bunte schleifen um mein hirn
die augen verbunden
– du hast
wie bist du und
woher sind all die träume
schlaf und wach
und bist du zwischen allem und
nichts blinzelndes ich
– du allein
in meinen wimpernkranz
und warme tränen
eingefasst
© Amy Herzog
bunte schleifen um mein hirn
die augen verbunden
– du hast
wie bist du und
woher sind all die träume
schlaf und wach
und bist du zwischen allem und
nichts blinzelndes ich
– du allein
in meinen wimpernkranz
und warme tränen
eingefasst
© Amy Herzog
springe in den tiefen Ozean
deiner Seele
(dem hilflosem Kind)
zähle die Narben
wie Ringe auf totem Holz
küsse jede davon
und halte dich ganz fest
bis du an Land schwimmen kannst
oder uns die Strömung deiner Sehnsucht
(Hand in Hand)
ins Sternenmeer entführt
© Amy Herzog
Augen glänzen
wie nasse Kirschen im Juli
aber der Geist spricht
mit den Worten eines Kindes
das die Liebe
noch nie verloren hat
© Amy Herzog
schreibe dir meine
Wahrheit
auf Raststättentoilettenpapier
und inhaliere beim
scheißen
den Rest vergangener Tage
wische die Unschuld
gegen den Strich
und trage dir in nassen Ärmeln
tropfend mein Blut
ans Messer
damit du diese kranke Haut
zu Pfeil und Bogen
schnitzt
© Amy Herzog

Da ist er: der kurze Moment, in dem sie denkt: „Nein, sei vernünftig, lass die Hände davon, das hast du als Kind schon gelernt. Die Herdplatte ist heiß, sie ist es! Du musst das nicht näher prüfen!“ Und trotzdem legte sie ihre kleine Kinderhand immer wieder darauf. Na, und nun legt sie eben ihre inzwischen größer gewordenen Hände darauf. Nicht mehr auf die Herdplatte. Aber auf andere…Dinge. Vielleicht ein wenig töricht, das verwachsene, ähm, erwachsene Kind, aber doch ist es voller Reinheit und Gefühl, ihr unbelehrbares Herz. Und einer dicken Hautschicht an den Handinnenflächen.
© Amy Herzog
kann nicht sprechen
weil meine Gedanken wild
umhertanzen
mich nicht bewegen
weil mein Körper unkontrolliert
erzittert und bebt
und ich kann nicht atmen
weil mein um sich schlagendes Herz
so viel Raum einfordert
© Amy Herzog
irgendwie nah
und fern
etwas will und
und das andere stellen wir
in den weg
und haben angst
davor
nicht so hoch klettern zu können
und die aussicht zu
verpassen und
uns
© Amy Herzog


treffen deine Lippen
die meinen
und gebären Sehnsucht
nach Tiefe, Sturm und Meer
so hinke ich gen Lust
und schreiendes Verlangen
wiegt mein Herz
doch viel zu schwer
© Amy Herzog
schon klar
’n sandwich ist ’n sandwich
schmeckt aber besser
wenn’s jemand für dich zubereitet
die ränder abgeschnitten
mit liebe gemacht
© Amy Herzog
Oh Furcht!
Ich ahne die Liebe
so groß vor dir
und mir
die Furcht, oh!
Vor Wissen und Sturm
und blind
so ganz und gar die Liebe!
Oh, würde doch
ein Ende
mich zerrissen
im Rinnstein nach dir
zehren lassen!
© Amy Herzog
Komm nahe
jetzt!
Funkenmoment,
dann zerbirst du in den
Einkerbungen
meiner
Leiser Schatten
streut
wie die glimmende Asche
dem ausgedrückten
danach
Und zeichnet mich
ohne Kontur
in deinem letzten Hauch
ein ausgekühltes
Ich
© Amy Herzog
da sitzt du
starrend in deine Innerste
weiße Leinwand
wo sind all die Kratz-
und Bissspuren
die durch die Liebe eines Künstlers
in ebenso tiefer Leidenschaft
die Beschaffenheit
deiner Haut verändern, wo?
da sitzt du
weiße Leinwand
suchend
© Amy Herzog
mein Schatten
so sag
weiß ich noch immer nicht
wie könnte ich mich nicht verlieben
schlägt mein Herz
schon lang
in einer fremden Brust
ich hab es bloß verschwiegen
doch lies
in diesen düsteren Hallen
mein belegendes
Wort
im Zeitstempel geschrieben
© Amy Herzog
innerlich
weinst du so laut
und du hast
angst
dass es jemand
hören kann
und noch mehr
dass es
niemand hört
© Amy Herzog
[…] „Weil Liebe nicht einschränken, sondern wachsen will.“ „Würdest du dich bitte in mich verlieben?“ „Ich weiß nicht, ich habe gerade Angst.“ „Warum? Sind es Menschen, denen du egal bist?“ „Nun, warum ist überhaupt irgendwas?“ „Traurig.“ „Ja.“ „Und warum?“ „Weil Liebe nicht perfekt sein muss, sondern aufrichtig, weil sie eine Sicherheit bietet, die man sich nicht erst verdienen muss.“ „Du verwendest Liebe und Sicherheit im Selben Satz?“ „Ja.“ „Das ist naiv.“ „Vielleicht, aber meine Liebe ist auch eine Entscheidung zu bleiben, selbst wenn ich gehen muss.“ „Warum musst du gehen?“ „Hmm“ „Wie kann man zeitgleich so offen und verschlossen sein?“ „Jahrelange Übung.“ „Hm, würdest du dich bitte in mich verlieben?“ […]
hinter deinen
dunkelbraunen Augen
liegt mir der
Herbstwald zu Füßen
und Laubhaufen
die ich mit meinen Stiefeln
aufwirble
um in dir durch jede
Vollmondnacht
zu tanzen
© Amy Herzog
WARUM
hören.wir.nicht
auf uns gegenseitig
zu verletzen
hören
auf zu schweigen
hören.auf.uns
fühlen uns
und hören.endlich.auf
uns zu verletzen
WARUM??
nicht
© Amy Herzog
von allen ängsten ist die angst vor der liebe die schlimmste denn sie zittert nicht mehr sie ist blass und stellt dich kalt sie tötet dich ohne dass du es merkst vielleicht fühlst du dich leicht vielleicht schwebst du und bist glücklich ja. tot zu sein ist erlösend ist frei und das ist die tücke
[Den Preis hier einfügen]
und vielleicht tut die liebe weh gewiss ist das meistens so aber der schmerz erinnert dich daran dass du lebst erinnert dich daran dass du dich wahrhaftig sehnst und leidenschaft in dir brennt diesen todeswunsch den die liebe auslösen kann lässt dich spüren dass du lebst
Rotzitterndbeflügelte Lippen,
duftendweiches Haar,
scharfgefeilte blassrosalackierte
Nägel, glänzendblaue Augen
und glattrasierte Beine
mit einem Funken freudiger
Erwartung, die ich abschließend
auf meiner Haut verteile
© Amy Herzog
brennende Tastaturen
intellektuelle Ausgrabungsarbeiten
eine flackernde Vanilleduftkerze
etwas Professionalität bitte
(in verrückt gewordenen Geistern)
verstohlene Blicke lächeln
Distanzen suchen rote Kugelschreiber
Snacks, Musik & ne Bar
KonsonanzenKondome gute Absichten
Ziehen wir die Jalousie herunter
und machen den Tag zur Nackt Nacht.
Und die Nacht macht uns
zu etwas anderem.
© Amy Herzog
Morgengrauentau tropft Tränen
starre zu wenig aus dem
Fenster
und schreibe
Gefühle auf Durchreise
in Arme fallen
und zurückgelassen bleiben
Zugfahrtmelancholie
zerrt mich in ein Buch weil
ich nicht wissen will
wohin ich
denke
aber ich bringe
warme Brötchen mit
© Amy Herzog
Es sind immer Meer
Lügen
als nötig und mehr
Wunden
als angegeben
und weil
er sie zu viel
wollte mussten sie aufs
offene Meer
um mit dem Feuer
zu spielen
© Amy Herzog
bin nun in mein Bett
gekrochen. schwitze unter
meiner Decke
seit dem Sex dunkelblau. und dann
schicke ich dir einfach
Urlaubsbilder
mit Sonne, Eis und Strand.
will schnell bei dir
sein, aber du bringst uns noch um
den Verstand.
© Amy Herzog
du bestehst aus
vierundsechzig Prozent
und trotzdem
würde ich dich literweise
trinken
© Amy Herzog
wie lange hast du schon keine
glatten Konturen
mehr gesehen? Nur schemenhafte
Geister, kommen und gehen
und brechen stets
ein Stück aus dir heraus
© Amy Herzog
meistens ist das keine Entscheidung
irgendwie
passieren wir immer
einfach so
© Amy Herzog
Damit ich aus deinem Sichtfeld
verschwinde
legst du mich in eine Kiste
gleich neben den Satz
den du dich nicht auszusprechen traust
und verschlingst den Schlüssel
weil du Angst davor hast
dass es irgendwann weh tut
aber in deinem Bauch
bleibt es warm
© Amy Herzog
ist das schon Bestimmung
oder wollen wir
nur endlich mal etwas
spüren?
© Amy Herzog
halte mich schwankend
zwischen endlosschleifenden Nächten
egal und bedeutet mir die Welt
aber deine Randnotizen lesen sich flüchtig
zitternd und zäh dein Haar
und ich habe Angst
noch eines von dir zu finden
oder nie wieder
ich halte mich schwankend
© Amy Herzog
Figur bin ich immer
noch nie war ich Mensch
gelegentlich verirrt sich Außen
aber mich erkennst
du nicht
© Amy Herzog
zwischen zwei Atemzügen
ziehe ich Rot
auf meiner Wüste nach
so wie du mit einem kleinen
Kuss
meine Stille
durchbrochen hast
verfalle ich
dir im Winkel von 90°
und dufte wie
frisch gemähter Rasen
nach lang ersehntem Regentag
© Amy Herzog
als ich unsere
Nacht
aus deinen Augen trank
glänzte die Trauer
darin
Jahrzehnte
drückten sich
aus deinen müden Poren
und dein Atem
schmeckte mir wie ein warmer Kakao
nach dem durchqueren
der Antarktis
© Amy Herzog
ja, wir fliegen
aber bald
verfangen wir uns
in Netzen
und der perfekte Zustand
entgleitet uns
weil wir dann wieder
menschlich sind
© Amy Herzog
Er bleibt immer
bei den Geräuschen
die er kennt
täuscht ein Gesicht vor
das ihm die Menschen abkaufen
und trägt in seinen Händen
nur noch leichte Luft
weil die Wellen friedlich sind
in denen die Leidenschaft
einst ertrank
© Amy Herzog
Dann lebst du
in Simulationen
weil die echte Nähe
so nah kommen kann
und du fürchtest
ein mal zu oft
daran zu sterben
© Amy Herzog
Geh mit mir
in die nächstgelegene See
und drück mich
runter
ich will Farben
und das Paradies schmecken
bis meine Augen
in deinen verschwinden
© Amy Herzog
Eine Muse war ich
denke ich
nie
und so gebe ich
dir
meine Jungfräulichkeit hin
und trinke Blut aus deinen Händen
wenn du mich am Ende
sterben lässt
oder dich
uns
© Amy Herzog
Wir verlieren uns
gerade
in sinnlosen Halbsätzen
und in zusammenklebenden Nächten
obwohl es verboten ist
oder weil
wir uns finden
© Amy Herzog
Wie schnell küsst du
frage ich dich
so viele male Seidenpapier
Seele und greller Funken
Flug am Äther
ausgedehnt auf dich
und mich und
wundern uns doch später
Jetzt sagst du
und darin eine Welt
die versucht das längste
Leben zu finden
nur ach, diese Bedrängnis
oder auch Frei
ist denn nicht alles immer
irgendwann vorbei
Nein sagst du
in einem langen Roman
dem die Liebe fehlt
sei ich deine Muse eine Zeit
so wie dir dann dein
letztes Wort
vom Schmerz erzählt
und Irrsinn heilt
© Amy Herzog
seit ich denken kann
sind sie da
und werden irrer
weil ich andernfalls zu weit
entfernt bin
© Amy Herzog
Schlaf jetzt, sagst du.
Weil wir nicht bereit sind
das zu sagen, was wir
beide denken.
© Amy Herzog
Lust auf verbotene Gespräche unterm Vollmond. Auf Sand im Bett und Wasser zwischen der Haut. Auf Liebe ohne ersichtlichen Grund und fremde Geräusche, die nach Zuhause klingen. Darauf, die Unvollkommenheit festzuhalten und zu viel Menschlichkeit zu schmecken. Und auf das Gegenteil in jeder Sekunde. Auf Dinge, die niemand erwartet hat und auf Konsequenzen, über die man einfach lacht. Tiefsinn und Ewigkeit in jedem Atemzug und Sex, als würde er die ganze Welt retten. Lust auf Sein und nicht Sein, auf neue Definitionen, die niemand ausspricht. Verlieren und wiederfinden. Auf dumme Ideen, Enthusiasmus, Leichtsinn, und auf Gefühle, die in den Geschichtsbüchern stehen werden.
© Amy Herzog
Dieses Salz ist falsch
und mein Herz
im medizinischen Abfall
während ich vergebens darauf warte
etwas Leben
in deinen Augen zu erkennen
nähe ich meinen klaffenden Thorax
wieder zu
weil es nicht brennt
und du erkennst
mich
an nichts
© Amy Herzog
Es sind immer die Bekloppten –
Überseereisen. Nähe, Niagarafälle,
und weiter in den Marianengraben,
dann wieder über Distanzen wundern.
Utopien werden nach dem zweiten
Kaffee ausgeschissen. Klasse Dünger.
Mein Geschmack war schon immer
verkalkt – beantrage Stent.
Interessante Wendung. Hach, die alte Sehnsucht. Beerdigungsluft frisst sich mit jedem Atemzug tief in meine Lungenäste und in den Särgen meiner aufgequollenen Liebe liegt etwas, woran ich gerade glauben muss. Ich halte die Luft an. Dann wieder nicht. Atme schneller. Hyperventiliere. Halte die Luft an. Zyanose. Atme. Dieser Kampf. Hach, die alte Sehnsucht. Das alte Böse. Der alte Kampf. Und wieder neue unbarmherzige Melanome auf meinem Herzen. Du wärst begeistert, könntest du in meinen Kopf schauen, Liebster. Begeistert wärst du! Wie der Tod von meinen Lippen tropft, während mir die Leere deiner Augen schmeichelt. Sag mir, Liebster: Lebst du wieder?
in dir
bin ich pulsierendes Wasser
irgendwo
flussauf- und abwärts
beständig
nah
© Amy Herzog
Bei dem Versuch
perfekt
(für dich) zu sein
hat sich mein innerstes Chaos
gehäutet
jetzt
bin ich wahr
nackt
während du dich in
Stille
vor deinem innersten Selbst
erschreckst
© Amy Herzog