Ein dunkler Raum in zeitloser Zwischenwelt rastet in unendlicher grenzenlos Poren sickernder in hingebungsvollen entblößten Seelenkörpern durch Ewigkeit
Die Außenwelt zeigt wie Farben durcheinander aneinander vorbei verlieren und suchen vermischt in verbrauchten Stunden
Wir liegen darin suchen Liebe, Nähe, Sinn Bedeutung im bedeutungslosen Wahrheit in Lüge und im verschiebenden verschwiegenen die Mitte uns
Wir brauchen nichts in der Dunkelheit wir sind wir wie wir sind sind wir mehr Sterne, Ozean, Mond oder Pfütze
Fragen die hier nicht existieren in der Zwischenwelt wir sind klein wir sind die Mitte wir sind nackt wir sind eins wir sind wir
zittern ist ein Indikator für Schmerz.
am Seegrund tanzen keine Glühwürmchen
(es ist ihnen zu dunkel)
das Zirpen der Grillen ist dumpf
die übrigen Symptome strömen davon
weit, sehr weit und tiefer
als auszudrücken.
ich zittere.
Allein war ich schon ewig nicht mehr Einkaufen. Unterm Strich ist das gut.
Heute steht noch ein Einkauf an, da es mir aktuell sehr schwer fällt, eine Liste zu schreiben, wird es nur ein kleiner Einkauf fürs Wochenende. Geplant habe ich im Kopf drei Geschäfte, aber die Planung klappt meist nicht. Edeka geht noch, Kaufland ist Horror, bei DM gibt’s am Ende gerne ne kleine Belohnung, aber DM fällt meist weg. Aus irgendeinem Grund kaufe ich gern Lidschatten Paletten, obwohl ich mich fast nie schminke. Vertrage das Zeug einfach nicht auf meiner Lupus-Haut.
Den Einkauf gehe ich nach Möglichkeit so an, dass ich nicht hin- und her bzw. kreuz und quer durch den Laden muss. Selbst wenn aber mal etwas vergessen wurde, habe ich eine zuverlässige Begleitung. Da klappt auch meist das Menschen fern halten.
Die riesige Auswahl überfordert mich extrem. Seit der veganen Ernährung ist das Angebot deutlich geschrumpft, das erleichtert mir das Prozedere. Trotzdem sind mir die Eindrücke zu viel. Die Menschen haben es eilig, drängeln, starren, das grelle Licht flackert, irgendwas summt, irgendwas piept, Gerede, Gerüche, Radio oder Werbung, hier läuft das eine, in der anderen Ecke etwas anderes, ich höre beides. Habe zwar ein geschädigtes Gehör, aber um das wahrzunehmen, taugt es noch.
Danach bin ich meist auf zurückgezogen, im Shutdown. Manchmal mag ich danach aber auch menschlichen Kontakt in Form von Gesprächen oder einfach Gesellschaft. Berührungen sind ja im Allgemeinen eher schwierig.
An der Kasse, oder beim Einpacken ins Auto, da habe ich aber mein System. Wenn die Energie es zulässt, kann ich dieses auch umsetzen.
Mein Inneres versucht sich schon seit gestern davor zu drücken, ja, seitdem beschäftigt mich das pausenlos…draußen ist doof, ich mag den, der drinnen erfunden hat.
kalter Nachtwind kippt Fenster, Sehnsucht Lust, Gespenster und Regen klafft zwischen morschem Geäst während Schmetterlinge schlafen den Regen aber innen halte ich zurück
Violettem Sommerflieder gießt Leben und stößt den Duft um meinen liebenden Leib doch schwach, so schwach, so schwach schlägt meines gegen die raue weiße Wand deiner schweigenden Brust
Auf salzigen Lippen küsst ein zarter Schatten meine Wunden endlich blind und taub versinke ich im weichen arktischen Fleisch und ich bilde mir ein letztes mal ein es wär ein liebender Teich
Taumelnd fliegen Träume in seichten Gewässern doch in deinem sticht jede Welle gegen splitternden Fels und wenn ich jetzt für immer falle dann bleibe ich wohlig in dir
Doch nur leise stöhnt der Wind wie ich deinen Körper an meinen Presse spüre ich näher zitterndes Ende der meinen Regen in seiner Hand aus deiner kalten Welt kippt
Die Lust fällt im Sonnenaufgang früher und du, der Kalte, singst dein Lied auf abgenutzten Schallplatten zerkratzt, wie ich wortlos im Rauch des Eises verblieb
Selbst meine Abgründe zeichnen sich in deiner Seele und du machst daraus Gold wenn ich fließe bist du mein Fundament und wenn ich an dich denke dann an ein Leben mit Lachfalten in jedem Winkel selbst im geteilten Leid und wenn Ehrlichkeit duftet dann nach Freiheit nach Zuflucht Sicherheit Erde
Ich bin keine schöne Frau! hashtag: der Charakter zählt, nur der Charakter zählt – such ihn woanders ich kann gerade bis drei zählen: eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel
Fernweh will Meer am Strand Zuhause sammeln um’s im Schrank einstauben zu lassen, loszulassen fallenzulassen
Da ist wohl: Bedeutung die schweigt Da ist wohl: eine einzige Nacht die ankommt und nicht Da ist wohl: mein geschundenes Herz adipös
/Wegen Überfüllung geschlossen/
bei drei wählt mein hashtag: Chirurgie für allerlei das limbische System wird entfernt und ich reibe mir den Staub auf die wunde Haut
Nach meinem Empfinden ist das eine Erfahrung, die ich schon länger nicht gemacht habe, was ganz einfach daran liegt, dass ich die Kapazität für meinen inneren Kreis auf ein Minimum beschränkt habe. Was aber nicht nur an meiner begrenzten Energie liegt, sondern gewiss auch daran, abgestoßen zu werden. (Ausgehend davon, dass ich nicht maskiere)
Wenn ich mich mit einer Person sehr wohl fühle, oder in einer Situation, dann bin ich meist „zu viel“. Zu schnell reden. Nicht zuhören, stattdessen lauter werden, wenn die andere Person etwas sagen möchte. Ich merke es selten, wann ein Gespräch beginnt, wann ich dran bin mit reden und wann ein Gespräch beendet ist. Und auch meine Themen sind begrenzt. Angenommen eine Person klagt über Bauchschmerzen, dann kommt man kurz von Hölzchen auf Stöckchen, darauf folgend ein zweistündiger Monolog über Ausscheidungen meinerseits. Also nicht über meine Ausscheidungen, sondern über das Thema allgemein. Nur so als Beispiel. Das lässt sich auch auf andere Themen anwenden.
Ich merke es dann nicht, wenn ein Thema unangenehm ist, oder ich zu viel rede. Okay, die gängigen Tabu-Themen sind mir schon bewusst, aber gerade über die weiß ich einiges. Alternativ gibt es einen Vortrag über (für mich) interessante geschichtliche Personen oder Ereignisse, womit ich mein Gegenüber dann ins Koma versetze.
Dabei habe ich eigentlich nichts dagegen, wenn mir mal jemand nen Vortrag hält. Ich liebe es, neues zu lernen über Themen, die mich interessieren.
Dazu kommt meine Direktheit. Ich sage Dinge, die ggf. verletzend sein könnten oder unangenehm. Auch das merke ich selten, weil für mich ein Thema wie’s Andere ist. Oder es ergibt für mich keinen Sinn, die Unwahrheit zu sagen.
Zu viel fühlen. Und das auch nicht verstecken. Oder gar nichts fühlen und auch das nicht verstecken.
Zu aufgedreht, zu laut, zu leise, zu vorhersehbar oder zu unberechenbar.
Manchmal kommt noch ne Comic-artige Mimik dazu.
Zu Flummi-artig aufgedreht.
Zu intensiv. Zu durcheinander. Zu melancholisch.
Zu viele Fragen. Manchmal auch die selben Fragen. Kann ja sein, dass die Antwort eine andere ist. Zu viele Aussagen.
Dieses „zu viel“ fällt mir schwer zu beschreiben. Aber nehmen wir nur mal dieses Blog. Ich schreibe unfassbar viel. Vielleicht landen 10% davon hier. Oder auch inhaltlich. Ja, mir wurde schon mitgeteilt, dass irgendetwas zu viel ist. Zu viele Buchstaben, zu unpassende Gefühle, was auch immer. Inzwischen habe ich zwei weitere Blogs.
Zu viel Leidenschaft für etwas, oder gar keine. Zu viel Freiheitsliebe. Einfach zu viel. Und ganz oft ist es auch mir zu viel. Aber ich kann ja schlecht vor mir selbst davonlaufen. Und ich sehe es nicht ein, mich mit Medikamenten ruhig zu stellen, um anderen in den Kram zu passen.
Zu viel mit anderen Dingen beschäftigt.
Die Erfahrung hat das im Groben und Ganzen auch geregelt. Ich habe ein System. Schweigen. Klappt nicht immer, aber meist. Das System hat eine Schwäche, denn selbstverständlich rennt mir niemand hinterher – und so wurde das gewiss das ein oder andere Mal aufgefasst. Merke ich zwar nichts von, aber ist über die Jahre bestimmt mal vorgekommen. Damit beschäftige ich mich aber gedanklich nicht, weil es mir egal geworden ist.
Mein Morgen beginnt, sofern ich um diese Zeit allein bin, immer zwischen 5h und 5:30h. Selbst wenn ich erst kurz zuvor ins Bett gegangen bin. Manchmal nervt dieser innere Wecker, weil zwei Stunden Schlaf nicht viel sind. Andererseits ist er sinnvoll zwecks Routinen. Beim ersten Blick in den Spiegel sah ich dieses resting bitch face, welches Autist:innen nachgesagt wird, wie ich kürzlich von einer Bekannten erfahren habe. Innerlich musste ich kurz schmunzeln. Nun weiß ich wie es ist, wenn andere meinen Gesichtsausdruck unpassend finden.
Ein wenig fleißig war ich aber auch schon, nicht in Form von Arbeit. Ich versuche seit einer Weile an meinem Sprachfehler zu arbeiten mit diversen Zungen- und Sprachübungen. Bisher bin ich nicht überzeugt, weil ich finde, dass wenn ich bewusst darauf achte, ich noch merkwürdiger klinge. Und wenn ich nicht darauf achte, ist der Sprachfehler halt da. Manche mögen so etwas ja. Mich nervt es sehr, das hält mich meist vom vorlesen ab, denn bei einer Aufnahme nehme ich meinen Sprachfehler ganz besonders wahr.
Darüber hinaus habe ich schon ein wenig gesungen, dabei übe ich derzeit gezielt, die Luft auf der Stimme zu kontrollieren. Das klappt aber schon recht gut. Nur so zum Spaß, nur so für mich, Musik ist mir ein Pflaster. Obwohl ich es wohl nicht mehr brauche. Wie sagte man mir neulich…ich sei sehr stark geworden durch meine Lebenserfahrungen. Dem kann ich beipflichten.
Menschen überraschen mich kaum noch mit den Dingen, die sie sagen oder machen. Einiges finde ich wahrscheinlich nicht gut, aber selbst vom Abschaum bin ich nicht mehr überrascht. Obwohl ich sie eher schlecht durchschauen kann. Manchmal ist es, als könne ich Gefühle lesen, dann wieder gar nicht. Ist aber auch nicht schlimm. Im Allgemeinen kann ich mich bei Menschen daran halten…bei Hufgeräuschen nicht an Zebra oder Esel denken, sondern an Pferd. Simpel.
Ein, wie ich finde, sehr schönes Lied noch zum Abschluss.
es häutet mich
von innen
wie von sinnen
haftet in blauen venen
gefrorenes blut
und mein lautes sehnen
ruht nunmehr ohne
punkt und ohne komma
in endlosen sätzen
oh wortlos schlagender stein
so höre ich noch
mein kratzen und ächzen
Ich hatte die Wahl zwischen Kripo und Superschurke. Nur Ihr wisst, welchen Weg ich gewählt habe. Den spannenderen. Und wenn meine Datenbank auf Hochtouren läuft, dann sehe ich sogar selbst das, was Ihr von Anfang an gesehen habt. Und dann finde ich mich selbst einen Moment lang gruselig. Aber nur einen kurzen. Nicht so wie Ihr. Ihr habt noch immer Angst. Ich gebe zu, so wie Ihr zweifelte ich eine Weile. Aber bisher hat es niemand sonst gesehen. Nochmal Glück gehabt. Als unscheinbares braves Mädchen lebt es sich leichter. Und was Euch angeht, wir beide sehen uns in den Sphären.
hunger
hunger
hunger
auf leisen sohlen
das lächeln gestohlen
wohlig durch die eingeweide
in tiefer umarmung
gegen eisblock
innen
außen mehr tot als lebendig
spiegelbild lacht aus
und klatscht nen Filter drauf
lügt von wahrheiten
wo die stimme
schweigt
angst
und hunger immer
hunger
hunger
hunger
Hennings Stimme ist einfach Gänsehaut im ganzen Körper. Mit anständigen Kopfhörern ganz laut, kurz nach Minute 1:36 wird es hier ganz besonders. Ich fühle es so sehr.
Mal Safespace: gesellschaftskonform unverpackt nackt und ehrlich lässt sich Liebe nicht anketten nicht besitzen ob du Pan, Trans, Hetero bist und was es sonst noch alles gibt Hauptsache viel Buntliebe erzähle mir, wenn du neues erfindest oder drauf stehst, dein Stofftier zu knutschen so vieles ist verpönt beim Stockimpopöchen und dann wird von lieblos geredet in der Polyamorie aber: tagtäglich tausendfach Kriegsfotos sensationsgeil bestaunen nachdem man den Partner beschissen hat ist ok
geben wir dem Alkohol die Schuld und schieben den Stock tiefer damit es nach außen hin hübsch glänzt
mein betrunkenes herz aber fühlt, verliebt und zerbricht allein wie das zwitschern eines einsamen vogels der auf dem weg gen süden erfriert weil er zu lang gewartet hat
In der letzten Nacht habe ich mal wieder in eine meiner aktuell liebsten Serien reingeschaut. „The Good Doctor“, wer diese Serie gesehen hat, bitte nicht Spoilern, ich bin erst in Staffel 2.
Ich habe die Folge geschaut, in welcher der autistische Dr. Shaun Murphy mit seiner guten Freundin Lea zusammengezogen ist. Es gab den ersten Streit, Auslöser war eine verkehrt herum hängende Toilettenpapierrolle. Unweigerlich dachte ich dann an mein Umfeld und hatte etwas Mitgefühl, spürte aber auch große Dankbarkeit.
Würde mich selbst zwar für ziemlich flexibel halten (das kann ich nicht schreiben, ohne zu schmunzeln), aber die ein oder andere Eigenart habe ich gewiss. Na sagen wir, in meinem Rahmen bin ich Kompromissfähig, oder manchmal in der Lage, einfach wortlos wegzuschauen. Im Großen und Ganzen ist es aber sicher nicht immer leicht, mit mir zusammenzuleben. Zusammengefasst darf hier kaum etwas berührt, benutzt oder bewegt werden, ohne vorherige Ankündigung. Natürlich passiert das trotzdem ganz oft, was gelegentlich zu einem kleinen Streit führt. Oder sagen wir, ich werde dann ungemütlich. In diesem Sinne spüre ich Dankbarkeit für unfassbar viel Verständnis. Aber auch Mitgefühl, ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal wieder einen Kurzschluss im Hirn habe, weil ne Tasse plötzlich im anderen/falschen Winkel steht. Naja, so ungefähr.
Als Kind/Jugendliche habe ich mein System, welches oftmals nur in meinem Kopf einen Sinn zu ergeben scheint, auch an fremden Orten durchsetzen wollen/es getan habe ohne zu fragen. In fremden Wohnungen, in Arztpraxen, in Geschäften, alles muss an seinem Platz sein. Dieses Verhalten kam oftmals nicht gut an, weshalb ich dieses zum Großteil (zumindest im Bezug auf fremde Wohnungen) abgelegt habe, obwohl der Drang selbstverständlich da ist. Sofern es meine Energie zulässt, sortiere ich aber noch in Geschäften, etc, wenn auch nur noch selten. Aufregen kann ich mich aber meist gut.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf, wie das Zusammenleben der beiden weiterhin aussehen wird. 🙂
Drabble-Dienstag mit Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Brücke, Spirale, Schmunzeln
Tänzeln
Zwischen Realität und Wahnsinn tänzelt sie, dreht sich in einer Abwärtsspirale, bis es dunkler wird. Äußerlich legt sie einen gusseisernen Kanaldeckel auf ihre innere Kloake und hofft, dass es nicht stinkt, während sie Fremden freundlich schmunzelt und winkt. Auf ihrem langen Weg nach Hause, von dem sie nicht weiß, wo das ist, geht sie bei Sonnenuntergang über eine menschenleere Brücke. Stundenlang balanciert sie über die Brüstung, unter ihr der eklatante Abgrund, der das Ende zeichnet, durch ihr Haar streichelt Wind. Sie liebt ihn hingebungsvoll und weiß, dass er sie irgendwann in eine Richtung mitnehmen würde. Solange tänzelt sie mit ihm.
Höre ich seit vielen vielen Jahren gelegentlich sehr gerne, sie kann als eine der wenigen auch Live sehr gut singen. Dies ist eines meiner Lieblingslieder von dieser Band, nebst „Schlampenfieber“, welches ich, wenn mir nach Provokation ist, in voller Lautstärke aufdrehe. „Die Schlampen sind müde“ ebenfalls sehr toll. Mit der neueren Band ‚Gleis 8‘ kann man sich AnNa R. aber auch gut anhören.
heute ruft stille in mir offen und verwundet die nackte liebe begreifen schweifen, beben, irgendwo stranden nicht mehr und nicht weniger als leben und landen wiederfinden in weit entfernten sternen von lust trinken tiefer sinkend liebe finden die stille sterben lassen
in der schwebe glühender sonne einer seele verbrannte ihre haut mit ein paar krümeln tabak und dem sperma unbedeutender männer vor denen sie davonrannte
danach immer danach
der kadaver aber kann noch rotzen gar dem azrael trotzen während ausgehungerte nekrophagen im sturzflug die messer wetzen
zu lieben im brachland aber gleicht ihren zurückgehaltenen tränen sie schweigen von wahrheit tänzeln mit müden knochen um exsikkose
wo losgelassene nur ihren durst bezwingen und geigen von verlogenen illusionen singen
Auf meinem Rücken
lasten die Spuren deiner und meiner
Lust wie warmes Gestein
gefesselt von deinem
Willen – gefangen
beschützt
in deinem Arm
ergebe ich mich, errege
im Bewusstsein unserer Bindung
befreite Seele
besitzt du meine Haut, mein Fleisch
in tiefer Berührung
wie ich durch deinen Augenblick
schwebe
mit einem einzigen Winter gefriert das Herz und zerbricht wohl brechen Scherben zauberhaftes Licht berühren jedoch, kannst du es nicht und so schnell der Winter auch von dannen zieht ist es dein blutend warmes Herz das kein Heim und kein Licht mehr sieht wenn die gleißende Sonne den Meeresspiegel ins Ende küsst
Autobahnrauschen klingt nach Meer in der Ferne heult ein Hund und gibt meiner Seele eine Stimme Mondlicht schimmert sanft durch den dichten Kastanienbaum Grillen singen ihr Nachtlied wie ein traurig blaues Liebeslied das mich lächeln lässt
Der Lack hat seine glanzvollen besten Jahre hinter sich und nur ein Sternzeichen erinnert noch an die naive zarte Jungfräulichkeit, während das gnadenlose Friedhofsblond im Spiegelbild einen Platz in der Gruft reserviert. Der Kadaver ist keine zwanzig mehr, aber die Haut schnallt an einer kleinen Stelle noch zurück wie ein Gummiband, der Rest imitiert bei Wind ein Flatterbandgeräusch. Aber was ist schon Zeit, wenn ein erstes Mal nur wenige Sekunden andauert und der hektische Weg vom ‚müssen‘ gemütlich Richtung ‚wollen‘ schlendert. Schlimmer als schön kann es nicht werden, tiefer der Sturz nicht fallen. Und falls doch, ist der Platz reserviert.
Wie viele Menschen wohl gerade aufeinander warten, ohne zu wissen, dass sie aufeinander warten? Und wie viele von ihnen warten allein? Warten auf den Mond, auf den Schlaf, auf einen Traum, auf den Wecker, dann wieder auf den neuen Tag, nur um wieder auf den Mond zu warten. Auf sich selbst, den Mut, die Einsicht, die Ehrlichkeit, oder darauf, sich das Warten zu verbieten. Und aufeinander. Wer betrinkt sich, um das Warten zu ertränken oder trinkt die eigenen Tränen? Wie viele Menschen reden sich ein, dass das Warten nicht weh tut und schlagen mit Geduld auf sich selbst ein? Welche Menschen warten einsam, während ein anderer Mensch darauf wartet sie zu lieben? Und wie viele Menschen schweigen, während sie warten, starren sich im Geiste gegenseitig an und finden doch nur immer die Sehnsucht im Mond. Ist ihnen vor lauter Warten inzwischen egal, ob der Traum gut oder schlecht ist? Wie viele Menschen sterben gerade, wartend, zurückblickend auf wartendes Alles und Nichts und was ist ihr letzter Gedanke?
deine Beine fühlen schwerstes Blei
so höre ich wohl deinen Schrei
scheuern tiefer sinkend scharfe Ketten
auf ausgezehrten Knochen
hängen, ziehen goldverzierte Truhen
all meine Geheimnisse
lasse ich tief und tiefer in dir ruhen
und du willst
doch kannst sie nicht
erreichen, brechen, lesen, bleichen
meine Sickergrunbenseele
unergründlich
Kopf verdreht, die Glieder taub
so schwer dein Herz
verendet zehrend, liebend, leidend
in meiner Handvoll Staub
Im großen Bett allein reisend durch die Nacht schmiegt sich Sehnsucht an nicht nach längst vergessenen Nutten nach Leben, Zuflucht, Vertrauen, Nähe, Zukunft und einem Kampf um die Decke samt dem Kuss
Die kalte Einsamkeit die eine extra Ausladung braucht soll mich allein lassen sie überschreitet das zugelassene Höchstgewicht
In der See werde ich ertrinken
wenn der Tag
meine Haut vom Knochen löst
und dem weiten Schatten
den der Mond wirft
werde ich unter der Oberfläche
entblößt offenbaren
was so lang darunter brennt
und die See
wird darüber ein Lied
komponieren
das dir sanft bei Vollmond
die Stirn küsst
Im Klassenzimmer siezen wir uns höflich, schauen aneinander vorbei. Die Anderen mögen Sie nicht besonders, sie empfinden Ihre hundertzwanzig minütigen Monologe als zermürbend, einschläfernd. Ignorante Flachgeister, wenn Sie mich fragen. Ich genieße jedes Ihrer Worte und wenn die Anderen schlafen, genieße ich es, dass Sie nur noch mich anschauen, nur in meine Richtung erzählen. Nach einer Weile schalten Sie das grelle Neonlicht aus, ich schließe meine Augen, treibe in vergangene Welten und erwache erst wieder, wenn die Geräuschkulisse Erleichterung prustet. Am Ende des Schulalltags finden wir uns in deinem Wagen wieder, nennen uns beim Vornamen und verstehen die Welt wortlos.
Wütend zerknüllter Liebesbrief achtlos in die Jackentasche gestopft ward zu glühender Kohle und brennt ein Loch durch Stoff Haut, Fleisch, Herz und Hirn
Qualmend bauen große Städte den Besitz man gerne hätte ward der Brief doch einst so rein sollt er niederbrennend sein
Zerstörerisches Herz lass walten so lese einmal noch den Brief die Ehrlichkeit bleibt doch erhalten und mit ihr warmer Sommerregen bis in die treue Ewigkeit
schlaflos ist die Nacht
doch nicht der Traum bleibt mir fern
als mich der große Mond im Licht verschließt
nur das Irdische verirrt sich dahin
und wird vom Gift zu Wein
zwei tanzende Körper
mit dem Schicksal halber Seelen
trunken summen mehr, als dass sie singen
sind doch nicht mehr allein
und lassen Körper, Körper sein
wie's gipfelt in entblößter Lust
verschmilzt das Seelenlicht zu blau
trinkt der eins-gewordene Mond
am Grund des Ozeans Eden
bis der Tag zerbricht
im matten grau
diskret beharrlich
ist Geduld die Tugend
oder ein sauberer Schnitt
gewöhnlich fast
so würd' ich's glatt vermissen
wenn deine Erscheinung
mich in der Ewigkeit vergisst
in diesem Sinne
vielen Dank
wer auch immer
du bist
Ich möchte über meine Erfahrung/mein Erleben, aber auch über ein paar Allgemeine Dinge schreiben. Auch wenn es mir gerade nicht möglich erscheint, wirklich alles in diesen Beitrag zu bekommen. Vermutlich denke ich gerade an die Hälfte nicht, aber der Beitrag ist ja nicht in Stein gemeißelt. 🙂
Aber nun zur Sache…
Die sensorischen Reize abzuschirmen gelingt mir in einem verhältnismäßig kleinen Ausmaß.
Die Umgebung muss so reizarm wie möglich gestaltet sein. Bzw. mit Dingen, die stimulieren.
zum Beispiel bleiben Dinge an ihrem festen Platz (trotzdem muss ich relativ häufig etwas suchen)
Einstellungen von Geräten müssen beibehalten oder immer auf die selbe Art verändert werden.
Menschen sind auf die nötigsten zu reduzieren, am liebsten bin ich allein
Umgebungsgeräusche sind ebenfalls auf ein Minimum zu reduzieren
Mein Kopfhörer ist mir da (zu Hause) eine große Hilfe, sehr oft höre ich über Stunden das selbe Lied, oder eine bestimmte Playlist.
Ausgehen ist kaum möglich, während 2G noch galt fand ich Kino aber wieder toll, alternativ Autokino. Aber mal eben spontan in ein Restaurant oder ein Cafe gehen, nein. Ich habe mich viele Jahre zu solchen Dingen gezwungen, das Ergebnis sind psychische Erkrankungen, die vermeidbar gewesen wären.
Draußen ist mir der Kopfhörer keine große Hilfe, denn die akustischen Reize damit auszublenden wirkt eher gefährlich. Durch die übrigen Reize kann ich schlechter sehen, besonders bei grellem Licht. Manchmal habe ich Situationen, in denen ich fast nichts mehr sehen kann, dadurch verliere ich die Orientierung. Besonders gefährlich ist das aufgrund von Straßenverkehr, da hatte ich bisher schon sehr oft sehr viel Glück. Dahingehend fühle ich mich aber sicherer, wenn ich akustische Reize wahrnehme, um entgegenkommende Autos wenigstens hören zu können (neben dem Fühlen der Vibration) Eine Sonnenbrille wäre da eine Lösung, diese Veränderung mag ich jedoch gar nicht.
Gegen Berührungen kann lange/dicke Kleidung etwas helfen. Niemand mag gern von Unbekannten in Intimzonen berührt werden (neben den Geschlechtsorganen und dem Gesäß ist zum Beispiel auch das Gesicht eine Intimzone)
Für mich ist alles Intimzone, (ganz besonders Blickkontakt). Dagegen kann eine Warnweste helfen mit entsprechendem Aufdruck, nicht berührt werden zu wollen. Mir persönlich war das etwas zu viel, weshalb ich es mit einem Magnetbutton versucht habe. Der ist leider völlig sinnlos. Im Geschäft wurde ich daher schon des Öfteren für einen Ladendieb gehalten, weil ich ewig in der Gegend herumstehen muss, bis dort, wo ich hin möchte, keiner mehr steht.
Seit Corona ist ein kurzes Husten sehr effektiv. Selbstverständlich ohne die Hand (oder den Ellenbogen, mit dem sich die Menschen dann berühren) nicht vor den Mund halten. Die meisten Menschen springen instinktiv weg. Ein bisschen lustig ist es auch. Wenn man das nicht möchte kann man aber auch sagen „ich fühle mich so komisch, muss wohl mal nen Coronatest machen“. Sofern man sprechen kann, ist auch das hilfreich. Zu erwähnen, dass man Pflegekraft ist, war zu Beginn der Pandemie auch sehr effektiv.
Stimming welcher Art auch immer kann ebenfalls lindern.
Sehr verständnisvolle Bezugspersonen sind extrem wichtig für alle anfallenden Situationen.
Natürlich gibt es auch positive Berührungen (entweder von einem Menschen, den man mag, oder eine Berührung die notwendig ist, zum Beispiel medizinisch), welche jedoch ebenfalls eine unterschiedlich hohe Reizüberflutung nach sich ziehen. Wahrung der Grenzen und Respekt sind da sehr wichtig. Die Menschen kann man sich glücklicherweise oftmals aussuchen. Am leichtesten erklären kann ich das mit einem Beispiel. Auf eine gewünschte Umarmung folgt eine Ruhephase, manchmal von mehreren Stunden. Berührungen, auch positive, werden extrem intensiv wahrgenommen, oftmals fühlt es sich an wie Stromschläge, die durch den Körper preschen. Die Erschöpfung dürfte verständlich sein. Und so ist auch die zufällige Berührung im Bus, in der Stadt oder sonst wo, ein enorm großer Eingriff in den Körper.
Weiter zum Thema Schlaf. Um Unruhe zu vermeiden kann eine Gewichtsdecke helfen. Diese fördert die eigene Körperwahrnehmung und mindert Schlafstörungen. Sie wirkt sich auf die Muskeln, die Gelenke, etc. aus. Mir sagt sie nicht zu, habe bisher aber nie mit einer solchen geschlafen. Wäre ja auch wieder eine Veränderung, also schlecht. 😀 Trotzdem kann ich relativ gut schlafen und zwar mit Gronkh. Da lasse ich nen Livestream laufen. Die Stimme hat wohl etwas beruhigendes. (Als ich ihm das mal erzählt habe, hat er es als Kompliment aufgefasst) Darüber hinaus kann hochdosiertes Melatonin helfen (das ist verschreibungspflichtig), in geringeren Mengen jedoch auch als Tablette oder Tee in der Drogerie zu kaufen. Bevor man zu (Schlaf-)Medikamenten greift, lohnt es sich, dieses auszuprobieren.
Zum Thema Ernährung. Ich bin ein sehr schlechter Esser und ein noch schlechterer Trinker. (Aber Hauptsache bei der Arbeit gute Ratschläge diesbezüglich verteilen:D) Ach, nicht nur bei der Arbeit. Zu Hause/in meinem Umfeld auch. Aber da gibt es mehrere Hilfsmittel, auf diesen Ohren bin ich jedoch bisher taub, sprich – bei mir funktionieren diese Dinge nicht. Da die Wahrnehmung gestört ist, werden diese Dinge einfach vergessen. Ich habe es mal mit laminierten Karten Probiert (liegen aber nur in einer Schublade)..hier als Bild – wenn jemand Interesse daran hat, der möge mir schreiben, ich schicke sie gern kostenlos zu. Diese sind vor allem dazu da, um die Ernährung vielseitiger zu gestalten.
Auch der Handywecker oder eine Eieruhr bringen in diesem Fall nichts, kann aber generell eine Hilfe sein. Menschen, die mich sehr stark damit nerven können helfen zu trinken. Am meisten geholfen hat mir mein letzter Krankenhausaufenthalt. Meist spüre ich Durst erst in Form von Schwindel, in diesem Fall war es zu spät und ich bin ohnmächtig geworden. Da ich mich gleichzeitig auch verletzt habe, bin ich ins Krankenhaus, was im Allgemeinen ein etwas traumatisches Erlebnis war. (Die Ärztin war aber sehr lieb und einfühlsam, sie schien sich etwas im Umgang mit Autisten auszukennen) Auch Notizzettel oder Erinnerungskarten können helfen.
Meine Ernährung ist weiterhin sehr einseitig (was natürlich super gut zur veganen Ernährung passt – nicht) Wobei sich das seit der Ernährungsumstellung stark gebessert hat. Da habe ich es mit meinem Insta Account versucht, um da jedoch der großen Eintönigkeit zu entgehen, zeige ich einfach nicht alles, was ich esse. Und das ich immer die selben Gewürze verwende, lasse ich ebenfalls außen vor. 😉 Trotzdem hat mir der Austausch dort etwas geholfen, manchmal etwas neues zu probieren. Hilfreich finde ich (Ernährungsform egal), sich an Nährstoffen zu orientieren, diese zu dokumentieren. An guten Tagen erreiche ich da das meiste. In der Küche allgemein hilft mir eine Abschaltautomatik an Backofen und Herd.
Der Hai aus Findet Nemo würde sagen: Der Klassiker, Verdrängung 😀
Planung ist das halbe Leben (manchmal lebe ich in der anderen Hälfte und erhalte die Quittung dafür)
Zur Einhaltung von Routinen, die elementar für einen möglichst guten Tag sind, ist der Wecker bzw. ein Timer eine große Hilfe. Ich habe über 150 eingestellte Weckzeiten, die ich aber nur nach Bedarf nutze. Meistens weiß ich nicht, wie spät es ist, oder welchen Tag wir haben. Trotzdem freue ich mich, wenn ich beinahe täglich auf die Uhr schaue, die dann meinen Geburtstag anzeigt (obwohl ich meinen Geburtstag an sich gar nicht mag. Das ich mir in dem betreffenden Monat den ganzen Monat Urlaub genommen habe, ist Beweisstück A). Eine bestimmte Abfolge von Musik kann helfen, Zeiten einzuschätzen. Weiterhin hilft es, wenn man sein Umfeld an seine Routinen anpasst. Falls das nicht möglich ist, dann eben umgekehrt. Ein simpler Tagesplan kann ebenfalls helfen, die Struktur beizubehalten. In Form von Worten und/oder Piktogrammen. Präzise Absprachen können hilfreich sein.
Wenn man zum Beispiel auf ein Paket oder einen Besucher wartet, welcher um 15 Uhr eintreffen soll, dann wartet ein Autist schon drei Stunden vorher am Fenster und gedanklich bereits mehrere Tage. Abweichungen führen zu noch größerer Unruhe. Dieses Problem habe ich, da wo ich wohne, nicht mehr, der Concierge fängt 24/7 alles ab.
Zum Abschluss reihe ich noch ein Paar Hilfen auf. – Falls Probleme beim Telefonieren bestehen: Es ist nicht schlimm, einen Anruf nicht anzunehmen. Ein kleines „Drehbuch“ mit allen Eventualitäten schafft Abhilfe, dann kann man zurückrufen. Ich habe mir da angewöhnt, ganze Sätze aufzuschreiben und abzulesen. Manchen reichen Stichpunkte. – Außenstehende aufklären. Selbst im Job kann das hilfreich sein und ich werde nicht weniger qualifiziert behandelt aufgrund meiner Behinderung. Im schlimmsten Fall schützt das vor einem autistischen Burnout. (dazu mache ich gewiss auch noch einen Beitrag) – Draußen kann es helfen, Schritte oder andere Dinge zu zählen. – Vibrierendes Kissen (ähnliche Wirkung wie die Gewichtsdecke) – Behindertenausweis/Nachteilausgleich – Auch Medikamente/Psychopharmaka können helfen. Dabei ist unbedingt zu berücksichtigen, sich an einen Arzt/Ärztin zu wenden, der sich sehr gut mit Autismus auskennt. Medikamente können intensiver oder weniger intensiv als gewöhnlich wirken. Zuvor ggf. Baldrian ausprobieren. – Spezielle Autismus-Therapie, bezogen auf spät-diagnostizierte. Autismus-Zentren gibt es in sehr vielen Städten und die ein oder anderen helfen sogar per Insta, wie ich erfahren konnte. (Abstand nehmen von ABA) – Trigger (die zu einem Meltdown führen) vermeiden. – Kommunikation – nicht immer klappt das verbal. Mir helfen Stofftiere, aber auch Bildkarten, spezielle Handzeichen können helfen. – Wenn Kopfhörer keine Option sind (weil Musik evtl. überfordernd wirkt), können auch normale Ohrstöpsel helfen, die gibt’s in zahlreichen Ausführungen. – Ein Assistenzhund (wird leider oft nicht übernommen, wenn keine Epilepsie besteht, trotzdem einen versuch wert) Mir helfen oft meine flauschigen Katzen 🙂 – Stimming Toys hier und da verteilen und Rückzugsmöglichkeiten schaffen bzw. einfordern.
Ergänzt gern in den Kommentaren, was euch so hilft.
PS: Manche (offizielle) Hilfsmittel können von der KK übernommen werden.
ich erinnere dem Klang im Winter schallt er durch Schneebedeckte menschenleere Städte und hinterlässt die ersten Fußabdrücke die einzigen in mir
dumpfes Knacken rinnt durch meine Finger und ich schlafe unter dickem Eis streichle deine Wurzeln die mich wie Seelensplitter an dich binden
ich erinnere der Wahrheit wie Stürme deine Äste brachen und Kinder ein Baumhaus bauten sie sind inzwischen erwachsen und haben es vergessen
aber ich erinnere dem Klang und streichle Einsamkeit von deinen Wurzeln trinke, lebe, atme, friere wenn ich nur aufwachen würde endlich aufwachen sehen, fühlen
In der Morgendämmerung küsst mich eine leere Bettseite und streichelt den wiederkehrenden Traum holt mich sanft in einem Geheimnis ab und ich falle in die Welt zurück
Ist eigentlich alles ein Geheimnis wirklich unaussprechlich oder hat nur nie jemand gefragt?
In der Abenddämmerung suche ich dich unterm Kopfkissen und finde meinen geliebten ein liebliches Betthupferl meinen ersehnten Traum
Junge Wölfin schläft von jeher tief im Traum tanzend mit Geliebtem Tod reißt, zerrt, lehrt das Lieben, Sex und Blut jung schleppend, stammelt sammelt, trinkt vom fahlen Nichts vermag sie zu wecken kann sich trunken voll Sehnen die Lippen lecken Kopf im Wahn der Stille Lebenswille kratzt an deiner Tür rufen gebrochen nackte Knochen kochen im eigenen Saft
Kein Abschied
nur ein ewiges Ende
ward in mir zu Treibsand
fraß mein Fleisch
und ließ nur die Fassade zurück
Fassade lebt nicht
liebt nicht
sie atmet nur
hält eisern Stand
bis Eure Lanzette mein
Innerstes im nächsten Leben
am offenen Herzen
ernährt
(Z.d.N)
Einundzwanzig Uhr im Winter, stehe an der Bushaltestelle. Gegenüber im Rewe kaufen Menschen noch ein, und ich überlege, denn ich müsste auch einkaufen. Zu Hause im Kühlschrank wartet nur noch ein angebrochenes Glas Marmelade und eine halbe Packung Mehl steht im Schrank. Aber ich bin zu erschöpft von der Arbeit, von meinem Leben. Dann gibt es eben wieder Pfannkuchen ohne Ei, ohne Milch, ohne Zucker, ohne Salz. Ich hätte ohnehin nur noch fünf Euro, die ich doch lieber in die Zigaretten danach investiere.
Mein Geld für diesen Monat habe ich vor wenigen Tagen beinahe restlos aufgebraucht, um ihm etwas bieten zu können, als würde es etwas nützen. Mehl mit Wasser in einer beschichteten Pfanne, garniert mit feinster billig Marmelade. Etwas, worauf ich mich freuen kann, sofern ich meine Endhaltestelle nicht verschlafe. Komische Gestalten laufen in der schwach beleuchteten Laternendunkelheit an mir vorbei, aber ich spüre keine Angst. Mir ist nur kalt und ich bin so müde. Und was soll schon passieren. Ich nehme es, wie es kommt. Was passiert, passiert und was nicht passiert, passiert eben nicht. Im Moment weiß ich nicht, ob ich mich wehren würde. Mir ist alles egal, ich will nur schlafen.
Endlich kommt der Bus, um diese Zeit zum Glück nicht mehr so voll. Ich mache mir gern Gedanken über die Menschen, die dort sitzen. Sind sie glücklich? Wie definieren sie Glück? Hat der Mann mit der großen roten Nase ein Alkoholproblem, oder ist ihm auch nur kalt? Kommen die zwei Jugendlichen in ein warmes zu Hause oder liegt ihre Zukunft bereits in Scherben? Und die wichtigste aller Fragen: Hat hier schon mal jemand einen Mord begangen? Der schicken Lady, die im Bus etwas fehl am Platz scheint, der würde ich es zutrauen. Vielleicht nicht mit einem Messer. Eher so nach dem Motto: es war ein Unfall. Ganz so als hätte sie nicht gewusst, dass man dem achtzigjährigen Millionär keinen Fisch zum essen serviert, den sie zuvor Wochenlang hinterm Trockner gelagert hat. Immerhin halten mich die Gedanken wach. Und wie immer, würde ich gerne auf dem hüpfenden Sitz des Busfahrers sitzen. Dieses auf und ab Gewippe wirkt geradezu hypnotisch.
Einundzwanzig Uhr fünfundvierzig, Endhaltestelle. Fast vierhundert Schritte bis in die beste Dachgeschosswohnung, die ich für einen kleinen Preis auftreiben konnte. Dreißig Quadratmeter, aber sie gehören mir. Besser als das Leben zuvor ist sie allemal. Eingerichtet mit dem Geld, welches ich mühsam zusammenkratzen konnte. Schön ausdrücken kann ich es mit minimalistisch und nachhaltig kreativ zusammengewürfelt, aus gebrauchten Möbeln. Viele Menschen wissen gar nicht zu schätzen, dass sie eine Einbauküche, eine Waschmaschine und weiteren Luxus ganz selbstverständlich in ihrer Wohnung stehen haben. Immerhin lerne ich hier gerade fürs Leben. Um weiter positiv zu bleiben.
Angekommen begrüßen mich meine Katzen, immerhin sie haben Essen, welches sie nun bekommen. Das ist das Wichtigste. Klamotten abwerfen, die Mehlpampe…ich meine die Pfannkuchen anrühren und die Marmelade drauf klatschen. Und mit einem mal sieht das Katzenfutter ungewöhnlich lecker aus. Aber ich muss mich beeilen. Nicht etwa weil ich müde bin, naja schon, aber hauptsächlich, weil ich den Haushalt noch gemacht haben muss, damit für morgen alles perfekt ist. Oder besser gesagt, möglichst perfekt wirkt. Duschen gehe ich nicht mehr, das dauert mir heute zu lange. Dreiundzwanzig Uhr, das Bett ruft sehnlichst, ich rufe zurück. Es bleibt mir nicht mal Zeit für meine tiefe Traurigkeit. Den Wecker auf halb zwei, viertel vor zwei und zwei Uhr gestellt, denn ich darf nicht verschlafen.
Denn um drei Uhr kommt er. Und ich muss vorher noch duschen, um ihm frisch fertiggemacht, glücklich wirkend den Kaffee zu servieren, den ich auch kaufe, obwohl ich ihn nicht trinke. Ich bin so dumm, so dumm, so unglaublich dumm. Aber es lohnt sich.
Drei Stunden später stehe ich völlig ermattet auf, springe unter die Dusche, erledige letzte Handgriffe in der Wohnung und stehe ihm zur Verfügung, mit allem, was er will. Der beste Sex, den jemals jemand gehabt hat, ist keine Belohnung für mich, obgleich seine Begierde bis in meine tiefsten Ängste vorzudringen vermag und sie für einen kurzen Moment sanft in Sicherheit küsst. Ich spüre Verzweiflung, mein gebrochenes Herz und meine zerfleischte Seele, die ich nicht herauslassen darf in der dringenden Hoffnung, dass er dieses mal bei mir bleibt. Es geht mir um den Moment danach, in dem er glücklich ist und seine Augen mich anschauen, als wäre ich die einzige für ihn. Fast so, als hätte ich eine Prüfung bestanden, nur bekomme ich keine Urkunde, sondern einen Stempel aufgedrückt. Mätresse.
Fünf Uhr, er geht. Wie immer. Ernüchterung. Und ich gehe noch mal duschen, wasche mir den Dreck ab und warte auf die Arbeit. Weinen kann ich schon lange nicht mehr, nur noch so in mich hinein. Was sollte es auch nützen, heute Abend werde ich es wieder eilig haben, werde wieder drei Stunden schlafen und ihm wieder den Kaffee servieren. Vielleicht bleibt er ja morgen bei mir. Vielleicht. Es tut weh ihn so bedingungslos zu lieben, doch ich tue es. Ich bin einfach nur müde, so unglaublich müde.
Triggerwarnung: hier gibt’s keine Blümchen und keine Sonne.
Ich mag den grauen Himmel, könnte mich stundenlang von den Wolken führen lassen und vom grellen Licht in die Irre. Stattdessen höre ich alte Musik und lese in alten Büchern. Man merkt es den Künstlern an, wenn sie glücklich geworden sind und es sei jedem von Herzen gegönnt. Aber selbst wenn ihre Texte weiterhin meinen Geschmack treffen, das Gefühl ist weg. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen, obwohl ich das mit dem Glück nicht lange aushalte. Es ist mir zu langweilig. Ich mag meine Leichen im Keller und mag Menschen, die ebenfalls ein paar Leichen hegen und pflegen. Ich kann also sagen, dass ich nicht glücklich, aber ruhiger geworden bin, rein äußerlich.
Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich das letzte mal die langen Ärmel meines Pullovers über meine frisch geschnittenen Wunden gezogen habe, welche dann selbstverständlich nach und nach mit diesem verklebten. An das Gefühl, wenn ich den Pullover wieder auszog, kann ich mich aber erinnern. Je nach Tagesform geschah das langsam oder ganz schnell. Heute müsste ich theoretisch, wenn ich kurze Ärmel trage, ne „Triggerwarnung-Kette“ um den Hals tragen, ganz wichtig: mit integriertem Warnsignal, damit die Ignoranten, welche die Narben durchaus mit verächtlichem Blick beäugen, auch die davor warnende Kette wahrnehmen. Nur zur Absicherung. So als kleinen humoristischen Rand. (Ist halt wirklich mein Humor)
Während ich mich also an meinen Leichen erfreue: in dem Zusammenhang: die weltweite Tötungsrate beträgt 6,2 je 100.000 Einwohner. Das nenne ich einen Gesprächseinstieg! „Hast du eine deiner Leichen selbst getötet?“ Wenn die Antwort lautet: „ich habe keine Leichen“, dann bitte, bitte lass mich in Ruhe. Heute hat mich auf Insta so ein glatt-gebügelter Mustersohn angeschrieben mit „Hallo, wie geht’s?“ Diese Frage hat mich irgendwann mal überfordert, inzwischen knallt mein Kopf reflexartig auf die Tastatur, eine Haarsträhne löst sich aus meinem Gammeldutt, bewegt die Maus, klickt auf „blockieren“ und dann werde ich wieder wach. Zumindest denke ich, dass es so abläuft, während ich vor lauter Ödnis mit dem Kopf auf die Tastatur knalle.
Aber ich kann ja auch angepasst höflich sein, also antwortete ich diesem ominösen Fake-Profil (keine Ahnung, ob das ein Fake war, ist ja auch egal) mit „kann nicht klagen“, als würde es ihn wirklich interessieren und hing die Frage an, wo er denn mein Profil gefunden hätte. Die Antwort, die ich darauf erhielt, beantwortete zwar nicht meine Frage, löste aber meinen üblichen Reflex aus. „Blablabla, schleimschmierglibbersülzkotz, du siehst so charmant aus, blablabla.“ Bei „charmant“ war ich raus, den Rest habe ich nicht mehr wahrgenommen. Ich bin nicht charmant, nur damit das klar ist. Mit solchen Leuten bin ich wirklich nicht kompatibel.
Um aber zurückzukommen, während ich mich an meinen Leichen erfreue, und den grauen Himmel so viel schöner als den sonnigen finde, höre ich alte Musik und lese alte Texte. Und dann erlebe ich das, was ich eben schon sehr oft erlebt habe, ich schaue nach Neuem und stelle fest: ah, die sind glücklich. Wirklich nichts für ungut, ich mag, also ich finde, also sie sollen glücklich sein, ich mag, ähm also, es hat definitiv ne Daseinsberechtigung, ja. So. Ich finde das Glückliche einfach unheimlich unheimlich und es kommt mir ziemlich suspekt vor. (Gibts eigentlich auch Sonne und Menschenhassende Paare, die sich gemeinsam in ihrem Depressionsmüll suhlen? Oder was auch immer die Psyche so hergibt.)
Ich muss es halt fühlen, mal so ganz allgemein, nicht nur bei Künstlern. Und ich fühle es nur, wenn die Menschen, entschuldigt diese Direktheit, echt gestört sind (das ist sehr wertschätzend und liebevoll gemeint). Je kaputter die Person, desto intensiver das Gefühl. Die Leidenschaft. – In eine Person konnte ich mich so gut hineinfühlen, dass sie dachte, ich läge seit Wochen unter ihrem Bett und ich spüre diese Person nach vielen Jahren immer noch so intensiv, trotz diverser Barrieren. – Aber das soll nichts zur Sache tun (um welche Zeitverschwendung es in diesem Text auch immer gehen mag).
Unterm Strich: zeig mir deine Leichen, dann zeige ich dir meine. Dieses System könnte funktionieren. Und nun höre ich weiter meine alte Musik und lese alte Texte.
Nicht alt, aber in diesem Sinne etwas Gänsehaut (bei dieser Stimme)
sieben Jahre
zwei Monate
drei Wochen
sechs Tage
siebzehn Stunden
neunundzwanzig Minuten
die Zeit gehört mir
mein ermatteter Reisender
selbst wenn Fernweh nach verkohltem Geschenkpapier duftet
ist die grün-orange tanzende Flamme wunderschön
den letzten Tanz verbringen wir in Restwärme
bis die Lichter ausgehen