Schreiben

Mee(h)r

Ich habe dir alles verraten. Nun weißt du alles. Und nichts. Wie kann das sein, fragst du dich? Nun. Die Antwort findest du unter einer Steppdecke. Als wenn du dann noch eine Antwort bräuchtest. Wenn Schweiß aus unseren Poren tropft, schwimmen wir in unserem Meer. Und auf hoher See ist der Rest der Zeit bedeutungslos. Wir lassen alles an Land. Alles was wir wissen. Erst dann werden wir uns unserer Sterblichkeit bewusst. Und der vertanen Sekunden. Den letzten Atemzug schenken wir uns im Kusse hin- und her. Kein Blinzeln, denn die Sterne funkeln uns in die Ewigkeit. Dort, wo wir das wahrhaftige Leben atmen können. Den Gedanken an plump dahinsickernden Sex kannst du dir aber schenken. Ich weiß, alle Macht der Gewohnheit. Aber wenn wir die Steppdecke danach waschen, sollte mehr übrig sein als dein übliches nuttengetränktes Taschentuch. Und nun frag, die Uhr tickt – mehr haben wir nicht zu verlieren.

© Amy Herzog

Fehlen

Mich kurz dabei erwischt,
dass du mir fehlst
und gehofft,
dass auch du mich suchst.
Dann doch nur
die Hoffnung verflucht,
denn bis zu mir ist’s nicht weit.
Und Zeit ist nur ein Wort,
macht noch längst kein Gefühl.

Starrte noch etwas auf’s Ticken der Uhr,
träumte drauf los, dachte an Liebe,
an mit nach Hause nehmen.
Wurd dann wieder wach
von meinem Leben.
Und denke dran,
dass du mir nicht fehlst,
während die Hoffnung den
Sekundenzeiger unaufhörlich zählt.

© Amy Herzog

Schweigen

Nun sechzehn Jahre später
früher war sie noch ein Kind
hört sie ein Lied und erinnert sich
was ihr damals das Kind sein nimmt

Ein gewöhnlicher Tag im Sommer
mit Streichen und Spaß durch die Stadt
und der Name, der sich in ihr Herz brennt
steht nun auf einem leeren Blatt

Der Geruch aber weht noch im Nacken
doch erwachsen sein steht ihr so gut
und sie sieht die verborgenen Blätter
unter Schnee bedeckt stirbt deren Mut

Aber heute weiß sie es besser
denn sie weiß um der Blätter Gewicht
und die Städte sind damit gepflastert
bis jeder sein Schweigen zerbricht

© Amy Herzog

Oma-Unterwäsche (drabbledienstag)

Lyrix hat die Drabble-Parade wieder wachgerüttelt und ich mache sehr gerne mit. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Tintenfass, Seiltanz und Sprechblase.

Oma-Unterwäsche

Ein leeres Blatt liegt vor und das Tintenfass stelle ich kalt. Zeigst du mir deine Feder? Dann schenke ich dir meine entblößte Welt ein. Meine Geheimnisse aber, die werde ich ertränken. Erst später zeichne ich sie dir in unsere Sprechblase. Geduld Liebster. Das Bild von unrasierten Beinen und nicht zusammenpassender Oma-Unterwäsche zeichnet sich von selbst. Am Ende des Abends legen wir einen Seiltanz auf’s Parkett. Sehnsucht ist erlaubt. Anfassen jedoch unmöglich. Und sowieso ist der kurze Moment vor dem Kuss der, der unsere Wahrheit in Farbe zeichnet. Ziehen wir sie in die Länge bevor wir das Licht löschen.

© Amy Herzog

Samstagabend

Schon wieder Samstagabend. Die Woche neigt sich dem Ende zu und du greifst nach ihrer Hand. Nicht weil du willst, sondern weil du keine andere Wahl hast. Und spätestens am Abend weißt du, diese Nacht wird lang. Also trink, mein Lieber, trink. Immer weiter flussabwärts. Irgendwie musst du ja jene Orte erreichen, die dich nicht nur an deiner Oberfläche kratzen lassen. Diese schöne Oberfläche, die du Woche für Woche auf deine gebrochene Haut spachtelst, damit sie für die Welt funktioniert. Selbst das Licht fällt an diesen Tagen irgendwie anders. Anders als Samstagabend. Und dann sehnst du dich nach der Nacht. Nervös arbeitest du darauf hin, aber mit jedem Schluck fällt die Hemmung. Leise flüstert dir deine Einsamkeit all das oder dieses Eine ins Ohr, was dir fehlt. Dass alles was du hast…nicht reicht. Und du alles was du hast, sofort eintauschen würdest. Also trink mein Lieber, trink. Vielleicht, ja vielleicht, wartet ja heute am Boden der Flasche die Liebe, die ich dir schon zu lange verschweige. Trink, mein Lieber, trink.

© Amy Herzog

Fundament

Es sind die banalen Fragen,
die ich mit Kreide unter meine Haut schreibe.
Sie tragen das Ungewisse, den Geist,
das Unerwiderte, die Schwere,
das unter Eis verschlossene,
die Melancholie.

Da draußen
trägst du die Sonne mit dir herum,
aber das ist Fassade. Komisch,
dass sie nach all den Jahrzehnten
noch nicht bröckelt.

Eigentlich sollte das abschrecken.
Tut es das? Schließlich schleife
ich deinen Schatten wie eine Leiche
hinter mir her.

Hätte ich keine Angst vor dem Regen,
würde ich dich mit ein, zwei dicken Steinen
beschweren und dich ins Meer werfen.
Und deine Sonne würde ich behalten,
um mich endlich in dir zu wärmen.

Aber dann würde es regnen.
Und meine Kreide gemeinsam
mit dir ertrinken.

Und mit dir mein Fundament.

© Amy Herzog

nah

wenn ich suche
dann nach dem Mond
und nach Sternen
denn es sind immer die selben
zwischen uns
liegen ferne Welten
doch dieser Mond
macht uns nah

© Amy Herzog

Dein Bild

Ich sehe dich wieder. Wieder.
Sehen. Noch nie gesehen, spüren?
Doch. Im Grau. Im Kopf sehen. Dich.
Stehen Fragen, tausend. Farben.
Dein perfektes Bild. Zu perfekt.
Zu unwirklich. Unwiderstehlich.
Wieder. Zu unwiderstehlich. Wieder?

So oft. Viel zu oft. Allgegenwärtig!
Mir bleibt die Luft in den Lungen stecken.
Meine Hand umfasst meinen Hals.
Befreien. Ich will mich befreien. Machtlos.
Ich bin machtlos. Du zu perfekt.

Zu groß. Zu machtvoll. Schein.
Ich schnappe nach Luft. Ringe darum.
Und bin verzweifelt. Versuche zu atmen.
Schneller. Immer schneller. Knoten.
Es geht nicht. Nichts geht. Nichts!
Nur sehen. Dich sehen. Wieder.

Meine Augen tränen. Verschwommen.
Dein Bild bleibt klar. Machtvoll bestehen.
Benommen. Meine Lungen voller Lust.
Verbraucht. Ich spüre meinen Puls.
Schneller. Immer schneller. Zu Dir.
Schlägt mein Herz. Wo ist die Luft?

Mein Hals vibriert im Takt des Pulses.
Schmerz. Brustschmerz. Herz.
Mein Herz. Zu voll. Zu leer. Zu schnell.
Zu viel Du. Ich kann nicht atmen.
Ich kann nicht mehr. Schwach.

Dich nicht mehr sehen. Breche zusammen.
Mein Körper zu schwach. Aufgeben.
Dein Bild. In meinem Kopf. Hellwach.
Perfekt. Unperfekt. Perfekt. Ich rase.
Innerlich. Kribbeln. Glück. Freude. Liebe?
Blase. Platzt. Keine Liebe. Nichts.

Erdrückt von deiner anwesenden Abwesenheit.
Siehst du das Bild? Meinen Kopf.
Den kranken Kopf. Geschundene Seele.
Wunde Leere. Verstörend. Du bist blind.
Perfekt. Unwahr. Lüge. Unsichtbar.
Nur in meinem Kopf sichtbar.

Unsichtbare Zerstörung. Ahnungslos.
Du. Ich. Beide. Dumm. Dumm. Dumm.
Angst. Ich. Nur ich. Dumm. Naiv.
Sterbend. Auge. Sterbender Glaube.
Unwissend. Jungfräulich. Klein.
Rennend in deine Ahnungslosigkeit.

Stille. Zu still. Die Luft zum Reden fehlt.
Dein Bild. In meinem Kopf. Perfekt. Quält.
Zerstörerisch. Verschwinde. Bild. Verschwinde!
Lass mich wieder sehen. Wieder. Bitte.
Wieder schweben, spüren, atmen, Wind.

© Amy Herzog

Autismus: Overload, Meltdown, Shutdown und die Löffel-Theorie

In diesem Beitrag geht es um Overload, Meltdown und Shutdown. Eigentlich hatte ich geplant, jedes Thema in einem eigenen Beitrag zu bearbeiten. Da diese aber oftmals im engen Zusammenhang zueinander stehen, kommt hier nun eine Zusammenfassung. Da sich im Internet viele dieser Erklärungen auf Kinder (manchmal auch nur auf männliche Kinder) beziehen (weil das Wissen über Autismus bei den meisten Menschen bei „Hans“ Asperger stehen geblieben ist), geht es hier speziell um Erwachsene (‚biologische‘ Männer UND Frauen). Natürlich kann sich das bei Kindern dennoch ähnlich äußern, dazu habe ich jedoch kaum etwas gelesen.

Wie immer gilt: Alles kann – nichts muss. Jeder ist individuell. Sicherlich habe ich im Folgenden auch nicht jeden Aspekt berücksichtigt, sonst würde daraus ein Buch werden. Es handelt sich also um einen groben Überblick.

Vorab würde ich gern etwas über die Löffel-Theorie von Christine Miserandino schreiben. Wem diese bekannt ist, kann den folgenden Absatz überspringen. Zur Geschichte reicht kurzes googeln.

Die Theorie besagt, dass gesunde Menschen an einem Tag unbegrenzt Löffel (die für Energie stehen) zur Verfügung haben. Chronisch Kranke bzw. Menschen mit Behinderung haben, je nach Behinderung/Ausprägung eine begrenzte Anzahl von Löffeln. In dieser Theorie wurden 12 Löffel genommen. Diese Löffel müssen sehr gut verplant werden, denn man „muss ja heutzutage ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft sein“. Ich bin also im Bett und ein neuer Tag startet:

  1. Löffel – Aufstehen
  2. Löffel – Ausziehen
  3. Löffel – Duschen
  4. Löffel – Abtrocknen
  5. Löffel – Kleidung auswählen
  6. Löffel – Anziehen
  7. Löffel – Haare machen
  8. Löffel – Aufräumtätigkeiten
  9. Löffel – Kaffee machen
  10. Löffel – Essen bereiten
  11. Löffel – Essen und trinken
  12. Löffel – Tasche für die Arbeit packen

Hab zwar keine Löffel mehr, muss trotzdem arbeiten. Und nun? Und was ist mit meinen Interessen? Und dem Haushalt? Einkaufen? Haustiere versorgen? Und trinken? Essen? Und, und, und… Und wenn die Routine gestört ist, oder der Schlaf von schlechter Qualität war, sind es nicht mal 12 Löffel. Ich denke, dass diese Theorie gut in das folgende Thema passt.

Overload: Reizüberflutung

Unsere Umgebung, und daher unser Inneres, ist ständigen Reizen ausgesetzt. Normalerweise werden Reize, die nicht wichtig sind, automatisch ausgeblendet. Und auch Reize, die man nicht so leicht ausblenden kann, wie zum Beispiel lautes Bohren, sehr kaltes Wetter, etc. werden in der Regel so verarbeitet, dass sie den Alltag nicht lange beeinträchtigen. Ich bewundere Menschen, die am Nachmittag noch die Energie haben, zu Kochen, sich mit Freunden zu beschäftigen, usw.

Menschen mit einer Reizfilterschwäche können wenig bis gar nichts ausblenden. Man stellt sich vor Auto zu fahren. Man ist konzentriert und kommt wie mit einem Tunnelblick plötzlich irgendwo an. Wenn aber keine Reize gefiltert werden sieht man: Strich, Strich, Strich, Baum, Baum, Vogel, Wolke, Wolke, Auto, Kennzeichen lesen, noch eins, noch eins, noch eins, fünfzig Meter links ist dieses, 50 Meter rechts jenes, bunte Schilder, Lichter, ein Graffiti, Müll, Müll, Müll, der eine Telefoniert, Bilder auf LKW’s, Regen, Sonne, ein Brummen, es ruckelt…Naja, und gefühlt tausend weitere Reize Das alles passiert gleichzeitig in jeder Sekunde. Irgendwo hat man auch noch Platz für eigene Gedanken, für Pläne, für Eventualitäten. Das bezieht sich auf jede Situation am Tag. Auf alle Sinneseindrücke! Dies bedeutet ständiger Stress.

Gerade beim hoch-funktionalem Autismus, werden daraus resultierende Probleme/Einschränkungen oftmals nicht ernst genommen. Dabei ist der einzige Unterschied zum niedrig-funktionalem, dass diese besser Maskieren können (was zusätzlich eine große Anstrengung erfordert). Ich halte nichts von der Kategorisierung hoch und niedrig. Der einen Gruppe wird Unterstützung verwehrt (weil Probleme nicht leicht sichtbar sind), der anderen die gezielte Förderung (weil Fähigkeiten nicht gesehen werden/die Menschen stark unterschätzt werden)

(mögliche) Symptome:

Das übliche wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Unwohlsein.

  • Chronischer Stress (geminderte Lebenserwartung)
  • Verlust der Sinne (zum Beispiel verschwommene Sicht oder Mutismus, …)
  • Wahrnehmungseinschränkung (Bedürfnisse wie Durst, Hunger, Schmerz, Toilette, Müdigkeit, Hitze/Kälte, etc. werden nicht oder nicht korrekt wahrgenommen)
  • Burn-Out, Agoraphobie, soziale Phobie, Depressionen, Panikstörung, und weitere psychische Erkrankungen

Wirklich helfen kann da nur eines: Rückzug.

  • Das ist in einigen Fällen nicht möglich. Daher gibt es noch diverse Hilfsmittel beim Stimming (da muss man herausfinden, was helfen könnte), Geräusch-unterdrückende Kopfhörer, Sonnenbrille…
  • Wenn es jedoch zum Äußersten kommt, dann gerät man in einen Meltdown.

Meltdown – Kernschmelze (nicht zu verwechseln mit einem Wutausbruch)

Während eines Meltdowns ist man in der Regel nicht oder nur sehr eingeschränkt zugänglich für äußere Einflüsse. Die Umgebung und der Betroffene muss diese Situation aushalten. Der Körper entlädt sich schlagartig von angestauten Reizen. Die Anspannung geht über jedes Ziel hinaus. Dies äußert sich sehr unterschiedlich.

Weinen, schreien, schlagen, kratzen, boxen, etc.. Nur selten ist man anderen gegenüber aggressiv (zum Beispiel, wenn man den Betroffenen mit weiteren reizen belastet). Es wirkt wie ein Wutanfall oder ein hysterischer Anfall. Das ist es jedoch nicht. Der Betroffene denkt in diesem Moment nicht darüber nach, was ihm hilft. Die Handlungen sind Reflexartig. Die Dauer beschränkt sich in der Regel auf einige Minuten.

Trotzdem kann man in diesem Moment helfen! Reize reduzieren, autoaggressives Verhalten umleiten (Stoff zerreißen, weiche Gegenstände zum schlagen, etc.) In manchen Fällen kann man auch kurze Fragen stellen, manchmal können sich Betroffene noch ein wenig äußern. Man kann Anteil nehmen. Abstand halten und trotzdem da sein. Nicht auslachen oder anstarren. Auch kann es helfen, den Betroffenen sehr fest zu umarmen (ist jedoch mit Vorsicht zu genießen) Dabei muss möglichst viel Körperoberfläche umfasst werden. Das Nervensystem fährt dadurch herunter und der Betroffene entspannt sich wieder.

Darauf folgt häufig ein Shutdown – Abschalten (nicht zwangsläufig nach einem Meltdown, oftmals auch direkt nach dem Overload)

Der Betroffene ist dann oft nicht mehr ansprechbar und zieht sich zurück. Die Umwelt wird kaum bis gar nicht mehr wahrgenommen. Dabei spielt es keine Rolle, was an diesem Tag noch wichtig gewesen wäre. Man zieht sich komplett in sich zurück. Die Dauer ist hier deutlich länger von einigen Stunden bis hin zu einigen Wochen. Die Ausprägung ist wieder sehr unterschiedlich. Im schlimmsten Fall nehmen Betroffene kein Bedürfnis mehr wahr. Auch keine Schmerzreize. Sehr plump ausgedrückt könnte man sagen, dass Betroffene dabei, während sie in Urin und Kot liegend in einer Decke eingewickelt sind, verhungern und verdursten (können). Das wäre jedoch der schlimmste Fall und bedarf natürlich sofortiger Unterstützung. Die Reize sind auf ein Minimum zu reduzieren und die Person wird bei Bedarf mit trinken/essen versorgt, auf Bedürfnisse sollte geachtet werden, wenn die Versorgung nicht selbstständig erfolgt.

Meine Shutdown-Erfahrungen beziehen sich meist auf einige Stunden. Hilfreich ist es, wenn ich Essen und Trinken am Bett habe. Oftmals ist dies aber nicht mehr nötig, weil ich inzwischen sehr stark auf mich achte und diese Situation meist nur noch sehr abgeschwächt ein oder zwei Stunden anhält.

Suche nach Land (Drabble-Dienstag)

Lyrix hat die Drabble-Parade wieder wachgerüttelt und ich mache sehr gerne mit. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Auge, Frage und Magnet.

Suche nach Land

Eine Frage lässt mich nicht einschlafen. Die Ungesagte, im Raum schwebende, die ziellos an die Decke starrt, dann wieder gen Himmel, in den Sternen suchend. So bleibt mein Auge zu viel Meer und deines das Land, schlafend unter einer dichten Nebeldecke. Treibe ohne Kompass übers Wasser mit einem Magnet in meiner Seele und der Sehnsucht im Hirn. Dein Hafen ist zum greifen nah, fände ich ein Wort. Schöpfe Nacht um Nacht die Hoffnung aus meinem Schiff, möchte nicht ertrinken. Noch nicht. Erst wenn ich einschlafe, kann ich es sehen. Dieses große Nichts, das Bilder malt, in denen wir leben können.

© Amy Herzog

Verschwunden…

Leichtes weißes Kleid
umhüllt Leere, zarte Hülle
seidenweich, zerbrechlich
stehend im Windhauch
im nassgrünen Gras

Arme so federleicht
fliegen im Rhythmus
der Haare, so klarsanft
geschlossen ängstliche Augen
wortloser blasser Lippen

Körper fällt langsam
auf die Knie still und –
geheim, wartend auf Licht
bevor sich öffnen die Augen
ein allerletztes mal

Stärke der Natur
zieht am Körper vorbei
durch die blassleere Hülle
auf der Suche nach Wesen
in tiefer Seele aussichtslos

Strahlende Sterne
ins Gesicht strahlend
der Mond, die Augen erwacht
fühllos seien sie betrachtet
ein letztes mal

Nach vorn geneigt
den Abgrund blickend hinab
so stark Wasser, an Felsen
es kracht und rauscht
angenehm laut

Gedanken vertreiben
ein letztes mal, zu allerletzt
sieh den Abgrund hinab

fallen gelassen…

verschwunden..

für immer…

© Amy Herzog

braun-blau

Gold fließt aus braunen Augen
und zeigen mir den Herbst
wie trockenes Laub
umherwirbelt, verwoben
tanzend toben durch den Tag
und am Abend vorm Kamin
in zärtlicher Unendlichkeit
ineinander verschmolzen

Und Himmel liegt in blauen Augen
treibend im Gold und Salz
das aus unseren Poren fließt
wird braun und blau zum Mond
so siehst du wie der Regen fällt
auf dem ein suchender Frühling
nach nie enden wollenden Reisen
endlich Glückseligkeit erhält

© Amy Herzog

Grenzenlose Liebe

Eifersucht ist besser als Unsicherheit
Klingt halt mehr nach Liebe
Und Liebe ist grenzenlos
Innerhalb geschmackwahrender
Grenzen der Monogamie

Wenn zwei das Gleiche tun
Ist es noch lange nicht das Selbe
Aber klingt so individuell
Der eine besitzt den Schlüssel
Und der andere hat nen Käfig für sich

Zur Besuchszeit werden Kuchen
Auf feilende Gegenstände geprüft
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Kleine Briefchen sind jedoch erwünscht
Als Brennstoff für die große Liebe


© Amy Herzog

Eingebettet im Liebes-
rausch, getaucht in Sinnes-
teilchen schwebend lauschen
Lichter um Glühwürmchen
zwischen uns – befreit
vom Rauch zur tiefen Lust
in die Unendlichkeit
unserer Begierde

© Amy Herzog

Scherben

wie ich irrte
mich in den Gesängen
waren sie doch lieblich
zart – so folgten Schritte
schleichend durch die Scherben
deines Herzens – über Schnitte
brach mir Bein und Seele
schreibst du heiter
über deine Leere

schreitest weiter
und ich trage diese
schwere deines Herzens
wie mich Hoffnung trägt
und lauschend deinem Klang
wartend an warmen Sommer-
tagen, ersehne deine fragen
wie Jahrelang ein Herz
solch große Scherben
tragen kann

© Amy Herzog

gute Nacht

Es ist dunkel, ruhig, endlich Nacht, endlich nackt. Aus der Ferne tönen die Autos der suchenden, der flüchtenden und der ankommenden Menschen. Klingt wie Meeresrauschen direkt unter deinem Fenster, in einer Flasche voll betäubender Substanz, einem leeren Blatt Papier und dem Flimmern deines Bildschirms. Und wieder atmen. Schon wieder atmen. Eine Kerze schenkt dir die Wärme, in der du dich so geborgen fühlst. Die Illusion schluckst du runter, ertränkst sie. Schwitzt und blutest auf dein Papier, denkst an Wünsche, gedenkst der Träume, mit einem Kuss an jedes deiner Geheimnisse. Für jedes Wort die passende Verkleidung. Buntes Treiben in deinem Kopf und Karneval in deinem Herzen. Selbst die Schmerzen tanzen mit. Alter Mann wird wieder jung. Finger gleiten über deine Tastatur, erst langsam, behutsam, dann immer schneller. Du willst schweben, schreibst darüber und schwebst. Du lebst. Legst alles ab, nichts nimmst du mit, was so schwer auf deinen Schultern lastet. Frei, endlich frei. Raum und Zeit verbrennen in einer handvoll Staub. Im Takt deiner tickenden Uhr steigst du höher, immer höher. Ersehnst diesen kurzen Moment, in dem fallen wie das fliegen der Vögel ist.

Du bemerkst nicht mal, dass es hell wird. Du hörst aber die Vögel zwitschern und plötzlich hörst du auf zu schreiben. Hörst ihnen zu und kannst den Liedern lauschen, die dir weh tun. Den Duft deines Lieblingsparfums auf der leeren Bettseite, die tiefe Vertrautheit. Du hörst klimperndes Geschirr in deiner Küche und das Summen deiner Kaffeemaschine. Dann näherkommende leise Schritte. Und den Duft von frischen Brötchen am Morgen mit einer Tasse voll Liebe über deinem Bett. Wie du als Kind an Weihnachten gelächelt hast, so lächelst du gerade. Und du windest dich in dem Moment, der dich für immer fest umarmt. Aus der Ferne bellt ein Hund. Dabei bist du doch ein Katzen-Mensch. Schlägst die Augen auf, dein Bildschirm flimmert noch immer kaltes Licht. Du liest in deiner Seele und blickst tief in die sonst so verborgene Wahrheit deiner Existenz. Mit zeilenlangem Herzschlag durch die Nacht, wünscht du dir dein Ende. Aber der Morgen ist da, die Flasche leer, wankst zum Spiegel und kannst wie immer keinen Blick hinein wagen. Kramst deine Maske aus der obersten Schublade und lebst dich glücklich durch den Tag. Niemand sagt dir guten Morgen, niemand „richtiges“. Schaltest aber deinen Bildschirm noch aus bevor du deinen Koffer nimmst und gehst. „Bis heute Abend“, sagst du, wohl wissend, dass er dich wieder zum Atmen zwingen wird.

wartend auf den kuss

könnt stunden damit zubringen
gedanken in deine richtung zu lenken
und die zeit vergeht wie im flug
all die jahre sind vergangen
so nah und doch vorbei, verrückt oder

weite wege sind wir gegangen
und landen doch hier, immer hier
lausche abends dem wind
der durch mein fenster pfeift
und dein gute nacht kuss
meine seele streift

© Amy Herzog

tau

erdrückend kleines herz
kontakt zum fleisch tut weh

verbrennst dir nicht die finger
liebes, du wirst erfrieren
da hilft keine schachtel kippen
mit scotch gegen gedanken
an unnahbare lippen

liebes, dir wird nicht heiß
nein, du wirst erfrieren
traum minus gefühl
merkste was?
jetzt wird dir kühl

aber’s sind scherben
so wirf das fleisch weg
liebes, es hebt dich nicht mal auf
es lässt dich sterben, siehste?
da hilft kein wort auf erden
glotzt verträumt gen himmel
erdrückend kleines herz
mach die augen zu
und tau auf

© Amy Herzog

Eine jahrelange Geschichte

Am Ende liegt ein schweres Buch
eine große, unendliche Geschichte
die ich dir niemals zeigen kann
über die eine verlorene Jungfrau
und einen weit reisenden Mann

Ein suchend weinendes Herz ist er
ein Aufgebender, der nie aufgibt
und tausende am Wegesrand küsst
doch das, was er hat – reicht nicht
während er die Jungfrau vermisst

© Amy Herzog

unsichtbar

Dann ist es wie damals
in der hinterletzten Reihe
schreibe täglich deinen Namen
inzwischen ist die Tinte rot
du sitzt da vorn, atmest, lachst und lebst
und ich sitze da mit ner Flinte
und warte auf Bruder Tod

© Amy Herzog

Von Oberflächlichkeiten

Ich verstehe das ganze Tamtam (neudeutsch Hype, nur um den ein oder anderen zu -triggern-) um Äußerlichkeiten nicht. Das Aussehen ist wahnsinnig wichtig. Und nicht nur das, auch das Smartphone muss das Neuste sein, das Auto teuer, das Haus groß, die Urlaube pompös und dann muss immer noch genug Geld übrig sein, um damit angeben zu können. Und die meisten, die behaupten, dass ihnen das egal wäre, lügen. Manchen, wenigen ist es aber tatsächlich egal. Und da kommt das nächste Problem. Die, denen das egal ist, wird nicht geglaubt. Nicht dass es wirklich wichtig wäre, dass das geglaubt wird. Aber ab und zu kann es schon nervig werden, sich ewig rechtfertigen zu sollen.

Irgendwie habe ich diese Öberflächlichkeiten aber schon verstanden. Zumindest so weit verinnerlicht, um diese Menschen auf Abstand zu halten. Nur manchmal trage ich ein verdammt gut duftendes Parfum, damit sich diese Menschen völlig umsonst nach mir umdrehen. Aber so rein äußerlich? Ich bin nicht geschminkt (nein, ich bin nicht krank und nein, ich bin nicht seit drei Wochen ununterbrochen wach), Haare werden nur an einem Haarwaschtag gekämmt (mit Locken wird sonst n karottenartiger Pudel aus mir). Wobei das auch egal ist, weil ich eh immer nen vergammelten Dutt trage. Nicht so einen, wie bei den süß-wirkenden Mädels, sondern wirklich nur irgendwie herumbaumelnd. Der Dutt ist das einzige, was mich davon abhält, mir einfach den Kopf zu rasieren. Und von Mode will ich gar nicht erst anfangen. Schlank bin ich auch nicht. Aber das ist nicht zwingend abschreckend, zumindest nicht für die Fetischleute. Wenn all das nichts nützen sollte, dann steht auf meiner Stirn immer noch das dicke: Geh weg, ich hasse Menschen.

Und sollte auch das nicht schlimm sein, dann wäre noch zu erwähnen, dass ich so gerne zocke, dass ich damit gerne auf Twitch live gehen würde, sobald ich n bisschen mehr Ahnung habe.
Manchmal auch Minecraft – tschau.

Mir ist auch total egal, wie andere Menschen aussehen (dieses ständige gegenseitige bewerten und haten finde ich super cringe -trigger-) Die sehr wenigen Menschen, die ich bisher anziehend fand, habe ich zunächst nicht gesehen. Emotional. Intellektuell. Charakterlich. Aber – weil das heutzutage nun mal so ist – muss man ja Angst haben, sich zu zeigen, wenn man nicht der oberflächlichen Norm entspricht. Das fand ich sehr schade, also dass diese Angst da war, die bei mir noch nie ein Mensch haben musste. Das einzige, was ich an anderen Menschen favorisiere, sind längere Haare, ob nun m/w/d ist egal. Also so fremde, die ich auf der Straße sehe. Aber ob jemand geschminkt oder aufgetakelt ist, n tolles Auto hat, Geld, oder was auch immer, ist doch total egal. Hauptsache man war nicht gerade aufm Klo, als das Hirn verteilt wurde. Mit Hirn ist nicht der IQ oder der Bildungsgrad gemeint, sondern die Fähigkeit, sich für etwas zu begeistern, lernen zu wollen, es einfach gelegentlich zu trainieren. Und nicht zu vergessen, diese inneren Werte, die jeder bevorzugt, aber nur wenige wirklich priorisieren.

Das ist nun mal diese heutige Gesellschaft, die ich vom Rand aus endgeistert anstarre.

(Ohne Korrektur (man, bin ich wieder mutig) von einer Legasthenikerin geschrieben.)

Zu alt

Da bleib ich lieber
bei diesem Misanthropen –
Dings – und schenk dir deine Worte
viel zu menschlich Auge zuckt
stell‘ die Gefühle schon mal kalt
bin zu alt dafür geworden
fuck auf Liebe – wenn ich frage:
„Mami, warum tropft der aus den Augen“
werde ich dieses mal die Antwort
nicht in hundert Jahren glauben

© Amy Herzog

Einmal ehrlich sein

Ich frage mich:
was würde wohl passieren
wenn jeder von uns
einen, nur einen einzigen
aufrichtigen, ehrlichen Satz
an eine betreffende Person
richten müsste

Einen Satz, den man eigentlich
mit ins Grab genommen hätte

(Augen zu und durch)

schlaf, mein Liebster

trinke die schlaflosschleifende Nacht
schmeckt genauso gut wie eine dieser bunten
halbliter Cocktails auf Ex – knallt
aber besser als dein gelegenheitstrauriger Sex

schon zwanzig nach drei, mein Liebster
du bist endlich frei, flieg – flieg – flieg –
Gefühl ist im Preis, Tränen kosten extra
nimm den Alkohol mit, brauchst ihn dringender als ich

Die milde Nacht denkt mir ein, denkt mir nach
bis zum Mond und wieder zurück ist zu kurz
nur ein Sturz in deine Tränen mit Dingen
die du nie hattest – schlaf endlich Liebster, schlaf

© Amy Herzog

Abschied

So blütenjunge Frau
und Sehnsucht blühe auf
duftet zweiter Frühling
deine süße Liebe schweigt

Spiegelbild in grau
und stirbt in meiner Nacht
deine leere Seite weint
zerfällt der Rest zu Staub

Geraubte junge Frau
in handvoll Tränen treibt
gereicht dem Wind den Kuss
und süßer Abschied bleibt

© Amy Herzog

Geheim

Für den kurzen Weg
meiner dunklen Zeilen
hungernd in deiner Kunst
verweilen, innigst lieben
auf geheime Weisen
reise durch den Äther
zitternd um diesen Moment

Sinke nieder du Wort
und ziehst mich weiter an
magnetisch, pulsierend
zeigt uns Leere sein nein
aber nein schreit lautes ja
diese Zuneigung ist tiefer
wie sie tiefer niemals war

Doch begehre ich den Wind
wie den Kuss aus der Ferne
und brennst du weiter
Kunst, bis Liebe kniet
du merkst es nicht
so klingen Zeilen nur
im schweigend süßen Lied

© Amy Herzog

Freisinn


Schlaflos war der Tag
und schlaflos die letzte Nacht
aber Müdigkeit ist ehrlich
und Gedanken frei

Zeit mich dem zu widmen
abzuschweifen und weiter zu ziehen
was bedeutsam für die Seele
aber nichtmal der Traum
zu kennen vermag


© Amy Herzog

eine träne der erinnerung

alles ist anders
ruhiger – ruhe ist gut
das reden wir uns ein
wir haben platz
gefunden

erinnerung
ist ein wertvolles gut
damals brauchten wir mut
und selbst wenn wir’s nicht wussten
wir haben ihn gefunden

nun haben wir platz
unseren ganz persönlichen
der uns ewig erhalten bleibt
schön, ruhig und sicher
der mut kann geh’n

und die sehnsucht
wenn wir tief in der nacht
zu den sternen blicken
und an szenen denken
die nie gedreht wurden

doch warum nicht
warum tauschten wir diesen
aufregend wunderbaren mut
gegen ruhe – damals richtig
heute ist sie zu ruhig

und wir haben gelernt
dass sehnsucht nur noch
wenn verantwortung schläft
ein stern hoch oben trägt
schwebend und ruhig

das schönste auf der welt
in einer kleinen träne
der erinnerung

© Amy Herzog

Nachtdienst

Der Nachtdienst macht sich nicht allein,

obwohl ich werd‘ allein dort sein,

ein Rennen hier, dann schnell nach da,

fall’ in der früh ins Bett hinein.

© Amy Herzog

jungfrauenherz

Du ewiges Einerlei
was weiß ich
wohin Sehnsucht treibt
der Kopf ist Alt
das Herz bleibt Kind
aus halbem Wunsch
die andere blind

Du unsich’re Stadt
ich bleibe beim Hafen
dort, wo wir uns trafen
mein Bauch ist voll
das Blatt ist leer
doch lebe ich
was will ich mehr

Du kleines Kind
gar jungfräuliches Herz
sieh her, du kannst
Sehnsucht nicht mal schreiben
so hör auf zu leiden
und sei dir gewiss
dass alles was du weißt
am Ende anders ist

© Amy Herzog

Warten!

Kein Wort!
Kein Atem!
Kein Schrei!
Durchdringt meine trockene Kehle,
gefangen bleibt der Sinn,
meine von Maden zerfressene,
kleine Melancholieblutende Seele!

Im Aschestaub zerfallen,
regnet vertrocknete Liebe
Reißt Löcher tiefer ins rote Fleisch.
Herz aus Eis,
ohne Seele,
voller Leere,
im Wertlos dunkelroten,
warmen Teich!

Beiklatschen zum Elend
tiefer ins Schwarz!
Ist der Herzschlag
nur einen Tod weit entfernt.
Rase gefangen
Richtung fliegen im Traum,
liegen im Schaum,
warten, auf die Liebe
die mich endlich befreit!

© Amy Herzog

Weg

Wer den einen Weg geht
nimmt bei der Hand
die Melancholie
weil der andere Weg
verwehrt bleibt
die Phantasie
treibt an

© Amy Herzog

Das fünfzigtausend-Teile Puzzle

Sie hat noch nie, ja wirklich in ihrem ganzen Leben noch nie, ausführlich darüber gesprochen. Eine Handvoll Menschen wissen davon, oberflächlich versteht sich. Kleine Puzzlestücke verteilte sie über die Jahre. Eine Handvoll Menschen haben ein fünfzigtausend-Teile Puzzle, wovon ihnen neunundvierzigtausendneunhundert Teile fehlen. Und diese wird sie vermutlich mit ins Grab nehmen. Sie ist eine Frau voller Geheimnisse. Grauenvolle Geheimnisse, getarnt hinter einem Lächeln als gut behüteten Schatz.

Fünfzehn Jahre, und das ist nur eine ungefähre Zeitangabe, hat sie überlebt. Natürlich wird eingeredet, dass das kein Überleben ist. Von jenen, die ein oder zwei Puzzleteile von ihr gezeigt bekommen haben, denn sie hatte ja gar keine schlimme Krankheit. Noch mehrere Teile dieses gut behüteten Schatzes haben diese Menschen dann auch nicht verdient. Denn sie haben nicht mal die Rechnung für diese ein oder zwei Teile begleichen können.

Nach außen war sie das, was von ihr erwartet wurde, nahezu Oscarreif. Im Innern, hinter unüberwindbaren Mauern, hat sie überlebt. Sie ist eine überlebende. Am Ende bekam sie zwar keinen Oscar dafür. Nur ihren gut behüteten Schatz. Und nicht, dass sie es gebraucht hätte, denn wer braucht das schon, aber sie bekam noch eine weitere wertvolle Sache für ihr Leben. Viel wertvoller als es ein Preis je sein könnte. Nämlich die absolute Gewissheit, dass sie nie wieder überleben muss.

Dieses Puzzle hat einen Wert, den niemand je bezahlen könnte. So glaubt sie jedenfalls zu wissen. Man sagt das wohl so: „ich vertraue dir zu 100%“, aber der Wert dieses Puzzles entspricht tatsächlich diesen „bis in alle Ewigkeit 100%“. Und sind wir mal ehrlich, diese 100% sind entweder vorgetäuscht, oder nur von kurzer Dauer. Es ist das wertvollste, das sie sich vorstellen kann. Und deshalb hat es diesen, im Grunde nicht bezahlbaren Preis.

Was bleibt ist hin und wieder ein leiser Wunsch danach, dieses Puzzle doch mal jemanden legen zu lassen, denn nicht mal sie selbst hat es bisher vollständig gelegt. Sie hat angefangen und die Teile wieder in die Kiste gepackt. Denn wer hat heute schon die Zeit dafür. Nein. Diese einhundert Teile reichen völlig aus, es ist schnell gelegt und nicht allzu kostspielig. Und gerade genug, um ein wenig Grauen erkennen zu können, gerade ausreichend, um nicht selbst daran zu erblinden. Dennoch trägt sie weiterhin dieses Puzzle mit sich herum und behütet es als ihren wertvollsten Schatz.

Warten

ich möchte nicht träumen
ich will leben!
also bleibe ich wach
und warte 

auf dich
mich

auf nichts 

© Amy Herzog

Ewigkeit und Gold

nass, nass!
gold’ner Regen
fließt mit Kuss und Salz
schimmern, schweben, legend
tief wie abertausend Flüsse
fest um meinen Hals..

im Rausch
hast du die Luft geraubt
so steigt und steigt dein Meer
Pirat! sag ich, komm her
stehle was ich hab
und mehr!

© Amy Herzog

am galgen

wie schwindel, feuer, rauch
durch ungestellte fragen jagen
als wäre es ein buch an mich
so schrei ich laut um hilfe
doch brauche sie doch nicht

kann puls und hirn und brust
dein buch nicht länger tragen
bricht schweigen dein genick
mit schwerem wort am galgen
gewährst den letzten blick

© Amy Herzog

Wahlsonntag

NRW darf wieder wählen,
am Ende ein Ergebnis steht,
ich geh‘ Eure Stimmen zählen,
bis die Sonne untergeht.

© Amy Herzog

Tiefe Küsse…

Leise Musik
die uns fallen lässt
– sanft im Tanz
der tiefen roten
Leidenschaft

Drehen wir uns
– hin und her
Gefühle pulsieren
durch unseren Raum
Kreuz und quer.

Körper umwickelt
in goldenen Locken
– streicheln uns
in weiche Wolken
weiße Flocken

Wortlos vertieft
in unserer Welt
alles andere schwarz
– allein, nur wir
im Mondschein
erhellt

Küsse
die uns eng
verschweißen
unwichtig die Luft
das Leben – alles
nichts kann uns
aus unserer Welt
herausreißen
– jetzt

© Amy Herzog

Dein inneres Kind

Im Zweifel meiner Neugier
bist du ein Schatten
auf der Suche nach dem Licht
das dich besser sieht
als du dich selbst

So flieht dein Leib
das innere Kind
weil große, starke Männer
nun mal nicht so sind

Und bleibt dir nur ein Wort
keine Schulter, kein Schoß, kein Weib
nein, dein Leib bleibt Schatten
und Sehnsucht, die bis an’s zähe Ende
an deiner wunden Seele reibt

© Amy Herzog

Zensiert

komm zu mir
wenn du wieder besoffen bist
dann machen wir das
was du dich sonst nicht traust
der Rest ist zensiert
und das danach passiert
in Rauch

© Amy Herzog

Widmung im Geist

Mir stockt der Atem
11.05., Jahr egal gefunden
kurz davor zu schreiben
Geist, halt mich davon ab
Atme wieder, atme

Furcht stottert von Durst
zu lange nicht die Lust gekost‘
trinke ich Euch leer
Geist, halt mich davon ab
Ihr schmeckt nach Rost

13.05., Jahr egal gefunden
‚Am Ende des Weges
seid Ihr es – zerbricht
nur Ihr Euch als einziges‘
doch hoffe ich nicht

© Amy Herzog

Seelenleserin

Letzte Nacht gesucht
aber irgendwann getrennt
nur in meinem Kopf
lese ich noch in deiner Seele
(du wüsstest was ich meine)

Dein Feuer brennt
noch immer in den Venen
lese Freude, Frucht und Mond
treibe weiter, Freund
im Nächsten Seelenleben
wirst du mir fehlen

© Amy Herzog

Dein Ende

Wolke, sei mein Anfang
trage mich durch den Wind
lass dich atmen, tasten, schmecken
auf dir räkeln, in dir strecken

Mach mich frei

Oh, schließe deine Augen, Wolke
und ich öffne dir mein Heim
kannst mich atmen, tasten, schmecken
und ich verspreche dir
es wird dein süßes

Ende sein

© Amy Herzog

Autismus: Starren, glotzen, gaffen und Echolalie

Ein Thema, welches ich nun hier im Blog aufnehmen möchte, ist das Starren. Das wie, warum und dass dieses Verhalten, wie ich finde, der Echolalie gar nicht so unähnlich ist. Streng genommen habe ich dann schon zwei Themen, die ich kurz zusammenfassen möchte, bzw. aus meiner Erfahrung berichten möchte. Anzumerken ist hier, dass nicht jede/r Autist:in so ist. Jeder ist schließlich individuell. Und nicht jede/r, der das auch ein bisschen kennt, ist gleich Autist:in.

Wie bei allen anderen Bereichen hat dazu auch ein Austausch mit meiner Mutter stattgefunden, da sie sich an Begebenheiten erinnert, für die ich vor vielen Jahren noch zu klein war. Die Erinnerungen an mich als Kind (von Geburt bis 10. Lebensjahr) sind eher wage und oberflächlich. Doch im Bezug auf das Thema „Starren“, konnte mir meine Mutter eine Auffälligkeit berichten, die sehr häufig vorgekommen ist. Damals wie heute habe ich den direkten Kontakt zu anderen Menschen, wenn möglich, gemieden.
Ich konnte nichts mit ihnen anfagen, und sie nicht mit mir. Das liegt ganz einfach daran, dass die Menschensprache (bewusst verbal und unbewusst/teilbewusst nonverbal) grundverschieden ist.
Ob nun Kinder oder Erwachsene, die wenigsten nutzen eine direkte Kommunikation weitestgehend ohne Mimik und Gestik.

Oftmals wird auch etwas gesagt, was nicht zur Körpersprache passt. (Lächeln, obwohl man traurig ist…ich bin nicht böse sagen, obwohl man sauer ist…usw) Während bereits Kinder diese Sprachen sehr gut sprechen bzw. sehr schnell lernen (intuitiv) (dabei aber immer noch ehrlicher sind, als Erwachsene, finde ich), habe ich gar nichts gesprochen. Ich fand es aber faszinierend, all das zu lernen. Und so war es, dass ich, wann immer ich konnte, Menschen angestarrt habe. Das Auffällige war nicht das Starren an sich, sondern dass die (zu 99% fremden) Menschen darauf oftmals (negativ) reagiert haben. Ich habe das nicht wahrgenommen.

Für mich waren das Reaktionen, wie jede andere Reaktion. Und für mich zunächst auch nicht zuzuordnen. Die Reaktion war einfach nur da, ich habe diese nicht bewertet. Das besonders Auffällige war jedoch, dass die Menschen teils sehr böse reagiert haben. Sie haben zum Beispiel angedroht, ob ich geschlagen werden möchte, sollte ich damit nicht aufhören. Dies weiß ich nur aus der Erzählung meiner Mutter. Sie hat natürlich dafür gesorgt, dass ich nicht geschlagen werde und aufhöre den betreffenden Menschen anzustarren.

Das war und ist jedoch meine Art zu lernen bzw. möglichst angepasst in der Gesellschaft zu leben. Denn mit den Jahren habe ich verstanden, wenn mir jemand (auffällig) etwas böses wollte. Böse Hintergedanken zu erkennen fällt mir hingegen bis heute sehr schwer.

Man kann sich das vorstellen wie ein Mensch, der in ein Löwengehege geworfen wird. Man möchte nicht gefressen werden. Also kopiert man das Verhalten der Löwen zu 100%. Je mehr Löwen, desto mehr Kopien müssen angefertigt werden. Ist man am Ende noch man selbst? Nein. Aber man wird vielleicht irgendwann akzeptiert oder geht unsichtbar in der Masse unter. Man wird nicht gefressen. Ich wurde jedoch sehr lange zumindest angeknabbert (gemobbt). Verstanden habe ich das nie – bis heute nicht. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, besonders unhöflich gewesen zu sein, oder jemandem geschadet zu haben.

Inzwischen kann man sich das das Innere meines Kopfes vorstellen, wie einen unendlichen Raum mit unzähligen Aktenschränken. Die Kopien sind nahezu grenzenlos und täglich kommen neue hinzu. Unter Menschen würde ich allenfalls noch naiv und introvertiert wirken. Dabei entspricht das eigentlich nicht meiner Persönlichkeit. In meinen 30 Jahren ist es bisher – immerhin – zwei mal vorgekommen, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, sofern eine Basissymphatie meinerseits besteht, mich kennenzulernen. Sonst hat es niemand über eine meiner Kopien gewagt. Vermutlich nicht mal die Kopie erkannt. Aber darüber bin ich nicht traurig. Meine Persönlichkeit redet zum Beispiel sehr gerne und sehr viel. In dem Zusammenhang – auch ein Symptom (kann man das so sagen?) von Autismus: Ich weiß fast nie, wann ein Gespräch beginnt und wann es aufhört. Auch nicht, wann ich dran bin mit reden. Ich falle also sehr
oft ins Wort, wie mir des Öfteren gesagt wird. Beim letzten Bewerbungsgespräch ist es mir sogar selbst aufgefallen, der Chef kam kaum zu Wort. Und wenn der andere einfach lauter wird, dann werde ich automatisch noch lauter. (Hab den Job trotzdem bekommen :-))

Über ein Thema, welches mich interessiert, kann ich sehr lange Monologe halten. Und ich interessiere mich auch für geschichtliche Fakten (besonders im Zusammenhang mit Pflege und Medizin), die heute wohl die meisten Menschen nicht mehr interessiert. Zum Beispiel die Frage, wie und weshalb Menschen im Mittelalter in recht kurzen Betten geschlafen haben. Aber auch über anderes unnützes Wissen (aus unterschiedlichen Themenbereichen) könnte ich aufklären, wenn sich die Gelegenheit bietet. Meistens rede ich aber nur so mit mir selbst. Im Geiste natürlich, damit’s nicht ganz bescheuert, sondern eher verträumt wirkt.

Bevor ich weiter von Hölzchen auf Stöckchen komme, berichte ich noch kurz über die am Anfang erwähnte Echolalie. Meist bei frühkindlichen Autisten/verzögerter Sprachentwicklung. Davon war ich nicht betroffen, denn ich habe verhältnismäßig früh gesprochen und auch als ich das lesen gelernt habe, habe ich alles Gelesen, was lesbar war. Das war also soweit in der Norm. An mir selbst fällt mir das eher im Erwachsenenalter auf. Das Nachahmen von Worten und Geräuschen/Lauten. Das stereotype Wiederholen von Worten. Für kleine Kinder ist das ganz normal. Später macht man das für gewöhnlich nicht mehr. Aber auch das ist für mich auch eine Art der Kopie. Kopie vom Tonfall zum Beispiel. Also nicht nur wie (z.B.) Wut aussieht, sondern auch wie sie klingt. Und das mit allen Gefühlen und alles eventuellen Situationen.

Das alles ist eine nie endende Arbeit und ein grenzenloser Bedarf an Kopierpapier. 🙂

Anfang

Kopf ist voll
und kotzt sich aus
-seitenweise
unzusammenhängender Sinn
stehe im Anfang
und weiß nicht
wohin

© Amy Herzog

Einmal noch (immer)

Immer einmal noch
folge auf leisen Schritten
von Freude bis Gelitten
durch die Nacht

Amnesiegetränkte Worte
zeichnen deinen Schatten
im Vollmondlicht
Windig ist die Nacht
trägt Flüstern in Orte
denen ich glaubte
doch sie hielten mich nicht

Verloren an der Gabelung
dunkellinks, dunkelrechts
renne wieder zurück
und ende
(wieder)
im Nichts

© Amy Herzog

Von lecker Essen und Respekt

Das hier ist ein spontaner und ungeplanter Beitrag, der aber doch seine Daseinsberechtigung hat, zumindest hier auf meiner Blog-Seite. Rechtschreibfehler dürfen kostenlos mitgenommen werden. 🙂

Es ist nicht so, dass es mir nicht schmecken würde. Die wenigsten Menschen ernähren sich vegan, weil ein tierisches Produkt nicht schmeckt. Im Gegenteil. Ich könnte spontan eine unendlich lange Liste erstellen mit Dingen, die lecker schmecken. Zwar habe ich im Groben und Ganzen meist das Selbe gegessen, einseitig und ungesund, aber es war lecker. Und was essen Veganer überhaupt? Gras und Luft?

Mir taten einfach die Tiere immer leid. Aber geändert habe ich auch nichts. Aufgrund meiner Behinderung, dem Autismus, fallen mir Veränderungen ohnehin extrem schwer. Da kam mir die gedankenlose einseitige Ernährung gerade recht. Das Veganer aber nicht nur Gras essen, war mir natürlich klar. Ich habe auch noch nie Gras gegessen. Nur ein mal geraucht, weil ich „Gras rauchen“ wörtlich genommen habe. Und jemanden veräppeln wollte. Aber nein, man wird nicht high davon, falls sich die Frage überhaupt stellen sollte. Man kann aber wunderbar so tun als ob.

Bei der veganen Ernährung steht Gras jedoch nicht auf dem Speiseplan.

Wenn man sich nun informieren möchte, kommt man häufig mit sehr extremen Ansichten/Ratgebern in Berührung. Du musst dies, du musst jenes, das ist schlecht und das andere ist auch nicht gut. Und ganz allgemein bist du ein grausamer böser Mensch und sage nicht, dass du Tiere liebst, das ist eine Lüge.

Als jemand, der im allgemeinen Tiere sehr mag, bekommt man also einige Vorwürfe statt respektvolle Informationen. Und ich muss gar nichts. (Außer eine Abwehrhaltung einnehmen). Es gibt nicht allzu viele (aufklärende) Veganer (im öffentlichen Leben), die einen respektvoll dort abholen, wo man steht und nicht weiter mitnehmen, als man selbst möchte. Die meisten Fleisch-Esser sind tierlieb und aufgeschlossen. Tierliebe und Fleisch esses schließt sich gegenseitig nicht aus! Und ich habe Verständnis dafür, dass jemand dicht macht, wenn er mit Vorwürfen überhäuft wird. Auch grusel-Bilder sind für den Anfang nur
wenig hilfreich, selbst wenn sie der Wahrheit entsprechen.

Meine Mission ist auch nicht, andere aufzuklären oder zu belehren. Wenn man etwas sucht, findet jeder sachliche Informationen im Netz. Und was man daraus macht, ist jedem selbst überlassen. Mir persönlich war aber immer bewusst, dass für meinen Genuss/meine Ernährung Tiere leiden. Ich gehe da trotzdem eher subtil vor, das klappt sogar sehr gut. Ich respektiere dich und mir ist völlig egal was du isst, ich mag dich als Person und schließe dich nicht aus, nur weil du isst, was du isst. Du bist schließlich mehr als deine Ernährung. Dass das Steak sehr lecker war, kannst du mir mit Bild per Whatsapp schicken. Ich freue mich für dich und hoffe, dass du eine schöne Zeit hattest. Vielleicht Spaß beim kochen oder einen geselligen Nachmittag im Restaurant.

Und ich zeige dir auch gerne, was ich gegessen habe. Und da kommen wir zu dem offenen Geheimnis, was Veganer eigentlich so essen (können), mal abgesehen von den offensichtlich pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Trommelwirbel: Alles, was man will.


Gestern gabs Pizza mit Thunfisch und Zwiebeln. Und auf meinem Brötchen esse ich am liebsten Eiersalat (der ist oft ausverkauft, das freut mich!). Wenns schnell gehen soll, haue ich mir ein Cordon Bleu in die Pfanne. Der eine Käse auf’m Auflauf war echt ekelig, aber der andere ist sehr gut. Und klar, wenn du mich fragst, wo ich das gekauft habe und wie ich das zubereitet habe, dann erzähle ich dir das gerne. Dann kannst du das, was du auf meinem Bild gesehen hast, ganz leicht selbst machen. Ist aber alles vegan. Erzähl mir dann wieder, ob es dir geschmeckt hat.

Und schon hat jemand, der gerne Fleisch isst, ein veganes Cordon Bleu im Einkaufswagen.

Respekt muss von beiden Seiten kommen. Und es wird immer Menschen geben, die es damit und mit der Akzeptanz nicht so genau nehmen. Da hält man sich dann einfach an den Mindestabstand.

Ich ernähre mich seit zwei Monaten vegan. Und inzwischen habe ich meine geliebte Routine wiedergefunden. Also wieder einseitig. Aber doch vielseitiger als vorher. Denn die Nährstoffe, auf die ich vorher nicht geachtet habe, auf die achte ich nun (oder ich bin bemüht). Ich probiere sehr viel Neues aus. Das ist ja so gar nicht mein Ding. Aber zumindest im Bezug auf die Ernährung nun schon. Und ich esse auch Ersatzprodukte. Es ist eben nicht so, dass mir Fleisch und Käse nicht geschmeckt hätten. Und ja, die pfanzliche Variante ist manchmal so täuschend echt, dass ich zwei mal schauen muss, ob das wirklich vegan ist. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass es einige Veganer gibt, die das verteufeln. Aber das stört mich nicht.

Im Gegenteil. Nur wegen der Ersatzprodukte hat jemand das pflanzliche Cordon Bleu im Einkaufswagen, statt dem Tierischen.

Aktuell warte ich im Übrigen auf einen veganen Appenzeller Käse.

Geheimnislast

Geheimnisse
habe ich viele
und mein Kopf ist
Fluch und Segen

–RAUS, ICH WILL RAUS!

Nein, halt den Rand
(du schwere Last)
bevor dich jemand
in mir fand

Kopf bleib aus
trinke Wein, ein Glas
zwei, drei, vier
halt den Rand
und schlaf mit mir

Kopflicht aus
–(ICH BIN WACH!)
nein, bleib liegen
ich bin schwach

© Amy Herzog

Halb

Vom Wind, der mich verlassen
hat, so wollt ich ihn nur lassen
doch, wie könnt ich nunmehr atmen
weil, ich brauch ihn für mein Seelenheil.

So marmorgleich die Wangen
sind, muss ich im Dunkeln bangen
denn, der Regen über Seen schwimmt,
so wie der Nebel Freude nimmt.

Die Sehnsucht nach der Sonne gleicht,
durch Gassen nur ein Schweigen schleicht,
dem Blick gen Himmel – Wind bleib hier,
das Seelenherz schlägt halb nur hier.

© Amy Herzog

Verlust

Nur ein Zettel
an der Außenseite meiner Tür
erinnert mich noch daran
was ich verlor

Kann meinen Schlaf
nicht halten
(wieder einmal nur zu viel)
so taste ich durch deine Venen
Bilder sinken, Worte hinken
als sei das alles nur
ein fades Spiel

Doch ich schweige
und im Innern wird es kühl
was ich einst verlor
es war zu viel

© Amy Herzog