Monat: Oktober 2022

die männer

seit ich denken kann
sind sie da
und werden irrer
weil ich andernfalls zu weit
entfernt bin

© Amy Herzog

wortlos

Schlaf jetzt, sagst du.
Weil wir nicht bereit sind
das zu sagen, was wir
beide denken.

© Amy Herzog

Sarah Lesch – Die Löwin

Heute Abend aufm Konzert, freue mich so! 🙂 Ich werde mich bemühen, nur ein mal zu weinen. 😀

Lust auf:

Lust auf verbotene Gespräche unterm Vollmond. Auf Sand im Bett und Wasser zwischen der Haut. Auf Liebe ohne ersichtlichen Grund und fremde Geräusche, die nach Zuhause klingen. Darauf, die Unvollkommenheit festzuhalten und zu viel Menschlichkeit zu schmecken. Und auf das Gegenteil in jeder Sekunde. Auf Dinge, die niemand erwartet hat und auf Konsequenzen, über die man einfach lacht. Tiefsinn und Ewigkeit in jedem Atemzug und Sex, als würde er die ganze Welt retten. Lust auf Sein und nicht Sein, auf neue Definitionen, die niemand ausspricht. Verlieren und wiederfinden. Auf dumme Ideen, Enthusiasmus, Leichtsinn, und auf Gefühle, die in den Geschichtsbüchern stehen werden.

© Amy Herzog

unerkannt

Dieses Salz ist falsch
und mein Herz
im medizinischen Abfall
während ich vergebens darauf warte
etwas Leben
in deinen Augen zu erkennen
nähe ich meinen klaffenden Thorax
wieder zu
weil es nicht brennt
und du erkennst
mich
an nichts

© Amy Herzog

immer die bekloppten –

Es sind immer die Bekloppten –
Überseereisen. Nähe, Niagarafälle,
und weiter in den Marianengraben,
dann wieder über Distanzen wundern.
Utopien werden nach dem zweiten
Kaffee ausgeschissen. Klasse Dünger.
Mein Geschmack war schon immer
verkalkt – beantrage Stent.

Bösesdrabble.

Interessante Wendung. Hach, die alte Sehnsucht. Beerdigungsluft frisst sich mit jedem Atemzug tief in meine Lungenäste und in den Särgen meiner aufgequollenen Liebe liegt etwas, woran ich gerade glauben muss. Ich halte die Luft an. Dann wieder nicht. Atme schneller. Hyperventiliere. Halte die Luft an. Zyanose. Atme. Dieser Kampf. Hach, die alte Sehnsucht. Das alte Böse. Der alte Kampf. Und wieder neue unbarmherzige Melanome auf meinem Herzen. Du wärst begeistert, könntest du in meinen Kopf schauen, Liebster. Begeistert wärst du! Wie der Tod von meinen Lippen tropft, während mir die Leere deiner Augen schmeichelt. Sag mir, Liebster: Lebst du wieder?

Wasser

in dir
bin ich pulsierendes Wasser
irgendwo
flussauf- und abwärts
beständig
nah

© Amy Herzog

starre

Bei dem Versuch
perfekt
(für dich) zu sein
hat sich mein innerstes Chaos
gehäutet
jetzt
bin ich wahr
nackt
während du dich in
Stille
vor deinem innersten Selbst
erschreckst

© Amy Herzog

Nähe. (Drabble Dienstag)

Angestaute Sehnsucht. Die Jahre. Das Leben. Die gottverdammte Liebe. Wir. Was ist das? Fragen wir noch schweigend aus Angst, so tief verankert. Dann vertrauen wir einfach so. Warum? Weil wir nicht wissen was passiert. Und dann lassen wir ab, lassen los und geben uns hin.

Ein bisschen Polizei
verbotenes
in uns
für das wir nicht belangt werden
weil der Blaulichtschimmer am Sternenhimmel
die Geister hypnotisiert.
Und Glühwürmchen tanzen in den Sinnen.
Ein Geheimnis weht
durch’s Getreidefeld bei Nacht
und wir fangen an
wie Betrunkene zu reden.
Fast wie Sex
tiefer
nur an Orte
in die übersprudelnde Quelle
unserer eingestaubten
Wahrheit.

© Amy Herzog

*Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Polizei, Getreide, Quelle.

weil es sich bewährt hat.

Hat sich all die Jahre bewährt. So zu sein. So wie du. Es hält die Menschen auf Abstand. Die kommen gerade nah genug, um etwas Zeit totzuschlagen. Dann flüchten sie ganz von selbst. Vor dir. Dann redest du dir ein, dass das gut ist. Keine Enden. Keine Enttäuschungen. Kein wilder Regen in dir. Du schaltest die Musik und eine Wildrosenduftkerze an und den ganzen Scheiß um dich herum aus. Und dann liebst du die Sehnsucht. Liebst die Träume in der Nacht, selbst wenn sie schlecht sind. Weil es sich all die Jahre bewährt hat. So zu sein. Und die meiste Zeit glaubst du dir, dass dir das Außen egal ist, du hast dein Innen, dein chaotisches, zerrissenes Innen. Die gewohnten Geräusche, die sonst niemand hört. Die meiste Zeit glaubst du dir. Weil es sich bewährt hat.

tatentragen

wie groß meine
angst
war wusste ich
immer gestern und tat es
heute
und wie viel
schmerz
ich ertragen kann
werde ich immer erst morgen
wissen

© Amy Herzog

ECHO 3 – Peek a boo

Auf der Suche nach dem Lied aus dem Film Jeepers Creepers (2001), das gefunden… (das, was in der Szene im Auto spielt) kommt dem am nächsten.

Gestank.

Immer nur
Eile da draußen,
innen alles flach und
totenstill.

Und beißender Geruch
nach Angst.

© Amy Herzog

trink

Komm,
und trink dich taumelnd
in mein Weltmeer
so komm,
und trink aus Lenden,
Lust und uns
mein ganzes Herz
leer

© Amy Herzog

zuvielwenig

Nach Aufmerksamkeit sehnen
mehr, mehr, mehr, mehr
und sich über Konstellationen wundern
die in Einsamkeit münden
dann fühlst du immer wieder mit den Augen
und verlierst dich selbst im Prolog

© Amy Herzog

profiling

Das fragile Kartenhaus
unberührt
aber
ich blicke tief
schnell
hinter die süßen Lügen
und schweige
denn der Mensch erzählt
seine Geschichte
immer

© Amy Herzog

die Luftpolsterfolie zum Frühstück
knallt lauter
wenn wir zu zweit davon essen.

© Amy Herzog

reduziert

du hast meinen namen
reduziert
so oft
dass ich ihn selbst
nicht mehr erkennen kann
aber du kennst
mein ICH

© Amy Herzog

magnetisch

seitdem die zeilen
magnetisch
sind
bin ich in dir
und
bleibe
bis du es nicht mehr
verbergen
kannst

© Amy Herzog

totlachen.

Die Roadtripromantik war
eiweißreich
und kapselt sich in die Gesichtsmuskulatur ein –
wir lachen uns tot.

© Amy Herzog

notiz

auf dem zettel stehen
übriggebliebene gedanken
dopamin und nacht
eine handynummer ohne namen
und positiv ist
fast alles vergessen zu haben
tut am meisten weh

© Amy Herzog

nullachtfünfzehnmann

er ist ein nullachtfünfzehnmann
[verweilt in seiner phantasie]
in schwarz, erde und rot
mit einer vorliebe für paprika
blumenkohl und zucchini
zum frühstück deckt er
zwei scheiben pumpernickelbrot
mit sehnsucht belegt
und einem schluck utopie
in seinem kaffee
und dem unberührten wunsch
zwischen einsamkeit und fusseln
in seiner hosentasche

© Amy Herzog

atem.still.stand

wechsel zwischen ich kann
und will nicht mehr
atmen
weil jedes wort
blut
in meine lunge schneidet
dann schweigen
zerbrochenes
glas
große gefühle
nacht
und dann wirkt alles
so still

© Amy Herzog

verkleidet

ich bin dann immer zwischen
einer sauerstoff-stickstoff-verbindung
und dem laufen auf zuckerwatte
meine schritte kleben
und mein herz reißt alles umliegende
mit ins verderben
und dann wäre ich gerne leicht
verkleidet
nur für einen moment
denn die echtheit spielt in dieser welt
nur eine kleine nebenrolle
die den lauten knall verschweigt

© Amy Herzog

Romantik

Dann die Vorstellung
von Nebelschwadenromantik
und Sex im arschkalten Herbstregen
den wir nicht bemerken
weil der Vollmond unsere Sinne
in den Wahnsinn treibt

© Amy Herzog

Eine Nummer.

hab die Nummer gezogen
vertrocknete Tinte
auf Wangen
selbst
Hass
und Risse in der Haut
vom warten
und es geht schon lange nicht mehr
um die Wahl
weil Autobahnrauschen in mir
nachts in der Kälte
sitzt
und zählt
dabei will ich fühlen
immer nur
fühlen

© Amy Herzog

Deine Arroganz.

Ich mag deine Arroganz, sie lässt mich lächeln. Ja, das ist nur eine deiner liebreizenden Charaktereigenschaften und damit meine ich selbstverständlich deine angeknackste Psyche, die die Weiber auf Abstand halten, sie aus deinem Bett vertreiben sollen. Aber mich juckt das nicht. Ich mag das. Denn ich bin da neulich so nem Typen begegnet, der kam mir nahe, es war unangenehm. Nah, so nah, dass ich seinen Schwanzabdruck noch an meinem rechten Unterarm spüre. Er war auch Arrogant, die ganze Zeit. Aber er hatte es nicht drauf. Er hatte es einfach nicht, obwohl er es hätte haben müssen. Er hätte es drauf haben müssen, verdammt! Der Typ geht mir nicht aus dem Kopf! Ich bin noch immer so angewidert und eigentlich mag ich ja auch das irgendwie. Aber so nicht! Dieser Geist war so leer, der Schock steht mir noch ins Gesicht geschrieben. Ein Gutes hatte dieser Typ jedoch, ich konnte erkennen. Erkennen, dass ich deine Arroganz mag.

substanz

ich trinke
was immer mir die nacht
bringt
und spucke licht-
gelbenflüchtigflüssigenrotz
an die bordsteinkante
und denke
die geschichte hat
substanz

© Amy Herzog

Adieu

Hach,
immer nur Enden
Adieu
in der Stille
aber
irgendwann
fahre ich aus der Haut
bevor mich
der Himmel zwingt

© Amy Herzog

Polyamorie – Allgemeines und meine persönliche Gefühlswelt.

Es gibt viele Formen der Polyamorie. Die einen haben zwanglose Dates, dabei geht es um Körperlichkeiten. Andere führen mehrere Liebes-Beziehungen. Manche leben sogar zusammen, andere nicht. Der Unterschied zum klassischen Betrügen liegt darin, dass alle Beteiligten Bescheid wissen und damit auch einverstanden sind. Ein weiterer Unterschied ist, dass die (ich nenne es mal so-) Haupt-Beziehung sehr stabil ist, wohingegen die Beziehungen, in denen man den Partner betrügt, schon vor der ersten verheimlichten Nachricht vermutlich ein Ende finden sollte. Aber das ist nur meine Meinung. Eine offene Kommunikation ist unabdingbar.

Ich möchte hier einmal meine Gefühlswelt und meine Gedanken dazu teilen, vielleicht hilft das jemandem (bei der Selbstfindung zum Beispiel), vielleicht auch nicht. Egal. 😉

Zunächst mal ein paar Tipps bzgl.: Wie kann ich am besten meinen Partner damit überfallen. 😀

Sei dir bewusst, dass in der Gesellschaft und bis dato ggf. auch in deinem Leben bisher nur die Monogamie als das einzig Richtige angesehen wird. Dein Partner könnte denken, dass es an ihm/ihr liegt, nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein, etc. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dieses Thema nach dem ersten Ansprechen auf Eis gelegt wird. Es wird möglicherweise abgelehnt.

Mache dir im Vorfeld Gedanken darüber, weshalb du die Beziehung öffnen möchtest, damit du es erklären kannst. In meinem Fall geht es zum Beispiel um eine mögliche Liebe. Also nicht nur um Sex, sondern um meine umherschwirrenden Gefühle. 🙂

Wähle einen ruhigen Zeitpunkt, habt keinen Streit und lasst es auch da möglichst nicht zum Streit kommen. Redet in Ruhe darüber. Und wenn dein Partner nicht zugänglich ist, versuche es zu einem späteren Zeitpunkt erneut, denn wenn dir das wichtig ist, solltest du dafür einstehen. Gehe aber auch auf deinen Partner ein, denn seine/ihre Gefühle sind genauso valide wie deine. Versuche dich in deinen Partner hineinzuversetzen. Auch in die Klischees, die man diesbezüglich im Kopf hat. Dein Partner wird Angst haben, wird vielleicht auch Unsicher sein und mit Eifersucht zu kämpfen haben. Es liegt dann an dir, diese Gefühle aufzufangen und ehrlich und direkt zu argumentieren. Gib deinem Partner Zeit dich zu verstehen.

Nun ein bisschen zu mir. Die Idee zu diesem Beitrag kam übrigens von meinem Partner. Mein Partner empfindet selbst nicht so und hat bisher nicht das Bedürfnis mehr als einen Menschen, das bin ich, romantisch zu lieben oder einem anderen Menschen sonst wie näher zu kommen. Das ist auch okay, dennoch bin ich dafür aufgeschlossen. Bei mir sieht das anders aus. Ich empfinde seit über 15 Jahren so. Seitdem befand ich mich in drei erwähnenswerten festen Beziehungen. Und gelegentlich kam es vor, dass ich mich romantisch einem anderen Menschen nähern wollte. Ich spreche ungern von Liebe aus meiner Person, weil sie nicht zu definieren ist. Der Einfachheit halber nenne ich es nun aber so.

Selten, aber es kam vor. In meiner ersten Beziehung, welche 2,5 Jahre anhielt, habe ich mich ein mal zusätzlich in einen anderen Menschen verliebt. Den Kontakt habe ich damals abgebrochen. In meiner zweiten Beziehung, die Ehe bestand 9 Jahre, die Beziehung an sich ging länger, verliebte ich mich zwei mal. Auch da habe ich die Kontakte abgebrochen. Warum? Weil das nicht richtig war, weil wir monogam sein müssen. Und weil ich nie das Gefühl hatte, mich meinem Partner so sehr zu öffnen. Betrogen habe ich nie. Nun, Emotional wohl schon, aber was kann man schon gegen Gefühle machen? Ich habe die Kontakte abgebrochen und jeweils ein paar Monate Liebeskummer in mir herumgetragen. Btw.: Die letzte Liebe ist mir bis heute im Herzen geblieben.

Wie ihr nun gemerkt habt, spreche ich nicht von Dates und Sex. Was nicht heißt, dass diese beiden Dinge ausgeschlossen sind. Aber es geht mir um mehr. Ich bin durch und durch ein Gefühlsmensch und nehme bevorzugt Gefühle mit ins Spiel. Ich bin ebenfalls ein Mensch, der nicht viel Platz im Leben für Menschen hat, weshalb ich auch nur eine weitere Person „suche“. Auf viel mehr kann ich mich gar nicht konzentrieren und dem auch nicht gerecht werden. Ja, es ist sehr schwer so einen zweiten Menschen zu finden, weshalb ich bisher auch niemanden in dieser Richtung habe. Wir sind halt zu monogam in Sachen Liebe. 🙂

Wie kann man sich das in mir vorstellen? Schwer zu erklären, aber man stelle sich einfach zwei Personen vor, die zwei Menschen völlig unabhängig voneinander liebt. Zwei Beziehungen pflegt, jede auf ihre Weise. Man ist selbst anders mit einem anderen Menschen, interagiert anders, andere Gespräche, andere Gefühle. Nichts davon ist besser oder schlechter, mehr oder weniger. Es ist einfach nur anders. Ich vergleiche nicht. Und es dienst auch nicht der Umorientierung.

Eine monogame Beziehung wird ja auch nicht hinterfragt mit: „was ist denn wenn er/sie sich in den anderen Menschen verliebt/mehr liebt?“ Das kann immer passieren! Und das hat dann nichts mit einem neuen Menschen zu tun, sondern mit der bestehenden und vermutlich instabilen Beziehung. Oftmals liegt das an mangelnder Kommunikation und am mangelnden Verständnis. In einer geöffneten Beziehung ist das nicht anders.

Als ich meinem Partner meine Gefühle eröffnet habe, haben wir in der darauffolgenden Zeit sehr viel darüber geredet, ich habe mich so gut es ging versucht zu erklären. Das war eine sehr große Öffnung meinerseits. Was unsere Beziehung im Nachhinein weiter gestärkt hat. Nicht immer war es ruhig in diesen Gesprächen, Streit würde ich es nicht direkt nennen, denn wir streiten uns eh fast nie und wenn dann nur sehr kurz. Ich bin aber auch eine sehr direkte und offene Person, sofern ich das Gefühl habe, das auch sein zu dürfen. Und genau das ist bei meinem Partner der Fall. Inzwischen ist das aber auch kein allzu großes Thema mehr, denn das ganze liegt schon ne ganze Weile zurück. Wir möchten also noch immer heiraten.

Trotzdem bin ich meinem Partner gegenüber sehr ehrlich. Ich muss keine Nachrichten löschen und auch nicht „auf Fortbildung“ gehen. 😉 Ja, das sind so Ausreden, die man findet. Das finde ich widerlich.

Nun, wenn man sich verständigt hat, ist das ganze eigentlich ganz leicht. Ich lasse mich treiben und informiere meinen Partner, wenn’s was Neues in Sachen Liebe gibt. Ich rede sogar sehr gern darüber, sind ja schöne Gefühle. Es war ein unglaublich befreiendes Gefühl, ihm meine Geschichte zu erklären, meine freifliegenden Gefühle und auch über den Liebeskummer zu sprechen, den ich all die Jahre nur für mich behalten habe. Es ist nicht falsch so zu empfinden, es ist auch nicht falsch so leben zu wollen. Wer bin ich, dass ich für meinen Partner ALLES sein kann? Und wer ist mein Partner? Wundervoll, selbstverständlich und ebenfalls vollkommen ausreichend für mich, in jeder Lebenslage. Und stets mein Ritter in glänzender Rüstung. Nichts fehlt mir. Sicher, in der Monogamie ist das so. Aber ein anderer Mensch ist eben ganz anders und auch auf eine ganz andere Weise romantisch zu lieben. Und auch wenn ich die Liebe nicht definieren kann, einen Fehler kann ich darin nicht finden.

Es geht nicht darum, nicht gut genug sein, nicht um unzureichend sein. Es ist in mir einfach nur anders. Wie zwei Menschen, die fühlen. Und ich fühle einfach so unfassbar überschwappend. Und ja, selbstverständlich möchte ich einem Menschen dann auch nahe sein. So fühle ich eben. Und mein Partner bedeutet mir so viel, dass ich ihm das ehrlich sage, wenn es so ist. Man sieht aber, Polyamorie ist nicht mangelnde Liebe, Betrug, auch kein wildes Herumgepoppe. Es geht um Gefühle, um Bedürfnisse und um die Liebe, Kommunikation, Ehrlichkeit und um das Vertrauen in einer stabilen Partnerschaft. Ich fühle mich frei und mein Herzchen ist offen – für meinen Partner und für das, was da kommen mag.

Gedanken denken.

Das erste, was ich bei Menschen höre, ist ein Dialekt. Mag er noch so unauffällig sein, ich höre ihn heraus. Ich mag Dialekte, deshalb. Ich habe zwar nen Sprachfehler, aber keinen Dialekt…glaube ich. Aber meine Gedanken denke ich im Dialekt, meistens berlinerisch. Irgendwie wird dann alles so lockerflockig. Und wenn ich es witzig brauche, steige ich auf sächsisch um. Find ich einfach total knorke. Darüber komme ich auf das, worauf ich eigentlich hinaus will. Denken. Denken andere Menschen auch so? Denken sie gefühlt tausend Dinge gleichzeitig? In Bildern? In gesprochener Sprache? Und führen sie auch ominöse Selbstgespräche? Man sagte mir, ich müsse mir erst Gedanken machen, wenn ich mir selbst antworte. Na was soll ich da sagen. Ich antworte mir ständig selbst. Wär doch anstrengend, wenn ich allein irgendwelche Menschen analysieren würde. Da mache ich das gedanklich lieber zu zweit. Ich kann da nichts machen, mein Gehirn steht auf analysieren. Es tut das einfach. Machen das andere Menschen auch? Und was ich mich auch frage, denn das habe ich auf irgendeinem Bildchen als Spruch gelesen: denken Menschen an jemanden zurück, wenn man an diesen Menschen sehr viel denkt? Zum Beispiel denke ich an einen Menschen sehr oft, denke aber auch, dass dieser Mensch sich wahrscheinlich nicht mal mehr an mich erinnert. Wäre doch irgendwie schön, wenn dieser Mensch genau das Selbe denkt. Ein bisschen traurig auch, weil es nur Gedanken sind. Kein beisammen sein. Aber wenn ich das auf sächsisch denke, wird’s schon wieder witzig. Ein freudiges Hoch auf unsere Dialekte. Ich find‘ sie alle toll.

Zeit

Die Zeit ist genau der Punkt. Die Menschen wissen zwar, dass diese nicht unendlich ist, aber ihr Handeln ist verschwenderisch. Sie geben sich mit wenig zufrieden. Mit Quantität, mit Belanglosigkeiten, die doch nur zum ewigen Hunger führen. Und am Ende des Tages bleibt immer ein kleiner Moment für das Gefühl übrig, etwas verpasst zu haben. Dass etwas nicht genug war. Warum? Weil es nicht genug war. Und warum? Weil sich die Menschen mit weniger zufrieden geben, als sie glücklich machen würde. Und warum das? Weil Träume, solange sie Träume sind, nicht zerstört werden können. Aber hey, die Zeit ist nicht endlos. Die Zeit an sich, ja, aber deine Zeit nicht. Ich schaue nicht auf die Uhr, weiß nicht was heute ist und auch nicht was morgen ist. Irgendein Tag wird es schon sein und in mir ist es, wenn ich wach bin, ohnehin immer Nacht. Aber ich fühle sie mit Qualität. Nein, es handelt sich dieses Mal nicht um einen Schreibfehler. Ich fühle. Denn ich habe keine Zeit für weniger.

kalt

übrig bleibt schwappendes Blut
in rostigen Rohren
und das zu tief in dir Verborgene
weil ich es nicht mehr kann
bin ich kalt
und findest du mich nahe Nacht
erkennst du mich
nicht

© Amy Herzog

Wie kann ich mit einer autistischen Person umgehen?

Lernen: Informiere dich über die Autismus-Spektrum-Störung. Bücher, Internet, oder du fragst direkt die autistische Person. Nicht stereotypisieren. Jede autistische Person ist individuell.

Grenzen respektieren: Manche ertragen zum Beispiel keine Berührungen (und weitere Reize). Die Sinneseindrücke werden anders verarbeitet, dringen zum Teil ungefiltert ein. Vergewissere dich, zum Beispiel durch Fragen/vorherige Ankündigung, dass es in Ordnung ist, was du tust. Und sei nicht böse, wenn die autistische Person zurückschreckt oder sich zurückzieht, denn wenn sie dich mag, dann nicht vor dir, sondern vor dem Reiz. Meide Gruppen, viele (oder unangenehme) Reize, damit sich die autistische Person besser auf dich konzentrieren kann.

Erwartungshaltung emotionale Reaktionen: Die autistische Person möchte höchstwahrscheinlich alles richtig machen, weiß aber ggf. nicht, welche Reaktion/Handlung angemessen ist. (reagiert möglicherweise unangemessen oder gar nicht)

Sei nicht böse, wenn die autistische Person Probleme damit hat, verbal über Gefühle zu sprechen. Diese sind selten sachlich und logisch. Finde andere Wege, individuell. Schriftlich, per Mail, poetisch, in Bildern oder vielleicht sogar körperlich. Es gibt Autist:innen, die die Liebe in einer Partnerschaft an der Häufigkeit von Sex berechnen (als Beispiel). Es ist also vieles möglich.

Klare Sprache: Spreche deine Bedürfnisse oder deine Wünsche klar aus. Generell, sprich mit der autistischen Person, dann weißt du in der Regel, woran du bist (die autistische Person ist in der Regel direkt und ehrlich). Sei auch du ehrlich und direkt. Wenn du Hilfe benötigst, bitte sie darum und jammere nicht. Gib der autistischen Person Zeit für eine Antwort.

Dieses Salz ist
und würde es mich nicht zerreißen
könnte ich dich nicht atmen
nicht fühlen, oft
und dann die Sehnsucht nach
Kerzen und Zimt

© Amy Herzog

asystolie

bilder
in deiner berührung
setzen sich
in rippen gerahmt
zusammen
und mein herz
schreibt für einen augenblick
asystolie

© Amy Herzog

untertauchen

bis dahin tauche ich unter Wasser
und schmecke das Paradies
kippe Honig in meinen Verstand
Trauerweiden und Vollmond
wickle mich um den kleinen Finger
in einhundertprozentiger Schokolade
küsse aufgeschäumte Lippen
und verschwende das schönste Fragment
meines gebrochenen Herzens

© Amy Herzog

4 minuten

und jetzt ist alles wortrauschen
und mondsichel
genau zwischen kuss
und dem verschwitzten atemzug
war ich vier minuten
relevant in dir

und die totgeklatschte fliege
am nassen fenster
ist irgendwie trauriger als sonst

© Amy Herzog

mehr

Am Ende sind wir nur
Protoplasmen
[biete: frisch gereifte Eizellen
verlange: mikroskopisch kleine Fische
]
mit dem Drang zu ficken
und die Sehnsucht
nach mehr Bedeutung darin

© Amy Herzog

es tropft –

Durch die literarische Vollkatastrophe
die ich schreibe
tropft sich langsam Sperma
der verletzte Himmel
denkt an einen
tropfenden Wasserhahn
und meine erloschenen Augen
notiere ich am Rande
einer abgeschlossenen Welt

© Amy Herzog

eins

im verrückten
Geist
eines einsamen Schriftstellers
sind wir
die selbe Figur

© Amy Herzog

Der Moment davor

Der kurze Moment
davor. Es ist still.
Und dann behutsam:

Feuerwerksmagie
fließt in unseren Venen
Wasserfarbenozean
schwimmen
Fußbunte
Spuren auf der Haut
in Diamant
eingefasste Blicke
treffen sich
Lichtdurchflutet
im synchronisierten
Atemzug

© Amy Herzog

sehe dich

so tief in dir
ver
borgen
schwerklar
die Phantasie nur wo
ist dein Leben
und wann kommst du
heraus

sag mir
was passiert ist
hier
und ich sehe
dich an

© Amy Herzog

Wen würden wir ohne Körper ficken?

Es tut mir nicht leid, was ich hier schreibe. Denn ich nenne das Kleingeist. Menschen, die sich an Fleisch aufgeilen. Also nicht das tierische, was auf’m Grill landet, sondern das Menschenfleisch zum bespielen. Bisschen Smalltalk und dann weg mit den Klamotten. Seltsame Vorstellung. Für mich abstoßend. Ich denke einfach nicht körperlich. Und da frage ich mich, würden wir plötzlich alle keinen Körper mehr haben, oder alle exakt den Selben, mit wem würden die genannten Kleingeister dann noch ficken? Ja, ich bin vom Schönheitsideal und dieser Oberflächlichkeit hart abgefuckt. Kann ich selbst nicht mithalten? Auch ja. Bin ich deshalb vielleicht hart abgefuckt? Vielleicht. Kann ich nicht beurteilen, weil ich nie einen anderen Körper hatte. Wäre ich im Inneren trotzdem der selbe Mensch, die selbe Seele? Ja. Wäre ich deshalb genauso abgefuckt? Mit Sicherheit.

Mir tun solche Menschen irgendwie leid. Ich fände es sehr einsam, die vielleicht nicht. Das weiß ich nicht. Ich komme selten langfristig mit solchen Menschen ins Gespräch. Die flüchten vor mir. Was praktisch ist, denn ich brauche so etwas nicht. Ich habe lieber eine wunderschöne Seele in meiner Nähe, als fünf Fleischhaufen in meinem Bett. Was fänden die Menschen eigentlich schön, wenn wir keine Körper (oder alle exakt den Selben Körper) hätten? Wie würde die Seele aussehen? Nun, ich stehe überhaupt gar nicht auf Kleingeister. Das ist nun quasi Oberflächlichkeit auf Seelenart. Nur ist im Grunde niemand wirklich nur Oberflächlich. Es ist bloß (für einige Menschen) einfacher einen schönen Körper zu sehen, als sich einer schönen Seele zu öffnen.

Wir kommen so nicht auf die Welt. Wir verlernen es nur, leben, werden verletzt, enttäuscht, geben auf. Und dann stürzt man sich auf den nächstbesten Körper und nennt das Nähe.

PS: Die Frage: „Was ist dein Typ?“ finde ich sehr merkwürdig. Bezieht sich eigentlich auf’s Aussehen. Schon klar. Hab nur keinen. Ich weiß, viele sagen das so daher…weshalb es kaum Bedeutung hat, wenn man es tatsächlich ernst meint, dass einem Körperlichkeiten egal sind. Das gibt doch irgendwie auch zu denken. Diese Bedeutungslosigkeit.

…das erinnert mich: hab früher gerne die Seelen der Menschen gemalt. Sollte ich mal wieder machen. 🙂

Schon wieder Liebe, immer Liebe.

Ich habe mal wieder, wie so oft, über die Liebe nachgedacht. Liebe soll ein schönes Gefühl sein, aber irgendwie ist sie, wenn sie da ist, einfach nur da. Diese Vertrautheit, Loyalität und im besten Fall auch die Ehrlichkeit. Und was da sonst noch so dazugehört. Aber erst wenn es schmerzt, so sehr, dass du dich wimmernd auf dem Badezimmerboden wiederfindest, den Tod herbei sehnend, dann muss es Liebe gewesen sein. Und dann ist es so, als würdest du den schönen Teil überspringen.

Verliebt war ich nie, nein. Dieses blinde Idealisieren durch die rosarote Brille. Schmetterlinge, weil der Mensch perfekt ist. Würg. Der Mensch ist nicht perfekt. Man blendet lediglich die Fehler aus, während der Andere alles daran setzt, diese zu verbergen. Aber ich bin ein Mensch, der ständig und alles beobachtet, analysiert und aus den kleinen beliebten Lügen eine Wahrheit formt. Eine hübsche Fassade geht mir ehrlich am Arsch vorbei. Ich betrachte das Gruselkabinett im Inneren, den angesammelten Messimüll, der mit einem freundlichen Lächeln überdeckt wird, während die Haustür nur einen Spalt weit geöffnet wird.

Auf dem Badezimmerboden, oder dem nächsten Boden, auf dem ich zusammenbrechen konnte, da lag ich bereits das ein oder andere Mal. Eigentlich lag ich da nur ein Mal so intensiv sterbend, um ehrlich zu sein. Und hätte mich niemand aufgehoben, läge ich da vielleicht noch heute, wartend auf den Tod. Nun, so sehr kann ich offenbar lieben. Fragezeichen. Ich weiß zwar nicht, was das ist, weil es einfach nur da ist, aber als es meinen Körper aufgefressen hat, wusste ich, dass das wohl Liebe gewesen sein muss. Aber das ist doch nicht erstrebenswert. Nicht so. Und niemandem würde es je wieder gelingen, so tief in mich einzudringen, sagte ich mir seinerzeit.

Gleichzeitig ist da die Sehnsucht in mir, dieses Gefühl, genau diese Intensität als das zu empfinden, was die Liebe angeblich sein soll. Schön. Ich würde also gerne schön auf dem Badezimmerboden zusammenbrechen. So, oder so ähnlich. Ob es das gibt, oder ob das nur eine Sehnsucht ist, die immer Sehnsucht bleiben wird, weiß ich nicht. Aber ich werde es irgendwann auf irgendeine Art herausfinden.