Lyrik

Wie lange

Ziehe graue Fäden
Asphaltiert &
Scherben mit jedem Schritt voraus
die Gassen längst müde
von lächelnden Lügen und morschem Holz
durch die ewige Nacht

Die Erinnerung Klopft
sich weich
& nichts als streichelnde Märchen
hinter jeder Tür
& tief in mein letztes Sein

Meine Zunge
trockener
Durst und Zeit

Wie lange
Wie lange
Wie lange
dauert denn die Ewigkeit?

© Amy Herzog

Das Land, das mich lähmt.

Ein starrer Blick in die Ferne
Regen, Traum & Trümmer
drei Fingerrotelippenbreit gelähmt
kippt das Land

und ich, ich habe Angst.

Der Wechsel zwischen ich kann
und will nicht mehr atmen
weil jedes Wort
das alte Blut in meine Lungen schneidet

Und dann schweige ich
zerbrochenes
Glas
klirrend in die Nacht
wirkt ein Augenblick friedlich
bevor wir unser Ich
blond färben

© Amy Herzog

Für weitere Worte, Bilder & Kunst: Instagram: @amy_darklyrik

Endlich Nacht

Verliere meine Unschuld 
an das Licht
und die Hoffnung
mauert etwas Einsamkeit
zwischen den bröckelnden Kitt.

Was täglich fragmentiert
hält nicht mal einen Regen lang
für den Leim.

Und dann falle ich
ins Beiläufige
während die Zeit hämisch lacht
laufe wunde Kniekehlen
Dämmerung
und endlich Nacht.

©️ Amy Herzog

Leises Sehnen

Ich fürchte mich 
hier
und weiß nicht wo das ist
noch immer schwirrend
träume dich
alt-verzinkter Greis
klirrt in jeder schwarzen Nacht
dein schwacher Geist
zwischen vergilbten Büchern eingestaubt
und schimmert grün, cyan
an meinem Firmament
ein leises Sehnen


©️ Amy Herzog

Stundenglas

die Tage sind Wasser 
und der Himmel fällt aus Sand
Stundenglas
ich treibe tief in dir
ohne zu wissen wo
und ich treibe mich selbst
zum Grund


© Amy Herzog

Du bist die Ernte, Geist

       Du bist die Ernte, 
Geist.


Tag für Tag
eingestaubte Lider
in deinem aufgewärmten Bett
glattgebügelte Seiten
in einem mittelmäßigen Buch

Schreiben musst du
die getrockneten Schalen
bevor du zerfällst

Immer einen Trommelwirbel
weit entfernt
träumst, schläfst, fällst
und schlägst dich
in die stickigen Strudel

Stehst doch wieder
auf
und lächelst lechzend
einsam
eine Seite um


Du bist die Saat,
Staub.



© Amy Herzog

Nichts mehr

Webe Lilien ein in meine Erinnerungen
auf moosgrünem Teppich
das Herz pocht den verregneten Nachgeschmack
von Gruft und Stein

Lege die Lieder ab
(eine aussterbende Art)
& tanze eingestanztes Glück gleichgültig
stumm verstimmte Tasten
in den Abend

Da ist nichts mehr
zu leiden, nichts zu wüten,
nichts zu lieben.

Nicht mal mehr den Schmerz.

© Amy Herzog

Da ist:

Statt zu fliegen –
liege ich also
Ruh!
in den reißenden Flüssen
deiner klammheimlichen Blicke
und mache jede Nacht
zum Winter

Blauschatten schweigt
unter sanftschwingenden Ästen
Blätter schwärzen
schlafend den Mond
in die Tiefen
deiner unbarmherzigen Angst

Flüstere den neuen Text
in Wasserfarben
mit den Resten vom vergangenen Schnee

Da ist noch etwas Wahrheit:
hinter deinem Wahn
etwas Sehnsucht auf der Fotografie am Horizont
& die nackte Liebe
zeigt den zerbrechlichen Morgen

© Amy Herzog

SOMMER

Also fliege ich
über den unruhigen Sommer
trinke die Hitze
aus euren Gärten und das Glück
wie Asche in meinem Mund

Kämpft noch
brüllen diese Wälder
lacht noch
nach dem Ende

Dacht es sei der Himmel
oben
war nur kühler Wind
der mich in die Sehnsucht trieb
und ich –
die sich noch immer in jeder triefenden Nacht
nach weit entfernten Sternen
streckt

© Amy Herzog

SEELENFRAGMENT

„ … Vielleicht fehlt mir die Verwundbarkeit ein wenig. Immerhin war es dir egal, ob wir die Gipfel aller Berge erklimmen, oder von einer Klippe ins bodenlose springen. Wie ein tobendes Kind hast du meine Hand fest gepackt und mich mitgerissen. Jetzt, wo du nicht mehr da bist, fühlt sich jeder Schritt stillstehend an. Ja, vielleicht fehlt mir der Wind im Haar und die Schweißperlen auf der Stirn. Und dann das Lechzen nach einer kurzen Pause. … “

© Amy Herzog

Zwischenzeit

lose hängst du vom stammplatz
deiner furcht
und misst die distanz
zwischen zwei punkten aus deiner erinnerung

aber wir sind nicht messbar
waren wir nie nicht so

nur meine innenseite kehre
ich nach außen
in der zeit vollkommen
korrodiert

© Amy Herzog

Tausend Tage & eine Nacht

nach tausend morgen 
gestern
doch vergessen,
und selbst dem drang mich zu erinnern
gebe ich keinen raum.


© Amy Herzog

Sonntag

~ Sonntag
die Lider aufgeschlagen
einen Sonnenaufgang weit entfernt
aus den Dornenhecken singt das Gutachtenlied
~ ermüdendes Gesangsheft
sehen wir der Wahrheit ins Gesicht
brav der Bürger frisst, brav
geht er zu Bett

©️ Amy Herzog

Insgeheim

Die Nacht knistert
Romantik
aus deinen tropfenden Gedanken
ich trinke dich in mich
hinein

©️ Amy Herzog

Was ist Liebe

Sage mir
Sage mir
was ist sie, die Liebe
wenn nicht nur ein Mythos
zwischen Tabakresten oder Sand
deinen Beinen und
verdunkeltem Meer / so süßes
ist heiß in meinem Geist verbrennt das Eis
und doch friere ich und verliere
meinen Verstand

Sag, was ist sie, die Liebe

© Amy Herzog

wie fließend wir jeden tag
die sprache sprechen
aber jetzt, wo wir uns nahe stehen
stottern wir das erste mal
über den selben riss

© Amy Herzog

Wo bin ich

Drückst mich wieder
an die Wand
& ich geb‘ mich cool
schreibst mir mitten in der Nacht
fragst nur: „wo bist du?“

In dem Chaos, das du machst
spiel verstecken, tagelang
steht dein Wort in meiner Hand
& mein Kopf hängt
in der Luft

Schweige runter, schwarzgebrannt
„weiß nicht“, sag ich
… irgendwann
hab‘ mich zu tief in dir verrannt

Deine Nachricht in der Nacht
fragst: „wo bist du?“
doch ich schau dir schockstarr zu
& ich weiß nicht, wo ich steh‘
doch hab Angst,
dass du am Ende gehst

© Amy Herzog

So müder Honig sehnt
& schweigt auf deiner Zunge
wilder Hunger
schwankend schwappt die Nacht
mein kaltes Wort
in meine schwere Lunge
weißen Wein

So tropft auch deine tiefe
Lust in
mein hohles Gefäß
& schmeckt ein einz’ger Kuss
nach ganzer Welt
wie Funkenflug den lang ersehnten Sommer
in mein wundgeschminktes
Herz gelegt

© Amy Herzog

@amy_darklyrik

Trauml(i)eben

Leere die See
in mir
& schließe mich ein in die Nacht
sacht, sag ich
zwischen Pflastersteinen
ruht Wildkraut geheimnisvoll im Schatten
& trinke ich den Mondschein
so ruhe auch ich
im Traum

& kann ich sein
schleiche ich leise unter deinen Füßen
zwischen Handel & gehandelt
werden verderben
die Menschen lauter Dinge
und schauen nicht
mehr hin

Langsam, sag ich
Traum
so nackt will ich dich spüren
im zarten Kuss & Duft aus weichem Bart
auf meiner Haut
& schweig! –
bis uns der Morgen
Ende graut

© Amy Herzog

– FIN –

Leichenstarrenliebe &
hässliches Herz
so graues Fleisch um rote Lippen
& ein totgefahrenes Wort

  • Fin –

© Amy Herzog

Mehr gibts bei Instagram: Amy_Darklyrik

Ich weiß nichts von liebe

Ach Mensch, ich weiß doch nichts
-nichts von Liebe
weiß nur, ich kann mich dreh’n
& wenn ich an dich denke
Mensch, ich weiß doch nichts, nichts
nichts von der Liebe
aber dann –
dann bleibt die Welt
einen Moment lang steh’n

Ach Mensch, ich weiß doch nichts
-nichts von Liebe
weiß nur, dass diese Welt mich beißt
& wenn ich daran denke
Mensch, ich weiß doch nichts, nichts
nichts von der Liebe
aber verdammt –
dann bleibt mir nur die Angst
die mich zerreißt

(c) Amy Herzog

Leinwandlyrik „vielleicht tut es weh“

VIELLEICHT TUT ES WEH

Inspiriert durch den neuen Song „KOMET“ von udolindenberg & apache 207

„Vielleicht tut es weh“ ist hier ein Zitat aus dem Song. Ganz bestimmt tut es weh, aber wir machen’s trotzdem.
Oder gerade weil.

Etwa 4 kg Gips, Acryl und Pigmentpulver auf Leinwand, ein Kometeneinschlag quasi.

Nacht

Deine Lippen schmecken
nach längst vergangenem Zauber
& dein Pulsschlag
säuselt noch den müden Gesang von
Herbstblatt & Salz
in die Himmelsaugen der
letzten Nacht

Dein Hals aber duftet
nach Mondlicht & legt sich
auf meine Wange
wie heißer Atem aus meiner Brust
& kocht dir meine Stimme
hingebungsvoll weich

Stoß um Stoß
entblößt sich dein verletzter Kern
wie der Sonnenaufgang
am Horizont
& deine Lippen zittern
mit dem Blick gen Ewigkeit & mehr
in die tiefen Augen unserer
Träume, Nacht & Meer

© Amy Herzog

nicht Ich

Kann nicht denken
an Ich

Zu viele male
von Tür zu Bett & nicht
& dann die Distanz
zwischen deinen Worten
reichen mir nicht
den Wein

Trotz aller Bewegung stehen wir
still und verbrennen
allein
Flugzeuge oder Schmetterlinge
mit einem Drink
zur Nacht

Kann nicht denken
an Ich
& dann sind wir zu Ende
in Tränen beim Sex
an nichts verschenktes Sein

denk Du an mich

© Amy Herzog

[hier Gefühl einfügen]

fließendes herz
wachs & verbranntes kind
in deinen nächten
kratzt & lahmender puls
verliert sich ich
zerfällt der anfang an den tod

und weil sie plötzlich so kalt sind
wie zerstreuter zigarettenrest
in deiner brust
treibt dich die liebe
in den nächsten kalten schoß

© Amy Herzog

Flucht

Legst dich nackt nach Innen
außen denkt die Furcht
ein zitterndes Reh in die Scheinwerfer
deines Lebens
so müde Schatten träumen sich an deine Wand &
decken das Dach neu in blau

-soll doch wirken
warm schlucken deine Lügen
kotzen neue Knospen vom Grauschleier
deines Bildschirms
bittere Säure in das Bett

& dein welkes Fleisch
dann doch so brüchig zart darunter
flüchtig suchst du Zweifel
durch ein Nadelöhr
hach & flüchtend gibst du
dich darin auf

© Amy Herzog

Sodium

Lebst du
weil du rennst
selbst wenn du ruhst
du menschlicher Mensch, Narben
& Liebe doch verdammt
noch fühlst

Nacktes Fleckenherz im dunklen Wald
hinter dir ein Rudel hungriger
Angst der Nähe wegen
& sitzt noch auf deiner Bettkante der
abgestandene Geruch
ihrer & dein totgefahrenes Wort

Lebst du
weil du rennst
selbst wenn du ruhst
rennst du davon
& ertränkst dich im Abendgebet
in Sodium, Freiheit
und Kältetod

© Amy Herzog

Unaussprechlich

Unaussprechliche Gefühle
kippen in die Innenseite meines Blickes
-trüb
treibt der Rest
wie morsches Geäst einsam aufs offene Meer hinaus
& ergießt sich im ewigen Regen

Tauchen, laufen,
triefen
noch am schwarzen Grund
in Liebe, Dreck und Algen kriechen
fließen schon so lange keine Tränen mehr

Treibe nur, & fühle
atme meinen Durst der Nacht
& kaltes Meer

© Amy Herzog

Fallender Winter

Die Fahrt fühlte
Winter
Regen an den Scheiben
Tränen zählen
endlos schleifendes blau
zwischen Bahnsteig & endlich
wieder Luft
so viel, zu viel grau

Aber Wärmender
& glänzend braune Augen
überdecken die eingegangene Welt
in der nichts & niemand
den Anderen hält

Wenn auch nur einen Moment
er fällt, der Winter
er fällt

© Amy Herzog

Eispalast

Tränen im Eispalast
& zitterndes Seidenpapier hält stand
Kälte & Angst
küsst noch jede Scherbe in dir
das tiefe Loch
deiner brüchigen Wand

Nur wann, wann
fällt’s
in die Unendlichkeit hinein
wann – fragst du
& kein Weg mehr zurück
wann wird’s dein
Ende sein

Wann

© Amy Herzog

Nähe oder auch

diese Nähe
in deinen Worten
oder
auch Bedrängnis
Gier & Lust aus dem Schweiß
deiner zitternden Poren

ich ertrage nicht, was so schwer
in den Bildern schlafloser
Nächte liegt
Seiltanz zwischen
dir & dem,

was von mir übrig ist

ich schlucke deine
meine unsere
Tiefe
& die Welt
in der wir überkochen
jetzt

 © Amy Herzog

Mehr.

Atmen, stöhnen, spüren
tief verbunden – tiefer sein
intensiv berühren starke Hände
heiße Haut
Gedankenlosigkeit
verzehrt
Sehnsucht trieft, bettelt, kratzt
fleht nach mehr
mehr wollen
mehr

© Amy Herzog

Brennen

ROSENTOD

Von dir geht aus -
Blühen & leises umschmeicheln
sanft & sehnen! zu Ich
geronnen - auf deiner weichen Haut

Nur das abweisende Weiß deiner Augen
dünnt mein Wasser / Wunden
Blut & Sickergruben
vom Dorn zur Rose, Kopf & Liebe &
/-Ich / verglüht
& stirbt im stillen Ende

den dürstenden Tot.

© Amy Herzog

Vielleicht

Vielleicht muss es so weh tun, damit die Echtheit sichtbar wird…?

© Amy Herzog

eins

Du 
nackt in mir
& Seeleneins
geworden
wir

© Amy Herzog

Regen

Regen.
      .
       .
        
        Jede Nacht - 
        dieser verätzende Regen 
        auf meiner Haut
        & vor sich hinneigendes kleines
Herz 
        

Und Träume. . . 
          Träume 
        vom roten Luftballon,
        der sich hinter den dichten Wolken       verliert 
        & dann sich selbst/
        verstummt - 
        & von einem einsam 
verlassenen Greis 
        zwischen Trümmern & Zeit 
        in einem Schwarzweißfilm gezeichnet & 
        - bevor ich mit 
stolperndem Herzschlag erwache - von dir.
     Von dir. 
            Von d
                 i
                  r
                   .
                    .
                     .
        
        Und vom Regen -
        ätzend 
        Scherben im Asphalt
& rote Augen, Wangenknochen 
               nass & Nebel 
   
        Regen. 
        Regen. . . . . . . . . . . . . . . 


© Amy Herzog

.

Wenn Liebe Kunst wäre

Mein Herz schlägt
noch, ja, aber:
die Geschichte hat keinen Saum
nur eiternder Abszess – wann blutest du
aus mir heraus?

Dem Kinderreim
raubt es mittendrin die Luft
und den Verstand!

Und dann soll das Kunst sein:
künstlerische Freiheit
& dann schaue ich dir, wie in einer schnulzigen Seifenoper
mit leicht sehnsüchtigem Blick hinterher,
während ich in Wahrheit
nur gehe

(In mir tobend, implodierend
da ist kein Blick – das ist nur Kunst
wenn Liebe Kunst wäre.
)

© Amy Herzog

Beichte #1

Sie sucht nach ihm in den Armen fremder Männer.

© Amy Herzog

Gelesen: Kafka

Zum Text: Hier

Schlaf, Schlaf, Schlaf

Schlaf, Schlaf immer
nur Schlaf & Traum & Meer
weil dir die Nacht
so viel mehr gibt, als das Leben
ist immer zu leer &
Momente fressen Schokolade
& dann dich
zum Frühstück gibt’s Dynamit,
damit der Tag dich
überrascht
& nicht

© Amy Herzog

Gelesen: lösch mich aus!

https://amydarklyrik.com/2022/11/24/losch-mich-aus/