Gedanken: Freundschaft

Meine letzten Nachtdienste habe ich, wenn ich nicht gerade sehr beschäftigt war, mit dem nachdenken über Freundschaft zugebracht.


Selten so unzufrieden gewesen mit meinen Gedanken und dem Versuch, diese in Worte zu fassen. Zum löschen gerade gut genug.


Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine richtig dicke Freundschaft gehabt zu haben. Als Kind vielleicht eine übliche Kinderfreundschaft. Aber nichts, was mir groß im Gedächtnis geblieben wäre. Und seitdem ich mich gut erinnern kann, hatte ich keine Freunde. Natürlich habe ich hier und da versucht dazuzugehören, aber dies endete bestenfalls in einer freundlichen Duldung der anderen. Es lag nicht an den anderen, es lag an mir. Weder bin ich in der Lage in Gruppen zu sprechen, dem Gespäch zu folgen, noch schaffe ich es, ein Gespräch selbst voranzutreiben. Schlimm fand ich das nie. Ich war am liebsten allein und habe mich mit dem beschäftigt, was mich begeisterte. Und so ist es noch immer.

Trotzdem kommt mir in der letzten Zeit gelegentlich der Gedanke, dass es schön wäre, einen echten Freund oder eine echte Freundin zu haben. Dieses „echt“ versuchte ich in den vergangenen Nächten zu definieren.

Dazu müsste ich zu erst wissen, was Freunde eigenlich so machen, was eine Freundschaft ausmacht. Eine allgemeingültige Definition. Der Duden meint dazu: „auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander“. Das erscheint mir wenig hilfreich. Also greife ich auf Beobachtungen zurück. Freunde gehen zusammen was trinken, ins Kino, zum Sport oder Shoppen. Naja sowas eben. Aber was reden die eigentlich? Oh man…selbst wenn ich mal so ein Gespräch mitgehört habe, kann ich dazu nun so
gar nichts schreiben. Mein Hirn schaltet da komplett auf durchzug und begibt sich auf die reise in die eigene Welt. Woran ich mich noch wage erinnere sind so aktuelle Themen, die das Privatleben betreffen. Ärger mit dem Partner, mit dem Job, Lästern steht hoch im Kurs. Oder das Gespräch ist bezogen auf die derzeitig ausgeführte Aktivität. Beim Sport über Fitness und Ernährung vielleicht, im Kino bzw. nach dem Kino über den Film, beim Kaffee allgemein über die Erlebnisse der Woche, und beim Shoppen darüber,
was einem so gefällt. Je vertrauter die Freundschaft, desto intimer werden die Gespräche. Die Freunde bekommen Einblick in die Gefühlswelt des anderen. Oder es geht einfach nur um den aktuellen Klatsch und Tratsch. Sowas, was man beim Friseur machen muss. In dem Zusammenhang: Ja, ich schneide mir die Haare selbst und bin inzwischen (in den meisten Fällen) auch ganz gut darin. Ist aber auch egal, trage eh immer nen Gammeldutt.

Ich habe überlegt, was ich von einer Freundschaft erwarten würde. Und so genau weiß ich das gar nicht. Dazu müsste ich eine Person kennen, die ich auch Freund nennen könnte.

Aber nehmen wir mal an, ich könnte mir jetzt nen Freund oder ne Freundin basteln.

Alter, Herkunft, Religion, Aussehen, Sexualität oder Geschlechtsidentität sind mir völlig egal. Ok, das Alter wäre mir vielleicht nicht ganz egal. Die Person sollte die geistige Reife eines erwachsenen Menschen besitzen. Diesem Freund sollte das im Gegenzug ebenfalls egal sein. Dieser Freund sollte sich für ein oder zwei Themen sehr begeistern können. Diese müssen nicht mit meinen Interessen übereinstimmen. Vielleicht kann man etwas voneinander lernen. Und gelegentlich gemeinsame Zeit produktiv nutzen.

Er/Sie sollte es völlig normal finden, mal keinen und dann wieder sehr viel Kontakt zu pflegen, bei gleichbeibender loyalität. Schriftlichen Kontakt finde ich sehr toll, eine Mail oder auch einen Brief mit vielen Seiten, dann aber auch wieder einfach mal ein Wochenende miteinander zu verbringen. Sich gegenseitig etwas vorlesen, einen Filmemarathon starten, nichts dagegen haben, einen Film zum hundertsten mal zu sehen oder ein Buch zum hundertsten mal zu lesen. Oder Gespräche zu führen, die längst geführt wurden. Ich hab ne Schwäche für ständige Wiederholungen. Also unterm Strich könnte man sagen, wenn andere über diese Person sagen, dass sie langweilig ist, dann wär das für mich
ein riesiger Pluspunkt, denn ich bin auch dieser langweilige Mensch. N‘ merkwürdiger Einsiedler ist toll. Ein richtiges Kellerkind. (Ein Keller ist nicht zwingend nötig, ein dunkles Zimmer tuts auch). Jemand, der sich in sich selbst vergraben kann, aber manchmal auch herauskommt, um sich eine Umarmung abzuholen. Und als Krönung das ganze auf der Grundlage von „ich hasse Menschen“.

Peinliches Schweigen ist ein Tabu. Es gibt nur schweigen. Peinlich ist daran nichts. Gedanken und Meinungsaustausch, offene und tabulose Gespräche (Tabuthemen werden von der Gesellschaft vorgegeben, damit hab ich nichts zu tun).

Direkte Kommunikation. Loyalität. Vertrauen. Beständigkeit. Absolute Ehrlichkeit (vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Haustier und Mensch)

Ach, diese Liste ist so unvollständig und meine Gedanken dazu völlig durcheinander. Unausgereift.
Ich glaube nicht, dass es so einen Menschen gibt. Und selbst wenn, kann ich nicht auf diese Person zugehen, kein Gespräch am laufen halten usw.

Freisinn


Schlaflos war der Tag
und schlaflos die letzte Nacht
aber Müdigkeit ist ehrlich
und Gedanken frei

Zeit mich dem zu widmen
abzuschweifen und weiter zu ziehen
was bedeutsam für die Seele
aber nichtmal der Traum
zu kennen vermag


© Amy Herzog

eine träne der erinnerung

alles ist anders
ruhiger – ruhe ist gut
das reden wir uns ein
wir haben platz
gefunden

erinnerung
ist ein wertvolles gut
damals brauchten wir mut
und selbst wenn wir’s nicht wussten
wir haben ihn gefunden

nun haben wir platz
unseren ganz persönlichen
der uns ewig erhalten bleibt
schön, ruhig und sicher
der mut kann geh’n

und die sehnsucht
wenn wir tief in der nacht
zu den sternen blicken
und an szenen denken
die nie gedreht wurden

doch warum nicht
warum tauschten wir diesen
aufregend wunderbaren mut
gegen ruhe – damals richtig
heute ist sie zu ruhig

und wir haben gelernt
dass sehnsucht nur noch
wenn verantwortung schläft
ein stern hoch oben trägt
schwebend und ruhig

das schönste auf der welt
in einer kleinen träne
der erinnerung

© Amy Herzog

graue tränen…

 

tränen
die ich um dich weine
sind längst zu schmerz erstarrt
kalt zu stein
im herz aus glas
konntest du sie niemals sehen
so wie in mir
die farben fehlen

zerbrochen
seh ich keine farben
du hast sie mir genommen
schimmert auch der mond nicht rot
nur im grau schreien letzte worte
wo tränen nicht mehr
schreien können

© Amy Herzog

Zu Eis erstarrt..

Halte, bitte halte mich
denn ich bin zu Eis erstarrt
lautlos knien, sinken, brechen
flehend mit dem Herzen sprechen
schlug ich auf den Boden hart
bitte ziehe nicht dein Messer
bitte mache keinen Krach
halte mich, nur wärme mich
denn ich bin zu Eis erstarrt

 

© Amy Herzog

 

Nachtdienst

Der Nachtdienst macht sich nicht allein,

obwohl ich werd‘ allein dort sein,

ein Rennen hier, dann schnell nach da,

fall’ in der früh ins Bett hinein.

© Amy Herzog

jungfrauenherz

Du ewiges Einerlei
was weiß ich
wohin Sehnsucht treibt
der Kopf ist Alt
das Herz bleibt Kind
aus halbem Wunsch
die andere blind

Du unsich’re Stadt
ich bleibe beim Hafen
dort, wo wir uns trafen
mein Bauch ist voll
das Blatt ist leer
doch lebe ich
was will ich mehr

Du kleines Kind
gar jungfräuliches Herz
sieh her, du kannst
Sehnsucht nicht mal schreiben
so hör auf zu leiden
und sei dir gewiss
dass alles was du weißt
am Ende anders ist

© Amy Herzog

Warten!

Kein Wort!
Kein Atem!
Kein Schrei!
Durchdringt meine trockene Kehle,
gefangen bleibt der Sinn,
meine von Maden zerfressene,
kleine Melancholieblutende Seele!

Im Aschestaub zerfallen,
regnet vertrocknete Liebe
Reißt Löcher tiefer ins rote Fleisch.
Herz aus Eis,
ohne Seele,
voller Leere,
im Wertlos dunkelroten,
warmen Teich!

Beiklatschen zum Elend
tiefer ins Schwarz!
Ist der Herzschlag
nur einen Tod weit entfernt.
Rase gefangen
Richtung fliegen im Traum,
liegen im Schaum,
warten, auf die Liebe
die mich endlich befreit!

© Amy Herzog

Weg

Wer den einen Weg geht
nimmt bei der Hand
die Melancholie
weil der andere Weg
verwehrt bleibt
die Phantasie
treibt an

© Amy Herzog

Das fünfzigtausend-Teile Puzzle

Sie hat noch nie, ja wirklich in ihrem ganzen Leben noch nie, ausführlich darüber gesprochen. Eine Handvoll Menschen wissen davon, oberflächlich versteht sich. Kleine Puzzlestücke verteilte sie über die Jahre. Eine Handvoll Menschen haben ein fünfzigtausend-Teile Puzzle, wovon ihnen neunundvierzigtausendneunhundert Teile fehlen. Und diese wird sie vermutlich mit ins Grab nehmen. Sie ist eine Frau voller Geheimnisse. Grauenvolle Geheimnisse, getarnt hinter einem Lächeln als gut behüteten Schatz.

Fünfzehn Jahre, und das ist nur eine ungefähre Zeitangabe, hat sie überlebt. Natürlich wird eingeredet, dass das kein Überleben ist. Von jenen, die ein oder zwei Puzzleteile von ihr gezeigt bekommen haben, denn sie hatte ja gar keine schlimme Krankheit. Noch mehrere Teile dieses gut behüteten Schatzes haben diese Menschen dann auch nicht verdient. Denn sie haben nicht mal die Rechnung für diese ein oder zwei Teile begleichen können.

Nach außen war sie das, was von ihr erwartet wurde, nahezu Oscarreif. Im Innern, hinter unüberwindbaren Mauern, hat sie überlebt. Sie ist eine überlebende. Am Ende bekam sie zwar keinen Oscar dafür. Nur ihren gut behüteten Schatz. Und nicht, dass sie es gebraucht hätte, denn wer braucht das schon, aber sie bekam noch eine weitere wertvolle Sache für ihr Leben. Viel wertvoller als es ein Preis je sein könnte. Nämlich die absolute Gewissheit, dass sie nie wieder überleben muss.

Dieses Puzzle hat einen Wert, den niemand je bezahlen könnte. So glaubt sie jedenfalls zu wissen. Man sagt das wohl so: „ich vertraue dir zu 100%“, aber der Wert dieses Puzzles entspricht tatsächlich diesen „bis in alle Ewigkeit 100%“. Und sind wir mal ehrlich, diese 100% sind entweder vorgetäuscht, oder nur von kurzer Dauer. Es ist das wertvollste, das sie sich vorstellen kann. Und deshalb hat es diesen, im Grunde nicht bezahlbaren Preis.

Was bleibt ist hin und wieder ein leiser Wunsch danach, dieses Puzzle doch mal jemanden legen zu lassen, denn nicht mal sie selbst hat es bisher vollständig gelegt. Sie hat angefangen und die Teile wieder in die Kiste gepackt. Denn wer hat heute schon die Zeit dafür. Nein. Diese einhundert Teile reichen völlig aus, es ist schnell gelegt und nicht allzu kostspielig. Und gerade genug, um ein wenig Grauen erkennen zu können, gerade ausreichend, um nicht selbst daran zu erblinden. Dennoch trägt sie weiterhin dieses Puzzle mit sich herum und behütet es als ihren wertvollsten Schatz.

Warten

ich möchte nicht träumen
ich will leben!
also bleibe ich wach
und warte 

auf dich
mich

auf nichts 

© Amy Herzog

Ewigkeit und Gold

nass, nass!
gold’ner Regen
fließt mit Kuss und Salz
schimmern, schweben, legend
tief wie abertausend Flüsse
fest um meinen Hals..

im Rausch
hast du die Luft geraubt
so steigt und steigt dein Meer
Pirat! sag ich, komm her
stehle was ich hab
und mehr!

© Amy Herzog

am galgen

wie schwindel, feuer, rauch
durch ungestellte fragen jagen
als wäre es ein buch an mich
so schrei ich laut um hilfe
doch brauche sie doch nicht

kann puls und hirn und brust
dein buch nicht länger tragen
bricht schweigen dein genick
mit schwerem wort am galgen
gewährst den letzten blick

© Amy Herzog

Wahlsonntag

NRW darf wieder wählen,
am Ende ein Ergebnis steht,
ich geh‘ Eure Stimmen zählen,
bis die Sonne untergeht.

© Amy Herzog

Tiefe Küsse…

Leise Musik
die uns fallen lässt
– sanft im Tanz
der tiefen roten
Leidenschaft

Drehen wir uns
– hin und her
Gefühle pulsieren
durch unseren Raum
Kreuz und quer.

Körper umwickelt
in goldenen Locken
– streicheln uns
in weiche Wolken
weiße Flocken

Wortlos vertieft
in unserer Welt
alles andere schwarz
– allein, nur wir
im Mondschein
erhellt

Küsse
die uns eng
verschweißen
unwichtig die Luft
das Leben – alles
nichts kann uns
aus unserer Welt
herausreißen
– jetzt

© Amy Herzog

Dein inneres Kind

Im Zweifel meiner Neugier
bist du ein Schatten
auf der Suche nach dem Licht
das dich besser sieht
als du dich selbst

So flieht dein Leib
das innere Kind
weil große, starke Männer
nun mal nicht so sind

Und bleibt dir nur ein Wort
keine Schulter, kein Schoß, kein Weib
nein, dein Leib bleibt Schatten
und Sehnsucht, die bis an’s zähe Ende
an deiner wunden Seele reibt

© Amy Herzog

Zensiert

komm zu mir
wenn du wieder besoffen bist
dann machen wir das
was du dich sonst nicht traust
der Rest ist zensiert
und das danach passiert
in Rauch

© Amy Herzog

Widmung im Geist

Mir stockt der Atem
11.05., Jahr egal gefunden
kurz davor zu schreiben
Geist, halt mich davon ab
Atme wieder, atme

Furcht stottert von Durst
zu lange nicht die Lust gekost‘
trinke ich Euch leer
Geist, halt mich davon ab
Ihr schmeckt nach Rost

13.05., Jahr egal gefunden
‚Am Ende des Weges
seid Ihr es – zerbricht
nur Ihr Euch als einziges‘
doch hoffe ich nicht

© Amy Herzog

Seelenleserin

Letzte Nacht gesucht
aber irgendwann getrennt
nur in meinem Kopf
lese ich noch in deiner Seele
(du wüsstest was ich meine)

Dein Feuer brennt
noch immer in den Venen
lese Freude, Frucht und Mond
treibe weiter, Freund
im Nächsten Seelenleben
wirst du mir fehlen

© Amy Herzog

Dreiundzwanzig Tage Regenbogengarten

Regenbogenbilder regnen mir ins Haus
und zieh’n mit Freud die Freude aus
wo weiße Strände ungeküsst
die Küste mit den Krallen kratzen
lebe ich mit schmerzverzerrten Fratzen
laufe doch auf weichen Tatzen
der stummen Akzeptanz

Wolken legen lauter nieder
als der Tod ans Häuschen klopft
tropft mein Hirn mit jedem seiner Lieder
immer stärker stürmend wieder
bis mein Herze an den Trümmern
mit dem Wind am Abgrund steht

Weht der Wind noch frage ich
und erreicht der Schmerz auch dich
frage ich wo ist die langgezog’ne Zeit
doch längst ist sie mir nicht mehr weit
und doch kann ich mein Blut nur lecken
nicht aus diesem Traum erwecken

Zieh an meinen kalten Kippen
denk‘ im Rauch an bittersüße Lippen
dacht es würd ein Ende auf mich warten
doch schlaf ich fest in meinem
Regenbogengarten…

© Amy Herzog

Dein Ende

Wolke, sei mein Anfang
trage mich durch den Wind
lass dich atmen, tasten, schmecken
auf dir räkeln, in dir strecken

Mach mich frei

Oh, schließe deine Augen, Wolke
und ich öffne dir mein Heim
kannst mich atmen, tasten, schmecken
und ich verspreche dir
es wird dein süßes

Ende sein

© Amy Herzog

Autismus: Starren, glotzen, gaffen und Echolalie

Ein Thema, welches ich nun hier im Blog aufnehmen möchte, ist das Starren. Das wie, warum und dass dieses Verhalten, wie ich finde, der Echolalie gar nicht so unähnlich ist. Streng genommen habe ich dann schon zwei Themen, die ich kurz zusammenfassen möchte, bzw. aus meiner Erfahrung berichten möchte. Anzumerken ist hier, dass nicht jede/r Autist:in so ist. Jeder ist schließlich individuell. Und nicht jede/r, der das auch ein bisschen kennt, ist gleich Autist:in.

Wie bei allen anderen Bereichen hat dazu auch ein Austausch mit meiner Mutter stattgefunden, da sie sich an Begebenheiten erinnert, für die ich vor vielen Jahren noch zu klein war. Die Erinnerungen an mich als Kind (von Geburt bis 10. Lebensjahr) sind eher wage und oberflächlich. Doch im Bezug auf das Thema „Starren“, konnte mir meine Mutter eine Auffälligkeit berichten, die sehr häufig vorgekommen ist. Damals wie heute habe ich den direkten Kontakt zu anderen Menschen, wenn möglich, gemieden.
Ich konnte nichts mit ihnen anfagen, und sie nicht mit mir. Das liegt ganz einfach daran, dass die Menschensprache (bewusst verbal und unbewusst/teilbewusst nonverbal) grundverschieden ist.
Ob nun Kinder oder Erwachsene, die wenigsten nutzen eine direkte Kommunikation weitestgehend ohne Mimik und Gestik.

Oftmals wird auch etwas gesagt, was nicht zur Körpersprache passt. (Lächeln, obwohl man traurig ist…ich bin nicht böse sagen, obwohl man sauer ist…usw) Während bereits Kinder diese Sprachen sehr gut sprechen bzw. sehr schnell lernen (intuitiv) (dabei aber immer noch ehrlicher sind, als Erwachsene, finde ich), habe ich gar nichts gesprochen. Ich fand es aber faszinierend, all das zu lernen. Und so war es, dass ich, wann immer ich konnte, Menschen angestarrt habe. Das Auffällige war nicht das Starren an sich, sondern dass die (zu 99% fremden) Menschen darauf oftmals (negativ) reagiert haben. Ich habe das nicht wahrgenommen.

Für mich waren das Reaktionen, wie jede andere Reaktion. Und für mich zunächst auch nicht zuzuordnen. Die Reaktion war einfach nur da, ich habe diese nicht bewertet. Das besonders Auffällige war jedoch, dass die Menschen teils sehr böse reagiert haben. Sie haben zum Beispiel angedroht, ob ich geschlagen werden möchte, sollte ich damit nicht aufhören. Dies weiß ich nur aus der Erzählung meiner Mutter. Sie hat natürlich dafür gesorgt, dass ich nicht geschlagen werde und aufhöre den betreffenden Menschen anzustarren.

Das war und ist jedoch meine Art zu lernen bzw. möglichst angepasst in der Gesellschaft zu leben. Denn mit den Jahren habe ich verstanden, wenn mir jemand (auffällig) etwas böses wollte. Böse Hintergedanken zu erkennen fällt mir hingegen bis heute sehr schwer.

Man kann sich das vorstellen wie ein Mensch, der in ein Löwengehege geworfen wird. Man möchte nicht gefressen werden. Also kopiert man das Verhalten der Löwen zu 100%. Je mehr Löwen, desto mehr Kopien müssen angefertigt werden. Ist man am Ende noch man selbst? Nein. Aber man wird vielleicht irgendwann akzeptiert oder geht unsichtbar in der Masse unter. Man wird nicht gefressen. Ich wurde jedoch sehr lange zumindest angeknabbert (gemobbt). Verstanden habe ich das nie – bis heute nicht. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, besonders unhöflich gewesen zu sein, oder jemandem geschadet zu haben.

Inzwischen kann man sich das das Innere meines Kopfes vorstellen, wie einen unendlichen Raum mit unzähligen Aktenschränken. Die Kopien sind nahezu grenzenlos und täglich kommen neue hinzu. Unter Menschen würde ich allenfalls noch naiv und introvertiert wirken. Dabei entspricht das eigentlich nicht meiner Persönlichkeit. In meinen 30 Jahren ist es bisher – immerhin – zwei mal vorgekommen, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, sofern eine Basissymphatie meinerseits besteht, mich kennenzulernen. Sonst hat es niemand über eine meiner Kopien gewagt. Vermutlich nicht mal die Kopie erkannt. Aber darüber bin ich nicht traurig. Meine Persönlichkeit redet zum Beispiel sehr gerne und sehr viel. In dem Zusammenhang – auch ein Symptom (kann man das so sagen?) von Autismus: Ich weiß fast nie, wann ein Gespräch beginnt und wann es aufhört. Auch nicht, wann ich dran bin mit reden. Ich falle also sehr
oft ins Wort, wie mir des Öfteren gesagt wird. Beim letzten Bewerbungsgespräch ist es mir sogar selbst aufgefallen, der Chef kam kaum zu Wort. Und wenn der andere einfach lauter wird, dann werde ich automatisch noch lauter. (Hab den Job trotzdem bekommen :-))

Über ein Thema, welches mich interessiert, kann ich sehr lange Monologe halten. Und ich interessiere mich auch für geschichtliche Fakten (besonders im Zusammenhang mit Pflege und Medizin), die heute wohl die meisten Menschen nicht mehr interessiert. Zum Beispiel die Frage, wie und weshalb Menschen im Mittelalter in recht kurzen Betten geschlafen haben. Aber auch über anderes unnützes Wissen (aus unterschiedlichen Themenbereichen) könnte ich aufklären, wenn sich die Gelegenheit bietet. Meistens rede ich aber nur so mit mir selbst. Im Geiste natürlich, damit’s nicht ganz bescheuert, sondern eher verträumt wirkt.

Bevor ich weiter von Hölzchen auf Stöckchen komme, berichte ich noch kurz über die am Anfang erwähnte Echolalie. Meist bei frühkindlichen Autisten/verzögerter Sprachentwicklung. Davon war ich nicht betroffen, denn ich habe verhältnismäßig früh gesprochen und auch als ich das lesen gelernt habe, habe ich alles Gelesen, was lesbar war. Das war also soweit in der Norm. An mir selbst fällt mir das eher im Erwachsenenalter auf. Das Nachahmen von Worten und Geräuschen/Lauten. Das stereotype Wiederholen von Worten. Für kleine Kinder ist das ganz normal. Später macht man das für gewöhnlich nicht mehr. Aber auch das ist für mich auch eine Art der Kopie. Kopie vom Tonfall zum Beispiel. Also nicht nur wie (z.B.) Wut aussieht, sondern auch wie sie klingt. Und das mit allen Gefühlen und alles eventuellen Situationen.

Das alles ist eine nie endende Arbeit und ein grenzenloser Bedarf an Kopierpapier. 🙂

Anfang

Kopf ist voll
und kotzt sich aus
-seitenweise
unzusammenhängender Sinn
stehe im Anfang
und weiß nicht
wohin

© Amy Herzog

Einsiedler

Dieses dicke Freundschaftsding verstehe ich nicht. Ich bin gern allein in meiner Welt. Draußen muss ich so tun als ob, Maske auf und wie die Pinguine aus Madagascar „lächeln und winken“ – funktionieren im Rädchen der Gesellschaft. „Wie gehts dir…gut und dir…mir auch…was machst du…nichts und du…ehrliche Antwort? Zeit verschwenden“ Ich bin weiterhin bemüht, diese schlechte Angewohnheit abzulegen. Vermutlich mag ich eine Sache an dir, vielleicht auch zwei, aber der Rest interessiert mich vermutlich nicht. Ist nicht persönlich gemeint. Ich kanns eben einfach nicht. Über den Rest müsste ich hinwegsehen. Macht das jemanden zum Freund? Ich respektiere dich und bin höflich, wenn du es auch bist. Mit unfairness kann ich nicht umgehen. Als Freund hat man die Verpflichtung sich zu melden. Da hört’s schon auf bei mir. Wenn ich in meiner Welt bin, dann kann mir niemand auf den Sack gehen, weil ich nicht mal wahrnehme, dass jemand existiert. Wie soll ich dann einen freundschaftlichen Kontakt pflegen. Keine Zeit. Der Vorteil ist, dass nahezu niemand etwas mit so einem Menschen anfangen kann. Und sind wir somit am Ende nicht beide zufrieden?

Wenn ich nicht leben müsste um zu leben, würde ich meine Wohnung nie verlassen und wäre der glücklichste Einsiedler der Welt.

Einmal noch (immer)

Immer einmal noch
folge auf leisen Schritten
von Freude bis Gelitten
durch die Nacht

Amnesiegetränkte Worte
zeichnen deinen Schatten
im Vollmondlicht
Windig ist die Nacht
trägt Flüstern in Orte
denen ich glaubte
doch sie hielten mich nicht

Verloren an der Gabelung
dunkellinks, dunkelrechts
renne wieder zurück
und ende
(wieder)
im Nichts

© Amy Herzog

Von lecker Essen und Respekt

Das hier ist ein spontaner und ungeplanter Beitrag, der aber doch seine Daseinsberechtigung hat, zumindest hier auf meiner Blog-Seite. Rechtschreibfehler dürfen kostenlos mitgenommen werden. 🙂

Es ist nicht so, dass es mir nicht schmecken würde. Die wenigsten Menschen ernähren sich vegan, weil ein tierisches Produkt nicht schmeckt. Im Gegenteil. Ich könnte spontan eine unendlich lange Liste erstellen mit Dingen, die lecker schmecken. Zwar habe ich im Groben und Ganzen meist das Selbe gegessen, einseitig und ungesund, aber es war lecker. Und was essen Veganer überhaupt? Gras und Luft?

Mir taten einfach die Tiere immer leid. Aber geändert habe ich auch nichts. Aufgrund meiner Behinderung, dem Autismus, fallen mir Veränderungen ohnehin extrem schwer. Da kam mir die gedankenlose einseitige Ernährung gerade recht. Das Veganer aber nicht nur Gras essen, war mir natürlich klar. Ich habe auch noch nie Gras gegessen. Nur ein mal geraucht, weil ich „Gras rauchen“ wörtlich genommen habe. Und jemanden veräppeln wollte. Aber nein, man wird nicht high davon, falls sich die Frage überhaupt stellen sollte. Man kann aber wunderbar so tun als ob.

Bei der veganen Ernährung steht Gras jedoch nicht auf dem Speiseplan.

Wenn man sich nun informieren möchte, kommt man häufig mit sehr extremen Ansichten/Ratgebern in Berührung. Du musst dies, du musst jenes, das ist schlecht und das andere ist auch nicht gut. Und ganz allgemein bist du ein grausamer böser Mensch und sage nicht, dass du Tiere liebst, das ist eine Lüge.

Als jemand, der im allgemeinen Tiere sehr mag, bekommt man also einige Vorwürfe statt respektvolle Informationen. Und ich muss gar nichts. (Außer eine Abwehrhaltung einnehmen). Es gibt nicht allzu viele (aufklärende) Veganer (im öffentlichen Leben), die einen respektvoll dort abholen, wo man steht und nicht weiter mitnehmen, als man selbst möchte. Die meisten Fleisch-Esser sind tierlieb und aufgeschlossen. Tierliebe und Fleisch esses schließt sich gegenseitig nicht aus! Und ich habe Verständnis dafür, dass jemand dicht macht, wenn er mit Vorwürfen überhäuft wird. Auch grusel-Bilder sind für den Anfang nur
wenig hilfreich, selbst wenn sie der Wahrheit entsprechen.

Meine Mission ist auch nicht, andere aufzuklären oder zu belehren. Wenn man etwas sucht, findet jeder sachliche Informationen im Netz. Und was man daraus macht, ist jedem selbst überlassen. Mir persönlich war aber immer bewusst, dass für meinen Genuss/meine Ernährung Tiere leiden. Ich gehe da trotzdem eher subtil vor, das klappt sogar sehr gut. Ich respektiere dich und mir ist völlig egal was du isst, ich mag dich als Person und schließe dich nicht aus, nur weil du isst, was du isst. Du bist schließlich mehr als deine Ernährung. Dass das Steak sehr lecker war, kannst du mir mit Bild per Whatsapp schicken. Ich freue mich für dich und hoffe, dass du eine schöne Zeit hattest. Vielleicht Spaß beim kochen oder einen geselligen Nachmittag im Restaurant.

Und ich zeige dir auch gerne, was ich gegessen habe. Und da kommen wir zu dem offenen Geheimnis, was Veganer eigentlich so essen (können), mal abgesehen von den offensichtlich pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Trommelwirbel: Alles, was man will.


Gestern gabs Pizza mit Thunfisch und Zwiebeln. Und auf meinem Brötchen esse ich am liebsten Eiersalat (der ist oft ausverkauft, das freut mich!). Wenns schnell gehen soll, haue ich mir ein Cordon Bleu in die Pfanne. Der eine Käse auf’m Auflauf war echt ekelig, aber der andere ist sehr gut. Und klar, wenn du mich fragst, wo ich das gekauft habe und wie ich das zubereitet habe, dann erzähle ich dir das gerne. Dann kannst du das, was du auf meinem Bild gesehen hast, ganz leicht selbst machen. Ist aber alles vegan. Erzähl mir dann wieder, ob es dir geschmeckt hat.

Und schon hat jemand, der gerne Fleisch isst, ein veganes Cordon Bleu im Einkaufswagen.

Respekt muss von beiden Seiten kommen. Und es wird immer Menschen geben, die es damit und mit der Akzeptanz nicht so genau nehmen. Da hält man sich dann einfach an den Mindestabstand.

Ich ernähre mich seit zwei Monaten vegan. Und inzwischen habe ich meine geliebte Routine wiedergefunden. Also wieder einseitig. Aber doch vielseitiger als vorher. Denn die Nährstoffe, auf die ich vorher nicht geachtet habe, auf die achte ich nun (oder ich bin bemüht). Ich probiere sehr viel Neues aus. Das ist ja so gar nicht mein Ding. Aber zumindest im Bezug auf die Ernährung nun schon. Und ich esse auch Ersatzprodukte. Es ist eben nicht so, dass mir Fleisch und Käse nicht geschmeckt hätten. Und ja, die pfanzliche Variante ist manchmal so täuschend echt, dass ich zwei mal schauen muss, ob das wirklich vegan ist. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass es einige Veganer gibt, die das verteufeln. Aber das stört mich nicht.

Im Gegenteil. Nur wegen der Ersatzprodukte hat jemand das pflanzliche Cordon Bleu im Einkaufswagen, statt dem Tierischen.

Aktuell warte ich im Übrigen auf einen veganen Appenzeller Käse.

Geheimnislast

Geheimnisse
habe ich viele
und mein Kopf ist
Fluch und Segen

–RAUS, ICH WILL RAUS!

Nein, halt den Rand
(du schwere Last)
bevor dich jemand
in mir fand

Kopf bleib aus
trinke Wein, ein Glas
zwei, drei, vier
halt den Rand
und schlaf mit mir

Kopflicht aus
–(ICH BIN WACH!)
nein, bleib liegen
ich bin schwach

© Amy Herzog

Halb

Vom Wind, der mich verlassen
hat, so wollt ich ihn nur lassen
doch, wie könnt ich nunmehr atmen
weil, ich brauch ihn für mein Seelenheil.

So marmorgleich die Wangen
sind, muss ich im Dunkeln bangen
denn, der Regen über Seen schwimmt,
so wie der Nebel Freude nimmt.

Die Sehnsucht nach der Sonne gleicht,
durch Gassen nur ein Schweigen schleicht,
dem Blick gen Himmel – Wind bleib hier,
das Seelenherz schlägt halb nur hier.

© Amy Herzog

Verlust

Nur ein Zettel
an der Außenseite meiner Tür
erinnert mich noch daran
was ich verlor

Kann meinen Schlaf
nicht halten
(wieder einmal nur zu viel)
so taste ich durch deine Venen
Bilder sinken, Worte hinken
als sei das alles nur
ein fades Spiel

Doch ich schweige
und im Innern wird es kühl
was ich einst verlor
es war zu viel

© Amy Herzog

Nachts

Nachts ist es ruhig,
denn alle Monster schlafen schon
nur ein leises knacken,
surren, rauschen,
flüstert hinter jedem Blatt…

Nachts ist es ruhig,
keine Augen an den Wänden
wann kommt der Schlaf?
der mich auch gestern
erst am Morgen traf…

Nachts ist es ruhig,
wie starren Sie mich an?
Ich schalte alle Lichter aus,
denn ich komm‘ aus meinem
Kopf nicht raus…

Nachts ist es ruhig,
friedlich will ich mich zeigen,
doch zwischen den Zweigen
flüstern die Monster
und wollen mir die Ruhe zeigen…

© Amy Herzog

Wortgetränk

An diesem Abend
ist es nicht mein Lächeln
ich trinke nur dein Wort
von deinen Lippen
jedes Wort

Dein Wort
in meinem Schlund
vertrocknet deine Lippen
ich trinke, ich ertrinke
mehr und mehr von dir – von uns
du trinkst mich wund

Mein Geist ist still
-obgleich ich sprechen will
taumle ich zum Bahnhof
sturzbetrunken

Und werfe keinen Blick zurück

© Amy Herzog

Die Wahrheit

Ich schreibe immer gleich:
zu erst ein Werk in meinen Worten
eine Wahrheit, klar und rein
dann setze ich dem einen Schleier auf
damit niemand genau versteht was ich meine
und trotzdem hoffen kann
dass du es weißt

© Amy Herzog

Bühne hinter Gittern

Meine Bühne hinter Gittern
würde noch zittern
wär‘ ich’s nicht schon längst gewohnt

Der Sommer küsst
und so müsst ich’s erwidern
hinter Lächeln, hinter Liedern
geht mir der Atem aus

Schatten Winter ist allein
stürme, kreische, krieche, Schlaf
wart‘ ich träum dir nach
allein

Meine Bühne hinter Gittern
würde verbittern
wär‘ ich’s nicht schon längst gewohnt

© Amy Herzog

Der unscheinbare Diamant

Du erinnerst dich nicht an den Winter
gewiss nicht (oder doch?)
an den unscheinbaren Diamanten
der vom Himmel fiel

und getauschte Worte waren nichts
reflektionslos

Aber zutiefst inspirierend
warst du, riesig, allgegenwärtig
beinahe einschüchternd
strahlend

nein…

Du erinnerst dich nicht an den Winter
der unter allen anderen versinkt

Doch noch immer hängt der Winter
hängt an deinen Worten, deinem Geist
dem Gestern, dem einen Gestern von vor Jahren
im Gestein unter deinen Füßen

Irgendwann wird es wieder schneien
diesen unscheinbaren Diamanten
mutig zeigt er sich dir
und hofft auf deinen kühlen Blick

© Amy Herzog

Etagere „Frühling“ aus Epoxidharz

Wie angekündigt zeige ich auch etwas von meiner Kunst/Gestaltung. Aktuell liegt mein Interesse seit einiger Zeit bei Epoxidharz. Mein zuletzt gegossenes Stück ist diese dreistöckige Etagere mit getrockneten Blumen, klarem Harz, und einem Gold lackierten Rand. 🙂

Offenbarung

Ich lebe im Wort
nur im Anfang ist Nichts
stört die Stille meinen Schrei
die in der Nacht erstickt

Papier zeichnet lauten Sturm
die Seiten tonnenschwer
mehr, immer mehr
Leer.

Ich lebe zum Ende
blutverkleckst auf Seite zehn
kann ich atmend, schwebend steh’n
die Offenbarung endlich seh’n

© Amy Herzog

Autismus: Das Grundschulzeugnis und die uninteressanten Bücher

Lang, lang ist’s her und dennoch ergab sich vorhin die Gelegenheit mit meiner Mutter über meine Grundschulzeit zu sprechen. Und da fanden wir so einiges auf dem Zeugnis der dritten Klasse. Naja, das übliche, ich rede nicht und kann nicht mit Menschen. (Auf dieserlei Dinge gehe ich in einem anderen Beitrag genauer ein)

Aber das war gar nicht so interessant. Viel mehr die Tatsache, dass ich angeblich nicht gut mit meinen Schulmaterialien umgegangen sei. Daran konnte ich mich so gar nicht erinnern, weil ich mit den mir ausgeliehenen Dingen üblicherweise gut umgehe. Aber meine Mutter erinnerte sich sehr gut.

Die Bücher habe ich immer sehr schnell durchgearbeitet und somit wurden diese Bücher für mich langweilig. Das war aber kein Grund für mich, diese einfach beiseite zu legen. Ich begann zu basteln. Sie also wieder interessant zu gestalten. Das ist wohl so schlecht angekommen, dass es sogar im Zeugnis vermerkt wurde. Ich habe meiner Mutter darauf entgegnet, dass es wohl kaum meine Schuld war, dass der Unterricht und die damit verbundenen Materialien zu langweilig gestaltet wurden. Das ganze kann ich natürlich nur mit einem schmunzeln sagen.

Aber sie sagte mir auch, dass ich heute immer noch so bin. Zum Verständnis: wir Telefonieren immer per Video, daher sieht sie, was ich so mache. Und sie sagte mir, dass ich immer irgendetwas in der Hand habe und irgendwas gestalte. Oftmals nicht kreativ, sondern einfach nur mit den Dingen, die ich so um mich herum finde. Es hilft mir, mich besser konzentrieren zu können. Und beeinflussen kann ich das kaum. Es passiert einfach. Einen größeren Sinn gibt es da nicht.

Außer jemand erkennt den sinn darin zum Beispiel Verpackungsmüll klein zu schneiden, alles mögliche zu bemalen, Zettelchen zu falten, eine Tube Flüssigkleber zu entleren, nur um zu schauen, wie schnell das dann trocknet. Es werden Dinge gestapelt und alles hat irgendwie seinen Platz. Andere würden sagen, ein Schreibtisch mit Müllhaufen. Für mich hat da alles seinen Platz und einen Sinn.

Daraus ergeben sich stets ‚was wäre wenn‘ Fragen. Aber diese nun noch zu stellen wäre in meinem Fall nun wirklich Sinnlos. Aber für die Kinder von heute können wir sie stellen.

Neubelebung meines Blogs :-)

Lange Zeit war es still hier, aber das möchte ich nun gerne ändern! Aber am Anfang direkt mal die Frage: wer von meinen Verfolger:innen ist eigentlich noch da? Gerne ein mal kommentieren oder ein anderes Lebenszeichen hinterlassen. 🙂

In diesem Beitrag möchte ich ein wenig über mich berichten bzw. über das, was so los war, aber auch über die Pläne, die ich zukünftig hier umsetzen möchte.

Mir fällt natürlich auf, dass sich der Editor hier komplett verändert hat. Da werde ich mich neu hineinfinden müssen, weil ich mit der Formatierung unheimlich pingelig bin. 🙂 Aber für diesen Beitrag ist das erst mal nicht allzu wichtig.

Zu erst ein mal zu mir: Das ich (oder die meisten Anderen ^^) ein Alien zu sein scheine, das war mir ja schon immer klar. Seit einiger Zeit habe ich aber sehr viel über mich lernen – und mich akzeptieren können. Ich bin kein Alien, einfach nur Autistin. In den letzten Monaten habe ich es sogar geschafft, auch meine berufliche Umgebung an mich anzupassen. Und so ergibt es sich, dass ich frei genung bin, um diesen Blog wieder aktiv zu betreiben.

Nun zu meinen Plänen für diesen Blog: wieder anknüpfen möchte ich an etwas Kunst (aktuell Epoxidharz, aber das wechselt und macht nur einen kleinen Teil aus). Weiterhin möchte ich meine Lyrik/Prosa/Kurzgeschichten wieder aufleben lassen! Das wird einen größeren Teil ausmachen – also wie gehabt.

Neu wird sein, dass ich über Neurodiversität schreiben möchte. Über meine persönlichen Erfahrungen insbesondere Autismus, selektiven Mutismus und Depressionen. Aber auch über allgemeine Informationen zu diesen Themen. Auch über die Barrierefreiheit und dann und wann evtl. auch über Menschen mit Behinderung in unserem (deutschen) System.

Fragen und Anregungen sind sehr willkommen (sowohl per Mail, als auch per Kommentar)

so.

manchmal fühle ich mich toxisch
will mein letztes geld nehmen
und so weit fahren
bis ich irgendwo im nirgendwo bin

das system ist weg von mir
und ich bin raus aus dem system
löscht mich, ich hasse euch
mehr als ihr mich hasst

lieber fresse ich den müll der gesellschaft
als selbst im abfall zu enden
mit einer maske die mich frisst
nur damit ihr lachen könnt

wie ein schwarzes loch bin ich
aus dem system gefallen
aber meine würde behalte ich
das ist mein einziges recht

© Amy Herzog

Die Vorurteile haben Hunger,
ein „guter“ Koch den Löffel schwingt,
reich eingedeckt mit falschen Infos,
dabei den vielen Schwachsinn singt.

Und mit dem Wissen auf die Menschheit,
zur Hälfte zwar, doch das genügt,
der Andere hat die zweite bei sich,
doch dieser sich dort auch vergnügt.

Der Koch hat viele tolle Namen,
ne Suchmaschine nenn ich ihn,
warum denn auch Betroffene fragen?
der Koch hat leichtere Kalorien.

Fragt doch lieber mal die Menschen,
so altmodisch das klingen mag,
ihr könntet dabei etwas lernen,
was euch der Koch wohl niemals sagt.

© Amy Herzog

Mein Theater

Das Leben ist ein Theater
und ich bin der Schatten im Kostüm
muss ich können, muss ich sollen, muss ich wollen
– wie ein Kind an Mutters Hand
stehe mit dem Rücken an der Wand!

In die Mauern der Gesellschaft
hat der Maurer mich verputzt
– muss ich‘s lassen, muss ich passen
in die vielen Menschenmassen
mich verlassen…

Still und leise weine ich
ein Mäuschen flüstert: „will ich nicht!“
dann knabbert’s Löcher ins Gewand
ich nehm mich selbst kurz an die Hand
und sage euch – ich spiele mit:

Aber nur manchmal, denn ich bin Autist.

© Amy Herzog

Nachts

Nachts ist es ruhig,
denn alle Monster schlafen schon
nur ein leises knacken,
surren, rauschen,
flüstert hinter jedem Blatt..

Nachts ist es ruhig,
keine Augen an den Wänden
wann kommt der Schlaf?
der mich auch gestern
erst am Morgen traf..

Nachts ist es ruhig,
wie starren Sie mich an?
Ich schalte alle Lichter aus,
denn ich kann aus meinem
Kopf nicht raus..

Nachts ist es ruhig,
friedlich will sie sich zeigen,
und doch zwischen den Zweigen
flüstern die Monster
und wollen
mir die Ruhe zeigen..

 

© Amy Herzog

Neurodivers

Eine Weile ist vergangen

Brotkrumen liegen am Rand

Nur zurück will ich nicht

Hier ist es doch schön

Wenn das Wasser fließt

Erkenne mich nicht wieder

Ich bin nicht mehr ich

Habe mich verloren

Mein Spiegelbild – eine Maske

Und das bin dann ich

Bin ich noch dahinten

Bin ich in mir verborgen

Ich wäre gerne ich

Nur wer kann verstehen

Fragen über Fragen

Nie wird es enden

Das Feuerwerk im Kopf

Nie wird es verstanden

Meine Sprache ist anders

Aber das bin doch ich

© Amy Herzog

Verloren gegangen

Durchlöchert ist mein Hut
und an meinen Wimpern perlt der Regen.
Hektik herrscht um mich nur wegen:
Glück, das keiner kaufen kann.

Die Kälte dringt auf meine Haut,
doch ich bin längst zu Eis erstarrt.
Werd‘ ich denn bloß angestarrt?
Nur Blicke seh‘ ich nicht.

Stehe knietief in der Pfütze,
wie nur, wie nur komm ich raus?
Klingt fast, als lachte sie mich aus,
gemeinsam mit der Sonne.

Mein Hut ist durchlöchert
und ich bin mir verloren gegangen.
Bin im Boden versickert, verfangen,
nur die Reste seh‘ ich nicht.



© Amy Herzog

Ich verschwinde…

Ich sitze hier auf einem Stuhl
und alles was ich weiß ist,
dass ich hier sitze

Doch ich spüre es nicht.

Alles was ich spüre ist,
dass ich suche –
verzweifelt

Und dann wieder lächelnd
in Erinnerungen schwelge,
doch ich erinnere mich nicht

Ich verliere nur,
und deshalb weine ich,
weil ich so vieles verloren habe

Nur was?

Doch ich überlege nicht.
ich sitze nur auf einem Stuhl
und spüre mich nicht

Ich verschwinde,
während Gesichter mich anlächeln
und sagen, es sei alles okay.

Doch ich verschwinde in (m)eine Welt –

Und das spüre ich.

© Amy Herzog

Einmal im Jahr..

Einmal jährlich nur ein Brief,
wo ich doch täglich nach dir rief,
nur im Stillen, nur im Stummen,
hörst auch du mein Schweigen summen?

Wünsche werden überflüssig,
außer die im Traum
und ich glaub es manchmal kaum
(Bilder sinken durch den Raum)
doch es fühlt sich beinah wahr.

Sind es Äpfel, Birnen, Mandarinen,
sind wir, was wir sein zu schienen?
Was ich nur weiß, du siehst den Mond,
der auch bei mir hier drüben wohnt.

Manchmal muss es eben reichen,
irgendwann ein Tag im Jahr
(kein besonderer)
und bis dahin verbleib ich stumm –
nach dem warum zu fragen
wäre dumm…

© Amy Herzog

Vergangenheit…

wenn es dunkel wird und fehlt…
wer fragt denn dann noch was dich wirklich quält
viel zu oft war‘n die gedanken so
doch sie waren nicht nur hier so, denn auch anderswo

und wenn der morgen wieder schreit…
schreiben narben unterm pulli nur verschwieg‘nes leid
mit dem hass auf all die menschen, die die tränen nicht seh‘n
kannst du nicht mehr jene sehen, die noch hinter dir steh‘n

wie entfernt ist es zu denken, und doch immer so nah
denn es war vor langer zeit alles was ich noch war
doch am ende bin ich dankbar, dass es nie so weit ging
dass mein leben nur noch an nem seid‘nen faden hing

© Amy Herzog