich Menschen aus den verschiedensten Ecken auf meine Seite kommen und bleiben.

Unterm Strich freut es mich dann aber sehr, denn man möchte ja durchaus gelesen, gehört, vielleicht sogar verstanden werden. Und den ein oder anderen berühren, oder gar eine Hilfe sein. Ich freue mich sehr über die Rückmeldungen per Mail, bin aber auch da überfordert, weshalb die Antworten manchmal lange, manchmal besonders lange auf sich warten lassen. Das tut mir Leid! Trotzdem sehe ich das alles durchaus und fühle mich geehrt. Ich freue mich über jeden Menschen, der da ist und freue mich über jede Art Rückmeldung, genauso wie über die stille Leserschaft.

Insbesondere finde ich es sehr toll, dass die Beiträge zum Thema Autismus beinahe schon beliebter sind, als meine Lyrik. 😉 Diese persönliche Aufklärung bedeutet mir sehr viel und wenn sich da manchmal jemand verstanden fühlt, ist das unbezahlbar!

Ich freue mich im Schockzustand über den Wachstum und möchte gerade einfach mal jedem einzelnen Menschen herzlich für sein Dasein danken!

Ein ungesehenes Thema: toxische Männlichkeit, Gewalt gegen Männer.

Es wird ein bisschen emotional, dieses Thema bewegt mich sehr. Der erste Abschnitt soll nicht abschrecken, es geht um die Männer.

Die ein oder andere Frau reagiert empört darauf, wenn ich darüber rede. Warum? Weil es ausnahmsweise mal nicht darum geht, dass es Frauenhäuser wie Sand am Meer gibt, weitere Hilfsorganisationen für weibliche Opfer von Gewalt, na, oder weil die Vergewaltigung/sexueller Missbrauch/etc. an einer Frau noch immer nicht angemessen bestraft wird? (Na, wie ist das wohl bei Männern?) Und in vielen Fällen verdienen Männer mehr als Frauen für die Selbe Tätigkeit. Und überhaupt, wir Frauen werden doch stets auf unsere Gebärfähigkeit reduziert, auf unsere Hormone, auf die Mopsis und den Po. Wenn ich so alles zusammenfasse, befindet sich hier jede Frau stets in einer Opferrolle. Trotzdem ziehen wir Frauen bitte kurz den Kopf aus dem Popo und werfen einen Blick auf die Männer.

(Schreibt es mir gern in die Kommentare, wenn euch dieser erste Abschnitt angepisst hat. Würde mich darüber freuen.)

Ich kann bei weitem nicht jedes Beispiel nennen, welches ich schon gehört habe bzgl. toxischer Männlichkeit, oder auch der körperlichen oder seelischen Gewalt an Männern. Oder auch dem „post-abortion-syndrome“, welches selbstverständlich auch Männer betreffen kann. Das alles juckt halt kaum jemanden. Es gibt auch keine erwähnenswerte Hilfe. Nun, weshalb ich nicht jedes Beispiel nennen kann? Weil ich noch nie mit einem Mann geredet habe, der nicht irgendetwas gesagt hat, was mich unfassbar traurig und/oder wütend gestimmt hat. (Der Beitrag würde also unendlich lang sein) Und das schlimmste ist, wenn sie selbst das ganz normal finden, wenn sie ihre Aussagen selbst nicht bedenklich finden. Weil das in unserer Gesellschaft eben so ist. Männer müssen so und so sein, stellt euch mal nicht so an.

Männer erfahren Gewalt in allen vorkommenden Formen sowohl durch Frauen, als auch durch andere Männer, unabhängig der Sexualität. Ihr könnt da gern nach aktuellen offiziellen Zahlen recherchieren, mich reizt das nicht mehr, weil sie sehr weit von der Realität entfernt sind. Dieses Thema berührt mich emotional sehr, weil es so ungesehen ist. Oder es wird nicht ernst genommen, bzw. durch etwas Aufklärung wird es von sehr wenigen Menschen ernst genommen. Aber so im Allgemeinen wird das nicht gesehen.

Als Aufhänger nehme ich ein Beispiel für toxische Männlichkeit, welches ich erst gestern wieder in einem Gespräch erfahren habe. Es geht um einen Mann mit Prostatakrebs. Dahingehend tolle Neuigkeiten! Krebsfrei nach OP, Nerven sogar erhalten. Wunderbar! War im Gespräch aber nur ein untergeordneter Teil, total unwichtig. Komisch, oder? Das schlimmste ist, dass die Penislänge sich dadurch um wenige Millimeter verkürzt hat. Das war das riesige Thema. Das schreckliche. „Meine Frau…“, Eine richtige Leidensgeschichte. Ein unvorstellbarer Druck dahinter. Warum? Dieser Mensch ist wieder gesund! Und leidet, hat Sorgen, Ängste und kann diese kaum ausdrücken. Kaum jemand weiß, wusste von dieser Erkrankung. Es ist ihm unfassbar peinlich.

Männer machen ständig Erfahrungen, dass sie nicht genügen, dass sie falsch sind, dass andere besser sind. Besser im Bett, besser ausgestattet. Und überhaupt müssen Männer stark sein, müssen beschützen können, müssen groß sein. Männer die fühlen, die weinen, sind schwach. Außerdem müssen Männer allzeit bereit sein, nicht nur für Sex. Für alles. Hauptsache der Partnerin ist es recht. Und wenn sich ein Mann gern die Fingernägel lackiert, dann ist er total schwul. Weil schwul sein offenbar total unmännlich ist. Darüber hinaus werden Transmänner nie echte Männer sein (btw: Transmänner sind als Männer geboren, nur im falschen Körper). Das sind nicht immer direkte Aussagen, aber im Allgemeinen schwebt diese Wolke über unseren Köpfen und wir reagieren im Alltag entsprechend.

Dann werden „lustig gemeinte Aussagen“ getroffen. Es ist nicht lustig einem Mann zu sagen, dass er wegen irgendetwas kein richtiger Mann ist, kein Mann ist, der genau richtig ist, der genügt und der sein kann, wie er ist. Ein Mann muss nicht viel Geld verdienen, um irgendwen zu versorgen. (Ja, so etwas wird von manchen Frauen tatsächlich sehr genau geprüft. – So im Sinne von Gehaltsabrechnungen. Kein Scherz, leider.) Dieses Emanzipationsthema finde ich komplett lachhaft. Labern die Menschen drüber, wird aber eher zum Vorteil ausgelebt. Männer stehen unter ständigem Druck. Und da fragt kaum jemand nach. Es wird ständig nachgetreten. Verpflichtungen von allen Seiten, von anderen Männern, von Frauen. Und manchmal wird’s dann noch richtig kompliziert. Denn der Mann muss der Frau auf allen Ebenen (sprichwörtlich) den Arsch auslecken, darf dabei aber nicht zu lasch wirken, darf nicht „unterm Pantoffel stehen“, denn das ist ja wieder im Vergleich zu anderen Männern unmännlich. Unterm Strich labern die Menschen alle nur Müll, die Hälfte gelogen, die andere Hälfte irrelevant.

Du kannst tun, was du willst. Du kannst sein, wie du willst und wie du bist. Deine Körpergröße, deine Statur, dein Aussehen, deine sonstige Ausstattung und auch die damit verbundene Funktionalität, deine Gefühle (die du offen haben kannst), dein Job und dein ganzes Sein, alles ist perfekt, so wie es ist! Dafür brauchst du keine Erlaubnis! Du brauchst dafür auch niemanden, der das bewertet, der dich mit anderen vergleicht. Und du brauchst dich auch nicht mit anderen Männern vergleichen. Denn es ist egal, wie andere sind. Du bist toll, das reicht. Du musst dich nicht „erziehen“ lassen. Selbstverständlich so, dass andere Männer diese „Erziehung“ nicht bemerken. Nein!

Noch eine Kleinigkeit zum „post-abortion-syndrom“. Im Grunde Menschen, die eine Abtreibung bereuen, darunter leiden. Wird meist bei Frauen beachtet. (Und ja, ich weiß, dass auch da gesagt wird „war doch deine Entscheidung, Pech.“) Aber Männer leiden auch darunter. Und es war nicht ihre Entscheidung. Das lässt sich auch nur schwer ändern, denn es ist gut, dass wir Frauen hier selbst über unseren Körper entscheiden dürfen. Das ganze Prozedere sollte sogar noch erleichtert werden, meine Meinung. Es ist ein Unding, dass man ggf. sehr weit reisen muss, um eine Abtreibung durchführen zu lassen. Aber das soll nicht das Thema sein. (Mir ist klar, dass das ein empfindliches Thema ist, aber mal am Rande…keine Frau sagt „hätte mal Lust auf ne Abtreibung“, niemand macht das aus Spaß und auch der Grund, einfach nur kein Kind bekommen zu wollen, ist ein Grund. Soviel dazu.)

Nun, die Männer haben da nicht mitzureden. Klar, bestenfalls tauscht man sich innerhalb einer Partnerschaft aus und findet gemeinsam eine Lösung. Es kommt jedoch vor, dass die Frau nicht möchte und der Mann eben schon. Und man kann eben kein halbes Kind bekommen. Daher sind die Männer im Nachteil und ich wüsste da auch keine gute Lösung, denn Frauen sollen durchaus über ihren Körper entscheiden (der Weg dahin war lang genug.) Aber wer hilft den Männern, wer nimmt sie ernst? Ich war vor einigen Jahren recht engagiert in diesem Bereich und ein Mann ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein Mann, den ich mehrere Monate intensiv betreut habe. Dieser Mann hat darunter gelitten, eine schreckliche Machtlosigkeit, niemand hörte ihm zu. Denn, dass er das nicht ändern kann, wusste er. Dann aber zu hören zu bekommen „sei doch froh, du musst nicht zahlen“, ist keine Hilfe. Dieser Mann hat sein Kind verloren und dies wurde allenfalls belächelt. Das Mindeste, was jeder tun kann ist, dass wir nicht wegschauen. Dass wir zuhören und diese schreckliche Trauer ernst nehmen.

Es ist nicht immer dieses vorherrschende Gesellschaftsbild des Mannes, der die schwangere Frau sitzen lässt.

Zum Ende noch etwas zur Gewalt an Männern. Und da nehme ich mich selbst auch kurz hoch. Zum einen: toxische Männlichkeit ist Gewalt! Seelische Gewalt ist Gewalt. Und körperliche Gewalt an Männern findet statt! Nur wohin wenden sich diese Männer? Wer holt sie da raus, aus diesen vier Wänden? Mir wurde von allen Seiten ein Frauenhaus geradezu aufgezwungen. Und was ist mit den Männern? Na, die sollen sich mal nicht so anstellen. Sei halt mal n Mann. Antworte am besten mit Gewalt oder nimm es hin. Diese Männer schweigen. Sie schämen sich und selbst wenn sie sich trauen, etwas zu sagen, versuchen Hilfe zu bekommen, werden sie extrem häufig (auf verschiedene Arten) abgewiesen. Männer, die grün und blau geschlagen und dabei unterdrückt werden.

Es ist normal nen Mann aus Spaß zu boxen. Ist doch ein Mann, der hält das aus. Muss er ja, weil er n Mann ist. Na und meist handelt es sich bei dieser „Spaßgewalt“ um sonst sehr liebevolle Beziehungen oder Freundschaften. Und da nehme ich mich mal hoch und sensibilisiere mich selbst und vielleicht auch andere, die an und für sich nicht gewalttätig sind. Denn das bin ich nicht. Ich meine das, was ich tat, liebevoll, begehrend. Nun, wir sind in unserer Beziehung etwas gröber. Ich mag das gelegentlich. Mein Partner auch und deshalb gibt’s meinerseits ab und zu einen Klaps auf den Po. Aber eben nicht immer mit seinem Einverständnis. Und da beginnt körperliche Gewalt. Er dreht sich manchmal weg, das sollte mir sagen, dass er das gerade nicht möchte. Und bisher habe ich darauf oft keine Rücksicht genommen. Mein Partner sagt dazu, dass es nicht schlimm ist. Und diese Aussage finde ich schlimm. Denn das sagt wieder das aus, was ich bereits geschrieben habe. Ein Mann muss das eben so mitmachen, was ne Frau will. Selbstverständlich verändere ich mein Verhalten.

Ein Mann hat immer das Recht zu sagen, dass er etwas nicht möchte und das muss so angenommen werden. Ein Mann darf nein sagen und dieses nein muss wichtig sein!


Das ist wieder so ein Beitrag, der mir unvollständig erscheint. Es passiert da so vieles, was nicht gesehen wird. Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass ich privat gern ein offenes Ohr habe und auch versuche zu helfen, wenn jemand Hilfe benötigt. Des Weiteren steht es euch offen, anonym in den Kommentaren eure Erfahrung/Geschichte zu teilen, wenn ihr einfach mal gehört werden wollt. (Ihr könnt mit falschem Namen und einer random Email-Adresse kommentieren, auch ich weiß/sehe dann nicht, wer ihr seid, falls ihr bei WordPress angemeldet seid, müsst ihr euch zuvor abmelden)

Leere

ein Entgleiten auf der Eisbahn
voll von Verliebten
im Zauber des Weihnachtsmarktes
liege in zerbrechlicher Mitte
und sehe das buntflimmernde Licht
Vorträge wehen zwischen kahlen Bäumen
mein Schweigen aber sitzt so tief
wie der Schmerz
der mir im Treiben um mich
die Leere im Ich zeigt

© Amy Herzog

Keine Rezension, aber ein gut gemeinter Ratschlag: David Wonschewski – „Blaues Blut“

Nun, das hier ist keine Rezension. Eigentlich hat mein Partner dieses Buch beim Gewinnspiel ergattert – und ich hätte auch eines gewonnen, hab’s aber kürzlich erst gesehen. Ups. Aber was soll’s, ich habe ohnehin alle Bücher digital und/oder in Druckform. Ja, manchmal habe ich beides, weiß auch nicht warum. Wollt einfach nur die Frage beantworten. 😀

Wäre ich bei der Arbeit, hätte ich dem Foto etwas BTM beifügen können. Hab dahingehend leider nichts daheim – daher einfach was schönes dazu denken. 😉

Aber das hier ist wie gesagt keine Rezension. Kann ich eh nicht gut, so etwas. Aber ich muss es halt jetzt schon dringend erwähnen. Ich liebs. Und ich werde es gewiss erneut erwähnen, wenn ich fertig bin, denn ich habe heute erst angefangen zu lesen – das Vorspiel und das erste Kapitel. Inhaltlich, dazu komme ich gleich, aber eben nicht besonders umfangreich. Der Schreibstil ist aber, wie auch schon in seinen anderen Werken, ist kaum zu übertreffen, höchstens von Schreibern, die bereits, wie soll’s auch anders sein, tot sind. Okay, ich lese halt auch nicht alles und so selten Romane. Aber ich bin ja auch kein Kritiker. Oder Rezensent. Kann mich mit Fantasie so schlecht arrangieren und brauche (für mich) greifbares. Nun, und dieses Buch ist, wie auch die Vorgänger, nicht nur zum greifen nah, sondern vom ersten Satz an in mich eingedrungen, in die Psyche. Ich finde die Bücher also alle gut, mein Lieblingsbuch bisher bleibt aber „Geliebter Schmerz“. Das Video bzgl. des Selbsttötens finde ich dazu auch sehr prägend und kann’s halt aus eigener Erfahrung bestätigen.

Wobei ich sagen muss, dass „Blaues Blut“ möglicherweise auf Platz 1. rutschen könnte. Es ist eben wieder wirklich ganz besonders tiefgehend. Und für mich gerade nur häppchenweise zu konsumieren. Mir gefallen die Zeitsprünge, ich nehme an, dass ich dadurch mehr erfahren werde, wie es so kommen konnte, wie es kam. Abwechslungsreich, aber ohne den roten Faden zu verlassen, auf den Punkt kommend, während des Abschweifens. Und es ist stets der Nächste Satz, der einen über sich selbst, über die Gesellschaft im Allgemeinen, oder gar über eine spezielle Person nachgrübeln lässt.

Hier auch noch mal der Trailer, zu dem Buch, um das es hier eigentlich geht.

Das Vorspiel ließ mich kurz die übliche Frage stellen, die ich mir bei jedem Werk zuvor auch schon gestellt habe: Wie viel Wahrheit und wie viel Fiktion liegt darin? Und ist der Autor wirklich so…ähm…stellenweise irre…(lieb gemeint ;-)) oder die Fantasie ganz besonders rege, also wirklich ganz besonders? Diesen Gedanken konnte ich dieses Mal sehr schnell verwerfen, denn: Ich muss ja davon ausgehen, dass das alles nur ausgedacht ist – oder zumindest überwiegend. Wenn ich mich aber tatsächlich darin wieder finde, und ich mag gar nicht sagen wie viel, dann bin ich die Irre, oder? Bedenklich, oder? Nun, beim Vorspiel muss ich sagen, hatte ich das Gefühl, dass entweder der Autor selbst gestorben ist, in dem Fall könnte ich dieses Buch nicht lesen, oder nun, eben der Erzähler und dieser „IM Krebs“ dieser Geschichte nicht die Selbe Person ist, nicht immer, als hätte einer einen Mord begangen und der andere nicht. Ich weiß weder, wer gestorben ist, noch weiß ich, wer einen Mord begangen hat. Ich wechselte zwischen Frankenfelder sehen und Frankenfelder sein. Genau so wie auch der Erzähler, so mein Gefühl.

Wieso will ich mich nun nackt in Scherben wälzen? Hm. Ach, inzwischen bin ja auch ich mehr die denkende und tippende Person. Aber ja, einfach nackt in Scherben wälzen, klingt halt auch interessant. Es war zumindest sehr prägend, dem Frankenfelder dabei zuzuschauen! Ein bisschen Lust, ein bisschen leid, ein bisschen Fassungslosigkeit, Unglauben, dann wieder ein Grinsen. Ich habe das Blut schmecken können!

Der Abschnitt „Frankenfelder allein in seiner Wohnung, 2016“ hat mich ganz besonders angesprochen. Fast schon aus mir heraus gesprochen. Haaresbreite sozusagen. Also, wieder bedenklich, oder? Ich möchte einen kleinen Teil zitieren, welcher mir ganz besonders nahe ging. Die Entscheidung war da sehr schwer, aber ich habe eine getroffen. „Nein, nichts und niemand kommt noch hier hinein. Nicht in meinen Kopf, nicht in mein Herz, nicht in meine Wohnung. Und ich, ich gehe nicht mehr hinaus.“ Ja, da fehlt der Kontext. Der steht in den Sätzen davor, die halt wirklich gelesen werden sollten. Das soll viel mehr ein unheimlich guter Ratschlag, als eine Empfehlung sein. Beim Autor persönlich zu erwerben, einfach per Mail: (ich verlinke HIER), oder eben die langweilige Variante: bei irgendwelchen Großkonzernen. Und um euch Zeit zu sparen – die anderen Bücher sind halt genauso dringend lesenswert.

Btw. Die Idee mit den QR-Codes find ich toll. Habe aber erst den ersten angehört. Und werde das auch weiterhin so machen – erst das Kapitel lesen und dann gibts den nächsten QR-Code. 🙂

Autismus Erfahrung: soziale Interaktion (Fragen)

Ich dachte gerade an eine total banale Situation auf der Arbeit, welche auch schon zwei Monate zurückliegt. Kurze Beschreibung: Ich machte Übergabe nach einem Nachtdienst mit einem Kollegen. Dieser sagte zu Beginn, dass er zwei Wochen Urlaub hatte und demnach wissen wollte, was im Groben in diesem Zeitraum gewesen ist. Darauf entgegnete ich, dass ich ebenfalls die erste Nacht hatte und davor ebenfalls zwei Wochen nicht da war und daher nicht allzu viel weitergeben kann. Er fragte ob ich auch Urlaub gehabt hätte, jedoch hatte ich einfach nur frei. Weiter fragte er, ob ich denn irgendwo gewesen wäre (ich nehme an, dass er meinte, ob ich verreist bin). Ich sagte nein. Und nun, zwei Monate später fällt mir ein, dass es höflich gewesen wäre zu fragen, ob, wo und wie er denn seinen Urlaub verbracht hatte.

Solche Kleinigkeiten beschäftigen mich tatsächlich, ganz zu schweigen von den Dingen (bezogen auf Menschen), die mich tatsächlich interessieren, diese Dinge beschäftigen mich nämlich nahezu endlos.

Trotzdem stelle ich fast nie Fragen. Dabei ist es gar nicht so, dass ich keine Fragen hätte. Ich habe sogar sehr viele Fragen, an und über alles mögliche, wieder betreffend der Menschen oder Themen, die mich interessieren. Alles in allem platzt mein Kopf vor Fragen. Früher habe ich des Öfteren die Fragen direkt gestellt, die mir in den Sinn kamen. Das wurde mir aber irgendwie ausgetrieben. Stattdessen bin ich so gut in Recherche geworden, dass ich den Zweitnamen deines Hamsters kenne, den du dir in drei Jahren kaufst. Nur so als Beispiel. Trotzdem habe ich eine Menge Fragen, die ich nie gestellt habe bzw. nie stellen werde. Es ist auch mit Abstand der chaotischste Bereich in meinem Kopf. Eine spontane Frage davon könnte ich nicht stellen.

Sehr selten ergeben sich Situationen, die es mir erlauben, eine dazu passende Frage zu stellen, die dann zufällig eine der Fragen ist, die ich mir so oder so ähnlich ohnehin gestellt habe.

Was ich ebenfalls sehr gerne mache: Fragen stellen, wie bei einem Idiotentest. Noch seltener die Gelegenheit. Aber es ist sehr aufschlussreich, Fragen öfter zu stellen, anders zu stellen und die Antworten miteinander zu vergleichen. Ich glaube dabei nicht, dass ich bewusst angelogen werde, aber ich weiß, dass sich Emotionen und Erinnerungen gerne vermischen und ein Bild verfälschen. Daher ist es immer spannend, Antworten zu vergleichen. Darüber hinaus verschweigen einige Menschen ihre tiefen Empfindungen, spielen Empfindungen nur vor und/oder nichts davon passt zu den Aussagen oder Handlungen. Ich finde das sehr verwirrend. Ich komme mir also grundsätzlich verarscht vor. Es fühlt sich an, als könnte ich Menschen sehr detailliert lesen (ich wurde früher als „Gedankenleserin“ bezeichnet, es war beleidigend gemeint), andererseits kann ich kaum etwas davon bewusst entschlüsseln. Und das Ganze ergibt einen schweigsamen Superschurken mit einem gigantischen Fragenbrei.

Ich mag es jedoch, wenn mir Fragen gestellt werden. Denn welche Fragen sich mein Gegenüber stellen könnte, weiß ich fast nie. Nur bei meinem Partner sind diese inzwischen manchmal sehr vorhersehbar. 🙂 Die meisten Menschen kennen jedoch diese Grenze, nicht allzu direkte Fragen zu stellen. Ich erkenne keine Grenze, wenn sie mir nicht aufgezeigt wird, ebenfalls ein Grund, weshalb ich einfach keine der Fragen stelle. Der Vorteil, wenn mir Fragen gestellt werden ist der, dass ich diese oder eine ähnliche Frage zurückstellen könnte. Sofern sie mir spontan in den Sinn kommt…und eben nicht erst Monate oder Jahre später.

ich bin nicht mehr

Stehe unter Scheinwerfern
auf einer Bühne
so gigantisch
dass mich niemand sehen kann
ohrenbetäubende Schreie
übertönen meine greifende Hand
die Seelenstücke
ziehen gebrochen an Gondeln vorbei
ins Schlachthaus

Dieser tief verankerte
täglich neue Wurzeln schlagende
mit Spinnweben fixierte
Harz tropfende
im Mondlicht schimmernde
stumm vibrierende
zerfressende
alles umgebende

In der Kälte
tropft es im Rhythmus
meines verschollenen Herzens
auf nassen Beton
aber ich bin nicht mehr
nicht mal mehr Geschichte

© Amy Herzog

Beerdigung

sehnsucht liebt leben 
leben stirbt
und ich spiele auf der beerdigung 
die hauptrolle 
dabei kannte ich leben nicht 
die sehnsucht legt sich in hoffnungslose arme 
und weint bitterlich 
mir hingegen wird einfach nur kalt 

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: kleiner Ausflug zur Kommunikation

Eigentlich schreibe ich gerade an einem ganz anderen Thema, dieses Gedicht inspirierte mich jedoch zu einem kurzen Ausflug zum Thema Kommunikation.

Dazwischen...

Ich lese Wörter und verstehe, 
was ungesagt dazwischen steht, 
das was gemeint, nicht angesprochen, 
doch unverkennbar eingenäht.

Es ist mitunter klar ersichtlich, 
das andere dann wohl verdeckt, 
in der Metapher liegt die Wahrheit, 
egal wie gut sie sich versteckt.

Ich liebe Worte wie die Sprache, 
zum einen blumig, manchmal platt, 
die Höhen, Tiefen eines Ausdrucks, 
sie schauen wohl auf Dich herab...

© Maccabros 02./03.08.2022

Das ist so ziemlich die Antwort auf die Frage: Was ist das Problem (in der Kommunikation) zwischen Autist:innen und nicht-Autist:innen. Die Kommunikation von Autist:innen kann verbal und nonverbal sein, aber sie ist gewiss immer direkt. Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel, ich bin jedoch keine Ausnahme.

Die Frage, die ich mir grundsätzlich stelle ist, ergibt es Sinn, was ich sage, oder dass ich etwas sage? Bringt es mir oder der anderen Person einen Nutzen? Oder ist es Zeitverschwendung? Ich hasse Zeitverschwendung. Womöglich schadet es mir, etwas zu sagen? Wie/Was ist der langfristige Sinn?

Wenn ich also meine Frage mit einem begründeten ‚ja‘ beantworten kann, dann sage ich direkt, was ich sagen möchte. (Ich habe zwar auch Schwierigkeiten, richtige Worte zu finden und verliere mich daher oftmals in Erklärungen, dennoch meine ich das was ich sage.) Da steht nichts zwischen den Zeilen. Es gibt keinen Grund etwas anderes hineinzuinterpretieren. Auch dann nicht, wenn ich schweige. Denn wenn ich schweige, dann nur, weil ich diese Frage mit ’nein‘ beantwortet habe (Das kommt bei mir eher selten vor, meistens beschäftigen mich keine sinnlosen Gedanken). Sinn ergibt dann nur noch das, was ich eigentlich hätte sagen wollen, abzuhaken. Und ich verschwende keinen weiteren Gedanken daran.

Wenn ich etwas nicht sagen möchte, sage ich aber immerhin, dass ich etwas nicht sagen möchte.

Denn einen Sinn ergibt es ja bereits, wenn es mich, mein Empfinden oder was auch immer, erleichtert. Wenn ich jedoch dahingehend kein Bedürfnis habe, ist selbst der kleinste Sinn hinfällig. Mein Schweigen bedeutet also nichts. Man könnte auch sagen, dass mir Betreffendes egal ist.

Es steht nichts ungesagt dazwischen, es ist nur das gemeint, was gesagt wird/wurde. Nichts verdecktes. Keine Metaphern.

Niemand hat einen Nutzen davon, wenn Kommunikation schweigend oder durch eine Blume stattfindet.

Selbst wenn das ein oder andere Gesagte einen selbst, oder andere verletzt.

Ich bin jedoch bemüht, sensible Themen möglichst emphatisch zu besprechen. Mich jedoch in Euphemismen zu verlieren, habe ich nahezu komplett abgelegt. Eine Weile lang habe ich mich damit sehr intensiv beschäftigt. Bringt aber nichts.

Mir ist klar, dass nicht-Autisten sehr häufig so kommunizieren, wie im Gedicht beschrieben. Äußerst anstrengend. Ich tue mir selbst den Gefallen und verstehe ausschließlich das, was gesagt wurde. Ich lege zunächst meist nur wenig Bedeutung in die Worte und warte ab, ob sie der Wahrheit entsprechen (das offenbart sich meistens recht schnell). Und Schweigen hat für mich gar keine Bedeutung. Unterm Strich liegt in der Kommunikation viel Unwahrheit und viel Nichts. Es bleibt oft nervtötend und anstrengend.

Autismus Erfahrung: Skurrile Spezialinteressen

Ja, solche gibt es auch. Häufig werden sie nicht als solche erkannt, weil es ebenso eine Vorliebe sein kann. Bei Autist:innen kann das jedoch reichlich ausufern. Natürlich gibt es auch nicht-autistische Menschen mit Sammelleidenschaft. 🙂

Zum Beispiel eine Farbe. Jeder hat wohl so seine Lieblingsfarben. Sollte es sich aber um ein Spezialinteresse handeln, trägt nahezu alles diese Farbe. Dinge werden gekauft, weil sie in dieser Farbe sind. Die Wohnung, die Kleidung, selbst die Haare werden in diese eine Farbe getaucht. Vom Duschgel, über den Toaster, bis hin zur Bettwäsche und über den Löffel. Alles muss diese Farbe beinhalten.

Auch das Sammeln von Dingen, ob nun Figuren, Streichholzschachteln oder Nagellacke. Man kann schließlich alles sammeln, nicht nur sinnvolles/lehrreiches.

Bei mir waren es schon einige Dinge im Laufe meines Lebens. Zuletzt habe ich mich von meiner Glubschiesammlung getrennt. Sehr schweren Herzens, denn sie mussten, bis auf wenige Ausnahmen, allesamt im Bett aufgereiht sein. Nun, ich habe nen Partner. Es wär wohl komisch gewesen, den Kerl zu entfernen, um die Glubschiesammlung zu erweitern. Ich habe also einen auf erwachsen gemacht und die Tierchen verkauft. Das Blut aus meinem Herzen fließt noch immer. Aber, wie das so ist, es gibt sinnvolleres.

Meine Eulen sind aber noch in jeder Ecke meiner Wohnung aufzufinden, in allen möglichen Formen und Farben. Eigentlich müsste ich mal alle zusammensuchen, aufreihen und fotografieren. Vielleicht mache ich das mal nachträglich. Bin jedoch ganz glücklich, wenn sie an ihren Plätzen bleiben. Ich kaufe zwar nur noch selten neue, aber trennen kann ich mich auch nicht.

Ich liebe darüber hinaus Übertöpfe. Solche, die nicht aussehen wie alle anderen. Und statt Blumen freue ich mich riesig über einen weiteren Kaktus. Aber auch diese Sammlung ist überschaubar, weil es mir eben gefallen muss. Meistens bekomme ich diese Dinge geschenkt.

Eine Sache wäre da noch…Die ist offengestanden schon etwas peinlich. Trotzdem teile ich sie mal, eigentlich wollte ich das nicht. Nun, ich habe ein Stofftier. Eine Ente. Sie ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation für mich, ich würde sie auch als Spezialinteresse bezeichnen. Dieses Tier hat inzwischen eine komplett eigene und extrem detaillierte Persönlichkeit und auch eine eigene Stimme. Selbstverständlich verstelle ich meine Stimme. Manchmal habe ich die Sorge, dass meine Stimme einfach so bleibt, so quietschig. Niemand würde mich noch ernst nehmen, so auf Helium. Für meine Arbeit ist sie allerdings praktisch. Wenn ein/e Bew. schlechte Laune hat, kann ich mit dieser Stimme die Stimmung direkt erhellen. 🙂

So etwas kommt bei Autist:innen häufiger vor, bzw. ist es mir schon häufig begegnet. Ja, es haben sich schon lange Gespräche ergeben, die die Stofftiere geführt haben.

Nun, da kann man jetzt denken, was man will. Garantiert bin ich aber irrer, als man es sich vorstellen kann. Dafür kann ich bei ner Wassermelone anklopfen, um den Reifegrad zu prüfen. Ha!

Nun, ich sammle auch noch andere (theoretisch sinnlose) Dinge, aber nicht viele und auch nicht allzu ausufernd. Ich bin wählerisch. 🙂

  • Als nächsten Beitrag würde ich gerne etwas über die Synästhesie (Link führt zum Wiki-Eintrag) schreiben. Ein paar wenige zusammengefasste Fakten, wie ich das gemerkt habe und was genau ich damit so machen kann (ich bin Synästhetikerin). Hat nichts mit Autismus zu tun, ist eher ein sinnloses Talent, trotzdem irgendwie spaßig. Dazu gerne mal eure (vor)Namen oder die Namen eurer Freunde etc. in die Kommentare schreiben. 🙂 Oder Lieblingsworte (Sprache egal), Zahlen (z.B. Geburtsdaten oder so) oder ein bestimmtes Lied. Das wäre ein wenig persönlicher. 🙂

Kaltes Herz


Suche nichts, mein Liebster
was nicht gefunden werden kann
kein Kompass ist dein
und die Sternbilder blenden
mein Herz in der Truhe
am Grund des tiefschwarzen
schimmert nur an der Oberfläche
anmutig salzigblautürkis
dein Herz aber muss schweigend still
zwischen den Welten verloren
gehen, leiden, enden
wenn’s mein erkaltetes Herz
schlagend finden will

© Amy Herzog

Spontan ans Meer

Mir ist, als atmete ich 
seit einer endlosschleifenden
hinkenden, aussichtslosen
Ewigkeit nur noch ein

264 kilometer mal zwei
spontan über Belgien
ausbrechen ans Holländische Meer
einfach, um auszuatmen

Um tief zu atmen
befreit, in einsamer Stille
mit dem Meer vereint
spüren, nur mich

Weit über meine Grenze hinaus!

Aber ich atme.

Ich atme!

(c) Amy Herzog

liegen

46/79
scheintot
aber mein Puls kämpft
mit Extrasystolen ums lieben
und wenn’s verschwiegen
ein Ende finden kann
dann bleibe ich
endlich
liegen

© Amy Herzog