Ich wünschte, so etwas
besser ausdrücken zu können.
Denn ganz oft sind es Kleinigkeiten
diese Unscheinbaren,
manchmal nur ein kleines Wort
und deines tut mir gut.
© Amy Herzog
Ich wünschte, so etwas
besser ausdrücken zu können.
Denn ganz oft sind es Kleinigkeiten
diese Unscheinbaren,
manchmal nur ein kleines Wort
und deines tut mir gut.
© Amy Herzog
Darauf eine Tasse Kaffee zum Frühstück,
viel Regen und ein Stückchen Weg.
Halte meine Hand,
bevor ich mich in einer Pfütze verliere.
Wie verrückt ich werden kann?
Na, wie nicht?!
Dann halte ich die Luft an
für die Antwort,
die mich wieder atmen lässt.
War immer nur Reflex.
Und Angst.
Aber reden wir
nicht.
Ich halte deine Hand,
bevor die Pfütze mir zeigt
was Wahr ist.
Und wenn ich ertrinke,
dann denke ich
an dich.
Und atme weiter.
© Amy Herzog
Dein hungriger Geist
so leergefühlt
wie ein einsam erfrorener Vogel
der vom Ast fiel
Wie treiben deine lauen Funken und
im Wellenschlag ertrunkene
Leidenschaft
verloren in der Nacht
und unsichtbar durch den Tag
über deiner ängstlichen Hülle nur eine
flackernde Glühbirne
die ihrer eigenen lauten Sehnsucht
vor deiner im Sterben lag
Mein hungriger Geist
so leergeküsst
nur lass mich schwimmen
im Kerzenschein durch die Vollmondnacht
und wie mein Leib aus Schmerz
die Kunst erschafft
lass mich die deine ewige
Kalliope sein
© Amy Herzog
geräuschlos
jagt laut und tief
der an fang
nach j e d e m ende
in mir
-serviert
mir deine Lüge
damit ich
still
an etwas glauben kann
ich weiß nicht
w o r a n
wenn nicht an dich
dann an …
© Amy Herzog
Du kannst mich nicht studieren.
Ich bin gegangen.
Hautlose Knochen sitzen
und schweigen im Rhythmus
von Grasgeflüster.
Den kalten Kuss geschenkt
nur ein Lächeln
liegt verstaubt in deiner Hand.
Du kannst mich nicht mehr lieben,
denn das Wahre ist gegangen
und schaut nicht zurück.
© Amy Herzog
Dein altes Bild
tropft mir aus dem Mund
wie wärmend über Kinn und
ungeküsste dunkelzarte Lippen
malerisch auf Haut, Brust und Rippen
und duftet dickflüssigrot die Lust
spielendlieben Vollmondzungen
in Feuerkerzen, Luft und Wein
verewigt im tiefen Bauch
so bist du mein
© Amy Herzog
Wenn ich dich nicht festhalten kann, dann die Halluzination. Zwischen der Leidenschaft, die um unsere Lippen tropft, über das Meer, welches wir mit unseren Zungen füllen, bis in die Gruft, in der wir gemeinsam in Vergessenheit geraten. Und ich schlafe, schlafe, schlafe in diesem kleinen Traum und falle auf die Knie vor schwermütigschlagender Distanz in meiner Brust. Das morsche Herz, es schlägt eisern am wolkenlosen Himmel und ersehnt in dieser zehrenden Seelendürre nichts mehr, als deinen warmen Regen. Selbst die Szenen in meinem Hirn starren nach einer Weile nur noch aus dem Fenster, wie sich nichts darin spiegelt. Ich bin unsichtbar wie der Wind ohne Blätter. Und dann schließe ich fester meine Augen und halte dich auf meinem unbeschriebenen Papier fest. Und ich schreibe eine endlose Geschichte über kalte Tränen, Leben und Traum…

© Amy Herzog
Mein roter Schwan
ich brenne
löcher in meine weiße Haut
und werde Asche
ohne dich
trinke bodenloses Herz
aus deiner Seele
und werde
ich
© Amy Herzog
Ein bisschen
kann ich nicht lieben
nur ein bisschen kann ich nicht
von deinen Ammenmärchen
trinken, ich bin viel zu betrunken
für ein kleines bisschen
Wieder zwei Uhr Nachts
und tue, als könnt ich nicht hören
nicht mehr schreiben und nicht lesen
mein Sturm verlagert sich
und klopft an deine Jalousien
Selbst wenn’s ein bisschen
kaltes ficken vor meinem Ende
reichte ich dir doch immer wiederkein bisschen meine Hände
und mein altes Herz
Nur ein bisschen
kann ich nicht lieben
ich bin viel zu betrunken
und werde immer weiter trinken
bis mich dieser Sturm erlöst
© Amy Herzog

TW: Gewalt
Irgendwann drückte ich die Zigaretten,
die er auf meiner nackten Haut ausdrückte,
selbst aus, damit er es nicht tat.
Du denkst, du kannst mich verletzen?
-Nein.
© Amy Herzog
wie lang der rest des lebens
die zeit ist nie genug
aber wärs für eine nacht
dann gehörte ich für immer dir
© Amy Herzog

Zeige mir w i e
SCHMERZhaft es sein kann
lass mich d e i n e n
Schmerz spüren
dein traumtötendes Leid
in verborgener Angst
und in zärtlichstiller Dunkelheit
wispere ich nah w i e
Hingebungsvoll meine Liebe ist
© Amy Herzog
Schlafende Nacht:
dein roter Handabdruck
auf meinem Arsch
und die Zigarette danach
am offenen Fenster
des Nichtraucherhotels.
Endlich aufgewacht:
in deiner Nacht.
© Amy Herzog
unaussprechlich
dieser diffuse hunger
nach gefühl
atme ich dich ein
und halte die luft an
für immer
satt
© Amy Herzog


dieses Umherschwirren
unberechenbar brechend in dir das
haltlose Flirren
und fühlloses Reißen
bittest nachts um Hilfe schr
ei Hertz schrei
zum Morgen (grau) en
tauen Tauben auf deinem Grab
wie wi ll st du, wie bewegst du
was im Innternen stirbt
immer Laternenindir
und ich brauche
doch LICHT Herz
LICHT LICHT LICHT L
© Amy Herzog


Wollen dann wieder Verbindung
nicht. und sehen sie nicht
dann doch unter keinem Umstand
in dieser abstrusen Stille
die wir geflissentlich ignorieren
© Amy Herzog

die Nacht vergisst
zu atmen,
ich tue es ihr gleich.
was ist hier geschehen?
na, wieder Nacht, wieder wach.
kalt, dann voll, dann wieder schwach.
schwarzer Äther lacht
und mein Kaffee schmeckt alt.
ahnungslosigkeit windet sich raus,
klarheit will nicht gelingen.
den letzten Gedanken habe ich verworfen,
war Romantik, war verdorben.
lasse mir das Falsche chirurgisch entfernen,
und wenn der Morgen flüstert
stricke ich mir aus übrigen Spinnweben
einen passenden Strick.
© Amy Herzog
Die liken halt. Die schreiben halt.
Ich weiß nicht warum.
Aber meine absolute Flirtunfähigkeit
bricht deren Verstand.
© Amy Herzog

Verrutschten Lidschatten über Gefühle gemalt,
sie lächeln sich unter den verküssten Lippenstift.
Ein wenig Frage steht im kleinsten Raum: Ich.
Und der Wunsch nach dem Abend davor.
© Amy Herzog
Alle elf Minuten verliebt sich jemand über […]. Sie ist schneller. Sie muss schneller sein. Die „das war knapp“-Momente häufen sich. Vor dem überqueren einer Straße hat sie aufgehört nach links oder wenigstens nach rechts zu schauen.
⁃ wie hat es sich angefühlt über dich zu schreiben? Komplett eskaliert. Schon vor Sonnenaufgang.
Sie hat aufgehört Fragen zu stellen. Diese Gleichgültigkeit berührt sie tiefer, als jeder Schwanz. Nur wenn sie mal wieder ein Buch liest fragt sie sich, bei welchen Worten der Autor wohl nackt war, als er sie geschrieben hat. Beim lesen fühlen sie sich nackt an.
⁃ bei acht von zehn Worten bin ich nackt. Bei den übrigen töte ich etwas in mir.
Und dann wieder diese Massenpsychose. Der eine sagt, sie ist nicht schön, der andere sagt, sie ist nicht klug. Dabei ist sie einfach nur nicht Frau genug. Benimmt sich brav wie ein Mensch, der nicht weint und stattdessen eine raucht.
⁃ könnte ich mich heute selbst vergessen, schenkte ich dir meine Haut.
Alle elf Minuten schlägt ihr jemand auf den Kopf. Beim letzten Mal ist es durch ihre Kehle gerutscht und unzusammenhängend im Herz gelandet. Direkt zwischen Mittelfinger und ficken. [hier ein poetisches Happy End einfügen]
© Amy Herzog
Der erste Wind
am Abend haucht mir ein
ich ziehe hin
du hältst mich an
ich verrückt
und du bist zu kaputt
lass uns über die Nähe tanzen
zusammenfestgedrückt
unter den Augen
zahlloser Glühwürmchen
© Amy Herzog
Mein lippenzarter Rosenkuss
deine Zunge hängt in fernen Weiten
die mein Mund nicht mehr erreichen kann
im Himmel tanzt mit tausend Sternen
jedes Wort am fremden Herz
ich sehe Funken, Blitz und Donnerschlag
unter deiner grauen Wolkenbank
lautes Niederschweigen
umkreist mich seit einer Ewigkeit
und wartet auf den Kuss
der Wort und Mund vereint
© Amy Herzog
müde im hellwachsein
hungrig nach großen gefühlen
lügen scheuermilch und drahtschwamm
über blankgezogene nerven
damit sich irgendwas in mir bewegt
halt den vortrag übers schweigen
schreibe wortlos leere seiten
schreien laut als leise
wie sich diese zwischenzeile legt
starre in die ferne
perspektive sucht nach wärme
in entfernten gedärmen
weil ich fremd geworden bin
© Amy Herzog
Auf der Skala
von eins bis zehn
laufe ich hin und her
und finde die Metapher
eines arrhythmischen Klopfens
da ist Bedeutung in mir
Wahrheit im Wort
da ist Gefühl
schwer wie Meere
kann nicht vergessen
nur leugnen die weite See
schaffe Raum dafür
auf einer Skala
von eins bis schwer
laufe ich in diesem Ende
müde hin und her
© Amy Herzog
es genügt mir nicht
das ganze ist
viel zu viel das alles
überschwappend
dies kleine wir
viel zu viel
aber nie genug
mehr meer
in so viel sterben
bevor es lebte
dieses wir
das alles
viel zu viel
ist niemals genug
wann sind wir viel
nicht zu viel
genügen
wir
© Amy Herzog
ein Entgleiten auf der Eisbahn
voll von Verliebten
im Zauber des Weihnachtsmarktes
liege in zerbrechlicher Mitte
und sehe das buntflimmernde Licht
Vorträge wehen zwischen kahlen Bäumen
mein Schweigen aber sitzt so tief
wie der Schmerz
der mir im Treiben um mich
die Leere im Ich zeigt
© Amy Herzog
Niederschlagsliebe
ich werde nass
spanne den Regenschirm auf
ich sterbe schwach
© Amy Herzog
etwas, das nähe heißt
bleibt mir fern
in diesen fremden armen
drückt meine echtzeit
gegen die sollbruchstelle
meines staubigen sternums
du sagst: ich liebe dich
aber
ich bin mir fern
in deiner nähe
und weine nach innen
ich sage: ich liebe dich auch
[gedanken schweifen ab]
© Amy Herzog
Grenze in mir
jeder Satz feindlich gestimmt
deine Tür gerade Luftzugbreit geöffnet
summt ein infernalisches Lachen in meinen Hals
und ich atme dich in die kleine Mitte
die ich mir erfunden hab
Wie reibe ich die Wunden
die du küsst
im Tagtraum bis tief in meine Nacht
nur um irgendwas zu fühlen
das was ich nicht beschreiben kann
kann dich auch nicht berühren
Grenze in mir
wo jedes Wort erstickt
für’s gesittete Menschlein verdorben
doch für die Hölle noch zu gut
lebt mein Schweigen von der Kälte
und stirbt an deinem Blut
© Amy Herzog
bahnhof in der nacht
niemand findet, niemand sucht
trunkenbold, der weise
singt von fernweh hinter kerzen
dies feuer aber leuchtet
mir die sehnsucht nach dem heim
unter kälte, unter schmerzen
sollt’s der nächste zug mir sein
kann nicht fühlen, nicht mehr sehen
wohin die roten blätter wehen
erbamungslos ihr glanz
so verrottet auch ihr letzter tanz
und weiß ich nicht wohin
bahnhof in der nacht
sag, wie laut schweigt dieses licht
sag, wie oft fährt diese bahn
und wieso finde ich dich nicht?
summt es denn lauter, summt es leiser
trunkenbold, sag bist du weiser?
singst von fernweh, singst von wärme
blendet mich denn nur mein herz
sag, was deutet diese liebe
find‘ ich weh, so find‘ ich heim
mein feuer in der ferne
© Amy Herzog
dieser bittere Nachgeschmack
legt deiner Sehnsucht vor dem schlafen
ein Stück Eifersucht auf’s Kissen
und du hasst es, mein Wort
und du liebst diese unstillbare Sucht
diese Wunden, dieses offen sein
machtlos gegen die Angst
über die du heißen Zucker gießt
ein Vielleicht schweigst du in deine Tiefe
vielleicht schmeckt diese Sehnsucht
nach Wahrheit, etwas Irrsinn und Leben
© Amy Herzog