es ist schon sehr toll eine unbekannte, anonyme ja, so gestehe ich mir ein auch irrelevante unsichtbare, namenlose unterbezahlte (ah, moment mal…) gar nicht bezahlte geschundene, alte, kranke abschreckende in sich aufblühende, träumende dann wieder dahinsickernde, aufschlagende weinende, ertrinkende, schweigende aus leibeskräften schreiende unverständlich bleibend schreibende aus tiefstem herzen leidende fühlende, sehnende immerzu liebende dichterseele zu sein
hab mir die lippen blutig gebissen und hab’s nicht mal gemerkt stoß mich runter, liebster na los, festfest, mit einem ruck ich verspreche, ich schaue nicht zurück und bitte versprich du es mir auch mit letztem kuss von der klippe dann ist es vorbei, endlich
ich sage, dass ich mir die sonne wünsche doch sie brennt wie eine lüge auf meiner haut
die wahrheit ist ich ersehne den regenfall stark, fegend, den sturm wie hinter dem rauschen und pfeifen leise tropfen auf fensterbänken tanzen leere straßen, freiheit atmen
ich will triefende haare nasse wangen blaue lippen geschlossene augen kreuzende hände suchende perlen finden die sich ineinander winden
kalte kleidung, warme körper rennen, schutz suchend sich selbst im einander findend finden lachen, blicke, abschweifen wortlos enden lieben schlafen trocknen
Meine blasse Haut schmeckt nach Tränen einer sehnenden Jungfrau zaghaft, leicht, stark, schwach leckt jede feine Pore eine Sinnlichkeit die sich in meinen zerbrechlichen Augengläsern paralysiert
Meine blasse Haut erzählt eine lange Geschichte die niemand je zu lesen wagt wie ein Geist der Verderbnis, des Endens gelegentlich an meinen Ohren nagt und die Leidenschaft weckt
Meine blasse Haut ruft wie geschlüpfte Spatzen aus ihrem Nest ich aber bin ihm entfallen schutzlos und einsam in eurer lauten Welt und halte mich am Hunger fest
Zugegeben, hier wird wohl kaum jemand sein, der seine Werke im originalen oder mindestens in beliebiger Übersetzung nicht kennt, trotzdem wollte ich dies mal teilen. Dieses Buch wird nächstes Jahr vierzig Jahre alt, natürlich ist es nicht das älteste, das ich besitze, aber eines, in das ich immer mal wieder reinlese, obwohl ich es auswendig kenne. Dieses Buch erschien zum 30. Todestag. Ich bin jedes mal ein wenig traurig darüber, dass ich zu spät geboren wurde.
Ich bin da unfassbar wählerisch, wenn es hochkommt, kann ich höchstens eine Top 10 Liste erstellen, mit Lyriker:innen, die mich wirklich berühren und zum Teil auch inspirieren oder beeinflussen. Von einflussreich und extrem bekannt, bis hin zu kaum jemand kennt diese Genialität.
Nun, dieses Buch fand ich vor einigen Jahren in einem sehr staubigen, sehr kleinen und sehr vollgestopften Buchladen, in dem eine Frau gebrauchte Bücher verkaufte. Unscheinbar stand es in den oberen Reihen. Am liebsten mochte ich den Geruch in diesem Buchladen, eben nach alten Büchern. Für den Rest lasse ich Fotos sprechen:
Eine Sache habe ich dir nie gesagt. Eine kleine, unscheinbare, aber unglaublich wichtige.
Möglicherweise dachte ich, es wäre selbstverständlich, vielleicht sogar, dass du es spürst, dass du meinem schweigen glaubst. Vielleicht sollte es mir aber auch nur eine Lehre sein. Ja, in gewisser Weise war es lehrreich. Diese wichtigen Dinge, wovon keine mehr so wichtig gewesen ist, wie diese eine Sache, die für dich wichtig gewesen wäre, sage ich nun, wenn auch nur sehr ungern und zögerlich. Ich hasse es regelrecht. Und tue es trotzdem.
Aber diese eine Sache, deine Sache, ich habe sie nicht nur akzeptiert, sondern auch sehr geschätzt. Das was du so sehr an dir verachtet hast, was dich in unbeobachteten Momenten vor deinem Spiegelbild angewidert hat. Diese eine Sache hat dazu beigetragen, dass du mich wirklich gesehen hast. Und selbst wenn ich nun diese wichtigen Dinge sage, wird mich niemand jemals so sehen können, wie du mich gesehen hast.
Wann immer meine Finger bluten mein Liebster, lege ich sanft jedes totgefahrene Wort in dein leergetrunkenes kaltzerkratztes Gefäß schwerwiegendvolltrunken
Badend lege ich die Kleider nieder und mein Herz knistert dich gleichmäßig tief in meinen dunkelsten Traum aus Wahrheit, Lügen, Lachen, Gold und Rot
Und wann immer ich meine kleine Welt so achtlos und naiv in deine lege bist du mir Atlas, stark vom Sonnenschein geblendet und von meiner Sehnsucht betrogen
Dann mein Liebster, dann beginnen wahrhaftig meine Finger für dich zu bluten
bitte weck mich auf aus diesem elendsehnenden traum droge paralysiert herz krepiert und ich bin laufend high die gesittete welt lacht mich aus wie roter lippenstift an deinen rippen nagt aus mir krächzt nur der leise leidende hurenschrei
dem äther regnet’s glut brennt aus deinen totgesandten klauen auf blanker haut und könnt ich kleine liebe draus erbauen so weck mich endlich auf aus diesem elendsehnenden traum
melancholisch heiser singende stimme wiegt heut schwerer kratzt aus letztem loch geschlossene augen singen lauter vielleicht in deine wohung nur wie lange noch singe ich ein ganzes lied bloß erlaube ich mir danach trinke ich selbst die stimme klar und glaube mir das letzte nein, das so schwer wie tiefreißend in mir war
das ungesagte schwillt rasend an, gärt dringt nicht durch meine kehle und trägt ein gewicht aus tausenden regenwolken – es trinkt und nährt sich selbst
Sinkendes Schiff – ich habe mein Rettungsboot an Land gelassen und Felsen, ich schmecke Salz in meiner Seelenwunde Schotten Dicht!!! geschwind und verhülle die Wahrheit im Schweigen
Manchmal ist dein Untergang nur ein Hintergang ein schwerer Stein, mein Liebster – eine kleine Flucht die aus deinem Hinterkopf flüstert und wenn du dich traust dein Spiegelbild zu betrachten wirst du darin auch die Wahrheit über dich finden und eine erleichternde tiefe Umarmung
Normalerweise legt sie keinen Wert auf die öffentliche Zurschaustellung von körperlicher Zugewandtheit. Aber in seinem Fall macht sie gelegentlich eine Ausnahme. Selbstverständlich alles im Rahmen geltender Gesetze. So bleiben ihnen das klassische Händchen halten, ein gelegentlich gestohlener Kuss, oder eine schüchterne Umarmung. Diese Dinge sind jedoch völlig ausreichend, um sie innerlich zu belustigen. Nicht missverstehen, dabei geht es ihr nicht um ihn, sondern um alle anderen Menschen. Allem voran steht bei allen Menschen die Frage in den Augen, ob es sich bei ihm und ihr um Vater und Tochter handelt. Da kommt ihr die öffentliche Zurschaustellung gerade gelegen, um diese Frage wortlos aufzuklären.
Wenn sie ein Pärchen mittleren Alters sieht, erntet sie von der Frau böse Blicke, während sich der Mann mit großen Fragezeichen in den Augen im Geiste die Frage stellt, wie er das gemacht hat. Aber auch alleinstehende Damen schauen etwas böse, als hätte sie ihnen einen potentiellen Mann geklaut. Aber auch jüngere Exemplare der Gattung Mensch schenken ihr den ein oder anderen amüsanten Blick. So muss sie, das geht gar nicht anders, einen enorm monströsen Vaterkomplex haben, und er ist vermutlich sehr reich oder hat ein, na ja, verdammt großes Stück Holz. Das findet sie sowohl gut, als auch schlecht.
Amüsant, keine Frage, aber was soll der Geiz, fragt sie sich. Es ist alles! Denn wenn es für die Menschen alles ist, nicht zu vergessen – die schwere Krankheit und das reichhaltige Erbe, dann sind die Blicke so unbezahlbar, dass sie ihre anfänglich innere Belustigung nicht mehr im Zaum halten kann. Ja, sie provoziert allem voran wohl gern und er möglicherweise auch.
Suche nichts, mein Liebster was nicht gefunden werden kann kein Kompass ist dein und die Sternbilder blenden mein Herz in der Truhe am Grund des tiefschwarzen schimmert nur an der Oberfläche anmutig salzigblautürkis dein Herz aber muss schweigend still zwischen den Welten verloren gehen, leiden, enden wenn’s mein erkaltetes Herz schlagend finden will
Inmitten seiner, sich behutsam um sie schmiegenden Arme, sank sie jungfräulich nieder, schaute ihn mit ihren großen erwartungsvollen hellblauen Augen an, zierte sich in nebliger Ahnungslosigkeit, wehrte sich gedanklich in aneinanderreihenden Momenten, ihrer immer schneller flach-flatternden Atmung. Mit nur einem einzigen Kuss kitzelten farbenfrohe Schmetterlinge jeden Quadratmillimeter ihrer bröckelnden Fassade, die sich unter glitzerversprühenden Flügelschlägen in glatten Marmor verwandelte. So schloss er sie noch fester in sich ein und sie fühlte sich wie in einem Kokon aus liebevoll gesponnener fliederfarbener Seide, vor Seelenschmerz beschützt, nährend, ewig während, mit zeitlos funkelnden Augenblicken in jeder Masche.
Du aber bleibst meine einzige – die wahre Muse trinkend aus deinem Äther weil dein Herz so lieblich klingt in blutroten Küssen und der Scherbenschnee sanft meine Haut umschließt wenn ich es zerbreche dieses unerbittlich schlagende in abertausend Enden mir doch den Anfang schenkt wenn der große Mond die Erde küsst
So entsandte ich in einer letzten Träne das Fehlgeleitete Stück schnitt es aus meiner Seele lies es ziehen, fließen, treiben und es griff selbst zur See
Ich aber bleibe der Erde nah auf dass es [nie wieder] zurückfindet..
Ein dunkler Raum in zeitloser Zwischenwelt rastet in unendlicher grenzenlos Poren sickernder in hingebungsvollen entblößten Seelenkörpern durch Ewigkeit
Die Außenwelt zeigt wie Farben durcheinander aneinander vorbei verlieren und suchen vermischt in verbrauchten Stunden
Wir liegen darin suchen Liebe, Nähe, Sinn Bedeutung im bedeutungslosen Wahrheit in Lüge und im verschiebenden verschwiegenen die Mitte uns
Wir brauchen nichts in der Dunkelheit wir sind wir wie wir sind sind wir mehr Sterne, Ozean, Mond oder Pfütze
Fragen die hier nicht existieren in der Zwischenwelt wir sind klein wir sind die Mitte wir sind nackt wir sind eins wir sind wir
kalter Nachtwind kippt Fenster, Sehnsucht Lust, Gespenster und Regen klafft zwischen morschem Geäst während Schmetterlinge schlafen den Regen aber innen halte ich zurück
Violettem Sommerflieder gießt Leben und stößt den Duft um meinen liebenden Leib doch schwach, so schwach, so schwach schlägt meines gegen die raue weiße Wand deiner schweigenden Brust
Auf salzigen Lippen küsst ein zarter Schatten meine Wunden endlich blind und taub versinke ich im weichen arktischen Fleisch und ich bilde mir ein letztes mal ein es wär ein liebender Teich
Taumelnd fliegen Träume in seichten Gewässern doch in deinem sticht jede Welle gegen splitternden Fels und wenn ich jetzt für immer falle dann bleibe ich wohlig in dir
Doch nur leise stöhnt der Wind wie ich deinen Körper an meinen Presse spüre ich näher zitterndes Ende der meinen Regen in seiner Hand aus deiner kalten Welt kippt
Die Lust fällt im Sonnenaufgang früher und du, der Kalte, singst dein Lied auf abgenutzten Schallplatten zerkratzt, wie ich wortlos im Rauch des Eises verblieb
Selbst meine Abgründe zeichnen sich in deiner Seele und du machst daraus Gold wenn ich fließe bist du mein Fundament und wenn ich an dich denke dann an ein Leben mit Lachfalten in jedem Winkel selbst im geteilten Leid und wenn Ehrlichkeit duftet dann nach Freiheit nach Zuflucht Sicherheit Erde
Ich bin keine schöne Frau! hashtag: der Charakter zählt, nur der Charakter zählt – such ihn woanders ich kann gerade bis drei zählen: eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel
Fernweh will Meer am Strand Zuhause sammeln um’s im Schrank einstauben zu lassen, loszulassen fallenzulassen
Da ist wohl: Bedeutung die schweigt Da ist wohl: eine einzige Nacht die ankommt und nicht Da ist wohl: mein geschundenes Herz adipös
/Wegen Überfüllung geschlossen/
bei drei wählt mein hashtag: Chirurgie für allerlei das limbische System wird entfernt und ich reibe mir den Staub auf die wunde Haut
Mein Morgen beginnt, sofern ich um diese Zeit allein bin, immer zwischen 5h und 5:30h. Selbst wenn ich erst kurz zuvor ins Bett gegangen bin. Manchmal nervt dieser innere Wecker, weil zwei Stunden Schlaf nicht viel sind. Andererseits ist er sinnvoll zwecks Routinen. Beim ersten Blick in den Spiegel sah ich dieses resting bitch face, welches Autist:innen nachgesagt wird, wie ich kürzlich von einer Bekannten erfahren habe. Innerlich musste ich kurz schmunzeln. Nun weiß ich wie es ist, wenn andere meinen Gesichtsausdruck unpassend finden.
Ein wenig fleißig war ich aber auch schon, nicht in Form von Arbeit. Ich versuche seit einer Weile an meinem Sprachfehler zu arbeiten mit diversen Zungen- und Sprachübungen. Bisher bin ich nicht überzeugt, weil ich finde, dass wenn ich bewusst darauf achte, ich noch merkwürdiger klinge. Und wenn ich nicht darauf achte, ist der Sprachfehler halt da. Manche mögen so etwas ja. Mich nervt es sehr, das hält mich meist vom vorlesen ab, denn bei einer Aufnahme nehme ich meinen Sprachfehler ganz besonders wahr.
Darüber hinaus habe ich schon ein wenig gesungen, dabei übe ich derzeit gezielt, die Luft auf der Stimme zu kontrollieren. Das klappt aber schon recht gut. Nur so zum Spaß, nur so für mich, Musik ist mir ein Pflaster. Obwohl ich es wohl nicht mehr brauche. Wie sagte man mir neulich…ich sei sehr stark geworden durch meine Lebenserfahrungen. Dem kann ich beipflichten.
Menschen überraschen mich kaum noch mit den Dingen, die sie sagen oder machen. Einiges finde ich wahrscheinlich nicht gut, aber selbst vom Abschaum bin ich nicht mehr überrascht. Obwohl ich sie eher schlecht durchschauen kann. Manchmal ist es, als könne ich Gefühle lesen, dann wieder gar nicht. Ist aber auch nicht schlimm. Im Allgemeinen kann ich mich bei Menschen daran halten…bei Hufgeräuschen nicht an Zebra oder Esel denken, sondern an Pferd. Simpel.
Ein, wie ich finde, sehr schönes Lied noch zum Abschluss.
es häutet mich
von innen
wie von sinnen
haftet in blauen venen
gefrorenes blut
und mein lautes sehnen
ruht nunmehr ohne
punkt und ohne komma
in endlosen sätzen
oh wortlos schlagender stein
so höre ich noch
mein kratzen und ächzen
Ich hatte die Wahl zwischen Kripo und Superschurke. Nur Ihr wisst, welchen Weg ich gewählt habe. Den spannenderen. Und wenn meine Datenbank auf Hochtouren läuft, dann sehe ich sogar selbst das, was Ihr von Anfang an gesehen habt. Und dann finde ich mich selbst einen Moment lang gruselig. Aber nur einen kurzen. Nicht so wie Ihr. Ihr habt noch immer Angst. Ich gebe zu, so wie Ihr zweifelte ich eine Weile. Aber bisher hat es niemand sonst gesehen. Nochmal Glück gehabt. Als unscheinbares braves Mädchen lebt es sich leichter. Und was Euch angeht, wir beide sehen uns in den Sphären.
hunger
hunger
hunger
auf leisen sohlen
das lächeln gestohlen
wohlig durch die eingeweide
in tiefer umarmung
gegen eisblock
innen
außen mehr tot als lebendig
spiegelbild lacht aus
und klatscht nen Filter drauf
lügt von wahrheiten
wo die stimme
schweigt
angst
und hunger immer
hunger
hunger
hunger
Mal Safespace: gesellschaftskonform unverpackt nackt und ehrlich lässt sich Liebe nicht anketten nicht besitzen ob du Pan, Trans, Hetero bist und was es sonst noch alles gibt Hauptsache viel Buntliebe erzähle mir, wenn du neues erfindest oder drauf stehst, dein Stofftier zu knutschen so vieles ist verpönt beim Stockimpopöchen und dann wird von lieblos geredet in der Polyamorie aber: tagtäglich tausendfach Kriegsfotos sensationsgeil bestaunen nachdem man den Partner beschissen hat ist ok
geben wir dem Alkohol die Schuld und schieben den Stock tiefer damit es nach außen hin hübsch glänzt
mein betrunkenes herz aber fühlt, verliebt und zerbricht allein wie das zwitschern eines einsamen vogels der auf dem weg gen süden erfriert weil er zu lang gewartet hat
Drabble-Dienstag mit Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Brücke, Spirale, Schmunzeln
Tänzeln
Zwischen Realität und Wahnsinn tänzelt sie, dreht sich in einer Abwärtsspirale, bis es dunkler wird. Äußerlich legt sie einen gusseisernen Kanaldeckel auf ihre innere Kloake und hofft, dass es nicht stinkt, während sie Fremden freundlich schmunzelt und winkt. Auf ihrem langen Weg nach Hause, von dem sie nicht weiß, wo das ist, geht sie bei Sonnenuntergang über eine menschenleere Brücke. Stundenlang balanciert sie über die Brüstung, unter ihr der eklatante Abgrund, der das Ende zeichnet, durch ihr Haar streichelt Wind. Sie liebt ihn hingebungsvoll und weiß, dass er sie irgendwann in eine Richtung mitnehmen würde. Solange tänzelt sie mit ihm.
in der schwebe glühender sonne einer seele verbrannte ihre haut mit ein paar krümeln tabak und dem sperma unbedeutender männer vor denen sie davonrannte
danach immer danach
der kadaver aber kann noch rotzen gar dem azrael trotzen während ausgehungerte nekrophagen im sturzflug die messer wetzen
zu lieben im brachland aber gleicht ihren zurückgehaltenen tränen sie schweigen von wahrheit tänzeln mit müden knochen um exsikkose
wo losgelassene nur ihren durst bezwingen und geigen von verlogenen illusionen singen
Auf meinem Rücken
lasten die Spuren deiner und meiner
Lust wie warmes Gestein
gefesselt von deinem
Willen – gefangen
beschützt
in deinem Arm
ergebe ich mich, errege
im Bewusstsein unserer Bindung
befreite Seele
besitzt du meine Haut, mein Fleisch
in tiefer Berührung
wie ich durch deinen Augenblick
schwebe
mit einem einzigen Winter gefriert das Herz und zerbricht wohl brechen Scherben zauberhaftes Licht berühren jedoch, kannst du es nicht und so schnell der Winter auch von dannen zieht ist es dein blutend warmes Herz das kein Heim und kein Licht mehr sieht wenn die gleißende Sonne den Meeresspiegel ins Ende küsst
Autobahnrauschen klingt nach Meer in der Ferne heult ein Hund und gibt meiner Seele eine Stimme Mondlicht schimmert sanft durch den dichten Kastanienbaum Grillen singen ihr Nachtlied wie ein traurig blaues Liebeslied das mich lächeln lässt
Der Lack hat seine glanzvollen besten Jahre hinter sich und nur ein Sternzeichen erinnert noch an die naive zarte Jungfräulichkeit, während das gnadenlose Friedhofsblond im Spiegelbild einen Platz in der Gruft reserviert. Der Kadaver ist keine zwanzig mehr, aber die Haut schnallt an einer kleinen Stelle noch zurück wie ein Gummiband, der Rest imitiert bei Wind ein Flatterbandgeräusch. Aber was ist schon Zeit, wenn ein erstes Mal nur wenige Sekunden andauert und der hektische Weg vom ‚müssen‘ gemütlich Richtung ‚wollen‘ schlendert. Schlimmer als schön kann es nicht werden, tiefer der Sturz nicht fallen. Und falls doch, ist der Platz reserviert.
Wie viele Menschen wohl gerade aufeinander warten, ohne zu wissen, dass sie aufeinander warten? Und wie viele von ihnen warten allein? Warten auf den Mond, auf den Schlaf, auf einen Traum, auf den Wecker, dann wieder auf den neuen Tag, nur um wieder auf den Mond zu warten. Auf sich selbst, den Mut, die Einsicht, die Ehrlichkeit, oder darauf, sich das Warten zu verbieten. Und aufeinander. Wer betrinkt sich, um das Warten zu ertränken oder trinkt die eigenen Tränen? Wie viele Menschen reden sich ein, dass das Warten nicht weh tut und schlagen mit Geduld auf sich selbst ein? Welche Menschen warten einsam, während ein anderer Mensch darauf wartet sie zu lieben? Und wie viele Menschen schweigen, während sie warten, starren sich im Geiste gegenseitig an und finden doch nur immer die Sehnsucht im Mond. Ist ihnen vor lauter Warten inzwischen egal, ob der Traum gut oder schlecht ist? Wie viele Menschen sterben gerade, wartend, zurückblickend auf wartendes Alles und Nichts und was ist ihr letzter Gedanke?
deine Beine fühlen schwerstes Blei
so höre ich wohl deinen Schrei
scheuern tiefer sinkend scharfe Ketten
auf ausgezehrten Knochen
hängen, ziehen goldverzierte Truhen
all meine Geheimnisse
lasse ich tief und tiefer in dir ruhen
und du willst
doch kannst sie nicht
erreichen, brechen, lesen, bleichen
meine Sickergrunbenseele
unergründlich
Kopf verdreht, die Glieder taub
so schwer dein Herz
verendet zehrend, liebend, leidend
in meiner Handvoll Staub
Im großen Bett allein reisend durch die Nacht schmiegt sich Sehnsucht an nicht nach längst vergessenen Nutten nach Leben, Zuflucht, Vertrauen, Nähe, Zukunft und einem Kampf um die Decke samt dem Kuss
Die kalte Einsamkeit die eine extra Ausladung braucht soll mich allein lassen sie überschreitet das zugelassene Höchstgewicht
In der See werde ich ertrinken
wenn der Tag
meine Haut vom Knochen löst
und dem weiten Schatten
den der Mond wirft
werde ich unter der Oberfläche
entblößt offenbaren
was so lang darunter brennt
und die See
wird darüber ein Lied
komponieren
das dir sanft bei Vollmond
die Stirn küsst
Wütend zerknüllter Liebesbrief achtlos in die Jackentasche gestopft ward zu glühender Kohle und brennt ein Loch durch Stoff Haut, Fleisch, Herz und Hirn
Qualmend bauen große Städte den Besitz man gerne hätte ward der Brief doch einst so rein sollt er niederbrennend sein
Zerstörerisches Herz lass walten so lese einmal noch den Brief die Ehrlichkeit bleibt doch erhalten und mit ihr warmer Sommerregen bis in die treue Ewigkeit
schlaflos ist die Nacht
doch nicht der Traum bleibt mir fern
als mich der große Mond im Licht verschließt
nur das Irdische verirrt sich dahin
und wird vom Gift zu Wein
zwei tanzende Körper
mit dem Schicksal halber Seelen
trunken summen mehr, als dass sie singen
sind doch nicht mehr allein
und lassen Körper, Körper sein
wie's gipfelt in entblößter Lust
verschmilzt das Seelenlicht zu blau
trinkt der eins-gewordene Mond
am Grund des Ozeans Eden
bis der Tag zerbricht
im matten grau
diskret beharrlich
ist Geduld die Tugend
oder ein sauberer Schnitt
gewöhnlich fast
so würd' ich's glatt vermissen
wenn deine Erscheinung
mich in der Ewigkeit vergisst
in diesem Sinne
vielen Dank
wer auch immer
du bist
ich erinnere dem Klang im Winter schallt er durch Schneebedeckte menschenleere Städte und hinterlässt die ersten Fußabdrücke die einzigen in mir
dumpfes Knacken rinnt durch meine Finger und ich schlafe unter dickem Eis streichle deine Wurzeln die mich wie Seelensplitter an dich binden
ich erinnere der Wahrheit wie Stürme deine Äste brachen und Kinder ein Baumhaus bauten sie sind inzwischen erwachsen und haben es vergessen
aber ich erinnere dem Klang und streichle Einsamkeit von deinen Wurzeln trinke, lebe, atme, friere wenn ich nur aufwachen würde endlich aufwachen sehen, fühlen
Junge Wölfin schläft von jeher tief im Traum tanzend mit Geliebtem Tod reißt, zerrt, lehrt das Lieben, Sex und Blut jung schleppend, stammelt sammelt, trinkt vom fahlen Nichts vermag sie zu wecken kann sich trunken voll Sehnen die Lippen lecken Kopf im Wahn der Stille Lebenswille kratzt an deiner Tür rufen gebrochen nackte Knochen kochen im eigenen Saft