egal

Sterbe schnell ein
paar
tausend Tode
dann schmeckt das
egal
wieder nach einer Kugel
blauer Engel
für zwanzig Pfennig
im Hörnchen
nach Gummitwist
Murmeln
und dem Schweinchen in der Mitte

Und Hoffnung schimmert
wie eine Fata Morgana am Horizont
mit gefühllosen Sternen
in der Nacht

Treibe weiter aus
und ab
aus dieser Welt
ein klein wenig Kuss
Sex
und eine Lüge
auf der Rückseite von glücklichen
Urlaubsbildern

© Amy Herzog

Lawine

Es ist echt. Dieses weinen. Und dann muss er ein wenig über sich selbst grinsen. Nicht weil er weint, sondern wegen dem, was er denkt. Scheiße, verdammt, nein. Nein, nein, nein. Doch. Verdammt. Scheiße. Genau das ist passiert. Deshalb weint er. Kurz, aber ausreichend. Ausreichend für diese Erkenntnis. Na so das Übliche, wovor man wegläuft. Und nun weint er. Von einer Lawine überrollt, Eiskristalle aus seinen Augen, sein Herz schwitzt Flüsse in den Schnee und schreibt im Mondlicht ihren Namen. Verdammt, denkt er. Grinst und weint, grinst und weint. Und zittert wie sein flatterndes Herz. Verdammte Scheiße eben. Diese Erkenntnis.

*ein Drabble

ein wenig wort
gewicht und schreiben
weil unscheinbare worte
am tiefsten leiden
(- zu viel wort)

© Amy Herzog

Haut

gelächelt
und Haut gezeigt
vergessen
für einen kurzen Moment
das sie noch schreit
und wieder
weil ich stumm bin
diese Farbe
lacht
in Tränen

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Pause bis November / Planung

Ich merke in letzter Zeit, dass es mich mehr und mehr auslaugt, darüber zu schreiben. Für den heutigen Beitrag habe ich einen halben Tag gebraucht, ich bin da sehr unkonzentriert. Parallel bearbeite ich weitere Themen, recherchiere ohne Punkt und Komma, tausche mich aus, befrage und höre nebenbei auch sehr viel in mich selbst hinein. Das wird anstrengend und das macht sich bemerkbar. Deshalb lege ich eine Pause bzgl. der Autismus Beiträge ein. Im November wird es weiter gehen.

Bis dahin werde ich die Beiträge durchsehen und diese übersichtlicher gestalten. Mir war zu Beginn nicht klar, dass es so viel werden würde und dass inzwischen auch einige Menschen über Google oder sonst wie auf meine Beiträge stoßen. Es fühlt sich gerade daher auch etwas gezwungen an. Und das möchte ich nicht. Dennoch finde ich das ganz toll und ich möchte weiterhin aufklären. Bzw. versuchen ein wenig zu erklären – aus meiner Sicht…ich bin ja nicht vom Fach. Und es handelt sich auch nicht um ein Spezialinteresse. Meine Erwartungen an mich selbst sind einfach immer so schrecklich hoch und dann werde ich mir selbst nicht gerecht.

Ich nenne weitere Themen, welche dann ab November hier zu finden sein werden.

  • Autistischer Burnout. Ein extrem breites Thema. Die Infos im Netz sind überwiegend Müll. Trotzdem eines der größten Themen und sehr wichtig. An dem Beitrag arbeite ich bereits seit mehreren Wochen und es nimmt kein Ende. 😉
  • Sexualidentität und Sexualität
  • Emotionale Nähe und Distanz
  • Ungesteuerte Stims
  • mögliche Psychische Erkrankungen (dazu wird es mehrere Beiträge geben)
  • Therapie
  • Suizidgedanken

An diesen Beiträgen arbeite ich bereits. Wenn euch weitere Bereiche interessieren, ungeklärte Fragen (da gibt’s keine dummen Fragen) bestehen, Unsicherheiten an euch selbst oder im Umgang mit Betroffenen oder schlichtes Interesse an irgendetwas besteht, schreibt mir dies gern über Insta (- über den öffentlichen „amygoesvegan_“, der andere Account ist privat und ich nehme dort derzeit keine Anfragen an) oder per Mail (per Mail dauert es länger mit einer Antwort)

Aufhören

Moos wächst
auf meinen Worten
und Schwalben nisten sich ein
die Hoffnung sitzt mit gelassen baumelnden
Beinen auf der morschen Planke
ich höre auf durch dich durchzuschauen
– diese ausdruckslosen Blicke
weil es da draußen
nur noch leichte Fingerspuren
glattgeriebene Gedanken
und Nebelschwaden
für mich gibt

© Amy Herzog

Dein Meer.

Fühlst du fließend Liebe
wie ein ganzes Meer
nur kannst du sie nicht sprechen
weinen Zweifel, Angst
und Kummer in Anadiplosen.

Bricht dein großes Herz
auf halber Strecke
wird es klein
und du sagst dir leise
„na, es wird schon reichen“
dieses Meer ist mein.

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Routine und Struktur

Ein kurzer Beitrag zum Thema Routinen und Struktur – und wie das bei mir so ist.

Oft wird vermutet, dass Autist:innen eintönig sind, dass der Tagesablauf immer gleich ist, wegen der Routinen. Dem ist aber nicht so. Insbesondere dann nicht, wenn sich zum Autismus noch AD(H)S gesellt. Oder psychische Erkrankungen (Depressionen, PTBS, etc.) Vielen Autist:innen fällt es nicht schwer, Routinen zu entwickeln, meistens kommt das ganz von selbst. Sie sind da und dann wird das so gemacht. Und da sich das Leben bewegt, wandelt, bewegen sich auch die Routinen. Meist nicht so oft, weil Veränderungen nicht so leicht zu bewältigen sind, aber gelegentlich kommt das vor.

Routinen („Gewohnheiten“) bieten Sicherheit im Alltag und schützen vor einer Reizüberflutung. Wenn diese mal nicht eingehalten werden können, wird darauf unterschiedlich gestresst reagiert. Kommt da auch stark auf die Wichtigkeit der Routine an.

Sie haben jedoch im Grunde nicht viel mit der Struktur („Zusammensetzung aller Bestandteile“) im Alltag zu tun. Eine geordnete Struktur selbstständig zu entwickeln und auch ohne Unterstützung umzusetzen ist für die meisten Autist:innen oftmals unmöglich. Mir ist auf jeden Fall noch kein Autist begegnet, der das ohne fremde Hilfe reibungslos und langfristig geschafft hat. Trotzdem ist so etwas sehr wichtig – unter Einbindung der Routinen. Ein strukturierter Alltag kann zum Beispiel darin bestehen, immer zur Selben Zeit aufzustehen und zu Bett zu gehen. Und dazwischen eben die anfallenden Tätigkeiten – Beruf, Nahrungsaufnahme, Körperpflege, etc. zu festen Uhrzeiten. Manche können das mit Erinnerungstafeln, oder einer App.

Ich persönlich habe fast gar keine Struktur im Alltag, außer an den wenigen Tagen, an denen ich arbeite. Zwar stehe ich meist sehr früh auf und gehe spät zu Bett und mache oft die Selben Dinge, meinen Routinen und Interessen entsprechend, aber eine Struktur ist da nicht. Meist bin ich irgendwo auf nem anderen Stern. Das sorgt jedoch immer für einen gewissen Stresspegel. Ich bin jedoch ein Mensch, der sich kaum etwas sagen lässt, ein Freigeist, höflich ausgedrückt. Zu ehrlich, egoistisch und Arschloch mit viel Herz würde aber auch passen. Vielleicht weil ich sehr lange bevormundet und „unterdrückt“ wurde. Für die Dinge, die ich mag, hab ich quasi immer Pläne im Kopf, damit ich „spontan“ all die tollen Sachen tun könnte. Und wenn AD(H)S kickt, bin ich noch dazu sehr impulsiv. Für die Autistin in mir ist das alles sehr anstrengend, weshalb ich, wenn ich ein Smartphone wäre, immer nur so 10% geladen bin.

Eine vorgegebene Struktur würde mir also theoretisch helfen, wenn ich diese denn zulassen würde. Ich halte mich eben an meine kleinen Routinen und an sehr viel Zeit/Ruhe für mich.

Atlas

Ich trug dich
einstmals in meine Welt
– stark wie Atlas
damit ich dich nicht vergebens
in deinen dichten Wäldern
ewig suchen will
Liebster

© Amy Herzog

Ein paar Bilder vom Movie Park Tag :-)

Ich war heute im Movie Park. 🙂 Es war schön, wenn auch sehr anstrengend, weil laut, durcheinander und viele Menschen. Konnte aber ein paar Bilder machen. 🙂

Nicht erschrecken, das bin nur ich mit Doppelkinn, Augenringen und ohne Make-Up und selbstverständlich ohne Filter. Die Sexy Strümpfe muss ich auch zeigen, die habe ich zum Geburtstag bekommen. Laut Aussage haben sich einige Menschen die Strümpfe angeschaut, aber ich kann das nicht beurteilen, weil ich nicht darauf achte, wer gucken könnte. Meistens bin ich die, die starrt. 😀 Den kleinen auf meinem Arm hat mein Partner beim Enten-Angeln für mich gewonnen. 🙂

Vorbereitungen für Halloween. 🙂

Ich mag Spongebob und habe auch eine Tasse gekauft. 🙂

So, das war’s. Leckeres Essen gab es auch, leider nicht vegan. Heute war also ein recht vegetarischer Tag, aber draußen ist das eben manchmal schwer umzusetzen. Es gab Veggieburger und Pommes zum Mittag/Frühstück. Und dann noch ein Eis. 🙂 Liegt soo schwer im Magen, war aber trotzdem ganz okay.

Ein kleines Buch mit Stift habe ich auch noch gekauft, muss doch immer sein als Schreiberling. 🙂

Stummfilm

Das Programmheft
immer eine vergilbte Kopie
deines Stummfilms
ich spreche dich rückwärts mit
wenn du auf ‚Play‘ drückst
und durchschaue im Hintergrund
keinen tieferen Sinn
nur verteiltes Schwarzpulver
auf deiner Zungenspitze
und den Hagel der Granaten
der mich übertönt

© Amy Herzog

Ficken kann jeder.

Es ist nicht schwer, auf einer Bananenschale auszurutschen, mit der Kleidung versehentlich an einem aus der Wand hervorstehenden Nagel hängenzubleiben, sodass diese vom Leib fällt, zufällig ein passendes Gegenstück in Fallrichtung liegen zu haben, im selben Moment durch das schlagartig ausgestoßene Adrenalin eine wie auch immer geartete körperliche Erregung zu spüren und letztendlich in einer vor sich hinschwitzenden, verknoteten Verbindung stecken zu bleiben, während auf und ab Bewegungen nur deshalb zustande kommen, weil man ja immerhin schon etwas älter ist und nicht mehr nur ein Versuch genügt, um aufzustehen.

Klar, immer wieder nett. Ach, ich habe gar nicht vorgestellt: Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Was? Ihr kennt euch schon? Nun gut.

Ja, jetzt kommt irgendeiner daher, der eine, der immer kommt, der, der sagt: „Wenn du Sex so scheiße findest, dann hast du noch keinen guten gehabt.“ Na, das ist der Selbe, der sich dann beweisen will. Danke, aber nein danke. Ein bisschen Selbstachtung habe ich dann doch noch. Willst du was abhaben?

Nun aber weiter im Text. Ja. Die bisherigen Zeilen hätte ich mir sparen können. Der Titel genügt vollkommen. Aber mal ehrlich, die Vorstellung mit der Bananenschale ist doch irgendwie so real wie witzig. Ich frage mich, wie viele Menschen heute Nacht ausrutschen. Mit Absicht. Und ein paar, die hinterher dem Alkohol die Schuld geben. Soviel kann ich gar nicht saufen, damit solche Menschen schön für mich werden, deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Was ich mich wirklich frage ist, wann waren wir, wann warst du, das letzte mal Emotional vollständig nackt? Dein Körper mag aussehen wie er eben aussieht. Da scheißt doch der Hund drauf. Viel interessanter ist, wie deine nackte Seele aussieht. Zwei vollständig geöffnete Seelen die ficken. Seltsame Vorstellung oder? An zwei Körper zu denken ist leicht. Ficken ist leicht. Ich kann in meinen Browser random Buchstaben eintippen und lande garantiert auf irgendeiner Pornoseite. Oder ich schaue in meinen Verlauf. Alles nackte Körper. Alles so unfassbar banal, ermüdend und an Irrelevanz nicht zu übertreffen. Zwei fickende Körper, wow. Von mir aus auch drei, vier, oder auf wie viele man auch steht. Ist total Latte. (Hihi, Latte..)

Btw: Schaut euch nen Porno aus den Achtzigern, Neunzigern an. Das ist noch Humor.

Aber nun weiter. Habt ihr euch inzwischen die zwei nackten Seelen vorgestellt? Diese vollkommen offenen nackten Emotionen, wie sie sich miteinander Verbinden, die Farben aller Universen, verschmelzen, sich hingeben, selbstlos schenken und ohne Zeit und Raum für immer eng umschlungen miteinander, ineinander tanzen? Habt ihr das mal gesehen? Schon mal erlebt? Mal ganz ehrlich, sind ja hier in unseren Gedanken unter uns.

Also ich nicht. Meine Seele war noch nie nackt. Die behält immer wenigstens den Schlübber an. Und ich fühle mich wie ne Jungfrau. Weil ich, ICH, noch nie nackt war. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen. Aber das, was ich mir unter diesen zwei nackten ewig fickenden Seelen vorstelle, das ist schon, nun, alles übertreffend. Ich denke aber auch, dass es kaum mehr Menschen gibt, die sich vollständig entkleiden können. Und wenn das so ist, wie ich mir das vorstelle, dann ist das absolut nachvollziehbar. Man stelle sich vor, man ist also Seelenjungfrau, so nenne ich das mal und dann traut man sich mal einfach, sich auszuziehen, so viel Eier muss man erst mal haben, aber man traut sich das dann mal. Na und dann verbinden sich diese eine Seele und diese andere nackte Seele. Und dann? Tut das weh? Ist das schön? Und die wichtigste Frage: kann man das ohne Kassenzettel zurückgeben? Nein?

Wow. Schon erschreckend. Na, ficken ist leicht, aber sich selbst wirklich auszuziehen erscheint unmöglich. Zumindest für die Meisten. Ein Hoch also auf die Bananenschalen, gähn.

Ein Wunsch.

„Normal“ ist ein dehnbarer Begriff, schon klar. Soll nicht heißen, dass ich nicht normal bin, für meine Verhältnisse. Aber ich funktioniere eben anders. Das ist halt so. Aber das ist nicht der springende Punkt (ich, die nun an einen Punkt denkt, der auf und ab springt). Ich wäre gern in der Lage, die Sprache sprechen zu können, die von den meisten Menschen selbstverständlich gesprochen wird. Die wissen, wie man sich verhalten muss, wie man wann fühlen muss, was man sagen muss, sagen darf. Die wissen, was richtig ist, was falsch ist. Die wissen, was angebracht ist und was nicht. Wenn ich dann über Menschen nachdenke: „Ähm … [maximal verwirrendes Zeug einfügen] … ach egal.“ Und dann mache ich was interessanteres. Und doch, am Ende des Tages habe ich stets einen Teil der Fehler in und an mir gefunden, die ich eben so finden konnte. Ob das dann wirklich Fehler sind, weiß ich nicht. Muss ich mich entschuldigen, wenn ja, bei wem? Habe ich was falsches gesagt, getan, mich falsch gekleidet, bewegt, geatmet?

Diese Welt ist so unfassbar oberflächlich, alles muss perfekt sein, obwohl nichts perfekt ist. Es wird bewertet, ich werde bewertet, nur nach welchen Kriterien? Geht es ums Äußere? Da bin ich raus. Geht es ums Innere? Da bin ich auch raus. Am Ende nehme ich, ganz im Sinne meiner nicht vorhandenen Herzgesundheit, den ganzen Zirkus einfach hin. Eine andere Autistin gab mir mal den Ratschlag: „Betrachte Menschen wie Hunde.“ Das klingt erst mal fies, funktioniert in der Praxis aber manchmal recht gut. In diesem Wirrwarr aus ‚zu viel‘ und ‚zu wenig‘ (irgendein Oberpromathematiker kann das bestimmt definieren, ich gehöre nicht dazu) finde ich mich nicht zurecht. Ich lebe so vor mich hin und mache dabei mehr Fehler, als ich finden kann. Weil für andere irgendwas „normal“ ist, worüber ich nicht mal im Ansatz nachdenke. Und dann sagen die, ich wäre kompliziert. Scheiße, die sind kompliziert. Nichts für ungut. Ich weiß nicht, was normal ist, was richtig ist, aber wenn es eine Pille gäbe, die mich das für einen Moment wissen lässt, so wie die es intuitiv wissen, dann würde ich sie schlucken und nicht mal den Beipackzettel lesen.

Das wäre ein Wunsch.

anstandslos

durchaus hängt müde haut
von meinen knochen
und es brennt
im zufriedenheitsgegrinse
kommt mir doch zwischen fick
und schweigend in leisen tränen
kein glück mehr vor die linse
und kein fragen
mehr nach einer zeit
sie war nie da

die zukunft
liegt jahre zurück
schon lange
geht es nicht mehr
um den zyanotischen monolog
nicht mehr um die wahl
wie tiefgründig
ist mir noch zu seicht
und das wasser
das du zum kochen bringst
steht mir bis zum hals
bis der strick reißt
und ich anstandslos ertrinke

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: zum „weiblichen Autismus“ in sexistischer Gesellschaft

Die Diagnosekriterien sind nicht abhängig vom Geschlecht. Die zentralen Kriterien, auch „Symptomtrias“ genannt, die immer gegeben sein müssen sind: Stereotypes und repetitives Verhalten/Bewegungen, eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit/Sprache, eingeschränkte soziale Interaktion/zwischenmenschliche Beziehungen.

Und das ist durchaus korrekt so, ebenfalls wissenschaftlich belegt. Gut und schlecht. Warum? Und warum werden Frauen dann seltener und oft erst spät diagnostiziert? Nun, weil Fachärzte (jetzt hackt sie wieder auf den Fachärzten herum ;-)) oftmals noch im Zeitalter von Hans Asperger feststecken. Denn selbstverständlich können (nicht müssen) diese drei Kriterien, welche erfüllt sein müssen, ganz unterschiedlich in Erscheinung treten. Und Frauen sind da schlichtweg unsichtbarer. Und das liegt am Frauenbild, an dem, was von Frau eben so verlangt wird. Klar, das Bild von der braven Hausfrau hinterm Herd ist nicht mehr so häufig präsent, aber das muss es auch gar nicht.

Es genügt, dass Mädchen eher wohlerzogen wirken müssen, während Jungs eben auch mal Jungs sein dürfen. Wenn ein Mädchen ausflippt, dann ist es ne kleine Zicke. Wenn ein Junge ausflippt, ist er eben ein Junge, der mal Junge sein darf. In Erziehungsthemen bin ich nicht allzu bewandert, das was ich aber am Rande so mitbekomme ist, dass sich dieses gerade hier und da ändert.

Die erwachsenen Frauen haben das aber noch so gelernt. Man nimmt zum Beispiel in Fachkreisen an, dass sich Spezialinteressen auf Naturwissenschaften beziehen (müssen), bzw. auf andere (typische) Männerdomänen (klassisch auch Programmierer, IT-ler). Und so könnte es zum Beispiel sein, dass eine Autistin den ganzen Tag näht, sich schminkt und die perfekte Bügelstrategie entwickelt. Klingt scherzhaft, ist aber absolut möglich. Weibliche Autisten sind häufig im künstlerischen Bereich anzutreffen, so auch ich. Wobei ich persönlich auch nicht an der typischen Naturwissenschaft vorbeigekommen bin. In unserer sexistischen Gesellschaft ist es aber eben oft noch so, dass Männer dieses ausleben können, frei darauf hinarbeiten können, auch beruflich, während Frauen lieber was anderes machen sollen. Am besten etwas, was Raum für Kinder lässt. Schließlich sind Frauen unterm Strich dafür da.

Ja, das erlebe ich oft. Geschockte Menschen, die es nicht verstehen können, dass ich kein Interesse daran habe, einen Stall voll Kinder zu hüten. Man ist als Frau tatsächlich ein bisschen weniger Wert.

Mir sind schon einige autistische Mütter begegnet, die ihre Kinder selbstverständlich lieben und sich gut um sie kümmern, aber kaum mehr Zeit mehr für sich selbst haben (und vielleicht für Interessen, die nicht „typisch weiblich“ sind. Für eine Autistin kann das sehr zermürbend sein. Und genau das interessiert dann kaum jemanden, denn sie hat ja ihren Soll erfüllt. Natürlich gibt es auch Autist:innen mit Kinderwunsch, vielleicht sogar als (weiteres untypisches) Spezialinteresse, und selbst für mich wär’s inzwischen wohl ok. Aber eben nur ok.

Für männliche Diagnostiker, bzw. für Diagnostiker:innen, die sich am typischen (männlichen) Autismus orientieren, ist dieser weibliche Autismus eben aufgrund unserer sexistischen Gesellschaft oft nicht leicht zu erkennen. Weil es anders aussehen kann. Zum Beispiel statt „ausflippen/rumschreien“ (Jungs) „schweigen/Schüchternheit“ (Mädchen)

Trotzdem müssen die oben genannten Symptomtrias vorhanden sein. Wie auch immer sie in Erscheinung treten.

Nichts auf meinen Lippen

Nichts auf meinen Lippen
und in meinen Händen nur Staub
aus grauem Herz
und zwischen.Menschlichkeit
mein Puls flüstert müde
in knisternd streichelndem Herbstlaub
ein Blatt halte ich
und gieße dich darin auf
wie den Tee vor der Dunkelheit
damit ein bisschen Wärme
aus meinem Mund
und Glassplitter in meine Ferse
fällt und fließt und sticht
ich wünsche wieder
nichts auf meinen Lippen
und einmal nur ein kleines Herz
das nicht so klirrend bricht

© Amy Herzog

Lüge

was ist das schon..
– „innen“
ich atme mich aus!
und dann kann ich dich nicht anschauen
du dünnes, weißes blatt papier
weil du leer bist
und mich damit belügst

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: In der anderen Welt

Viele Autist:innen spielen gern Videospiele oder begeben sich in irgendeine andere beliebige Welt, in der sie erfolgreich sein können. Und das macht Sinn. Denn als Autistin mache ich, wann immer ich aus meiner Welt in die Welt begebe, die ihr wohl als „echte“ Welt bezeichnen würdet, die Erfahrung, nicht hineinzupassen. Dementsprechend bleiben Erfolge aus. Und auch ein autistisches Gehirn reagiert positiv auf Erfolgserlebnisse.

In Videospielen wäre das zum Beispiel das Aufsteigen in Levels, das schaffen von schwierigen Stellen im Spiel. Nun, ich spiele nicht mehr so oft Videospiele. Aber auch bei Brettspielen oder Kartenspielen bin ich eine wahnsinnig schlechte Verliererin. Als Kind, Jugendliche endete ein Spiel, wenn ich verloren habe, stets in einem Wutausbruch. Inzwischen kann ich gut so tun, als ob ich verlieren könnte. Ich bin aber noch immer eine schlechte Gewinnerin.

Die eigene Welt ist nahezu perfekt eingerichtet und an die eigenen Bedürfnisse angepasst. Soziale Kontakte sind zwar wichtig, aber ich persönlich kann darauf weitestgehend verzichten. Eben weil alles da draußen irgendwie in einem sozialen Kontakt endet. Na, selbst einkaufen beinhaltet ein oder zwei ausgetauschte Worte.

In der eigenen Welt, oder eben in Videospielen, gibt es klare Regeln, es funktioniert dort so und nicht anders. Manches Videospiel könnte ich mit verbundenen Augen ohne Probleme durchspielen. Es funktioniert immer gleich. In dieser echten Welt verstehe ich gar nichts und das kann ich allenfalls gut vertuschen. Die Menschen darin verhalten sich wahnsinnig willkürlich.

Und als Autist hat man dann die niemals endende Aufgabe, im Kopf für jede Eventualität einen Plan zu haben. Das ist unfassbar anstrengend. Und nach außen wirkt man dann wieder meistens ganz normal. Was ebenfalls anstrengend ist. Menschen bewegen sich kreuz und quer, fühlen heute dies und morgen was ganz anderes. Dann ist wieder jemand sauer auf mich, weil ich irgendwas getan oder nicht getan habe. Und dann redet man mit jemandem, der sagt: „schau mir in die Augen, wenn ich mit dir rede.“ Und am Ende steht man als dummer Mensch da. Dabei funktioniert man einfach nur anders.

In dieser neurotypischen Welt kann ich mich sehr schwer selbst einschätzen. Da gehe ich generell vom Schlimmsten aus. Das ist kein schönes Gefühl. Ich verstehe nicht, was richtig oder falsch ist in der Kommunikation allgemein. Menschen senden Signale, die ich nicht verstehe. Und dann wieder ganz andere. (btw: ein eigens programmierter Roboter wär n toller Freund.)

Ein großer Teil dieser anderen Welt ist bei mir das Schreiben. Aber da hat jede/r Autist/in andere Vorlieben.

Menschen neigen in der Regel nicht dazu, Dinge ausführlich zu erklären, Dinge einfach zu sagen und schon gar nicht dazu, systematisch zu funktionieren. Sie sind eben willkürlich und meistens nicht 100% ehrlich. Es ist leichter in diese andere Welt zu gehen, statt in dieser „echten“ Welt, in der scheinbar nichts funktioniert. Und ich sage zwar, dass ich Menschen hasse, aber so richtig stimmt das nicht. Ich verstehe sie nur einfach meistens nicht, obwohl ich das gern würde. Und genauso hätte ich es manchmal gern, dass mich jemand wirklich begreift.

(Trotzdem habe ich die Schwächen ausgekundschaftet, falls mein Heimatplanet ein Raumschiff entsendet, das mich abholt. ;-))

Soziale Interaktionen sind also selten von Erfolg gekrönt. Und deshalb ist die eigene Welt so viel schöner. Nun, ob das so gesund ist? Ja und nein. Es kommt drauf an. Denn manchmal muss man in die „echte“ Welt, man muss dort funktionieren. Bei den einen klappt das besser, bei den anderen schlechter. Als jemand, der extrem viel in der eigenen Welt ist kann ich aber sagen, es ist nicht immer schön, dort sein zu müssen. Manchmal ist es einfach nur leichter – erfolgreicher. Für mich ist meine Welt eine echte Welt, die Welt da draußen gleicht eher einem Haufen von Falschheiten, einem Kasperletheater. Was anderes ist mir jedenfalls noch nicht langfristig begegnet.

Aber ich sehne mich zumindest nach dieser echten Welt, die beständig funktioniert (im Bezug auf Menschen und alles was einen Menschen ausmacht) und eine Sprache spricht, die ich verstehe. Ich könnte mir aber auch ein fliegendes Spaghettimonster wünschen. Ist ja quasi das Selbe. 😉

unbeschreiblich

wenn ich den schmerz
im halbschlaf
den tiefen, wahren
verborgenen
so müsste ich dich
in einem wort beschreiben
mein liebster
doch das kann ich
nicht

also trage
ich dich in mir
jedes wort der welt
pflastert den blutigen weg
und bricht mein herz
doch fühle dich
bei jedem schweren schritt
so beschreibe ich dir
wortlos mein leid

© Amy Herzog

Fragen

Wer hat dir das erste Mal dein Herz gebrochen? Und warum war es das letzte Mal gebrochen? Hast du es verschwiegen? Warum? Hast du dich schon mal vollkommen angenommen gefühlt, vollständig sicher in einem anderen Menschen? Warst du schon mal glücklich und bist du es noch? Wie viele Wünsche hast du dir bereits erfüllt und waren sie dir wichtig? Welche Sehnsucht hast du dir das letzte Mal verboten und warum hast du sie nicht vergessen? Belügst du dich manchmal selbst? Warum? Wann hast du das letzte Mal geweint, ohne den genauen Grund zu kennen? Wovon handelte dein letzter Albtraum? Hast du einen Wunsch, den du dir bewusst nicht erfüllst, weil du Angst hast, du könntest alles was damit zusammenhängt, verlieren? An was denkst du morgens als erstes und an was, bevor du einschläfst? Bist du dort angekommen, wo du ankommen wolltest? Wann hast du das letzte Mal etwas vollkommen anderes getan? Und wann warst du das letzte Mal absolut ehrlich? Was ist deine größte Angst? Welches Gefühl hast du jetzt gerade, welches du keinem verraten kannst? Warum nicht? Wenn du eine (legale) Sache tun könntest, die nicht länger als fünf Minuten dauert und du könntest sie anschließend ungeschehen machen, welche Sache wäre das? Warum würdest du sie ungeschehen machen wollen? An was denkst du, wenn du nachts nicht schlafen kannst? Und bist du manchmal wütend, ohne es zu sagen? Wann das letzte Mal? Und warum?

schmerzfrei (drabble-dienstag)

Bin ja schmerzfrei. Hab ne Schwäche für Merkwürdiges und eigentlich überrascht mich da nichts mehr. Die normalen Leute machen mir Angst. Wenn es aber so (neudeutsch) cringe wird, dass ich kaum mehr etwas damit anzufangen weiß, dann setze ich die Kopfhörer auf und singe: „Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam dam…“ und halte meinen Mittelfinger hoch in die Welt. Dann fühle ich, ganz oder gar nicht! Und die Vorstadthausfrauen mit ihren Christuskreuzketten halten sich empört ihre Hände vor den Mund.

Wenn dann absolut Unmögliches im Merkwürdigen liegt, dann bleibe ich, selbst wenn ich aus meiner Dachluke den Mond anheule.

*zweiter Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Kreuz, Kopfhörer, Dachluke.

trostlos

Irgendwie trostlos
wenn die Jahre flüchten
am Ende ein kleines kaltes Leben
auf dünner Oberfläche
und dann bist du immer nur
gerannt, gerannt, gerannt
hauptsache hin
und schnell wieder weg

Und dann sagt irgendwer „Mein Beileid“

© Amy Herzog

wenn du Perfektion suchst
Schönheit in jeder Zelle
bis in meine Seel‘
dann schaue mich nicht an
die Fehler zu zählen
dauerte in eine Ewigkeit
je tiefer du gräbst
und die Zeit wird nie
genug sein

© Amy Herzog

stillstand

Dann ist da plötzlich diese Sehnsucht, die du dir so lange nicht erlaubt hast, weil du der Angst geglaubt hast. Und du glaubst ihr noch. Zwar stellt sie sich dir in den Weg, aber sie hilft dir auch, Nachts besser zu schlafen, während dich die Sehnsucht mit weit geöffneten Augen an die Decke starren lässt, irgendwo ins Leere, aber doch in eine Richtung, die dir eine Wahrheit über dich erzählt. Die große Wahrheit, diese diffuse, die erst dann wirklich wahr wird, wenn du sie aussprichst, wenn du sie jemandem erzählst. Nur ist da deine Angst, an die du mit Leibeskräften glaubst, an der du dich festkrallst, damit sie mit dir davonrennt, immer nur weiter rennt. Leben ist Bewegung, sagst du dir, Stillstand keine Option. Dann ist da plötzlich diese Sehnsucht, die große Wahrheit in dir, die Schweigende und du bist müde. Und das erste mal willst du stehen bleiben, durchatmen. Weil stehen bleiben vielleicht doch nicht so schlimm ist, wie die Angst.

bedeutung

In Grenzen rechnen
schnürt ein
manchmal ist das Große
nur sehr klein
und dann liegt darin
eine ganze Welt

© Amy Herzog

Einfach mal Danke!

Na wer behauptet, gelesen/gehört/gesehen zu werden sei egal, der lügt. Natürlich möchte man das, wenn man, wie in meinem Fall, schreibt und veröffentlicht.

Ein wenig Zwiespalt ist aber schon dabei, denn einerseits bemühe ich mich stets darum, so unsichtbar wie möglich zu sein, andererseits freue ich mich über den Anblick diverser wachsender Statistiken. Inzwischen hat es sich so entwickelt, dass die Leser zu einem recht großen Anteil nicht mehr von WordPress kommen. Manchmal werden Beiträge irgendwo auf Social Media geteilt – klar, die Möglichkeit besteht. Dann aber dieser Zwiespalt und der damit verbundene Schock, wenn tatsächlich Menschen aus den verschiedensten Ecken auf meine Seite kommen und bleiben.

Unterm Strich freut es mich dann aber sehr, denn man möchte ja durchaus gelesen, gehört, vielleicht sogar verstanden werden. Und den ein oder anderen berühren, oder gar eine Hilfe sein. Ich freue mich sehr über die Rückmeldungen per Mail, bin aber auch da überfordert, weshalb die Antworten manchmal lange, manchmal besonders lange auf sich warten lassen. Das tut mir Leid! Trotzdem sehe ich das alles durchaus und fühle mich geehrt. Ich freue mich über jeden Menschen, der da ist und freue mich über jede Art Rückmeldung, genauso wie über die stille Leserschaft.

Insbesondere finde ich es sehr toll, dass die Beiträge zum Thema Autismus beinahe schon beliebter sind, als meine Lyrik. 😉 Diese persönliche Aufklärung bedeutet mir sehr viel und wenn sich da manchmal jemand verstanden fühlt, ist das unbezahlbar!

Ich freue mich im Schockzustand über den Wachstum und möchte gerade einfach mal jedem einzelnen Menschen herzlich für sein Dasein danken!

Zeitlos

Die Kreuze im Kalender reduzieren sich. Weder kennt sie den genauen Tag, noch das Jahr. Und die Uhrzeit? Nun, es ist Nacht, es ist immer Nacht. Diese verregnet kalte, in der sie einsam vor einem leeren Blatt sitzt, der Vollmond scheint durch’s Dachlukenfenster und sie spürt einen Windhauch von Inspiration. Irgendwo ersehnt irgendwer das Selbe. Dann begegnen sie sich in dieser dunklen Wohnung, aus Distanz wird Nähe. Sie setzt ihre Kopfhörer ab, schließt ihre Augen in die echte Welt und genießt die Liebe und warmen Atem in ihrem Nacken. Wenn sie ihre Augen wieder öffnet, blutet Tinte auf ihr Papier.

*Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Kreuz, Kopfhörer, Dachluke.

warmer Regen

Wenn ein Sturm heraufzieht
singe ich dem Regen
mein Herz
das wirklich wahre
und sende dir jede Träne
in leichten Wolken
so sei in tausend warmen Tropfen
mein Lied dann deinem
kalten Herzen nahe

© Amy Herzog

Fragen

Immer wieder fragst du mich, wie ich das mache, wie ich mich so parasitär in den Tiefen deiner Gedanken niederlassen, darin winden und räkeln kann. Und dann kniest du metaphorisch den ganzen Tag nieder, hin- und hergerissen, erschöpft, ängstlich, dann wieder voller Vertrauen, Stärke und Liebe. Siehst mich in deinen Träumen, fühlst meine Berührung in jedem Atemzug. Dann denkst du, zu viel, zu wenig, verwirrt und klar, versuchst dich auf deine Arbeit zu konzentrieren, bist aber gar nicht da. Nur dieses Zehren in dir, selbst wenn es nur ein flüchtiger Blick ist, den ich dir schenke. Immer wieder fragst du mich, mit welchem Zauber ich dich belegt habe, dieses wohlwollende Gift. Dann willst du, dass es verschwindet, ein Flehen in die Nacht, was immer es ist und zugleich willst du in mir verschwinden, mein sein und nie wieder danach fragen.

© Amy Herzog

nichts

ich denke an nichts aber
wenn ich die Geschichte erzähle
werde ich so weinen
als hätte sie mich berührt

© Amy Herzog

sprichwörtlich.

Dich schweigend umzudrehen und die Faust so fest zu ballen, dass dich der dadurch entstehende Schmerz in deiner Handinnenfläche vom inneren Schmerz ablenkt, bringt nicht viel, oder? Warum machst du es dann? Man könnte fast meinen, du seist ein kleiner Masochist. Ne, den körperlichen Schmerz meine ich gar nicht. Ich spreche von deinem inneren Schmerz. Schon merkwürdig, dass ich darüber spreche, du aber nicht. Wovor hast du Angst? Was könnte denn schlimmstenfalls passieren? Und denkst du auch daran, was bestenfalls passiert? Wir haben es doch alle schon gelebt, dieses Sprichwort: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

(ein Drabble)

© Amy Herzog

schwach.

Bist dann einfach wieder arschkalt
und die Leute sagen dir, wie stark du bist
dabei klammerst du dich ängstlich
an deine verschlissene Oberfläche
und verschweigst den unbequemen Rest.

Irgendwie schwach.

© Amy Herzog

wo bist du?

der neue anstrich steht dir gut
du glänzende fassade

und du fragst mich: „wo bist du?“

na, wie immer auf der suche
antworte ich dir
nach jemandem, der nicht gefunden werden will
füge ich hinzu

und dann lag nichts vor mir,
obwohl ich gerade erst angekommen war
nirgends dieses zuhause
nirgends warm

na, wie immer gehe ich weiter
ohne ein wort
ich gehe nirgends hin
und komme nirgends wieder an
zum abschied drücke ich fest
deine scherben stechen sich durch meine haut

und du, du kaufst einen neuen eimer farbe
und ich, ich frage mich weiter
wo du wirklich bist

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Kurzfilm(e) zur autistischen Wahrnehmung

Ich richte diesen Beitrag vor allem an Menschen, die nicht autistisch sind. Ich halte es sehr einfach und kurz, ihr müsst nicht lesen, nur zuschauen. Es handelt sich um drei sehr kurze Kurzfilme. Ich küsse eure Herzen schon, wenn ihr nur ein Video anschaut. Wenn kurz hingeschaut wird. Wenn es nicht egal ist. Denn genau das ist oft das Gefühl. Egal zu sein.

Hier finde ich das Ende sehr einfühlsam. Die Wahrnehmung ist hier aber auch mit am besten dargestellt.
Hier kann man sehr gut sehen, weshalb so oft gesagt wird: „du siehst ja gar nicht autistisch aus“. Dabei ist es so unglaublich anstrengend, einen Tag, jeden Tag, irgendwie herumzukriegen. Autisten haben übrigens ein erhöhtes Risiko (6x so hoch) Suizidgedanken zu entwickeln.

Autisten sind nicht schlecht erzogen. Es ist einfach nur alles zu viel.

Ich brauche keine sozialen Kontakte. Ich bin viel glücklicher ohne. Bin glücklich in meiner Welt. Und genau das finde ich sehr traurig. Ich wäre gern sicher und zufrieden in der Welt da draußen.

Kaltgeworden

Dann sitze ich dir im Wohnzimmer gegenüber, zwischen uns eine brennende Kerze. Ich lausche deiner Stimme und betäube deine Fragen. Irgendwann fragst du, weshalb ich mich verändert habe, unerreichbar geworden bin, mich dir nicht öffne, nicht mehr antworte. Ich schaue dich mit ausdruckslosem Blick an, ziehe an meiner Zigarette, halte kurz inne. Dann frage ich, ob es dich interessiert, was ich zu sagen habe, oder ob du nur ficken willst. Du schweigst, dein Blick wird leer oder traurig. Das ist die Antwort, sage ich dir, stehe auf, lege meine Kleidung ab und nichts als meine kalte Haut auf dein Bett.

(Ein Drabble)

© Amy Herzog

Das.

Das.
Ich welke.
Und dann würde,
nur würde ich gerne,
aber ich kann dich nicht.
Aber wenn ich wäre,
so ein Mensch.
Der aufgibt.
Dann das.
Das.

© Amy Herzog

verirrtes Kind

Wie Nacht den Kopf verdreht
in taumelnd schwebenden Gebeten
so schweigt deine Wolkenschrift
im Abgrund meiner Seele
und es wird taub in ihr

Nur voller Wehmut
ersehne ich den grauen Morgen
und die Sonne, die mich ein letztes Mal berührt
wie der Wind dich meinem Blick entreißt
bevor die Schwere regnet

und meine Sehnsucht
dieses unwissend verirrte Kind
in stiller Ferne verreist

© Amy Herzog

Ein ungesehenes Thema: toxische Männlichkeit, Gewalt gegen Männer.

Es wird ein bisschen emotional, dieses Thema bewegt mich sehr. Der erste Abschnitt soll nicht abschrecken, es geht um die Männer.

Die ein oder andere Frau reagiert empört darauf, wenn ich darüber rede. Warum? Weil es ausnahmsweise mal nicht darum geht, dass es Frauenhäuser wie Sand am Meer gibt, weitere Hilfsorganisationen für weibliche Opfer von Gewalt, na, oder weil die Vergewaltigung/sexueller Missbrauch/etc. an einer Frau noch immer nicht angemessen bestraft wird? (Na, wie ist das wohl bei Männern?) Und in vielen Fällen verdienen Männer mehr als Frauen für die Selbe Tätigkeit. Und überhaupt, wir Frauen werden doch stets auf unsere Gebärfähigkeit reduziert, auf unsere Hormone, auf die Mopsis und den Po. Wenn ich so alles zusammenfasse, befindet sich hier jede Frau stets in einer Opferrolle. Trotzdem ziehen wir Frauen bitte kurz den Kopf aus dem Popo und werfen einen Blick auf die Männer.

(Schreibt es mir gern in die Kommentare, wenn euch dieser erste Abschnitt angepisst hat. Würde mich darüber freuen.)

Ich kann bei weitem nicht jedes Beispiel nennen, welches ich schon gehört habe bzgl. toxischer Männlichkeit, oder auch der körperlichen oder seelischen Gewalt an Männern. Oder auch dem „post-abortion-syndrome“, welches selbstverständlich auch Männer betreffen kann. Das alles juckt halt kaum jemanden. Es gibt auch keine erwähnenswerte Hilfe. Nun, weshalb ich nicht jedes Beispiel nennen kann? Weil ich noch nie mit einem Mann geredet habe, der nicht irgendetwas gesagt hat, was mich unfassbar traurig und/oder wütend gestimmt hat. (Der Beitrag würde also unendlich lang sein) Und das schlimmste ist, wenn sie selbst das ganz normal finden, wenn sie ihre Aussagen selbst nicht bedenklich finden. Weil das in unserer Gesellschaft eben so ist. Männer müssen so und so sein, stellt euch mal nicht so an.

Männer erfahren Gewalt in allen vorkommenden Formen sowohl durch Frauen, als auch durch andere Männer, unabhängig der Sexualität. Ihr könnt da gern nach aktuellen offiziellen Zahlen recherchieren, mich reizt das nicht mehr, weil sie sehr weit von der Realität entfernt sind. Dieses Thema berührt mich emotional sehr, weil es so ungesehen ist. Oder es wird nicht ernst genommen, bzw. durch etwas Aufklärung wird es von sehr wenigen Menschen ernst genommen. Aber so im Allgemeinen wird das nicht gesehen.

Als Aufhänger nehme ich ein Beispiel für toxische Männlichkeit, welches ich erst gestern wieder in einem Gespräch erfahren habe. Es geht um einen Mann mit Prostatakrebs. Dahingehend tolle Neuigkeiten! Krebsfrei nach OP, Nerven sogar erhalten. Wunderbar! War im Gespräch aber nur ein untergeordneter Teil, total unwichtig. Komisch, oder? Das schlimmste ist, dass die Penislänge sich dadurch um wenige Millimeter verkürzt hat. Das war das riesige Thema. Das schreckliche. „Meine Frau…“, Eine richtige Leidensgeschichte. Ein unvorstellbarer Druck dahinter. Warum? Dieser Mensch ist wieder gesund! Und leidet, hat Sorgen, Ängste und kann diese kaum ausdrücken. Kaum jemand weiß, wusste von dieser Erkrankung. Es ist ihm unfassbar peinlich.

Männer machen ständig Erfahrungen, dass sie nicht genügen, dass sie falsch sind, dass andere besser sind. Besser im Bett, besser ausgestattet. Und überhaupt müssen Männer stark sein, müssen beschützen können, müssen groß sein. Männer die fühlen, die weinen, sind schwach. Außerdem müssen Männer allzeit bereit sein, nicht nur für Sex. Für alles. Hauptsache der Partnerin ist es recht. Und wenn sich ein Mann gern die Fingernägel lackiert, dann ist er total schwul. Weil schwul sein offenbar total unmännlich ist. Darüber hinaus werden Transmänner nie echte Männer sein (btw: Transmänner sind als Männer geboren, nur im falschen Körper). Das sind nicht immer direkte Aussagen, aber im Allgemeinen schwebt diese Wolke über unseren Köpfen und wir reagieren im Alltag entsprechend.

Dann werden „lustig gemeinte Aussagen“ getroffen. Es ist nicht lustig einem Mann zu sagen, dass er wegen irgendetwas kein richtiger Mann ist, kein Mann ist, der genau richtig ist, der genügt und der sein kann, wie er ist. Ein Mann muss nicht viel Geld verdienen, um irgendwen zu versorgen. (Ja, so etwas wird von manchen Frauen tatsächlich sehr genau geprüft. – So im Sinne von Gehaltsabrechnungen. Kein Scherz, leider.) Dieses Emanzipationsthema finde ich komplett lachhaft. Labern die Menschen drüber, wird aber eher zum Vorteil ausgelebt. Männer stehen unter ständigem Druck. Und da fragt kaum jemand nach. Es wird ständig nachgetreten. Verpflichtungen von allen Seiten, von anderen Männern, von Frauen. Und manchmal wird’s dann noch richtig kompliziert. Denn der Mann muss der Frau auf allen Ebenen (sprichwörtlich) den Arsch auslecken, darf dabei aber nicht zu lasch wirken, darf nicht „unterm Pantoffel stehen“, denn das ist ja wieder im Vergleich zu anderen Männern unmännlich. Unterm Strich labern die Menschen alle nur Müll, die Hälfte gelogen, die andere Hälfte irrelevant.

Du kannst tun, was du willst. Du kannst sein, wie du willst und wie du bist. Deine Körpergröße, deine Statur, dein Aussehen, deine sonstige Ausstattung und auch die damit verbundene Funktionalität, deine Gefühle (die du offen haben kannst), dein Job und dein ganzes Sein, alles ist perfekt, so wie es ist! Dafür brauchst du keine Erlaubnis! Du brauchst dafür auch niemanden, der das bewertet, der dich mit anderen vergleicht. Und du brauchst dich auch nicht mit anderen Männern vergleichen. Denn es ist egal, wie andere sind. Du bist toll, das reicht. Du musst dich nicht „erziehen“ lassen. Selbstverständlich so, dass andere Männer diese „Erziehung“ nicht bemerken. Nein!

Noch eine Kleinigkeit zum „post-abortion-syndrom“. Im Grunde Menschen, die eine Abtreibung bereuen, darunter leiden. Wird meist bei Frauen beachtet. (Und ja, ich weiß, dass auch da gesagt wird „war doch deine Entscheidung, Pech.“) Aber Männer leiden auch darunter. Und es war nicht ihre Entscheidung. Das lässt sich auch nur schwer ändern, denn es ist gut, dass wir Frauen hier selbst über unseren Körper entscheiden dürfen. Das ganze Prozedere sollte sogar noch erleichtert werden, meine Meinung. Es ist ein Unding, dass man ggf. sehr weit reisen muss, um eine Abtreibung durchführen zu lassen. Aber das soll nicht das Thema sein. (Mir ist klar, dass das ein empfindliches Thema ist, aber mal am Rande…keine Frau sagt „hätte mal Lust auf ne Abtreibung“, niemand macht das aus Spaß und auch der Grund, einfach nur kein Kind bekommen zu wollen, ist ein Grund. Soviel dazu.)

Nun, die Männer haben da nicht mitzureden. Klar, bestenfalls tauscht man sich innerhalb einer Partnerschaft aus und findet gemeinsam eine Lösung. Es kommt jedoch vor, dass die Frau nicht möchte und der Mann eben schon. Und man kann eben kein halbes Kind bekommen. Daher sind die Männer im Nachteil und ich wüsste da auch keine gute Lösung, denn Frauen sollen durchaus über ihren Körper entscheiden (der Weg dahin war lang genug.) Aber wer hilft den Männern, wer nimmt sie ernst? Ich war vor einigen Jahren recht engagiert in diesem Bereich und ein Mann ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein Mann, den ich mehrere Monate intensiv betreut habe. Dieser Mann hat darunter gelitten, eine schreckliche Machtlosigkeit, niemand hörte ihm zu. Denn, dass er das nicht ändern kann, wusste er. Dann aber zu hören zu bekommen „sei doch froh, du musst nicht zahlen“, ist keine Hilfe. Dieser Mann hat sein Kind verloren und dies wurde allenfalls belächelt. Das Mindeste, was jeder tun kann ist, dass wir nicht wegschauen. Dass wir zuhören und diese schreckliche Trauer ernst nehmen.

Es ist nicht immer dieses vorherrschende Gesellschaftsbild des Mannes, der die schwangere Frau sitzen lässt.

Zum Ende noch etwas zur Gewalt an Männern. Und da nehme ich mich selbst auch kurz hoch. Zum einen: toxische Männlichkeit ist Gewalt! Seelische Gewalt ist Gewalt. Und körperliche Gewalt an Männern findet statt! Nur wohin wenden sich diese Männer? Wer holt sie da raus, aus diesen vier Wänden? Mir wurde von allen Seiten ein Frauenhaus geradezu aufgezwungen. Und was ist mit den Männern? Na, die sollen sich mal nicht so anstellen. Sei halt mal n Mann. Antworte am besten mit Gewalt oder nimm es hin. Diese Männer schweigen. Sie schämen sich und selbst wenn sie sich trauen, etwas zu sagen, versuchen Hilfe zu bekommen, werden sie extrem häufig (auf verschiedene Arten) abgewiesen. Männer, die grün und blau geschlagen und dabei unterdrückt werden.

Es ist normal nen Mann aus Spaß zu boxen. Ist doch ein Mann, der hält das aus. Muss er ja, weil er n Mann ist. Na und meist handelt es sich bei dieser „Spaßgewalt“ um sonst sehr liebevolle Beziehungen oder Freundschaften. Und da nehme ich mich mal hoch und sensibilisiere mich selbst und vielleicht auch andere, die an und für sich nicht gewalttätig sind. Denn das bin ich nicht. Ich meine das, was ich tat, liebevoll, begehrend. Nun, wir sind in unserer Beziehung etwas gröber. Ich mag das gelegentlich. Mein Partner auch und deshalb gibt’s meinerseits ab und zu einen Klaps auf den Po. Aber eben nicht immer mit seinem Einverständnis. Und da beginnt körperliche Gewalt. Er dreht sich manchmal weg, das sollte mir sagen, dass er das gerade nicht möchte. Und bisher habe ich darauf oft keine Rücksicht genommen. Mein Partner sagt dazu, dass es nicht schlimm ist. Und diese Aussage finde ich schlimm. Denn das sagt wieder das aus, was ich bereits geschrieben habe. Ein Mann muss das eben so mitmachen, was ne Frau will. Selbstverständlich verändere ich mein Verhalten.

Ein Mann hat immer das Recht zu sagen, dass er etwas nicht möchte und das muss so angenommen werden. Ein Mann darf nein sagen und dieses nein muss wichtig sein!


Das ist wieder so ein Beitrag, der mir unvollständig erscheint. Es passiert da so vieles, was nicht gesehen wird. Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass ich privat gern ein offenes Ohr habe und auch versuche zu helfen, wenn jemand Hilfe benötigt. Des Weiteren steht es euch offen, anonym in den Kommentaren eure Erfahrung/Geschichte zu teilen, wenn ihr einfach mal gehört werden wollt. (Ihr könnt mit falschem Namen und einer random Email-Adresse kommentieren, auch ich weiß/sehe dann nicht, wer ihr seid, falls ihr bei WordPress angemeldet seid, müsst ihr euch zuvor abmelden)

geöffnet.

wann war ich
das letzte mal wirklich
nah, mutig,
körper, geist und seele
in fremden händen
offen, offen,
offen hingegeben?

ohne diese selbstsabotage,
in der ich mir einrede
[ … ] und dann flüchte.

wann warst du
das letzte mal mutig?
in der tiefe.

wann haben wir das letzte mal
all die gründe, die wir (selbstverständlich)
finden überhört, ignoriert
für so ein viel zu menschliches
vollkommen fehlerhaftes individuum

und die 99,9% wahrscheinlichkeit
dass das herz gebrochen wird
ein neues trauma dein fleisch frisst
in jeder handlung
und all die alten wunden
geöffnet

wann waren wir das letzte mal offen
wirklich offen ineinander
und haben diese angst geteilt
waren ehrlich und haben
(um etwas neues zu probieren)
diese angst zurückgelassen?

© Amy Herzog

Irgendwie Droge.

Dann ist das so ne Berührung
und ich mein hier nicht nur Haut, ja,
sondern unter der Seele
und du weißt nicht, was es ist,
aber es fühlt sich nach Drogen an
und wenn sie nicht da ist
bist du so’n Junky auf Entzug.

Das ist dann halt so
und du bist dann verrückt, oder?
Rhetorisch gemeint.

© Amy Herzog

ungesagtes.

Ich würde gerne einmal einem Menschen begegnen, der Gedanken und Gefühle lesen kann. Wirklich lesen und verstehen. Weil das Meiste in mir ungesagt bleibt. Immer. Nicht weil ich nicht möchte, sondern weil ich nicht weiß wie. Ich weiß nicht, wie ich an meiner eigenen Maske vorbeikommen kann. Und dann bin ich viel zu oft dieser verschlossene Mensch, dieser schwer zu knackende. Oder schlimmstenfalls der oberflächliche, manchmal der kalte, der rücksichtslose, der naive, dumme oder irre Mensch. Dabei habe ich so vieles zu sagen. Aber kann zu gut schweigen. (Okay, das mit dem irre stimmt vermutlich.)

Und dann schreibe ich so lange, so vieles, nur so für mich, weil mein Word-Dokument aufm Index steht.

Falco – Jeanny

Bin allgemein sehr fasziniert von diesem Künstler, der ganzen Story. Insbesondere aber von diesem Lied (und dem ganzen Trara drumherum). Ich fühle es auf so unterschiedlichen Ebenen, vor allem aber in den tief verborgenen, den versteckten, den irren. Diese Ebenen, die wahrhaftig intensiv empfinden. Wenn ich darüber nachdenke, sagt das gewiss ein wenig über mich aus, deshalb denke ich nicht weiter darüber nach. 😉

„Liebe“

sehnsucht sucht
außergewöhnliche liebe
weder deuten noch definieren
die mich schwanken
ohne denken
hin und her
und mich dann hält
als würde die zeit stillstehen
in einer gewissheit
dass sich seelen
in der ewigkeit finden
aber ich suche
nach dir

und alles andere ist gewöhnlich

© Amy Herzog

Orgasmen!

© Amy Herzog

mein Brunnen

ich betrinke mich
mein feuchter Brunnen
so taumelig in den Gedanken
wanken im unverfälschten Duft
und fließt in jedem Vollmond
deine warme Sehnsucht
tropfend über Haar
und nackter Haut

© Amy Herzog

traumwelt

und dann dieser worst case fall
den du dir einredest
weil du es nicht aussprechen kannst
denn wenn du das tätest
würde es dir viel zu wahr werden
dieser zerbrechliche traum

© Amy Herzog

sein

zeitlos hallt
auf schüchternen lippen
dieses kribbeln-
funkenschlagender körper
und fließt aus meinem hungrigen
[…]
noch so still

dabei will ich offen.ich.sein
schreien
und wachsen

© Amy Herzog

Kunst

Ich flüchte in die Kunst
und bin ein ganzes Leben dort.
Das bin ich – in mir.
Allein.

Und stets die Sehnsucht
nach mehr – in dir.

© Amy Herzog

Halber Mensch (drabble Dienstag)

Btw: es war dieses Mal wirklich nicht leicht diese drei Worte in meinem Stil/Geschmack/Gefühl unterzubringen. Drabble aus 100 Worten, drei vorgegebene Worte: Einheit, Hydraulik, Visum. Aktuell von Grinsekatz.

Halber Mensch

An guten Tagen bin ich dieser halbe Mensch, an anderen Tagen das, was davon übrig ist. Dann kommst du mir näher und willst diese Einheit sehen, diesen Menschen fühlen, der ich nicht bin. Ein hydraulisches rein raus, das mich vervollständigen soll und irgendwie tut es das ja auch für diesen kurzen Moment, wenn du mir so nahe bist. Wie du aus meinem schweigenden Gefäß kostest, randüberlaufend mit allem, was ich für dich empfinde und wie es deine Augen strahlen und deinen Körper zittern lässt. Ich weiß nicht, was es ist, aber du verlängerst mein Visum und ich finde es heraus.

Nicht binär.

Du schaust dir die Hemden im Bekleidungsgeschäft an, selbstverständlich in der Herrenabteilung, weil du dich dort wohl fühlst. Aber du kaufst keines. Und dann machst du so „Frauensachen“, weil sie sagen, dass du als Frau weiblicher sein musst. Immerhin hättest du doch Titten und Arsch zum vorzeigen.