Auf und davon

Blatt…

Beneidest du den Baum
und jedes Blatt
wie es tanzt, Hand in Hand
fällt und schwebend
noch den Glanz des Regens hat

Geworfen in die Luft
bleibt ein lautes Lachen zurück
wie der Ruf zum Essen
fliegst du weiter
fliehst du schneller Richtung Glück

Den Weg kennt nur der Wind
lässt dich tragen
und während dir die Zeit vergeht
wie der Wind auch weiter weht
so stellst du keine Fragen

Nur der Baum trägt neue Blätter
folgen sie dir bald
und selbst im Leichtsinn
mit der Freiheit
wirst auch du noch alt

 

 

© Amy Herzog

Irgendwann..

Irgendwann hörst du nicht mehr zu
nicht mal mehr dem Wind
obwohl du ihn noch beneidest
wie die Worte um dich
schöner kreisen, Lächeln wecken
bis du dich in Masken kleidest

Irgendwann verstummt die Musik
und mit ihr auch der Blick
doch ihr Schweigen leert dich nicht
nur das fort und dennoch da
weil kein Wort vom Ander’n war
nur sie bleibt dein Licht

Irgendwann ist stark der Wind
und bläst die Kerze aus
so bist du einsam, willst du sinken
tief und tiefer in dich selbst
bleibt kein Atmen in der Stille
wirst du nur ertrinken

Irgendwann zerfällt dein Bett
nur farbenlos zu Staub
was wirst du tun, welch Blut zuletzt
ob Lächeln, Tränen, Liebe, Nichts
wo willst du sein, was wäre wenn
dein irgendwann sei jetzt

 

 

© Amy Herzog

Lebenswille

Wie’s schwächelt unterm Busen,
so zittert noch der Mund,
die Sonne brennt zum Gipfel,
doch ich verbleibe wund.

Die Kerzen brennen weiter,
dem schmalen Pfad entlang,
nur in der Ecke kauernd,
verzieht mein Leben bang.

So klingeln schon die Uhren,
verschlafe ich mein Grab,
ich renn‘ sogleich zur Sonne,
des Lebenswillens tat.

 

 

© Amy Herzog

Still.

Ich selbst doch bin die Letzte,
die dies hier all noch lesen kann,
nur kälter läuft’s dem Rücken,
wie Geister aus dem Grabgesang.

Bin ich’s, die sich hier wendet,
gar windend unter’m Wortgeröll,
doch schweigend zwischen Zeilen,
nur hörte niemand mein Gebrüll.

So rinnt es Jahr um Wasser,
ertrinke ich im letzten Wort,
wohl Ende sei’s gekommen,
herrscht Stille nun an diesem Ort.

 

© Amy Herzog

Schlaf.

von weiß zu weiß
und doch im schwarz
im flüchten aus dem ich
der Ekel atmet Wunden ein
in Menschenmengen doch allein
kein Sterben in der tauben Nacht
noch besser ‚lebt‘ es sich

von taub zu taub
beschmiert mit Staub
so schreit doch heißes Wort
noch mittendrin im nirgendwo
der Traum ertrinkt doch sowieso
wozu die Zeit, worin der Sinn
warum noch dieser Ort

von Zeit zu Zeit
kommt niemals weit
so klein der Engel schreit
zurückgerissen, tiefe Küsse
der Wecker schießt zu laute Schüsse
tiefer Fall ins ich / ins schwarz
ein Schlaf in Ewigkeit

 

© Amy Herzog

Flüchten…

Flüchten schweigend in Gedanken
lassen deine Schiffe schwanken
Tanz mich wund an deinem Mund
laut sein will ich, schreien gar
wo Sicherheit zugegen war
in deinen Händen leiser fallen
höre ich den Herzschlag schallen
halt mich nur, so halt mich fest
und flüchte mit ins warme Nest

 

 

© Amy Herzog

Die erste Nacht (nach dem Umzug)…

Ein einziges drehen und ein wälzen
durch die langsame Zeit
zwischen begreifen und träumen
in gefühlter Endlosigkeit
doch immer blieb noch lange Zeit
noch weitere zehn Minuten
der Weg war kurz und dennoch weit
jetzt steh ich auf und gehe weiter
müde zwar und doch wahrhaftig heiter
blicke um mich, tausend Kisten
kommen heut an ihren Platz
und später komm ich dann hier an
zuhaus, gemütlich und –
auch glücklich dann und wann.

 

 

© Amy Herzog

Lebewohl…

Wenn dieser Horizont dich ruft
und du gehst, dann sage Lebewohl.

Schwimme nicht schweigend fort,
halte meine Hand, finde meinen Blick,
ich halte deine und finde dich dort,
und ich finde unser kleines Glück.

Wenn dieser Horizont dich ruft
und du gehst, dann sage Lebewohl.

Dein Duft wird in den Wellen bleiben,
und ich werde nie darin erfrieren,
nur im Sonnenuntergang verweilen,
so niemals deine Hand verlieren.

Wenn dieser Horizont dich ruft
und du gehst, dann sage Lebewohl.

Warte nur solange dort ein Blick,
hier in unsren Zeiten ewig lang,
blicke ich dem Lande bald zurück,
wir singen Lebewohl im Wellenklang.

 

© Amy Herzog

Blind…

Tränen brennen auf der Wange,
Scherben fallen viel zu laut,
weiß und starr sind meine Wände,
kalter Staub liegt auf der Haut.

Niemand kann das winseln hören,
jeder flieht in seine Welt,
bunte Lichter wahren Scheine,
nur nicht den der wirklich zählt.

Drückt der Staub zur Erde nieder,
überhört den lauten Knall,
Regen nährt das falsche Leben,
und ich reise ins Sternenall.

 

 

© Amy Herzog

Richtung…

Schreien in die selbe Richtung,
schlagen unsere Herzen gleich,
graben selbst die tiefsten Löcher,
schweigen wie ein Fisch im Teich.

Worte fliegen um Gesichter,
Fetzen bleiben stumm bedeckt,
schlafen mit den hellen Augen,
wünschen, dass uns einer weckt.

Irren lautlos durch die Straßen,
winken trüb dem richtigen Weg,
fügen uns den eigenen Löchern,
schleichen einsam dem Abweg.

Schreien in die selbe Richtung,
sind es tausend Löcher wert?
Unsere Seele schläft in Fetzen,
wo sich unser Herz noch wehrt.

 

© Amy Herzog

Bis zum Ozean..

Und so liege ich im Dunkeln ganz alleine,
trage Hoffnungslosigkeiten vor mir her,
atme immer schwerer wenn ich sie verteile,
sehe zwischen Staub und Steinen gar kein Meer.

Und so atme ich im Dunkeln ganz alleine,
höre nur noch Schweigen und den leisen Wind,
doch was wäre wenn ich sie einfach vereine,
baue Steine bis das Meer wieder erklingt.

Und so baue ich im Dunkeln ganz alleine,
bis ein jeder Seelenriss verschlossen ist,
vielleicht fände ich mit jedem dieser Steine,
einen Ozean, den noch mein Herz vermisst.

 

© Amy Herzog

In Gedanken..

Still bist du schwer mir im Herze verkeilt,
du Windhauch im Schweigen vorbei,
und wie du auch ewiglich schwerer verweilst,
bist irgendwann du an der Reih‘.

Nach Pfützen die Meere, so schwimmend dahin,
die Beine noch schwerer doch leicht,
gemeinsam wir suchen und denkend den Sinn,
die Seele daneben verbleicht.

Mein Herze zum Uhrwerk, es lahmet schon sehr,
die Zeiger den Abgrund im Blick,
das Herze mag schwimmen, doch all dieses Meer,
sinkt tiefer und schweigend zurück.

 

© Amy Herzog

Letzte Schrift..

In den Stunden trüber Blicke,
zitternd um den Atemzug,
ward gefüllt die schwere Lücke,
wie ein Licht zur Küste trug.

Schlagen falsche Worte nieder,
aus den Augen fließt das Blut,
mit des Herzenswunden Lieder,
ertrinkend an der letzten Flut.

Aus der Seele schwimmen Schreie,
auf die Wand die letzte Schrift,
ob ein starkes Wort befreie,
bevor mein Herz das Jenseits trifft.

 

© Amy Herzog

Kalter stummer Wind..

Ein letzter sanfter Kuss
zum Schluss, der Atemzug
weht der Wind an mir vorbei
meine Hand auf deiner Brust
wonach du gehen musst.

Die duftende Erinnerung
bleibt mir nur erhalten, immer
wird sie schlimmer, sehe nicht
sehe nur durch Nebelschimmer
dich mein allzu fernes Licht.

Hat es mir noch weh getan
einst, wenn so stumm du weinst
weint mein Auge keine Tränen
mehr, schwimme längst im
bittersüßen Tränenmeer.

So ward ich in die Knie
gezwungen, hast dich nur nie
umgedreht, dann – wenn du
und dieser kalte stumme Wind
in die falsche Richtung weht.

 

© Amy Herzog

Fort..

Wollte nie diesem Leben entkommen,
wie benommen, doch entrissen,
hörte ich mit deinem Wissen – bald
das Schärfen der Klingen
im dunklen Wald.

Wollte nie diesem Leben entkommen,
so zerronnen, in den Träumen,
zwischen den Bäumen – die Hasen
konnten auch nicht schneller
um ihr Leben rasen.

Wollte nie diesem Leben entkommen,
doch genommen, meine Seele,
wolltest du, dass ich lebe? – in bunt
gemaltes Bild in Flaschenpost
blieb mein Leben wund.

 

© Amy Herzog

Ankommen?

Ich dachte einst vor langer Zeit,
dass ich schon angekommen wär,
doch jagt mich hier die Traurigkeit,
umhüllt von Sehnsucht immer mehr.

Der Weg, ist er denn endlos lang,
so sag, wohin wird er mich führen?
Zuweilen wird mein schwerer Gang,
in Sackgassen das grau berühren.

Ich dachte einst vor langer Zeit,
dass ich längst angekommen wär,
und wird der Weg auch endlos weit,
die Hauptsache, er bleibt nicht leer.

© Amy Herzog

Wolkenschlaf..

Wenn ich in den Wolken schlafe,
zeichne ich die Zukunft auf,
und am Abend in den Sternen,
blicke nur, mein Schatz, hinauf.

Tausend Sterne formen Bilder,
wie sie unser Leben zeigt,
die zwei Herzen in der Mitte,
mit dem Traum zum Himmel steigt.

Unser Traum, er bleibt unendlich,
wie die Liebe uns einst traf,
und am Abend in den Sternen,
wiegen wir uns in den Schlaf.

© Amy Herzog

Am Felsen im Meer..

Als die Sonne den Sand küsste,
glaubte ich zu träumen.
Mein Blick vom Meere zur Küste,
konnte nichts versäumen.

Wie ich am starken Felsen lehnte,
sog mich der deine Kuss.
Wonach mein ganzes Leben sehnte,
dem ich nun folgen muss.

Sanft lag ich auf deinem Grunde,
gar leer und dunkel-kalt.
Doch küsste ich die Herzenswunde,
und gab dem Felsen Halt.

Als der Mond das Wasser küsste,
tauchten wir dann auf.
Unser Kuss doch brannte Lüste,
und nahmen ihren Lauf.

Doch der Mond wollt schlafen geh’n,
so trieben wir dahin.
Mein Traum, er würd im Wind verweh’n,
doch gab er uns den Sinn.

Und als die Lichter wieder küssten,
wir würden weiter Träumen.
So wie wir von der Zukunft wüssten,
am Strand gab’s kein versäumen.

© Amy Herzog

Vor dem Sturm…

Die Wolken fliegen immer schneller,
doch Schwebe ich im Wind allein,
und fürchte mich vor dem Gewitter,
wann wird es nur gekommen sein?

Die Wolken wollen mich nicht halten,
sie lassen mich im Nichts zurück,
und wie sie mit den Worten flüchten,
so lassen sie mir nicht mein Glück.

Die Wolken bauen tausend Stürme,
doch noch sind die Gefühle mein,
ich schließe in dem Wind die Augen,
und schlafe ohne Furcht dann ein.

© Amy Herzog

Das wertvollste spiel.

Ich sehe traurig durch mein Fernglas
die mit reifen quietschende kurze Zeit,
als sei das Auto, das mich mitnimmt
nicht weit entfernt und schon vorbei
gefahren. Voll gepackt mit meinen
Erinnerungen, die ihren Wert verlieren.

Auf ins Niemandsland, an den Rand 
der Grenze des strahlenden Scheins.
Hat es mich vergessen, oder ich mich
verloren in der Sanduhr des nassen
Sandes? Die zwei Silben der Nähe des
ängstlich (selbst) verschütteten Bandes.

Es geht nicht um des Lebens Rennen,
doch geht es um den erkämpften Sieg.
Um mein Gehör, mein Gespür, zu folgen,
auch ohne zu wissen, wofür. Klopfend
an die Tür des Glücks. Mit meinen Regeln
einfach über die Grenze hinaus zu segeln.

Und dort angekommen, ist die Aussicht
in seinen spektakulären Farben frei. Zeit
bekommt einen Sinn ohne spürbar zu sein.
Doch weit ist dann kein Ziel, nur die Stille 
des Waldes bedeutet dann unendlich viel.
Hinter des Glückes Tür im wertvollsten Spiel.

© Amy Herzog

Die letzte Reise…

Man kann nicht so viel sagen,
denn sie wandelte nur still,
wohl wissend, was sie will,
doch konnte sie’s nicht wagen.

Sie wünschte einst zu finden,
ohne nur ein kleines Wort,
reiste sie von Ort zu Ort,
doch konnte sich nicht binden.

Und viele Jahre sind vergangen,
von der Küste bis auf’s Land,
stand mit ihrem Rücken zur Wand,
hatte sie einen Fehler begangen?

Ich kann nur noch eines sagen,
denn ich hatte sie laut gefragt,
nur sie, sie hat es nicht gewagt,
ihre Zelte hier aufzuschlagen.

Vergessen wir im Schweigen,
das war ihr allerletztes Wort,
sie ging und verpasste jenen Ort,
um die Wolken zu besteigen.

© Amy Herzog

 

Dem Herzen folgen..

Ich möchte meinem Herzen folgen,
wohin es mich auch führen mag,
die Steine werden nie zu schwer sein,
denn tief im Herzen bin ich stark.

Die Wege sind zwar unergründlich,
und doch wird dieser richtig sein,
denn nur mein Herz erkennt die Antwort,
und lässt mich am Schluss nicht allein.

So wenn ich dieser Stimme folge,
die lautstark aus dem Herzen spricht,
wenn Nebelschwaden sich verziehen,
dann kann ich leben in dem Licht.

© Amy Herzog

Am Rande des Abgrunds…

Tränen um Tränen, sie seinen geweint,
doch Gedanken verwehen im Wind,
dort hinten noch suchet und spielt es gebannt,
mein Herze, mein inneres Kind.

Die Seele doch schreitet den Abgrund entlang,
ein Spaziergang am Rande des Lebens,
tief noch ein Blicke den Wolken geschenkt,
doch das Licht dort, es scheinet vergebens.

Die Tränen, sie trauern dem Herze nicht nach,
sie weinen bloß, dass es noch schlägt,
die Frage, die mir dieser Wind noch gebracht,
warum er mein Haar dort noch trägt?

Der Blick weicht der Ferne vom Nebel versperrt,
doch der Abgrund so schwarz und so tief,
ein ewiges Fallen im zeitlosen Loch,
wo keiner mehr hört was ich rief.

Keine Lichte, kein Sturme, als sei es okay,
wird die Seele so leicht in dem Wind,
ich rufe zum Schlusse mein törichtes Herz,
komm springen wir, inneres Kind.

© Amy Herzog

Wo ist der Anfang und wo ist das Ende?

Wo ist der Anfang, wo ist das Ende,
wann erlöst mich die rettende Wende?
Mein Kopf, noch steht er seinen Mann,
und fragt ob mein Bauch kämpfen kann.

Nervös und laut erschlägt mein Herz,
voll Panik, doch woher der Schmerz?
Aus meiner Stirn tropft Schweiß aus Eis,
als stünd‘ darauf, was mein Herz weiß.

Zweifel kitzeln durch die Nerven,
könnt ich nur die Angst verwerfen,
lässt mich all das zu schnell laufen,
und mein Kopf kann nur noch rauchen.

Auf den Bauch soll man vertrauen,
doch kann er auch auf Liebe bauen?
Wann erlöst mich die rettende Wende,
wo ist der Anfang und wo ist das Ende.

© Amy Herzog

Vom erkennen…

Wie viel Glück doch liegt
um die blasse Traurigkeit
so fliegt sie erst zum Himmel
und blickt nicht mehr zurück…

Doch könnte sie nur sehen
fällt doch stets so flügellos
warum nur, niemand weiß es
am wenigsten sie selbst…

Was bleibt ist der Stein
der heiß unter Sonne brennt
den niemand näher kennt
und Tränen von uns nimmt…

Gar Hoffnung schenkt er
wenn wir glauben zu wissen
und nebenher anderes ahnen
was wir in der Seele missen…

Morgen fliegen Töne wieder
und am Ende liegen wir tief
ob glücklich, der Fluss fließt
wenn wir erkennen was war…

© Amy Herzog

Inspiriert von Jin Shi – Narrate

Traurig, stumm und scheu..

Wo immer ich noch sehen kann,
dort sehe ich mich selber nicht,
im Leben fern den Träumen sein,
als wenn mein Herze niemals bricht.

Wo immer ich noch leben kann,
warum lebt dieser Traum auch dort,
ich könnt doch – oder lieber nicht,
so Hand in Hand im Traume fort.

Wo immer ich noch träumen kann,
dort bleib ich auch dem Geiste treu,
so lächelt falsch mein müder Blick,
in Hülle, traurig, stumm und scheu.

© Amy Herzog

Der letzte Abschied.

Die letzte Umarmung:
irgendwie trägt sie alles,
was uns fest verband.
Und doch haben wir uns
in langsam wachsender
Kälte blind verrannt.

Der letzte Augenblick:
ein wenig Wehmut hält
das letzte Bild von uns.
Von unserm warmen Zelt,
doch reicht er nicht mal
für eine kleine Träne.

Der letzte laue Wind:
legt sich sanft zwischen
unsere entfernten Welten.
Traurig – wohl irgendwie,
wo doch keine Gedanken,
lassen mich schwanken.

© Amy Herzog

In dunklen Nächten…

Schlaflos singen Stunden durch die Nacht,
wie sanft die Hand des Mondes mich begleitet,
er kämpft und hält mich fest mit aller Macht,
bis sich mein Herze auch dem Tage weitet.

So sind die Wolken gleich der aller andern,
wenn sie so zaghaft doch von dannen ziehen,
und könnte ich mit einer sicher wandern,
ich würde niemals mehr dem Tag entfliehen.

Doch bleibt in allen Nächten dieser Wind,
der durch die Tage auf der Freiheit reitet,
und wenn wir dann des Nachts alleine sind,
dann weine ich dem Mond, der mich begleitet.

© Amy Herzog

ohne Wind..

Von der sanften Sekunde getrieben,
als sei’s im Scheine gut gemeint,
so könnt ich ohne Wind noch lieben,
doch hat die Zeit darum geweint.

Und so starrte mich an dieses Leben,
in Wahrheit doch nur halb gelebt,
so könnt ich nach dem Glücke streben,
doch bleibt die Stille unbewegt.

Nur wo der Zufall sanft erscheint,
dort trägt der Wind die Lasten,
und wenn fortan die Sonne scheint,
so werd‘ ich glücklich rasten.

© Amy Herzog

Sterbendes Herz..

Ein Herz, es klopfte für die Liebe,
doch langsam stirbt’s in Einsamkeit,
so sehnt es starr nach Luft und Liebe,
nach Glück und purer Fröhlichkeit.

Ein Herz, es klopft sich in den Traum,
weil es doch zu lang Tränen litt,
so sehnt es nur nach Luft und Tanz,
und nahm das Lächeln dorthin mit.

Ein Herz, es klopft von dieser Welt,
und starb nicht mehr in Einsamkeit,
es sprang und sang durch einen Traum,
und spürte nicht die flüchtig‘ Zeit.

© Amy Herzog

Schweben…

Frei ist schweben
– komm
im Nebel liegen
kalt wie Eis.

Fort sind Gedanken
geschwemmt
– wir fliegen
in weiß.

© Amy Herzog

Geliebt habe ich

Geliebt habe ich,
durch Zeiten, sanft und wild,
doch dieser Sommer heller blüht,
und so verblasst das Bild.

Geliebt habe ich,
und doch die Zeit, sie rennt,
war ich einfach viel zu schnell,
so plötzlich bist du fremd.

Geliebt habe ich,
so bleibt ein kleines Wort,
gar unscheinbar in meiner Zeit,
bleibt nur  der Abschied dort.

© Amy Herzog

Frei..

Dort stürze ich ins Leben,
das mir den Wind geraubt,
erdrückt von tausend Tränen,
doch nur dem Traum geglaubt.

So träume ich die Zukunft,
und kann sie doch nicht sehen,
sie schläft in tausend Sternen,
und wird einfach geschehen.

Doch träume ich zum Ende,
als trägt mich kurz der Wind,
könnt ich die Sterne sehen,
und frei sein wie ein Kind.

© Amy Herzog

Sommerfrost

Sommerfrost auf meinem Herzen,
blühen doch die Wälder ihren Duft,
als brannten lichterloh die Kerzen,
und ruften nur nach ihrer Liebesluft.

Wie rein und klar der Wind doch weht,
so sehne ich die Wärme mir herbei,
wohin der Weg des Herzens dann auch geht,
wartet nur ein Bild auf seine Malerei.

Und blühet bald der Wald in Farbenpracht,
so spüre ich, der einst so frostig Schnee,
die Pinsel malen durch die eine Nacht,
den uns’ren allerwärmsten Liebessee.

© Amy Herzog

Reisender…

So bist du gegangen, weit fort von mir,
doch lebst du im Herzen auf ewig hier,
wanderst über Meere, Berge und Tal,
durch Stunden und Nächte ohne die Wahl.

So bist du gegangen, der Suche voran,
sag nur, ja sage mir, wann kommst du an,
bin ich zu müde mit langsamen Schritt,
und ging deine Reise nur ohne dich mit.

So bist du gegangen, und finde die Ruh,
ich schaue solange den Träumen noch zu,
bis sich im Herbste das Blatte sich wendet,
dann sind uns’re Zeiten für alles beendet.

© Amy Herzog

Letzter Gang…

Und wie sich all die Zeit verirrt,
zwischen denkenden Tränen verlangt,
so füllt ein Wort dem Lächeln gleich,
noch auf dem Seil der Stille wankt.

Und wie sich all die Zeit verliert,
in ewig dauernder Stille ertrinkt,
lässt mich noch halten, fester halten,
bis dies Leben zum Grunde sinkt.

Und wie doch diese Zeit noch lebt,
im allzu brennend süßen Klang,
mein Herz verliebt in Traurigkeit,
geht mit der Zeit den letzten Gang.

© Amy Herzog

Riese!

So Riese, hältst dich fest,
und rennst noch gegen Zeit,
nur sieh! – wie sie dich gehen lässt,
und dein Weg wird zu weit.

So Riese, wirst du klein,
erdrückt gar von der Zeit,
kannst nur im Tränenfluss allein,
ertrinken an dem Leid.

So Riese, lass dich los,
und halt‘ die Hand der Zeit,
so fest! – erbaust dein eig’nes Floß,
und lebst in Heiterkeit.

© Amy Herzog

lieblich kühler Wanderer…

Oh, lieblich kühler Wanderer,
so sei mir nah in finstrer Nacht,
schwebst über blaue Meere hoch,
mit deiner reinen Herzensmacht.

Oh, sinke nicht für mich hinab,
sei meine Herzenslast zu schwer,
nur atme auch mit ferner Brust,
das Salz für mich aus deinem Meer.

Oh, lieblich kühler Wanderer,
traf mich in ferner Zukunft bald,
ereilt uns nur in andrer Nacht,
ein Kuss an deines Meeres Wald.

© Amy Herzog

Wohin???

Wer bin ich, und wer bist du,
warum sind wir nicht anderswo,
wo stehen wir jetzt überhaupt,
der Verstand scheint hier geraubt!

Gehen wir denn irgendwo hin,
mit lachenden Herzen als Gewinn,
sind wir einfach undurchsichtig,
ist das alles nicht so wichtig?

Was kann „alles“ hier nur sein,
ist alles in Wirklichkeit zu klein,
wo bin ich denn, und wo bist du,
gehen wir aufeinander zu…?

 

© Amy Herzog

Ein Bild…

 

Ein Bild gebrannt in den Gedanken,

worauf du immerwährend schläfst,

so ruhig und sicher bleibt die Liebe,

selbst wenn du auf die Reise gehst.


© Amy Herzog

Durch wehende Winde…

Durch wehende Winde
bis in die Nacht
– hoch hinab
was ich wohl finde
welches Feuer entfacht…?

© Amy Herzog

Wohin kann …?

 

Wohin kann meine Reise gehen,

wenn die Welt sich nicht mehr dreht,

zwar die selben Sterne scheinen,

doch still der Geist im Herzen schläft.

 

Wohin kann meine Reise gehen,

wenn die Luft durch Lungen drückt,

mir jede Sicht den Weg versperrt,

und der auf dem ich bin nicht glückt.

 

Wohin kann meine Reise gehen,

wenn ich im Traum nicht gehen kann,

wenn mein Geist vereinsamt schläft,

und auch der Traum doch längst zerrann.

 


© Amy Herzog

Herz in der Truhe…

 

Die Truhe liegt verschlossen hier,

dort unterm Schnee und Eis,

durch weiß verlassene Leere nur,

kein Schlüssel den Weg weiß.

 

In dieser Truhe klopft es laut,

die Schicht aus Eis im Takt,

ein Herz verborgen unter ihr,

so rein doch schluchzend nackt.

 

Das Herz, es suchte nur den Schutz,

und sah die Truh‘ im Schnee,

doch wurden Tränen zu dem Eis,

das diesem Herz tut weh.

 

Doch eisern kämpft es sich voran,

auf dass das Eis zerbricht,

bis jemand noch den Schlüssel bringt,

und endlich strahlt das Licht.



© Amy Herzog

Weg nach irgendwo…

Für immer weg nach irgendwo,

von nirgendwo nach anderswo,

einfach nur fort, ohne ein Wort,

jetzt sofort, an irgendeinen Ort.

 

Ein Fall ins mittig‘ nirgendwo,

was dort passiert dann sowieso,

und wenn das ‚wie‘ ein Ende find‘,

wir irgendwo zusammen sind.

 

© Amy Herzog

Fort in den Sinn…

Zu kurz, und doch vom Gifte getrunken,
wankte vom Schein der Liebe betrunken,
im Meer aus Staub erinnernd versunken,
zu tief im Schmerz erstickend ertrunken.

Ein Heimweg, die Straße, zu verschenken,
den kurzen Ausblick auf Hoffnung zu lenken,
im Sande, und doch schon zu verkümmert,
die Schmerzen der Seele gar verschlimmert.

So halte an mich, mein lieber Freund, Tod,
errette mein Herz aus dieser stickigen Not,
reiche den Ausblick auf Hoffnung mit hin,
so fahre ich fort im Meer aus neuem Sinn.

 

© Amy Herzog

Ablaufende Zeit…


Sie harrt verschwiegen Wort um Wort,

und tropft die Sehnsucht nur blass,

mit jedem Ticken quietscht es zu laut,

die Zeiger der Zeit sind schon nass.

 

Sie läuft die Schritte durch die Nacht,

die Hoffnung, der Weg scheint zu weit,

doch tropft und tickt sie sehnsuchtsvoll,

durch die Zeiten warmer Zweisamkeit.

 

Doch schläft sie bald schon unterm Rost,

wo nur noch Erinnerungen Gähnen,

wenn diese Zeit bleibt müde stehen,

dann wird sie auch mein Herz lähmen.



© Amy Herzog

Dem Sturm folgen…

Der laue Wind, so ruhig und sanft,
nimmt mich in seinen Arm,
streift meine Seele im Gesang,
im zarten Kuss – so warm.

Indes, ich suche nach dem Stoß,
der mit zum Himmel flieht,
erobert mich im Sturmgebraus,
ein Leben – wie es zieht.

Ich folge ferner diesem Sturm,
wie er das Herz ergreift,
in seinen Armen fest zum Rand,
wo Licht und Liebe reift.

 

© Amy Herzog

Zurück bleiben…

Mit deinen Liedern aufgewacht,
die Saiten waren nur nie warm,
ziehen bis zum Ende der Welt,
und fliehen doch in deinem Arm.

Geklammert an die Melancholie,
der Kopf vom Dampf gefroren ist,
verbleibt da nur der graue Nebel,
der hin und wieder Sonne vermisst.

Nun küsst ihr Teufelslippen nah,
vor Augen hängen schwere Ketten,
und weil ich Worte niemals sah,
muss jetzt das Eis die Wunden lecken.

Letzte Lebensstunden rauben,
die im Nebel noch verweilen,
Seelen, die nach Wärme zehren,
nie in stummen Liedern heilen.

Bleiben an dem Ort zurück,
wo kein Lied jemals Sonne traf,
ich bitte nur zuletzt und leis‘,
wecke nicht, wenn ich dann schlaf.

 

© Amy Herzog

Unsagbar…

Wie schwierig manche Worte sind,
mein Herz kann sie nicht sagen,
die Sätze die daraus entstehen,
der Mund darf es nicht wagen.

Wie sie sich in der Seele winden,
sie machten mich doch reich,
wenn Schweigen eine Sprache wär,
dann wär’s so leicht zugleich.

Verschlossen bleiben sie zurück,
gerade das ist das schwer,
nur ohne Sinn und ohne Glück,
stattdessen schmerzen sie sehr.

 

© Amy Herzog

Zum Abschied dein Klang…

Müde und nass
klafft meine Seele dahin
der zitternden Zeit
als sei’s dir der Weg
der viel zu weit
aber nein, nein
es ist nur der Stein
tief in meiner Brust
der mich noch erinnert
an deinen wärmenden Duft

Und ich stehe neben mir
als stünde ich gleich vor dir
mit trockenen Lippen
hieltest mich an Arm und Rippen
würdest meine Seele trocknen, küssen
mich fort von diesem Abgrund locken
schlafen, trinken, lachen, lieben
stundenlang den Gefühlsschaum genießen
als sei’s mir doch nur der böse Traum gewesen

Doch meine Rippen sind kalt
und die Arme noch steif
die Seele schreit noch „wecke mich auf!“
ziehe mich aus dieser Dunkelheit hinaus
bergauf ins Grün
wo wir Vögel lächeln seh’n
aber das wird nicht passieren

Oder?
Oder..?

Schrei ich gegen die Monster
vorm letzten Gang
den schwarzen Abgrund entlang
falle durch Sehnsucht, Begierde
rückwärts durch schattige Liebe
mit flehend kniendem Gesang
und auf einem Bild winkt
zum Abschied
dein Klang

 

© Amy Herzog