Liebe

Nähe. (Drabble Dienstag)

Angestaute Sehnsucht. Die Jahre. Das Leben. Die gottverdammte Liebe. Wir. Was ist das? Fragen wir noch schweigend aus Angst, so tief verankert. Dann vertrauen wir einfach so. Warum? Weil wir nicht wissen was passiert. Und dann lassen wir ab, lassen los und geben uns hin.

Ein bisschen Polizei
verbotenes
in uns
für das wir nicht belangt werden
weil der Blaulichtschimmer am Sternenhimmel
die Geister hypnotisiert.
Und Glühwürmchen tanzen in den Sinnen.
Ein Geheimnis weht
durch’s Getreidefeld bei Nacht
und wir fangen an
wie Betrunkene zu reden.
Fast wie Sex
tiefer
nur an Orte
in die übersprudelnde Quelle
unserer eingestaubten
Wahrheit.

© Amy Herzog

*Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Polizei, Getreide, Quelle.

tatentragen

wie groß meine
angst
war wusste ich
immer gestern und tat es
heute
und wie viel
schmerz
ich ertragen kann
werde ich immer erst morgen
wissen

© Amy Herzog

Gestank.

Immer nur
Eile da draußen,
innen alles flach und
totenstill.

Und beißender Geruch
nach Angst.

© Amy Herzog

trink

Komm,
und trink dich taumelnd
in mein Weltmeer
so komm,
und trink aus Lenden,
Lust und uns
mein ganzes Herz
leer

© Amy Herzog

zuvielwenig

Nach Aufmerksamkeit sehnen
mehr, mehr, mehr, mehr
und sich über Konstellationen wundern
die in Einsamkeit münden
dann fühlst du immer wieder mit den Augen
und verlierst dich selbst im Prolog

© Amy Herzog

profiling

Das fragile Kartenhaus
unberührt
aber
ich blicke tief
schnell
hinter die süßen Lügen
und schweige
denn der Mensch erzählt
seine Geschichte
immer

© Amy Herzog

die Luftpolsterfolie zum Frühstück
knallt lauter
wenn wir zu zweit davon essen.

© Amy Herzog

reduziert

du hast meinen namen
reduziert
so oft
dass ich ihn selbst
nicht mehr erkennen kann
aber du kennst
mein ICH

© Amy Herzog

magnetisch

seitdem die zeilen
magnetisch
sind
bin ich in dir
und
bleibe
bis du es nicht mehr
verbergen
kannst

© Amy Herzog

totlachen.

Die Roadtripromantik war
eiweißreich
und kapselt sich in die Gesichtsmuskulatur ein –
wir lachen uns tot.

© Amy Herzog

notiz

auf dem zettel stehen
übriggebliebene gedanken
dopamin und nacht
eine handynummer ohne namen
und positiv ist
fast alles vergessen zu haben
tut am meisten weh

© Amy Herzog

nullachtfünfzehnmann

er ist ein nullachtfünfzehnmann
[verweilt in seiner phantasie]
in schwarz, erde und rot
mit einer vorliebe für paprika
blumenkohl und zucchini
zum frühstück deckt er
zwei scheiben pumpernickelbrot
mit sehnsucht belegt
und einem schluck utopie
in seinem kaffee
und dem unberührten wunsch
zwischen einsamkeit und fusseln
in seiner hosentasche

© Amy Herzog

verkleidet

ich bin dann immer zwischen
einer sauerstoff-stickstoff-verbindung
und dem laufen auf zuckerwatte
meine schritte kleben
und mein herz reißt alles umliegende
mit ins verderben
und dann wäre ich gerne leicht
verkleidet
nur für einen moment
denn die echtheit spielt in dieser welt
nur eine kleine nebenrolle
die den lauten knall verschweigt

© Amy Herzog

Romantik

Dann die Vorstellung
von Nebelschwadenromantik
und Sex im arschkalten Herbstregen
den wir nicht bemerken
weil der Vollmond unsere Sinne
in den Wahnsinn treibt

© Amy Herzog

Eine Nummer.

hab die Nummer gezogen
vertrocknete Tinte
auf Wangen
selbst
Hass
und Risse in der Haut
vom warten
und es geht schon lange nicht mehr
um die Wahl
weil Autobahnrauschen in mir
nachts in der Kälte
sitzt
und zählt
dabei will ich fühlen
immer nur
fühlen

© Amy Herzog

substanz

ich trinke
was immer mir die nacht
bringt
und spucke licht-
gelbenflüchtigflüssigenrotz
an die bordsteinkante
und denke
die geschichte hat
substanz

© Amy Herzog

Adieu

Hach,
immer nur Enden
Adieu
in der Stille
aber
irgendwann
fahre ich aus der Haut
bevor mich
der Himmel zwingt

© Amy Herzog

Polyamorie – Allgemeines und meine persönliche Gefühlswelt.

Es gibt viele Formen der Polyamorie. Die einen haben zwanglose Dates, dabei geht es um Körperlichkeiten. Andere führen mehrere Liebes-Beziehungen. Manche leben sogar zusammen, andere nicht. Der Unterschied zum klassischen Betrügen liegt darin, dass alle Beteiligten Bescheid wissen und damit auch einverstanden sind. Ein weiterer Unterschied ist, dass die (ich nenne es mal so-) Haupt-Beziehung sehr stabil ist, wohingegen die Beziehungen, in denen man den Partner betrügt, schon vor der ersten verheimlichten Nachricht vermutlich ein Ende finden sollte. Aber das ist nur meine Meinung. Eine offene Kommunikation ist unabdingbar.

Ich möchte hier einmal meine Gefühlswelt und meine Gedanken dazu teilen, vielleicht hilft das jemandem (bei der Selbstfindung zum Beispiel), vielleicht auch nicht. Egal. 😉

Zunächst mal ein paar Tipps bzgl.: Wie kann ich am besten meinen Partner damit überfallen. 😀

Sei dir bewusst, dass in der Gesellschaft und bis dato ggf. auch in deinem Leben bisher nur die Monogamie als das einzig Richtige angesehen wird. Dein Partner könnte denken, dass es an ihm/ihr liegt, nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein, etc. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dieses Thema nach dem ersten Ansprechen auf Eis gelegt wird. Es wird möglicherweise abgelehnt.

Mache dir im Vorfeld Gedanken darüber, weshalb du die Beziehung öffnen möchtest, damit du es erklären kannst. In meinem Fall geht es zum Beispiel um eine mögliche Liebe. Also nicht nur um Sex, sondern um meine umherschwirrenden Gefühle. 🙂

Wähle einen ruhigen Zeitpunkt, habt keinen Streit und lasst es auch da möglichst nicht zum Streit kommen. Redet in Ruhe darüber. Und wenn dein Partner nicht zugänglich ist, versuche es zu einem späteren Zeitpunkt erneut, denn wenn dir das wichtig ist, solltest du dafür einstehen. Gehe aber auch auf deinen Partner ein, denn seine/ihre Gefühle sind genauso valide wie deine. Versuche dich in deinen Partner hineinzuversetzen. Auch in die Klischees, die man diesbezüglich im Kopf hat. Dein Partner wird Angst haben, wird vielleicht auch Unsicher sein und mit Eifersucht zu kämpfen haben. Es liegt dann an dir, diese Gefühle aufzufangen und ehrlich und direkt zu argumentieren. Gib deinem Partner Zeit dich zu verstehen.

Nun ein bisschen zu mir. Die Idee zu diesem Beitrag kam übrigens von meinem Partner. Mein Partner empfindet selbst nicht so und hat bisher nicht das Bedürfnis mehr als einen Menschen, das bin ich, romantisch zu lieben oder einem anderen Menschen sonst wie näher zu kommen. Das ist auch okay, dennoch bin ich dafür aufgeschlossen. Bei mir sieht das anders aus. Ich empfinde seit über 15 Jahren so. Seitdem befand ich mich in drei erwähnenswerten festen Beziehungen. Und gelegentlich kam es vor, dass ich mich romantisch einem anderen Menschen nähern wollte. Ich spreche ungern von Liebe aus meiner Person, weil sie nicht zu definieren ist. Der Einfachheit halber nenne ich es nun aber so.

Selten, aber es kam vor. In meiner ersten Beziehung, welche 2,5 Jahre anhielt, habe ich mich ein mal zusätzlich in einen anderen Menschen verliebt. Den Kontakt habe ich damals abgebrochen. In meiner zweiten Beziehung, die Ehe bestand 9 Jahre, die Beziehung an sich ging länger, verliebte ich mich zwei mal. Auch da habe ich die Kontakte abgebrochen. Warum? Weil das nicht richtig war, weil wir monogam sein müssen. Und weil ich nie das Gefühl hatte, mich meinem Partner so sehr zu öffnen. Betrogen habe ich nie. Nun, Emotional wohl schon, aber was kann man schon gegen Gefühle machen? Ich habe die Kontakte abgebrochen und jeweils ein paar Monate Liebeskummer in mir herumgetragen. Btw.: Die letzte Liebe ist mir bis heute im Herzen geblieben.

Wie ihr nun gemerkt habt, spreche ich nicht von Dates und Sex. Was nicht heißt, dass diese beiden Dinge ausgeschlossen sind. Aber es geht mir um mehr. Ich bin durch und durch ein Gefühlsmensch und nehme bevorzugt Gefühle mit ins Spiel. Ich bin ebenfalls ein Mensch, der nicht viel Platz im Leben für Menschen hat, weshalb ich auch nur eine weitere Person „suche“. Auf viel mehr kann ich mich gar nicht konzentrieren und dem auch nicht gerecht werden. Ja, es ist sehr schwer so einen zweiten Menschen zu finden, weshalb ich bisher auch niemanden in dieser Richtung habe. Wir sind halt zu monogam in Sachen Liebe. 🙂

Wie kann man sich das in mir vorstellen? Schwer zu erklären, aber man stelle sich einfach zwei Personen vor, die zwei Menschen völlig unabhängig voneinander liebt. Zwei Beziehungen pflegt, jede auf ihre Weise. Man ist selbst anders mit einem anderen Menschen, interagiert anders, andere Gespräche, andere Gefühle. Nichts davon ist besser oder schlechter, mehr oder weniger. Es ist einfach nur anders. Ich vergleiche nicht. Und es dienst auch nicht der Umorientierung.

Eine monogame Beziehung wird ja auch nicht hinterfragt mit: „was ist denn wenn er/sie sich in den anderen Menschen verliebt/mehr liebt?“ Das kann immer passieren! Und das hat dann nichts mit einem neuen Menschen zu tun, sondern mit der bestehenden und vermutlich instabilen Beziehung. Oftmals liegt das an mangelnder Kommunikation und am mangelnden Verständnis. In einer geöffneten Beziehung ist das nicht anders.

Als ich meinem Partner meine Gefühle eröffnet habe, haben wir in der darauffolgenden Zeit sehr viel darüber geredet, ich habe mich so gut es ging versucht zu erklären. Das war eine sehr große Öffnung meinerseits. Was unsere Beziehung im Nachhinein weiter gestärkt hat. Nicht immer war es ruhig in diesen Gesprächen, Streit würde ich es nicht direkt nennen, denn wir streiten uns eh fast nie und wenn dann nur sehr kurz. Ich bin aber auch eine sehr direkte und offene Person, sofern ich das Gefühl habe, das auch sein zu dürfen. Und genau das ist bei meinem Partner der Fall. Inzwischen ist das aber auch kein allzu großes Thema mehr, denn das ganze liegt schon ne ganze Weile zurück. Wir möchten also noch immer heiraten.

Trotzdem bin ich meinem Partner gegenüber sehr ehrlich. Ich muss keine Nachrichten löschen und auch nicht „auf Fortbildung“ gehen. 😉 Ja, das sind so Ausreden, die man findet. Das finde ich widerlich.

Nun, wenn man sich verständigt hat, ist das ganze eigentlich ganz leicht. Ich lasse mich treiben und informiere meinen Partner, wenn’s was Neues in Sachen Liebe gibt. Ich rede sogar sehr gern darüber, sind ja schöne Gefühle. Es war ein unglaublich befreiendes Gefühl, ihm meine Geschichte zu erklären, meine freifliegenden Gefühle und auch über den Liebeskummer zu sprechen, den ich all die Jahre nur für mich behalten habe. Es ist nicht falsch so zu empfinden, es ist auch nicht falsch so leben zu wollen. Wer bin ich, dass ich für meinen Partner ALLES sein kann? Und wer ist mein Partner? Wundervoll, selbstverständlich und ebenfalls vollkommen ausreichend für mich, in jeder Lebenslage. Und stets mein Ritter in glänzender Rüstung. Nichts fehlt mir. Sicher, in der Monogamie ist das so. Aber ein anderer Mensch ist eben ganz anders und auch auf eine ganz andere Weise romantisch zu lieben. Und auch wenn ich die Liebe nicht definieren kann, einen Fehler kann ich darin nicht finden.

Es geht nicht darum, nicht gut genug sein, nicht um unzureichend sein. Es ist in mir einfach nur anders. Wie zwei Menschen, die fühlen. Und ich fühle einfach so unfassbar überschwappend. Und ja, selbstverständlich möchte ich einem Menschen dann auch nahe sein. So fühle ich eben. Und mein Partner bedeutet mir so viel, dass ich ihm das ehrlich sage, wenn es so ist. Man sieht aber, Polyamorie ist nicht mangelnde Liebe, Betrug, auch kein wildes Herumgepoppe. Es geht um Gefühle, um Bedürfnisse und um die Liebe, Kommunikation, Ehrlichkeit und um das Vertrauen in einer stabilen Partnerschaft. Ich fühle mich frei und mein Herzchen ist offen – für meinen Partner und für das, was da kommen mag.

Zeit

Die Zeit ist genau der Punkt. Die Menschen wissen zwar, dass diese nicht unendlich ist, aber ihr Handeln ist verschwenderisch. Sie geben sich mit wenig zufrieden. Mit Quantität, mit Belanglosigkeiten, die doch nur zum ewigen Hunger führen. Und am Ende des Tages bleibt immer ein kleiner Moment für das Gefühl übrig, etwas verpasst zu haben. Dass etwas nicht genug war. Warum? Weil es nicht genug war. Und warum? Weil sich die Menschen mit weniger zufrieden geben, als sie glücklich machen würde. Und warum das? Weil Träume, solange sie Träume sind, nicht zerstört werden können. Aber hey, die Zeit ist nicht endlos. Die Zeit an sich, ja, aber deine Zeit nicht. Ich schaue nicht auf die Uhr, weiß nicht was heute ist und auch nicht was morgen ist. Irgendein Tag wird es schon sein und in mir ist es, wenn ich wach bin, ohnehin immer Nacht. Aber ich fühle sie mit Qualität. Nein, es handelt sich dieses Mal nicht um einen Schreibfehler. Ich fühle. Denn ich habe keine Zeit für weniger.

kalt

übrig bleibt schwappendes Blut
in rostigen Rohren
und das zu tief in dir Verborgene
weil ich es nicht mehr kann
bin ich kalt
und findest du mich nahe Nacht
erkennst du mich
nicht

© Amy Herzog

Dieses Salz ist
und würde es mich nicht zerreißen
könnte ich dich nicht atmen
nicht fühlen, oft
und dann die Sehnsucht nach
Kerzen und Zimt

© Amy Herzog

asystolie

bilder
in deiner berührung
setzen sich
in rippen gerahmt
zusammen
und mein herz
schreibt für einen augenblick
asystolie

© Amy Herzog

untertauchen

bis dahin tauche ich unter Wasser
und schmecke das Paradies
kippe Honig in meinen Verstand
Trauerweiden und Vollmond
wickle mich um den kleinen Finger
in einhundertprozentiger Schokolade
küsse aufgeschäumte Lippen
und verschwende das schönste Fragment
meines gebrochenen Herzens

© Amy Herzog

4 minuten

und jetzt ist alles wortrauschen
und mondsichel
genau zwischen kuss
und dem verschwitzten atemzug
war ich vier minuten
relevant in dir

und die totgeklatschte fliege
am nassen fenster
ist irgendwie trauriger als sonst

© Amy Herzog

mehr

Am Ende sind wir nur
Protoplasmen
[biete: frisch gereifte Eizellen
verlange: mikroskopisch kleine Fische
]
mit dem Drang zu ficken
und die Sehnsucht
nach mehr Bedeutung darin

© Amy Herzog

es tropft –

Durch die literarische Vollkatastrophe
die ich schreibe
tropft sich langsam Sperma
der verletzte Himmel
denkt an einen
tropfenden Wasserhahn
und meine erloschenen Augen
notiere ich am Rande
einer abgeschlossenen Welt

© Amy Herzog

eins

im verrückten
Geist
eines einsamen Schriftstellers
sind wir
die selbe Figur

© Amy Herzog

Der Moment davor

Der kurze Moment
davor. Es ist still.
Und dann behutsam:

Feuerwerksmagie
fließt in unseren Venen
Wasserfarbenozean
schwimmen
Fußbunte
Spuren auf der Haut
in Diamant
eingefasste Blicke
treffen sich
Lichtdurchflutet
im synchronisierten
Atemzug

© Amy Herzog

sehe dich

so tief in dir
ver
borgen
schwerklar
die Phantasie nur wo
ist dein Leben
und wann kommst du
heraus

sag mir
was passiert ist
hier
und ich sehe
dich an

© Amy Herzog

Schon wieder Liebe, immer Liebe.

Ich habe mal wieder, wie so oft, über die Liebe nachgedacht. Liebe soll ein schönes Gefühl sein, aber irgendwie ist sie, wenn sie da ist, einfach nur da. Diese Vertrautheit, Loyalität und im besten Fall auch die Ehrlichkeit. Und was da sonst noch so dazugehört. Aber erst wenn es schmerzt, so sehr, dass du dich wimmernd auf dem Badezimmerboden wiederfindest, den Tod herbei sehnend, dann muss es Liebe gewesen sein. Und dann ist es so, als würdest du den schönen Teil überspringen.

Verliebt war ich nie, nein. Dieses blinde Idealisieren durch die rosarote Brille. Schmetterlinge, weil der Mensch perfekt ist. Würg. Der Mensch ist nicht perfekt. Man blendet lediglich die Fehler aus, während der Andere alles daran setzt, diese zu verbergen. Aber ich bin ein Mensch, der ständig und alles beobachtet, analysiert und aus den kleinen beliebten Lügen eine Wahrheit formt. Eine hübsche Fassade geht mir ehrlich am Arsch vorbei. Ich betrachte das Gruselkabinett im Inneren, den angesammelten Messimüll, der mit einem freundlichen Lächeln überdeckt wird, während die Haustür nur einen Spalt weit geöffnet wird.

Auf dem Badezimmerboden, oder dem nächsten Boden, auf dem ich zusammenbrechen konnte, da lag ich bereits das ein oder andere Mal. Eigentlich lag ich da nur ein Mal so intensiv sterbend, um ehrlich zu sein. Und hätte mich niemand aufgehoben, läge ich da vielleicht noch heute, wartend auf den Tod. Nun, so sehr kann ich offenbar lieben. Fragezeichen. Ich weiß zwar nicht, was das ist, weil es einfach nur da ist, aber als es meinen Körper aufgefressen hat, wusste ich, dass das wohl Liebe gewesen sein muss. Aber das ist doch nicht erstrebenswert. Nicht so. Und niemandem würde es je wieder gelingen, so tief in mich einzudringen, sagte ich mir seinerzeit.

Gleichzeitig ist da die Sehnsucht in mir, dieses Gefühl, genau diese Intensität als das zu empfinden, was die Liebe angeblich sein soll. Schön. Ich würde also gerne schön auf dem Badezimmerboden zusammenbrechen. So, oder so ähnlich. Ob es das gibt, oder ob das nur eine Sehnsucht ist, die immer Sehnsucht bleiben wird, weiß ich nicht. Aber ich werde es irgendwann auf irgendeine Art herausfinden.

seekrank

diese vehemente erschütterung
in meinem körper
hinterlässt narben im asphalt

immer willst du rein
und wüten
hassen oder lieben
und weißt nicht wie das geht

diese zerstreutheit
in mir
hinterlässt mich seekrank

© Amy Herzog

hinterlassen

hinterließ sie
auf kaltgewordenen lippen
spuren einer wahrheit
(über mich)
und den schatten
angst
im spiegelbild
der zu tief verborgenes
aus mir spricht

© Amy Herzog

risiko

Es veränderte den Luftdruck
augenblicklich
wenn wir uns offen lägen
und könnten nicht mehr atmen
ohne Kuss.

© Amy Herzog

verlorener Glaube

im Spiegel sehe ich immer nur gelangweiltes vorhersehbares Gähnen an der Oberfläche statt meiner Kinnlade die auf den Boden knallt (weil es so überraschend sprachlos überschwappend mitreißend und so vollkommen unbeschreiblich bekloppt ist) und dann immer nur im Ofen aufgewärmte Gefühle und mein Glaube an die Liebe (stärker als jeder je empfundene Schmerz) geht allmählich verloren weil ich sie noch nie gesehen habe und selbst der Todeswunsch trinkt nur noch Kamillentee und träufelt künstliche Sehnsucht hinein

Sonnenseufzen

Der Rhythmus fällt
aus verblühten Gedichten
Sonnenseufzen
schlägt jede Nacht tot
deinen ausgetrunkenen Vollmond
übergieße ich mit frisch aufgebrühtem Sex
und wenn mein Herz noch taumelnd fragt
atme ich Träume in deinen Nacken
die mein Mund nicht mehr
zu spüren wagt

© Amy Herzog

Macht

diese unbegreifliche Macht
über dich
weil es tief geht
nicht langsam, behutsam
nein
wie ein Pfeil
aus einem gespannten Bogen
und die Angst
weil dieser Pfeil töten kann
stillschweigend
wie die Macht selbst

© Amy Herzog

wir sind alle nur Kinder

Am Ende des Tages
sind wir wieder wie Kinder
laut in uns und bunt
und das, was wir uns verbieten
zerrt unsere Gedanken.

Und dann erinnern wir uns zurück
an Stubenarrest
und an das tolle Gefühl,
wenn wir das, was uns verboten wurde
trotzdem gemacht haben.

© Amy Herzog

ad absurdum

wie frisch gemähtes Gras
Sommerregen
und Vollmondwinterblau
liegt dir meine Seele
kristallklar
offen
Tiefe tauchen
atmen und hoffen
weil ich viel zu nackt
meine Sinne
ad absurdum führe
so wie ich deine schwere
raue Haut berühre

© Amy Herzog

mein herz

aufbruch
in meinen augen
seelenschwere schwebt
und mein herz
es leidet, lacht und liebt
nur immer schwer
es wandert und es lebt

und wenn du es berührst
so hab nur keine angst
wie du verbrennst
es dehnt sich
zeigt dir weltenfarben
die du noch nicht kennst

© Amy Herzog

Wasser

Ich bin nicht das Wasser
das den Weg in den Fluss findet
wenn der Regen ihn belebt
und deinen Weg streift
immer wieder
schwebt

Ich bin das Wasser
das in der Erde versickert
wenn ich sie berühre
und ich fühle sie
die Erde
nah

© Amy Herzog

Duft

Kerzen
weiche Haut
erzählt Geschichten
schweigend
im Duft weißer Lilien
und Poren aus stöhnender
Lust die Kehle tropft
Seelenatmen
wie ruhig im Wind
der Wellengang
bewegt
auf deine Brust
sanft und
den zehrenden Klang
deiner Sehnsucht
im Kusse stillt
der Duft
aus
uns

© Amy Herzog

lache das Ende ein

Meine Haut
dünn
wie Papier
entzündet mit jedem Funken
Hoffnung
doch
nur ein Ölbrand
aus Lügen
egal
und etwas Charme
ich vergesse zu denken
aber zucke noch
gelassen mit den Schultern
dabei lache ich
mein Ende
ein
bevor es begonnen hat
– ich weiß.

© Amy Herzog

bunte Lose

Hungrige Tränen
schnitzen mich zu einem
fremden Menschen
Schleifen meine Haut glatt
steif und stumm
Fleischeslust
macht niemals satt
Stolpere blutend
über verlorene Freude
Dein Egal
eitert
aus wunden Augen
Reiche dir die bunten Lose
wie Liebe
du reißt sie ab
wie meinen Atem
Nur Nieten
verteilt deine Hand
wie Brotkrumen auf der
Machtlosigkeit
ich esse sie

© Amy Herzog

schmerz

schmerz ist still
geworden
in mir
viel zu groß
die rissigen Erinnerungen
auf der Haut
das Loch im Herzen
so tief wie der Marianengraben
ich stehe am Rand
und genieße den Wind
in meinem Haar
nur ratlos
bereit zu springen
oder warten
auf den
Fall

© Amy Herzog

Das alte Spiel

© Amy Herzog

in dir

Ich brauchte dich nie
mein Liebster
doch dein sein
wollte ich
berührtes Fleisch
wie meine graue Asche
verstreut in deinem Land
veränderte Farben
ergriffen
trägt der Wind
Leichtigkeit hin und her
Wildblumen, Strand
und Meer
in deinem Lächeln
verloren
in meiner Nacht
und meine Seele in dir

© Amy Herzog

zähmen

die sind doch alle so
verweichlicht
da: heiß noch viel zu kalt
huste ich ein bisschen Delirium
atme Sehnsucht
und fresse meine Liebe
wie viel wirklich
(hab den Überblick verloren)
aber schwer ins Bett
zu fesseln
wenn keine Hand ausrutscht
und ein wilderes Tier
mich zähmt

© Amy Herzog

verloren

sternensplitter rieseln
nachtmusik
aus unseren augen
federberührung
bei weit aufgerissenen blicken
hellwache sehnsucht
müdes schweigen
streift
über körper
die nicht wissen
wohin der weg sie führt
die fragen stehen auf dem nachttisch
und erhellen den moment
der gefehlt hat

immer zu verlockend
dieses gift
in verklebten ohren
die immer nur dem klang folgen
nie dem ganzen lied
und unzählige geschichten schreiben
bevor sie vergangen sind

irgendwie hier
halb da ganz davon
mittelleben
und am ende verloren
im sternenschnee

© Amy Herzog

Poesiealbum

schreibe in ein Poesiealbum
Sommerbilder
und wildgewachsene Wiesen
in denen wir leben-
sein und
was wir könnten
nur immer kurz vor Winter
wirst du mich nicht
finden
weil ich mich selbst
darin verliere

© Amy Herzog

eine Nacht

Liege dir wieder viel zu offen
für eine Nacht
verbindest alte Narben
wie Punkte
damit du mich lesen kannst
säst frische Wunden
mit dem selben Bleistift
und radierst den Tagesanbruch aus

Mit bloßer Hand
die rote Haut
und lässt ein Kribbeln in mir
wie Hämatome
die ich zählen kann
wenn du die nasskalte Sehnsucht
meinem Schmerz überlässt

© Amy Herzog