Schmetterlinge die silbenlos sterben hinterlassen unsichtbare - tiefste Wunden und ein Lächeln aus Cyanid...
© Amy Herzog
Schmetterlinge die silbenlos sterben hinterlassen unsichtbare - tiefste Wunden und ein Lächeln aus Cyanid...
© Amy Herzog
Mit leise stöhnender Stimme zittert zärtlich schwach und flehend wie der Hunger wilder Wölfe den Duft von Lavendel und Limone getragen vom Wind und legt sich wie ein weicher Schal im Winter um deinen Hals „bitte...“ ... „bitte....“ ... flüstert die Nacht in ihren dunkelsten Stunden sanft in dein Ohr und legt sich wie eine Decke über den nackten Leib
© Amy Herzog
wie viele Notizen
wirst du noch in deinem Hirn stapeln
und wie viele davon verbrennen
wie oft wirst du noch vor dir und dem
(du weißt schon was)
davonrennen?
und wie tief willst du noch
in deiner zehrenden Sehnsucht ertrinken
bis das Feuer erlischt?
Wie zündest du dann die Zigaretten
um ins Leere zu starren
während du deine Gedanken vor dir selbst verschweigst
und neue Zettel voll Herzblut vor dir hertreibst
wann ist das alles vorbei?
wann wird das sein?
sag mir wann?
© Amy Herzog
Wie die Frauen mittleren Alters
ihre Höschen auf deine Bühne werfen
– gefällt dir
talentiert und unverschämt gut aussehend
ganz offensichtlich
zählen wir nur die Slips unter deinem Bett
und ich wäre mit dabei
mit meinen ewigen neunundzwanzig Jahren
*hust*
gibt es angetackert zum Slip den passenden BH
eine vollständige Bewerbung
ne beglaubigte Geburtsurkunde
und die Referenzen verflossener Liebhaber
nur lad‘ mich bloß nicht ein
ich verfalle keinem Lügner mehr
© Amy Herzog
Ein Uhr Nachts
mit befleckter Jungfräulichkeit
die Nachbarn geweckt
Empörung dringt aus ihren Poren
aus unseren die Lust
deine Haut schmeckt nach Mondlicht
das hinter den Wolken schimmert
vergrabe mich in Brusthaaren
die mich in einem Netz aus Wolkenstoff auffangen
atme Stöhnen aus der feuchten Luft ein
und stoße Glühwürmchen in kühle die Nacht zurück
sie zeichnen mir ein Bild aus dem
was ich drum geben würde in dir zu ertrinken
um in unerforschte Tiefen zu sinken
und in deiner wohligen Wärme zu verenden
vier Uhr Nachts
die Dusche stellt sie wieder her
und die Zigarette danach besiegelt
mein Schweigen
© Amy Herzog

du aber bist so wunderschön meine sanftselige Liebe unvollkommen mit deinen Lebensnarben ich küsse jede davon ins rechte Licht und ich bleibe dir erhalten als das was dunkler (verwundet) (verletzlich) (gebrochen) als im Schwarz deine Schönheit betrachtet wenn du sie selbst nicht sehen kannst © Amy Herzog
Wie viel hochprozentiger Müll
muss sich noch durch deinen wunden Hals brennen
bevor er deinem Nucleus accumbens den Garaus macht?
Am Boden der Flasche wartet keine Belohnung.
Dein Hochgefühl startet mit fahler Ernüchterung in den neuen Tag
selbst wenn es gerade schön ist, mit Leichtigkeit zu fliegen
und die bleierne Einsamkeit zu vergessen
Am Ende des Tages beißt sich deine Katze in den Schwanz.
Den Schmerz trägst du, solange er es dir wert ist.
© Amy Herzog
Regen ist nüchtern
und hält die Hand vor den Mund
starrt auf weiße Wände
einerlei ist was und wie ich etwas fände
wie bei einem unbarmherzigen Carcinoma
liege ich im Koma
und schaue den falschen Film
während der Werbepause schlafe ich ein
und träume mich in eine
‚richtige‘
Welt
Regen ist noch nüchtern
hält sich zurück
solange der Schock gesoffen wird
und ich besoffen die Hemmung verliere
dann will die Welt tragen
konservieren
meine Sehnsucht darin einkochen
jede Nacht in sie verlieben
(in dich)
selbst wenn es schmerzt
und sie am Ende im Regen ertrinkt
© Amy Herzog
Während ich so von Sehnsucht getragen durch ein älteres Buch blättere, älter – nicht alt, ich kenne mich in vielerlei Hinsicht mit älter und alt aus, um es etwas selbstironisch zu sagen, stelle ich fest, dass meine eigenen Anmerkungen in diesem Buch überwiegen. Eigentlich sieht es sogar recht traurig aus, weil ich nicht besonders ordentlich geschrieben habe, wie das eben so ist, wenn der Kopf schneller denkt, als die Hand schreiben kann. Unterschiedliche Stifte habe ich verwendet, Kreuz und quer gekrakelt und als das Buch restlos überfüllt war, habe ich eine weitere lose Zettelwirtschaft hinzugefügt. Es ist bereits eine ganze Weile vergangen, seitdem ich das Buch das letzte mal in die Hand genommen habe, um darin herumzublättern. Wozu sollte ich auch – das kann ich auch im Kopf machen. Muss an dieser Stelle jedoch zugeben, dass der Zustand des Buches in meinem Kopf deutlich besser ist. Trotzdem ist dieses Buch ein besonderes. Ich trage es meistens in meiner Nähe, in meiner Tasche, nehme es mit nach hier und dort – obwohl ich es noch nie gebraucht habe. Ich beschütze es den ganzen Tag, das ich es nachts auch unter mein Kopfkissen lege, würde noch fehlen. Von den meisten Dingen, auch von Menschen, kann ich mich ohne mit einer Wimper zu Zucken trennen – dieses Buch gehört nicht dazu.
(ein Drabble)
In komplexen Windungen verirrt, verwirren mich gelegentlich meine eigenen Analysen. Hier und da küsst mich dann ein Schlag ins Gesicht, der mich auf den Boden der Realität zurückholen soll, aber ich lasse mich nicht fangen. Zu auffallend zufällig ist der Schmerz geworden. Statt einzuordnen verordne ich mir selbst eine Tramadol, diese nimmt zwar nicht jede Art von Schmerz, hilft aber beim davonfliegen. Und wenn ich dann träume, ist das Ganze gar nicht mehr so komplex. Es funkt im Kopf, streichelt meine Narben und pulsiert in den Geschlechtsorganen, während du am offenen Herzen operierst. Wärme breitet sich im angekommen sein aus.
Ich bevorzuge deine klammernden Wurzeln
deine Wiedergeburt schmeckt nach abgestandenem Mineralwasser
ja
ich wär‘ dann nicht mehr durstig
ja
du füllst den Magen
aber
wo
bleibt
die
Hingabe
verdammt?
Trinke dann erinnernd deinen Saft aus weichem Moos
schmeckt nach Traurigkeit, die ich an dir liebe
nach Sex aus purer Verzweiflung
und das Ende war schon da
während hinkende Gefühle entgleisen
reise ich durch fahle Wüsten
was mir von dir bleibt
leckt auf meinen trockenen Lippen
den Geschmack von
oxidiertem
Eisen
© Amy Herzog
Auf der Suche nach Luft stolperte sie stets über die Sinnlosigkeit des Atmens. Obwohl sie das Gefühl hatte zu ertrinken, legte sie sich nicht in den Sarg, um diesen zu kaufen, denn eigentlich rechnete sie trotz diesen Gefühls, nicht mit ihrem baldigen Ableben. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie in diesem Sarg endlich atmen konnte, während sie an die Dinge dachte, wodurch sie außerhalb ins stolpern geriet. Sie blieb darin liegen, bis der Bestatter sie bat zu gehen, zwischenzeitlich nickte sie sogar ein. Als sie am Abend wieder zu Hause angekommen war, das Gefühl atmen zu können bei sich tragend, nahm sie sich sogleich einen Stift zur Hand und schrieb einen langen Brief. Die ganze Nacht, Seite um Seite mit aller Sinnlosigkeit, über die sie stolperte. Das sinnloseste aber war, dass niemand jemals diesen längsten und schönsten Brief, den sie bisher verfasst hatte, zu lesen bekommen würde. Doch bevor sie über diesen abschließenden Gedanken wieder zu stolpern drohte, verbrannte sie diesen Haufen loser Zettel und atmete auf.
Wundbrand unter der Haut
es lechzt nach mehr
und pellt sich sichtlich ab
das was du kranke Seele nennst
sind einbetonierte Träume
Spritze mir den letzten Schuss
Sehnsucht in die Venen
und werde zum Fossil
in deiner Hand
Taumele am Ende volltrunken
über deine morsche Distanz
bis nah an den Rand
Blicke hinab
und kann den Himmel seh’n
© Amy Herzog
Ich beantworte (aus meiner Erfahrung) Google Suchanfragen, die mir angezeigt werden, wenn ich das nachfolgend Dick-Gedruckte in die Suchleiste eingebe. Finde das recht amüsant 🙂
Können Autisten…
…lieben: Ja, sehr viel und unterschiedlich.
…lügen: Ja, wenn es der eigenen Logik entspricht, meistens ist es aber sinnlos.
…weinen: Selbstverständlich. Weniger aus Trauer, meistens bei Ungerechtigkeit/Unfairness, Wut.
…lachen: Ja, das antrainierte nervige grinsen, aber auch echtes Lachen aufgrund von Freude oder einem Witz.
…sprechen: Generell, ja. Situativ, schlecht.
…Gefühle erkennen: wenn ich die Person sehr gut kenne oft. Manchmal aber nicht.
…sprechen lernen: Ja.
…alleine leben: Ja.
…eine Beziehung führen: Ja.
Haben Autisten…
…Gefühle: Ne Menge.
…Mitgefühl: Wenn es angebracht ist und ich ein Gefühl nachempfinden kann.
…sexuelle Bedürfnisse: Ja. Hat jeder Mensch auf individuelle Weise – bis zum tot.
…Angst: Vor Spinnen sehr heftig zum Beispiel.
…Empathie: Im Beruf ja, privat könnte ich evtl. manchmal hölzern oder gar verletzend sein, wenn ich Gefühle nicht erkenne. Das ist dann das Salz, welches man sprichwörtlich in die Wunde streut.
…Freunde: Ich nicht, habe aber auch nicht wirklich das Bedürfnis. Würde mich eh nicht so drum kümmern, wie es evtl. erforderlich wäre.
…Zwänge: Wenn damit eine Zwangsstörung gemeint ist: Nein.
…Fantasie: Ja.
…ein Gewissen: Das schlechte Gewissen habe ich oft.
…eine geringere Lebenserwartung: Aufgrund von Stress möglich.
Wollen Autisten…
…Freunde: s.o.
Warum … nicht angefasst werden: Aufgrund des Reizes. Manchmal ist dieser Reiz jedoch erwünscht. Das sage ich in dem Fall.
…sprechen: Ja.
…Kinder: Ich ließe mit mir sprechen. Mein Wunsch ist es jedoch nicht.
Merken Autisten…
…dass sie anders sind: Ja, das hat man mich deutlich spüren lassen.
Sind Autisten…
…schlau: auf meinen Interessengebieten ja. Allgemeinbildung nicht so. Ich habe eine sehr schnelle Auffassungsgabe und häufig eine sehr gute Merkfähigkeit. Der IQ sagt nichts über tatsächliche Intelligenz aus.
…behindert: Ja, Autismus ist eine Behinderung.
…intelligent: s.o.
…hochbegabt: Unter allen Autist:innen ist alles dabei.
…egoistisch: Manchmal ja.
…schüchtern: Sobald ich eine Person gut kenne nicht.
…geistig Behindert: das kann zusätzlich vorhanden sein, ja. Bei mir nicht.
…vergesslich: Abgesehen von meiner dissoziativen Amnesie gar nicht. Da fehlen mir ein paar Begebenheiten aus einem Zeitraum von ca. 5 Jahren. Diese kommen nur langsam wieder zurück und mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Ich suche jedoch mindestens ein mal am Tag mein Handy und darf dann oftmals die ganze Wohnung danach absuchen.
Müssen Autisten…
…arbeiten: Ja, hab noch keinen gefunden, der das für mich tut. 😉 Ich gehe aber gern arbeiten, weil es Unabhängigkeit ermöglicht. Auf diese Möglichkeit lege ich größten Wert.
…Medikamente nehmen: Wenn ich krank bin, selten. Habe genug Psychopharmaka gefuttert, davon halte ich ganz weiten Abstand.
…Mundschutz tragen: Ja, am Anfang ist mir das sehr schwer gefallen. Zum einen wegen dem Reiz in meinem Gesicht. Aber auch, weil sich nicht alle an die Pflichten gehalten haben. Das hat mich oft aus der Bahn geworfen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.
Machen Autisten…
…Geräusche: Welcher Art? Generell, ja.
Wenn ihr spezifische Fragen habt, lasst mir diese gern per Mail (oder Insta) zukommen. Falls sich die Gelegenheit eröffnet, würde ich dazu einen Beitrag erstellen. Es gibt keine unerlaubten Fragen.
Erzeugte Parodie Ich suche noch nach deinem Witz während sich im nackten Hirn Laufmaschen bilden aber Hauptsache es amüsiert köstlich verschlungen und wieder ausgewürgt wie die Katze den Haarballen Parodie ist ohne wahr zu sein, wahr wie das so ist im Leben nach und nach brechen die Lungenäste irgendwann ist man das Atmen leid Hauptsache es hat gemundet für einen Seelenblick Die Pointe lässt auf sich warten
© Amy Herzog
Wieder Drabble-Dienstag von Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Balance, Augen, Wohnung
Nachtdienst
Tage verliefen gedanklich kräftezehrend.
Auf vierundsechzig Kilometern Richtung
Arbeit denke ich an Dinge, die ich lieber
täte, wohin ich lieber fahren würde, ob ich
in meiner Wohnung bliebe, oder in deiner.
Meiner nichtvorhandenen Mimik sieht man’s
an. Die Augen leer. Ich rechtfertige in der
Übergabe mit Kopfschmerzen, dabei verliere
ich innerlich die Balance. Ich erinnere
mich an eine letzte Mail, die mir jemand
geschrieben hat: „eine Enttäuschung ist das
Ende einer Täuschung“.
Meine Phantasie reicht gerade noch, um
darin meine Identität wegzuwerfen und
davonzulaufen. Irgendwohin, nirgendwohin.
Möglicherweise an Orte, an die ich während
der Fahrt dachte.
Ich bin unfassbar müde.
Mit morschem Herzschlag verliebte ich mich ins Feuer. Dieses einsam knisternde, das mystisch in sich tanzende, das Unberechenbar ausbrechende und wieder in sich zusammenfallende. Nicht nur, um meine Fingerspitzen daran zu erwärmen, so wie es alle Anderen taten, ehe sie für immer verschwanden. Ich wollte hineinspringen, gemeinsam mit diesem Feuer brennen, dieses Feuer sollte mich besitzen, damit ich es, wenn auch ich brenne, selbst zur größten Feuersbrunst werde, sie selbst besitze, uns besitze.
Der Gedanke, selbst wie alle Anderen zu verschwinden, zog schmerzhafter durch meine Gefäße, löste eine noch größere Furcht aus, als vor dem Feuer selbst. Und während ich dieses Feuer über Jahre hinweg beobachtete, versuchte es zu studieren, damit sein Ausbrechen berechenbar für mich würde, meinen Blick also vom tiefsten Kern nie abwandte, aber immer nur den Abschied empfand, entschied ich, mich dem Feuer zu nähern. Als meine Sicht, je näher ich dem Feuer kam, immer klarer wurde, bemerkte ich, dass ich diese wunderschöne Leidenschaft des Feuers, welche mich auf unerklärliche Weise von Beginn an magnetisch anzog, bereits vor langer Zeit auf ewig in sich zusammengefallen war. Was blieb ist das Gefühl von Abschied in einer Hand voll kalter Asche.
Mit morschem Herzschlag tat ich aber nicht etwa das, was all die Anderen taten, denn ich verliebte mich nicht nur in die Wärme. Ich verliebte mich in das nicht sichtbare, aber alles erfüllende Wesen des Feuers und ich wusste, dass selbst aus der kalten Asche, irgendwann ein Phönix emporsteigen kann. Also sank ich nieder, schenkte der Asche meine einzige Träne, grub mich darin ein, schlief und ersehnte die Feuersbrunst.
© Amy Herzog
siebenundsechzig Briefe schreibe ich dir nicht einer kommt zurück nur quält mich nicht das Gewicht dein Schweigen erzählt alles was ich wissen muss bleibe ich unwissend leer keinen Namen kein Gesicht dem achtundsechzigsten Brief werde ich mein Wissen beifügen und im Gedanken einen Kuss
© Amy Herzog
Die meisten Autist:innen wünschen sich eine Partnerschaft, so wie sich auch die meisten anderen nicht-autistischen Menschen eine Partnerschaft wünschen. Der eine früher, der andere später, die einen Monogam, andere sind da aufgeschlossener. Partnerschaft ist also auch unter oder mit Autist:innen individuell, wie bei jedem anderen Menschen.
Die Schwierigkeit, eine:n Partner:in zu finden, besteht zunächst in der Kommunikation. Ich hatte bereits ein paar mehrjährige Partnerschaften und kann bei keiner genau sagen, wie diese überhaupt zustande gekommen sind. Gelegentlich scheint da das bekannte Fremdsprachenproblem kein großes Problem zu sein. Ich habe jedenfalls keine Ahnung, wie eine Kommunikation stattfindet, wenn es gezielt um die Partnersuche geht. Und was ist überhaupt Liebe?! Liebe ist für mich (meine Wahrnehmung) ein sehr schwaches Wort, obwohl ich es in meiner Schreiberei häufig verwende. Das ist aber etwas anderes. Aber das sollte ich wohl erklären.
Mit Liebe werfen Menschen um sich und oft wird es auch dazu verwendet, Menschen zu bewegen. Ich bewege mich aber lieber selbst. Liebe soll in der Theorie bedingungslos sein, ist aber oftmals mit Gegenleistungen verbunden. Für ein „ich liebe dich“ gibt es einen Kuss. Und dann ist da noch dieses „für immer und ewig“, welches eine Dauer von wenigen Stunden bis zum tot umfassen kann. Liebe ist ein so großes Wort, dass es geradezu danach schreit, ausgenutzt zu werden. Sage ich jemandem, dass ich ihn liebe, bekomme ich dafür dieses oder jenes. Ich sage nicht, dass das immer so ist, aber für mich gibt es passendere Bezeichnungen, jemandem meine Zuneigung auszudrücken.
„Du nervst zwar meistens, aber nicht so sehr wie alle anderen.“ – Wer würde so einen Satz verwenden, um zu lügen? Kann mir nicht vorstellen, dass der Satz empfohlen wird, um anderen Liebe zu zeigen bzw. diese vorzutäuschen, um irgendwelche ominösen Ziele zu verfolgen. „Ich mag dich“, finde ich auch noch gut. Nicht so gut wie den anderen Satz, aber besser als „ich liebe dich“. Außerdem ist er vielseitig nutzbar. Man kann ihn sagen, ohne sich selbst zu sehr zu offenbaren. Aber eben doch, um eine allgemeine Zuneigung auszudrücken, welche nicht auf einer Gegenleistung beruhen muss. Ich mag zum Beispiel auch sehr gern Aufläufe – man sieht es mir an. Könnte jeden Tag Brokkoliauflauf essen – ok, Brokkoli liebe ich wohl. 😀
„Ich liebe dich“, ist oft an Bedingungen geknüpft. Und diese Bedingungen gefallen mir gar nicht. Entweder wird man ausgenutzt, oder man wird eingesperrt (überspitzt dargestellt). Und plötzlich ist man nicht mehr nur ich, sondern ein wir. Da ich aber bereits Beziehungen hatte, war ich natürlich schon des Öfteren ein „wir“. Aber besonders angenehm finde ich das nicht. Dieses „wir“ besteht dann aus Zusammenlegungen und Kompromissen – und Gegenleistungen. Die wenigsten Menschen rechnen bewusst so, das ist mir klar. Und eine Beziehung kann sehr schön sein, auch das ist mir klar. Menschen, die sich in einer rundum glücklichen Beziehung befinden, arbeiten gewiss auch gern daran, dass diese Beziehung glücklich bleibt. (Ich hingegen frage mich, wo bei all der Arbeit der Lohn bleibt – bitte sagt nicht, dass der Lohn die Liebe ist, die ich dann zurückbekomme…so als Gegenleistung). Sollte das Ganze aber länger halten, wird daraus sogar eine Verpflichtung. Puuh. Das ist mir beim schreiben schon zu anstrengend.
Bevor ich aber nun zur negativ-Nase werde, spinne ich dieses Beziehungs-Dings mal weiter, obwohl man mich nun für Beziehungsunfähig halten könnte (wäre nicht schlimm, ich sehe mich selbst so – im Bezug auf diese normalen Beziehungen)
Nehme ich mal also mal an, dass diese anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten vor einer Beziehung irgendwie umgangen werden und es dann in eine Beziehung übergeht. Da bleibt dann dieses Problem weiter bestehen und als Bonus gibt es weitere Schwierigkeiten obendrauf. Kurz und Knapp würde ich aber sagen, dass es keine bzw. weniger Schwierigkeiten gäbe, wenn ich weiterhin so leben könnte, wie eine alleinstehende Person. Aber so läuft das nun mal nicht (warum nicht, ist mir schleierhaft – Steuererleichterung ist ja wohl kein Argument mehr).
Das ist wieder so eine Liste, die ewig weitergehen könnte, aber da der Beitrag sich nun schon zwei Din-A 4 Seiten nähert (nach Möglichkeit gehe ich nicht über diese zwei hinaus), gehe ich weiter.
Also angenommen diese/r nicht-autistische Partner:in hat mit all diesen Dingen kein Problem. Wie sieht das in der Praxis langfristig aus? Nun, entweder ist der/die Partner:in sehr verständnisvoll und stellt ggf. manchmal die eigenen Bedürfnisse hinten an (so wie es auch die/der autistische Partner:in tun müsste – das ist dann der Kompromiss), oder die Beziehung wird nicht lange halten. Oder der/die Partnerin ist ähnlich gestrickt, oder möchte gar keine gemeinsame Behausung. Das würde Probleme minimieren. Oder beide Partner sind autistisch und können sich dementsprechend leichter verständigen.
Dazu sei gesagt, dass Autist:innen in der Regel sehr loyal sind. Wenn ich zum Beispiel jemanden mag und diese Person nie schlecht zu mir war, mag ich diese Person selbst dann noch, wenn schon Jahrelang kein Kontakt mehr besteht. Was mich noch mal auf das Thema Liebe und mögen/nicht nerven zurückbringt. Jemanden zu mögen hat für mich mehr Gewicht, weil das eher Bedingungslos ist. Ich bin nicht sicher, ob ich das gut erklärt habe. Mir ist also egal, ob ich das selbe Gefühl zurückerhalte. Wenn man es aber zurückerhält, kann man eher davon ausgehen, dass es ehrlich gemeint ist. Und da ich generell Probleme damit habe, Menschen einzuschätzen, ist mir das so lieber. Außerdem lasse ich Menschen nur ungern in meine Gefühlswelt schauen (sagt die, die Gedichte schreibt). Mögen kann so alles sein, von ok bis super toll. Aber das ist dabei gar nicht wichtig – weil es ohnehin bedingungslos ist. Liebe aber muss supergroß sein. Das erwartet man im Normalfall. Dazu habe ich das Wort Liebe aber schon zu oft als Lüge gesehen (nein, ich war nicht persönlich betroffen).
Menschen sprechen oft von Liebe und zeigen dann, dass sie es nicht so meinten. Nicht so, wie es gemeint sein sollte. Das Wort Liebe wird zu leichtfertig benutzt. Das stört mich daran.
Wenn Interesse daran besteht, kann ich gesondert auch noch das Thema Autismus und Sex/Sexualität erläutern. Dazu gibt es ein paar allgemeine Informationen, die jeder googeln kann, aber da steht meiner Meinung nach eine Menge Blödsinn, wenn ich meine eigenen Erfahrungen betrachte und jene anderer Autist:innen, mit denen ich mich über die Jahre ausgetauscht habe. Da dieses Thema aber bei vielen Menschen ein Tabu-Thema ist, würde ich das nur machen, wenn es gewünscht wird. Für mich ist das ein Thema wie jedes Andere.
EDIT: So im Nachhinein fällt mir auf, dass ich das ganze möglicherweise etwas madig geredet habe. Ein Fakt ist aber, das trotz alle dem, so eine Beziehung sehr aufregend und erfüllend sein kann. 🙂 Autismus sollte also dahingehend niemanden abschrecken. Wenn man sich sehr gut verständigen kann, ist alles halb so wild. 🙂
fleisch lebt einsam, fleisch wird staub
und rauch bedeckt den vater tod
bin ich noch hier, bist du es
du in mir und ich in dir
eins geworden, eins geblieben
wohin uns Weltenmeere trieben
ohne es zu spüren
uns
tief im Grunde
schweben wir still
seekrank plus verrückt
bin ich einsam doch entzückt
hinter rauch ist alles taub
letztes atmen, kuss und staub
fleisch tropft rot, fleisch lebt
nur einen augenblick, vater tod
und liebt bevor’s vergeht
© Amy Herzog
wenn gefragt werde,
wie nah ich meinem wort bin,
dann lüge ich.
ich bin das wort
das ist die wahrheit
ich bin nackt
© Amy Herzog
Hält mein Atem kurz inne
so ist es nur ein Tropf
auf heißem Stein
und wirbelt er doch meine Sinne
wild umher
gehört er mir, nur mir
allein
Wie klingt ein Stöhnen
welches sich in süßen Küssen
um die rote Sonne legt
und wie kleidet sich die Nacht
die zwischen uns
das weite Meer bewegt
Hält mein Atem immer inne
so bleibt das eine mein
stiehlt mir auch an diesem Abend
bloß nicht den Gedanken
dieser Tropf auf heißem Stein
wird er bis ins tiefe Ende
ewig meiner sein
© Amy Herzog
Eines meiner Lieblingsthemen, wohl weil es mich den ganzen Tag begleitet – manchmal merke ich es gar nicht, weil es unbewusst passiert. Vorweg sei gesagt, jeder Mensch, der (Dis-/Eu-) Stress empfindet, betreibt Stimming. Wer hat nicht schon mal das Etikett einer Flasche abgefummelt oder mit den Fingerspitzen auf dem Tisch herumgeklackert? Vielleicht auch mit den Beinen gewippt oder auf der Unterlippe herumgeknabbert. Das (und Ähnliches) sind normale Reaktionen auf eine Art Stress (Aufregung, Nervosität, etc.) Bei Autist:innen ist es etwas anders.
Das Thema Reizüberflutung kam bereits des Öfteren zur Sprache, jedoch noch nicht in einem gesonderten Beitrag. Das sollte ich bei Zeiten nachholen. Nun, es kam dennoch sehr häufig in anderen Beiträgen vor, weil die Reizüberflutung ein zentrales Problem bei Autismus darstellt. Die Frage dabei ist, wie wird das kompensiert? Und da kommt das Stimming ins Spiel.
Stimming ist so individuell unter Autist:innen, wie die Menschen selbst. Sprich: da hat jeder so seine Vorlieben und Gewohnheiten, bzw. Erprobtes.
Was ist Stimming für Autist:innen? Autist:innen stehen nicht immer, aber die meiste Zeit unter Stress aufgrund von permanenten Reizen, welche ungefiltert eindringen. Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass das für mich normal ist – kenne mich ja nicht anders. Ich stehe also nicht den ganzen Tag da und denke „was hab ich wieder Stress“. Das sage ich höchstens dann, wenn mein Stresslevel ungewöhnlich und auffallend hoch ist. Ich kann also sehr lange gelassen sein, oder zumindest so wirken. Das war natürlich nicht immer so, ich denke das bringt die Lebenserfahrung und die Erfahrung, mit sich selbst. Aber zurück: Stimming ist selbst stimulierendes Verhalten.
Klassisch motorische Handlungen wie das Hin- und Herschaukeln, das Händeflattern (ganz oft bei Freude), verschiedenes lautieren, schaukeln in Embryonalstellung. Manche berichten davon, manchmal dabei in einer Art Trance zu sein.
Die verschiedenen Arten von Stimming finden über die Sinnesorgane statt. Also sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken und auch das Gleichgewicht. Dazu wenige Beispiele, die Auswahl ist da sehr breit gefächert.
Visuell:
Akustisch:
Taktil:
Geruchs- und Geschmackssinn:
Vestibulär:
Ich persönlich betreibe Stimming sehr viel über meine Finger (taktil, visuell, akustisch)
Das Händeflattern mache ich auch manchmal, oder mit den Handflächen auf die Oberschenkel klatschen, allgemein Händeklatschen. Wippen mit dem ganzen Körper oder mit den Beinen, im Bett liegend hin und her schaukeln, usw.
Wenn ich nicht allein bin, unterdrücke ich diese Dinge manchmal, das eine mehr, das andere weniger. Das konnte ich bisher nur schlecht ablegen, weshalb ich meinen Stresslevel dann schlechter regulieren kann.
Auch in der Schule ist mir das sehr schwer gefallen, ich litt quasi unter ständigen Kopfschmerzen. Still sitzen war ne Pflichtübung. Die Geräuschkulisse, die ich von ca. dreißig weiteren Schüler:innen im Rücken hatte, war aber offenbar ok. 😉 War keine leichte Zeit.
Triggerwarnung: Sexuelle Inhalte/sanftes BDSM. Wer so etwas nicht lesen mag, der möge diesen Beitrag dezent überlesen.
Ihre Phantasie ist eine, die er nicht in schönen Träumen zu sehen vermag, nicht mal in den Träumen seiner Phantasie. Allenfalls in seinen Albträumen. Sie lebt zu schnell und nährt sich an ihrer Gier, kein Glitzern in den Augen, keine Suche nach der Unendlichkeit, kein Ankommen, nur eine kurze Nacht, weil sie sich mehr nicht erlaubt herbei zu phantasieren. Nichts ahnend seiner. Ein gebrochenes trauriges Herz ist sie, das vor langer Zeit schon alle Wünsche so tief in sich verschlossen hat, dass niemand mehr je danach greifen könnte, so vermutet sie. Und wenn sie an ihn denkt, dann zündet sie keine Kerze an. Denn sie weiß, ein Mann, der nur das eine will, der dreht beim kleinsten Schnick-Schnack wieder um. Zu oft hatte sie schon die Liebe vertrieben, indem sie zu viel war, vielleicht waren sie beide aber auch nur stets zu wenig. Das wird sie nie erfahren.
Und so spürt sie nur noch das niederste aller Bedürfnisse, ihren Hunger, die Gier zu Fressen, die Lust nach seinem Körper, im tiefsten Innern verzehrend danach, ihn heimlich lieben zu dürfen, für diesen kurzen Moment in ihrer Phantasie. Die Kleidung vom Leibe braucht sie im nicht reißen, wartend und sie erwartend liegt er Nackt auf ihrem Bett, befehlend sich ihrer Kleidung zu entledigen. Fest greift er ihren Arm, packt fest zu und wirbelt sie in einer unsanften Bewegung aufs Bett. Ihr zitternder Körper fühlt sich real an, doch das ist ihr in diesem Moment nicht wichtig. Auf dem Bauch landend spürt sie nicht den Willen, in ihre eigene Welt einzugreifen. Wie er sich auf sie wirft, ihre beiden Handgelenke packt und fest auf ihren Rücken presst, lässt sie geschehen, lässt es über sich ergehen, weil sie diesen sanften Schmerz braucht um zu spüren, sich selbst und ihn.
So wie sie sich ihm ausgeliefert fühlt, genauso sicher fühlt sie sich in diesem Augenblick. So sicher, wie sie sich sonst nie fühlen kann. Und als er sein hartes Glied in schnellen Bewegungen wieder und wieder in ihren schwachen Körper presst, beginnt sich ihr unersättlicher Hunger langsam zu lösen. Ihr Stöhnen dringt vor bis in die Wälder und schreckt schlafende Buntspechte aus ihren Nestern. Mit jedem Stoß rutscht sie höher und höher, bis sie das Kopfteil des Bettes ein Ende spüren lässt. Und immer wieder schreckt sie mit einem leisen Schrei auf, während er feuerrote Abdrücke seiner Hände auf ihrem Hintern hinterlässt. So wie seine Bewegungen schneller werden, greift er tief in ihre Hüften, sie genießt das Brennen, das er ihr schenkt. Am Ende spürt sie in sich ein leichtes Zucken und sie weiß, das ist das Ende ihrer Welt.
Während sie sich umdreht, gesättigt von seiner Gier, die sie sich erträumt hat, hebt er seine Kleidung vom Boden auf und verlässt wortlos ihre Wohnung. Diesen sanften Übergang in die Realität genießt sie noch, während sie im Bett alle viere von sich streckt, sich die Anspannung löst und die Realität immer klarer wird. Wie sehr sie sich wünschte, es wäre nicht vorbei, das schließt sie sogleich fest mit in ihre Erinnerungskiste, die sie tief in sich trägt. Ungläubig, ob das ganze wirklich nur eine Phantasie war, geht sie zum Spiegel, entledigt sich ihrer Kleidung, die sie nie abgelegt hatte und betrachtet ihren Körper. Keine roten Stellen, keine warmen Hände, keine Greifspuren an den Handgelenken, nicht mal ein kleines Hämatom an den Oberschenkelinnenseiten. Nur die üblichen Narben der Zeit.
Ihre Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben, dennoch kleidet sie sich wieder an und zeigt sich in dankbarer Demut, kurz und heimlich geliebt haben zu dürfen. Nichts ahnend von seiner Phantasie geht sie weiter ihrem Alltag nach und verbucht die vergangenen zwanzig Minuten als bedeutungslosen, aber wirkungsvollen Power Nap. Die Hoffnung, sich beim nächsten mal einen liebevollen Kuss zu erlauben, verstaut sie sicher unter ihrem Kopfkissen. Die Zigarette danach sei ihr gegönnt, während sie sich daran erinnert, was vorher war. Das Mittendrin drängt sie in den Hinterkopf und das Danach ist verloren. Sie ist verloren, schimmert eine stille Träne im Sonnenlicht. Endlich wieder verloren.
Triggerwarnung: Sexuelle Inhalte. Wer so etwas nicht lesen mag, der möge diesen Beitrag dezent überlesen.
Es liegt außerhalb ihrer Vorstellungskraft, wie sehr er sie begehrt, wie tief er ihre Nähe einatmen möchte, einatmen muss, als würde sie ihn vor dem ertrinken retten und mit dem ersten Atemzug blickte er in ihre Augen. Als wollte er in seinem gesamten Leben nichts anderes mehr sehen und alles andere davor vergessen, während sich ihr Duft um seinen Körper schmiegt und seine Sinne in entfernte Dimensionen manövriert. Doch das alles spielt sich nur in seiner Phantasie ab, diese Welt, die sie nicht zu erahnen vermag, gleichzeitig ist sie ihm die schönste, die, in der er ankommen und sich fallen lassen kann. Und sie ist darin seine Sicherheit, ihr sanfter Schoß, in der für ihn so unsicheren und schnelllebigen echten Welt. Nur fragt er sich dann: „was ist schon echt?“ In seinen Gedanken sieht er sie jeden Tag, wohin er auch schaut, sieht er ihre Augen vor seinem Inneren. Wir begehren, was wir täglich sehen. Wie jeden Tag flüchtet er vor dem Licht, dunkelt seine Wohnung mit Jalousien und zündet eine Kerze an, um sich weiter in seiner Welt zu laben.
Obwohl seine amourösen Gedanken schnell zu kochen beginnen, als er sie auf seinem Bett liegen sieht, atmet er tief durch und lässt sich Zeit. Denn Zeit ist hier in seiner Welt ein so weit dehnbarer Begriff, dass er bedeutungslos wird. Selbst im Schein seiner Kerze kann er ihre Augen leuchten sehen und als er ihr endlich wieder näher kommt, sich neben sie auf sein Bett setzt, kann er bis hinter ihre Augen, direkt in ihre Seele blicken. Und ankommen. Alles was ihm bis dahin ein Geheimnis war, liegt nun offen in seiner Brust. Wie eine Flutwelle trifft es ihn, überrollt ihn, macht ihn schwach, obwohl er stark sein wollte. „Wir haben Zeit“, flüstert er sich selbst immer wieder zu, während er leicht zu schwitzen beginnt und dieser Schweiß einen dünnen Film aus purer Leidenschaft auf ihm hinterlässt.
Und er denkt an all die Fragen, die sich nun aus seinem Wissen ergeben, das offen in seiner Brust liegt. Alles hat er von ihr, doch er will mehr, immer tiefer in sie hinein blicken. Sogleich denkt er an die Gespräche, saugt jedes Wort ihrer Stimme in sich ein, unersättlich kommt er ihr immer näher, bis sie in seiner Phantasie im Kusse verstummt. Erst ihre weichen Lippen, dann über die Wange an ihren Hals. Kaum traut er sich, sie zu entkleiden, viel zu schnell würde seine Phantasie in der Realität enden. Seine kochenden Gedanken sind längst verdampft, der Körper ist willig und sein Geist noch schwächer. All die angestauten Jahrzehnte versetzen seinen Körper in Anspannung. Wo er gerade noch alle Zeit hatte, hat er plötzlich keine mehr übrig, als er ihr mit zwei, drei ruckartigen Handgriffen die Kleidung vom Leib reißt.
Mit einem mal küsst er in seinem Gefühl alles zugleich, jeden Zentimeter ihres Körpers, ihrer zarten jungen Haut, seine Gedanken kommen nicht mehr hinterher. Und in einem Atemzug sind all seine Fragen beantwortet, jedes Haar, jedes Zeichen ihrer Zeit, mit allem was auf ihrer Haut geschrieben steht, begehrt er sie bis tief in ihre Seele. Seinen Körper stülpt er über ihren, umklammert ihn, vergräbt seinen Kopf in ihren Haaren und will sie nie wieder loslassen. Seine Schwäche ist verflogen, die Zeit flog mit, all seine Bedürfnisse liegen in diesem Moment, den er sich seit Jahrzehnten ersehnt. Endlich kann er fallen und endlich fällt er tief in sie hinein, immer tiefer, immer fester stößt er sie und krallt sich weiter fest. Ob er nur in seiner Phantasie, oder auch in echt stöhnt, ist völlig unerheblich. Die Lust fließt aus seinen Poren und verbindet sich mit ihrer. Mit jedem Stoß lauscht er mit seinem Ohr nahe an ihren Lippen ihrem leisen Stöhnen nach.
Immer schwerer fällt ihm das Atmen, die schnelllebige Welt da draußen hat er aus seinem Gedächtnis gestrichen, seine Welt dreht sich schneller. Berauscht von ihrem Meer der Sehnsucht entlädt er sich in ihr, um sie zu stillen und um gemeinsam mit ihr in die Weiten der Ewigkeit zu treiben. Langsam wird er müde, doch er lässt sie nicht los, im Gegenteil, er krallt sich noch fester, denn zu groß ist seine Angst, dass jetzt, wo er seine Begierde genährt hat, seine geliebte Phantasie, sie, mit einem mal verschwindet. Während er sie fest umklammert schläft er in den salzigen Spuren ihrer Leidenschaft behutsam ein. Eine Hand streichelt durch sein Haar und der Wind imitiert ihren Atem. Das erste mal kann er beruhigt einschlafen, denn er ist angekommen, endlich angekommen.
Der Mann, bei dem ich irgendeine Liebe suche, liegt nackt in meinem Bett und behauptet mich zu lieben, an meinem kalten Herzen prallt es ab. Mit schweigenden Tränen wanke ich mit letzter Kraft ins Badezimmer, drehe das Wasser in meiner Dusche und am Waschbecken auf, schalte das Licht aus. Am geöffneten Fenster genieße ich die nach Regen duftende Nachtluft, verschwommen malt mir der Mond sein Schlaflied in einem kurzen Bild und ich frage mich, ob der, den ich Liebe, den selben Mond sieht. Die gefühlt fünfzigste Zigarette verklebt meine Alveolen, während mich meine Gedanken innerlich in Stücke reißen. Hätte ich nur ein Hemd von ihm, würde ich es gerade tragen, um seinen Geruch in mir zu spüren. Ständig kommen mir Gedanken in den Sinn, die mich zwingen, mein Denken zu unterbrechen. Tränen schießen aus meinen Augen, wo ich doch an niemanden denke. Der Wind trocknet sie, leise.
Irgendwie fühlt es sich nicht mehr so an, als ob ich geweint hätte. Wieder ein Stückchen mehr zerrissen, wieder ein bisschen mehr betäubt, dieses mal wohl zu viel. Und nichts als Leere bleibt. Dabei kann ich meine Gedanken an den, den ich liebe, gar nicht als richtiges denken bezeichnen, es sind nur unzusammenhängende Fetzen, Bruchstücke aus zersplittertem Glas. Glas, das meine Seele zerschneidet und rote Tränen formt. Ein Gefühl, den Schmerz als Wort nicht wert, das mich schreien lassen würde, aber ich darf nicht schreien. Der, der vorgibt mich zu lieben liegt in meinem Bett und wartet auf meinen nackten Körper. Er weiß, dass ich weine, aber ich bin allein, also weine ich allein.
Gefühlt fünftausend Mal starre ich in diesen wenigen Minuten auf mein Smartphone, schaue nach, suche verzweifelt nach Luft, nach einer kleinen Nachricht, selbst wenn sie nichts bedeutet. Irgendetwas, egal was, von dem, den ich so sehr liebe. Warum weiß ich nicht, das alles ergibt keinen Sinn. Erst gestern dachte ich noch, dass ich sterben könnte, für ihn würde sich nichts verändern. Wie sollte es auch, er bemerkt mein Leben nicht, weshalb sollte er dann mein Ableben bemerken. Sein Leben würde glücklich weitergehen, alles wäre wie bisher. Und offen gestanden gönne ich ihm das. Dem, den ich liebe. Und ich weiß nicht, weshalb ich mir seine Gedichte durchlese, die beschreiben, wie glücklich er ist, während ich das Leben nicht mehr aushalte. Vielleicht, weil es das einzige ist, was ich greifen kann. Es ist kein einfach daher gesagtes „Ich halte es nicht mehr aus..“, diese Grenze habe ich längst überschritten. Und es ist auch egal, wie viele Medikamente ich in mich hineinwerfe, sie können diese unerträgliche Leere nicht füllen. Und die Gedankensplitter nie aufhalten.
Ich gebe mir die größte Mühe nicht daran zu denken, dass er seinen Abend mit dem, was er liebt verbringt, trinkt und glücklich ist. Ja, ich gönne es ihm von Herzen, wenn auch dieses Herz kaum noch schlagen kann. Dass er alles hat, was er sich erträumt und ersehnt hat und ich nicht dabei bin. Aber ich kann es nicht denken, ohne wieder zu weinen. Nur das Wasser tröstet meine feuchten Wangen, ich drücke die Zigarette aus, schließe das Fenster und gehe zurück zu dem Mann, der behauptet mich zu lieben. Lege mich nackt unter seine Decke dicht neben ihn und versuche leise und ruhig zu atmen.
Während ich an den Mann denke, den ich liebe, vergrabe ich meine Finger tief in sein Fleisch und versuche in ihm zu ertrinken, in dem, der mich liebt. Nur damit es für einen kurzen Moment erträglicher wird und ich unter seiner Liebe verschwinden kann. Wie er seinen lustvollen Körper an meinem reibt, seine Gier aus sämtlichen Poren tropft, es müsste mich anekeln, aber das tut es nicht. Nicht wenn ich an den denke, an den, den ich liebe und seine Küsse meine blutenden Tränen trocknen. Innerlich habe ich das Gefühl zu verbluten, doch wie kann ein Mensch verbluten, wenn er gar nicht mehr lebt. Ich fühle mich tot ohne gestorben zu sein. Und während ich mich tiefer und tiefer in den Körper dieses Mannes grabe, um in diesem Nest von verlogener Geborgenheit zu versinken, kann mich nur noch die Hoffnung tragen, dass das alles bald sein Ende findet.
Wenn was wäre wenn dann würde ich es dir und du wüsstest aber dann wäre ich verloren aber vielleicht auch nicht und was wäre denn dann wenn ich wüsste was du und ich dann zusammen wenn wäre angekommen wenn das wenn dann wäre verwirrung küsst schweigen und deine kennt mich nicht nichts wäre dann...oder nein du kennst mich nicht © Amy Herzog
Nach sehr langer Zeit hatte ich mal wieder Lust etwas zu lesen. Bin da kein Profi, mache es aber trotzdem.
Der Titel ist sowohl zutreffend, als auch irreführend. Ich zeige euch nicht die Räumlichkeiten, in denen ich lebe, sondern die Räumlichkeiten, die in mir leben, worin ich lebe. Diese Idee finde ich sowohl spannend, denn ich habe Gelegenheit, selbst mal genauer hinzuschauen, als auch bereits im Vorfeld frustrierend, weil ich weiß, dass ich es unmöglich schaffen kann, alles zu zeigen, bzw. in diesem Fall zu beschreiben. Hab da oben nämlich keine Kamera. Darüber hinaus mag ich es überhaupt nicht, Menschen, mit Ausnahme von mir, dort oben durchlatschen zu lassen. Daher bitte ich euch die Handys auszuschalten, die Schuhe auszuziehen und in die bereitgestellten flauschigen Häschenpantoffel zu steigen. Und nicht reden, leiser atmen und vor allem nichts anfassen!
Durch eine große, schwere, alte Holztür gelangt ihr in den Flur, einen unendlich langen Flur, links und rechts an den Wänden hängen alte Gemälde, keine wertvollen, irgendwer hatte sie weggeworfen und ich habe sie vom Sperrmüll gerettet. Schwache Flammen von Kerzen an den Wänden sorgen gerade so eben für ausreichend Licht, um euch angemessen begrüßen zu können. In gleichbleibenden Abständen führen Türen in meine zahlreichen Zimmer. Dieser Flur hat kein richtiges Ende, was wie ein Ende erscheint ist nur die Dunkelheit, die sich von euch entfernt, je näher ihr dieser kommt. Beachtet nicht das kleine süß-lächelnde Mädchen mit engelsgleichem Gesicht und goldenen Löckchen im weißen Nachthemd und einem großen Fleischermesser in der Hand. Sie wird euch höchstwahrscheinlich nichts tun, sie summt nur die Tetris Melodie.
Wir gehen vorbei in den ersten Raum. Er ist der größte von allen und der, der mir am wenigsten bedeutet. In ihm ist es laut und schrill, skurril und alles redet in verschiedenen Sprachen durcheinander. Er speichert jeden Tag, in jeder Sekunde alles, was mich umgibt, überall fliegt nutzloses Zeug in der Gegend herum, Notizzettel regnen von der Decke, Garfield tanzt zu „Hey Mama“ und schmeißt alles um, in der Ecke sitzt Hannibal Lecter und bereitet sich in tiefer Entspannung seine Leibspeise zu. Im Hintergrund laufen die Top 1.000 schlechtesten Lieder, dessen Texte ich aus irgendeinem Grund auswendig mitsinge…“Maschendrahtzaun in the morning“ (nur damit ihr auch etwas davon habt). Dieser Raum ist schrill, er glitzert ohne System, er ist laut und unordentlich, geradezu verdreckt mit dem Müll der ganzen Welt. Schlechte Nachrichten stapeln sich entlang der Wände bis an die Decke, auch sie verschwindet im dunkeln ohne Ende. Für dieses grenzenlos-gnadenlose Messi-Erlebnis sollte ich Eintritt verlangen. Wer jedoch auf einen übriggebliebenen Legostein tritt und stürzt, der braucht nicht zu zahlen…mein Lachkrampf ist ausreichend.
Jeder darf sich nun einen der kleinen Äffchen mit Becken greifen und mitnehmen. Wie ihr seht habe ich genug davon. Und nach der überwältigenden, Luft-raubenden, ungefilterten Reizüberflutung habt ihr ein Souvenir verdient. Ach, und ich hoffe ihr stellt euch das ganze im Stil von MTV Cribs vor…würde mich dann fancy und important fühlen. Bitte keine Zwischenfragen nach einem Getränk, einer Toilette oder einem Sitzplatz. Solche Dinge gibt’s hier nicht. Naja, einen Stuhl gibt es vielleicht. Geht einfach in den eben grob gesehenen Raum zurück, irgendwo müsste da ne verrückte Olle sitzen, die den ganzen Tag TikTok Videos guckt und dabei hektisch herumzappelt. Manche verfolgen ja das Motto: Lieber schlecht gesessen, als gut gestanden. Die Tour geht trotzdem weiter.
Ein wenig den Flur hinunter wird hart gearbeitet. Fließbänder laufen den ganzen Tag, um sie herum kaum zählbare Mitarbeiter, ein rennen und treiben und kein freier Tag in Sicht. Wer sich ihnen anschließen möchte muss produktiv sein und das 24/7. Das Arbeitsschutzgesetz kennt hier zum Glück niemand. Aufregend ist anders, ich weiß, in all der Hektik herrscht Monotonie. Also weiter, im Nächsten Raum müssen wir sehr leise sein! Den Zustand des Raumes kann ich vor dem betreten nie so richtig einschätzen. Er ist ebenfalls riesig und scheint ungeordnet, überall liegen Zettel herum, aber sollte die geschundene Seele darin in guter Verfassung sein, könnt ihr sie ansprechen, doch mit euch reden wird sie niemals. Noch nie hat sie ihr Schweigen gebrochen. Es duftet nach Liebe, nach Sehnsucht, nach Kummer und amouröse Gedanken schweben an der Decke. In den Ecken tun sich finstere Abgründe auf und an der Bar gibt es Cocktails mit Schirmchen und Blut. Manchmal hört man diese Seele atmen, trotz der stickigen Luft, immer dann, wenn sie von einer Muse geküsst wird, sie durchströmt, mit ihr tanzt, sie streichelt und einen weiteren Kratzer hinterlässt. Ganz kurz duftet es dann nach Glückseligkeit und ein weiterer Zettel ist zum abtippen bereit. Den Teil erledige ich dann…irgendetwas muss ich ja auch tun, zumindest wirke ich dann so beschäftigt. Aber kommt weiter, die Seele beginnt zu schluchzen und ich möchte nicht ertrinken.
Vor dem Nächsten Raum braucht ihr keine Angst zu haben, nur weil ein Skelett vor der Tür steht. Ihr könnt es gern betrachten, mir jedoch ist es egal. Solltet ihr euch für Humanmedizin interessieren, dann kommt gern mit herein. Keine Sorge, die offene Leiche ist fiktiv und fast vollständig. Die Leber fehlt…gewiss war Lecter wieder hier. Nun ja, egal. Hier drin befindet sich mein wertvollster Besitz. Die unvollständige Geschichte bahnbrechender Erfindungen und Entdeckungen von Apparaturen und Medikamenten, die uns bestenfalls das Leben etwas verlängern. Bücherweise Anatomie, Physiologie und Pathologie, die ich seit der Kindheit aufsauge. Ein kleines Bisschen Psychologie ist wohl auch irgendwo dazwischen. Nur das Skelett steht halt draußen und begnügt sich mit dem Nötigsten. Also weiter.
Es werden keine Raumanzüge benötigt und trotzdem können wir nach den Sternen greifen, durch Galaxien schweben und schwarze Löcher aus nächster Nähe vom Ereignishorizont aus betrachten. Wem die Lichtjahre zu weit entfernt sind, der möge sich auf den Boden setzen und nach einer beliebigen Doku fragen, ich erzähle sie euch. Wem mein Gerede auf den Keks geht, der greife nach meiner Zeitschriften-Sammlung, bitte vorsichtig, die kosten um die fünfzehn Euro das Stück, ich will keine Eselsohren sehen. Die Suche nach meinem Heimatplaneten wird vermutlich bis in die Ewigkeit dauern.
Im Nächsten Raum bleibt ihr am besten dicht hinter mir. Die Zombies sind schnell und wie man sich denken kann, sind die recht bissig. Das hier ist keine Einbildung, es ist Realität! Na ja, zumindest ist mein Plan für eine Realität mit Zombies konzipiert. Von Werbung bzgl. „Zuflucht“ möchte ich absehen. Mein Plan benötigt zwar einige andere Menschen, aber ich bin sicher, die kommen auch so. Ich möchte so wenig wie möglich von den bösen Lebenden anziehen. Die guten Übriggebliebenen dürfen eintreten. Hier ist genug Platz und es gibt viel Arbeit. Und ihr seid ja gerade auch da. Und wenn das hier fertig ist, da uns die Besorgung benötigter Dinge leicht erschwert wird, wird es eine Weile dauern, aber dann haben wir Strom aus Solarenergie, wir bekommen Wasser und stellen unsere Nahrung selbst her. Denn irgendwann wird es nichts mehr zum plündern geben. Daher liegt der Fokus von Anfang an auf der Selbstversorgung. Das Schwierigste war das Waffenproblem, ist aber gelöst. Alles andere war schnell zu erlernen. Nun, das reicht, ist schließlich mein Plan, davon verrate ich nichts. Von dieser Welt freue ich mich über jeden luziden Traum. Aber ich verstehe schon, schnell wieder raus hier. Ist ja auch nur so für den sehr unwahrscheinlichen Fall.
Beim rausgehen bitte die plüschigen Häschenpantoffel austauschen und die mit zermatschtem Zombiehirn in den Müllsack, danke.
Nun, die vor uns liegenden Zimmer sind nicht allzu groß. Darin sind Persönlichkeiten, die mich interessieren…die meisten sind schon lange tot. Sehr viel Geschichte, allgemeines Geschichtswissen, interessante fun facts. Geschichte der schwarzen Menschen, Sklaverei, Kolonialismus, NS-Zeit, ein wenig Mittelalter, und worüber ich noch so ständig stolpere. Halten wir es hier kurz, es sind halt ein paar Bibliotheken.
Die übrigen Raume sehen nicht mehr allzu spannend aus. Decken hohe Schränke, schmale Gänge, alles voller kategorisierter Akten, randvoll mit den Informationen, die meine Arbeiter für wichtig befinden, auf ewig archiviert. Bitte nur nichts anfassen oder gar austauschen, das führt zu nem Kurzschluss im System. Und immer bei der Gruppe bleiben, das hier ist ein Labyrinth. Ich führe euch da durch und hoffe, ihr könnt in den Pantoffeln wandern. Die Zeit können wir nutzen um zu quatschen. Ich rede und ihr hört zu. Diese kleine Führung fiel mir alles andere als leicht, wenn man bedenkt, dass ich euch gerade mal einen winzigen Teil der Oberfläche gezeigt habe und ich selbst alles auf einmal und immer zur selben Zeit sehe. (Das erklärt das Mädchen am Anfang). Während mein Messi-Raum immer größer wird, pausenlos. Ich glaube meinen Heimatplaneten erkenne ich daran, dass es dort keine Farben gibt, keinen Müll und der Austausch ist auf das Nötigste reduziert, es gibt nur eine kleine Auswahl an Nahrungsmitteln, alles ist einheitlich und eintönig. Ich habe keine Ahnung wie es in anderen Gehirnen aussieht und ich will es auch gar nicht mehr wissen, denn das würde auch nur wieder in meinen Akten landen. Um es mit Murtaugh zu sagen: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“.
Manchmal wünsche ich mir, die richtige Verbindung zu finden, die im autistischen Hirn falsch verkabelt wurde (kann ich meiner Mutter wohl die Schuld dafür geben?) Will nicht sagen, dass es in anderen autistischen Hirnen auch so aussieht, bzw. wie in diesem Fall ein kleiner Teil der Oberfläche, das hier ist eben meine Beschreibung. Und inzwischen bin ich reichlich müde, daher bitte ich euch, eure Souvenirs einzustecken, die Pantoffel dürft ihr auch behalten. Normalerweise lese ich die Texte noch mal durch, aber dieses mal ist mir nicht danach, von daher dürfen Unstimmigkeiten und Fehler auch behalten werden. Wobei ich mir schon ein wenig wünsche, dass niemand bis zum Schluss gelesen hat. Denn obwohl es nur ein bisschen Oberfläche war, ist das Gefühl von nackt mitten am Tag im Einkaufszentrum stehen definitiv da. Egal, da vorne seht ihr das kleine Mädchen…geht einfach wortlos daran vorbei und schließt die Tür, wenn ihr draußen seid. Auf nimmer wiedersehen, also hier oben.
Es wird mir nicht überdrüssig und alles andere blende ich geschickt aus. Damit erfinde ich noch lange das Rad nicht neu, im Gegenteil, die Gummierung hat sich längst auf den Straßen verloren. Aber selbst auf kreischenden Felgen finde ich noch den Weg. Meine Briefe haben gewiss die Welt mehrfach umrundet, aber ich überlasse es dem Zufall, obwohl, oder gerade weil es mir die größte Herzensangelegenheit ist. Ich rede mir ein nicht zu wissen was schmerzhafter wäre, aber ich glaube mir nicht. Ich denke das beste wird sein bis in die Sterne zu warten. Im Schwebezustand erträgt es sich leichter. Und wenn ich dann immer noch den Weg finde, dann erfinde ich das Rad neu. Bis dahin blende ich die Dinge geschickt aus, und zähle die Weltumrundungen in zufälligen Zahlen.
© Amy Herzog
Dunkelheit schmückt Wohnung
Schallplatten malen Musik auf Wände
eine Gitarre sammelt Staub
in einer Ecke
Schließe ich meine Augen
hängen im Kopf abertausende Bilder
dann ist es gar nicht mehr
so dunkel
Wenn ich sie öffne
steht auf dem Nachttisch
ein Bild von dir
Das einzige, welches ich besitze…
Schlaf findet nicht
schaue dich wortlos an
dein Bild wortlos zurück
finde mich in irgendeiner Realität
und verliere die Balance
Plötzlich hören wir
gemeinsam Musik, berühren uns
in abertausenden Bildern
wälzen nackte Körper durch Farben
hinterlassen ein weiteres Bild
Und wenn Augen dann schließen
ist es gar nicht mehr so dunkel
© Amy Herzog
Die siebenundzwölfzigste Kippe qualmt im Aschenbecher vor sich hin, AnnenMayKantereit Songs laufen im Hintergrund, die Sonne steht an irgendeinem Punkt, vielleicht aber auch der Mond. Die Blätter des Waldes atmen still, Wolken warten auf ihren Auftritt und selbst die Menschen bewegen sich in Zeitlupe in der Ferne. Und während ich seit Stunden aus dem Fenster starre, verliere ich mich selbst. Fühlt sich an wie Samstagabend. Immer die selben Menschen, die selben Songs, das selbe Gesöff. Und wenn dann alles anders ist, dann bleibe ich zu Haus. Wie viel Nichts kann ein Mensch ertragen, wie viele Scherben kann er tragen und wie lange kann der Mensch dann damit an einer leeren Haltestelle stehen und warten, auf einen Bus der, wenn man der elektronischen Anzeige glauben schenkt, verspätet bleibt. Ich weiß nicht mehr seit wann. Mein Ladekabel ist schon lange kaputt, irgendwann hat irgendwer daran gerissen und ich ließ es zu. Und während ich noch immer aus dem Fenster starre, hat die Musik unbemerkt ihren Klang verloren, nicht aber in meinem Kopf. Dort laufen die selben Fragen, Tag ein Tag aus. Fühlt sich an wie Samstagabends an dich denken. Wie kann so viel Nichts diesen Sturm entfachen? Wo ich doch gar nicht an dich denke. Hm?
© Amy Herzog
Literaturempfehlungen für erwachsene Frauen, aber auch für alle anderen. 🙂
Die Liste ist klein, aber mal mehr und mal weniger fein. Man muss einfach bedenken, dass die meisten Bücher Autismus im Kindes-Alter beschreiben – und dazu wird noch immer sehr häufig von (Fach)-Menschen angenommen, dass Autismus bei Mädchen/Frauen nicht oder nur sehr selten vorkommt. Die Forschung und darauf aufbauend das Wissen und die Sensibilisierung hat höflich ausgedrückt Nachholbedarf. Die Lieste (für erwachsene betroffene Frauen) kann gern in den Kommentaren ergänzt werden.
Die Preise beziehen sich auf Neu-Preise.
Interessantes:
1. Wer sich für die Geschichte von Euthanasie in der NS-Zeit und die Geschichte der Autismusdiagnose interessiert, dem empfehle ich „Aspergers Kinder – Die Geburt des Autismus im Dritten Reich“ von Edith Sheffer. Manches klingt sehr voreingenommen, die Meinung über Hans Asperger stand gefühlt schon fest, bevor mit den Recherchen begonnen wurde. Man kann dieses Buch aber wunderbar nutzen, um sich anderweitig tiefer zu informieren, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Er trat der NSDAP nicht bei, war jedoch daran beteiligt, autistische/behinderte Kinder zu kategorisieren. In wieweit er nun für den Tod von (zu dieser Zeit unbrauchbaren) Kindern verantwortlich war, oder eben für das Überleben „Genialer Kinder“, bleibt umstritten.
ISBN: 978-3593509433 Preis: 29,95€
2. Als Ergänzung zur Entstehung der Diagnose „Geniale Störung“ von Steve Silberman
ISBN: 978-3832198459 Preis: 28,00€
Hilfreiches und Wissenswertes:
1. Die vielen Farben des Autismus (Spektrum, Ursachen,Diagnose,Therapie und Beratung) von Dr. med. Thomas Girsberger. Es gibt mehrere Auflagen, ich selbst habe die 5., aktualisierte Auflage.
Kurz und knackig ein Paar Fakten, leicht verständlich und es wird sogar auf die Schwierigkeiten bei Frauen eingegangen, wenn ich da auch eine Aussage auf Seite 98 ergänzen würde. („… Defizite bei Mädchen mit Asperger-Syndrom in der Regel etwas weniger ausgeprägt als bei Jungen. Mädchen neigen eher dazu, andere Mädchen in ihrer Umgebung genau zu beobachten und deren Verhalten, von dem sie ja wissen, dass es anstrebenswert gilt, nachzuahmen und zu kopieren.“) Ja, das stimmt. Die Begründung fehlt mir dann aber. Denn sie neigen nicht einfach so dazu, die Gesellschaft spielt eine große Rolle! Während Jungs „kleine Schlingel“ sein dürfen, müssen Mädchen immer brav sein. Oder mussten es zumindest, als die bedürfnisorientierte Erziehung noch nicht so modern war, wie sie es heute ist. Im gesamten aber sehr lesenswert und auch ein kleiner Hoffnungsträger, dass nicht alle Mediziner die Augen verschließen, sobald es um Autismus bei Frauen geht. Zum Teil wird das sogar kritisiert/für bedenklich befunden. Darüber hinaus finden sich aber auch nützliche Tipps für den Alltag, nicht ausschließlich, aber überwiegend für Kinder und Jugendliche. Aber doch so, dass man durchaus auch als Erwachsener das ein oder andere für sich nutzen kann. Ein dünnes Buch mit sehr viel Inhalt!
ISBN: 978-3170387003 Preis: 29,00€
2. Autismus – (m)eine andere Wahrnehmung von Gee Vero.
Eine Autistin, die im Alter von 38 Jahren diagnostiziert wurde.
Nicht alles empfinde ich genau so, Menschen sind eben individuell. Dieses Buch ist jedoch ein muss für jede erwachsene weibliche Autistin – und auch für deren Angehörige. Als Autistin wird man schon vom ersten Satz abgeholt und durch das ganze Buch mitgenommen. Außerdem gefällt mir die Schriftgröße und der Zeilenabstand. Ich hatte kaum Probleme damit, die selbe Zeile wieder und wieder zu lesen und brauchte dabei auch kein Lesezeichen als Hilfsmittel. Ihre Beschreibung der autistischen Wahrnehmung, ihrer persönlichen Wahrnehmung hat mir dabei geholfen, mich selbst besser wahrzunehmen und auch meine zahlreich vorhandenen Eigenarten zu akzeptieren und sogar an mir zu mögen. Die Autorin hat weitere Bücher veröffentlicht.
ISBN: 978-1784079734 Preis: ca. 27€
3. Autismus und Wahrnehmung – Eine Welt aus Farben und Details von Christoph Müller
Ein wissenschaftliches Buch über den Kenntnisstand zur visuellen Wahrnehmung. (Aus dem Jahre 2007, dennoch interessant) Zwar über Kinder, aber das stört hier gar nicht, denn es handelt sich ja nicht um ein Selbsthilfe-Buch oder Ähnliches.
ISBN: 978-3828894235 Preis: 24,90
4. Eine Welt – zwei Wahrnehmungen. Wie Autisten die Welt erleben und was sie darüber denken.
Autoren sind Guido Kopp und Katrin Moser
Wieder zu empfehlen für Frauen! Es bietet sowohl persönliche Sichtweisen, als auch wissenschaftliche Anteile.
ISBN: 978-3662606933 Preis: 27,99€
5. Anders sein – Asperger-Syndrom und Hochfunktionaler Autismus im Erwachsenenalter – Ein Ratgeber von Kai Vogeley .. ich habe davon die erste Auflage.
Nun, es ist, was es ist. Ein Ratgeber, für mich persönlich inhaltlich kein hilfreicher Ratgeber. Sehr viel Thema auf wenigen Seiten. Problemorientiert. Inhalt, naja, teilweise bedenklich. Für grobe Informationen völlig ausreichend, wer mehr zu ausgewählten Themen wissen will, findet hier jedoch sehr viel Inspiration. Wenn man so gar nicht weiß, wonach man suchen soll. Die Überschriften empfinde ich dahingehend als hilfreich. Manchmal fragte ich mich aber, wer genau das Problem hat? Der Autist oder die Umgebung. Ich jedenfalls leide nicht darunter „Small-Talk“ nicht besonders gut zu beherrschen und habe auch nicht das Bedürfnis dies therapieren zu lassen.
ISBN: 978-3621279338 Preis: 32,95€
6. Autismus – Das Selbsthilfebuch von Silke Lipinski
Sehr gut für Anfänger und (Selbst-)Hilfesuchende. Und gewiss auch hilfreich. Wenn man sich jedoch bereits intensiver mit der Thematik auseinandergesetzt hat, ist vieles bereits bekannt.
ISBN: 978-3867391726 Preis:17,00€
7. In mir ist es laut und Bunt von Arthur Fleischmann mit Carly Fleischmann
Nun, das ist die Geschichte von der autistischen Tochter Carly und ihrem Vater. An sich gut zu lesen. Grausam aber auch, denn die Tochter wird von klein auf von einem Therapeuten zum Nächsten geschliffen. Und ganz hoch im Kurs steht die ABA-Therapie, mit welcher Autist:innen leider immer noch gequält werden. Natürlich ist es verständlich, seinem Kind helfen zu wollen. Aber da gibt es geeignetere Therapie-Ansätze, sofern eine Autismus-Therapie überhaupt nötig ist.
Ihre Sicht gefällt mir sehr gut.
ISBN: 978-3453640498 Preis: (Gebraucht) 3,19€
8. Aspergirls von Rudy Simone
Als autistische Frau/Jugendliche muss man quasi darüber stolpern. Schließlich spricht uns der Titel schon direkt an. Ich habe meine Ausgabe gebraucht gekauft und das beste darin ist – der/die Vorbesitzer/in hat jede Menge Anmerkungen hinterlassen. 😀 Das Buch beinhaltet sehr viele „Fakten“, die als allgemeingültig dargestellt werden, ohne es zu sein. Ich habe mich darin genauso oft wieder erkannt, wie eben gar nicht. Lesenswert ist es aber.
ISBN: 978-3407859464 Preis: 19,95€
Eine sinnlose Information zum Schluss – während ich diesen Beitrag verfasste, betrieb mitten auf meinem PC-Bildschirm eine dicke Fliege Körperpflege. Ich finde Körperpflege wichtig und gut, daher ließ ich sie in ruhe machen.
Vorweg möchte ich eine einfache Erklärung von Neurotypisch und Neurodivers anbringen.
Neurodiversität ist im Grunde alles, was von einer neurokognitiven Norm abweicht. Menschen mit (rezidivierender) Depression, mit Zwangsstörungen, Borderline, Bipolare Menschen, Hochbegabung, Synästhesie, Schizophrenie, Lernschwächen, AD(H)S und Autismus, und vieles mehr. Das Ganze ist ein riesiges Spektrum (natürlich nicht alles auf dem selben Spektrum)
Und neurotypisch ist eben das, was nicht von der Norm abweicht. Wenn man so will, ein netteres Wort für „normal“ (ein durchschnittlich funktionierendes Gehirn). Aber „normal“ ist ja das Gegenteil von „unnormal“ und das ist Ableismus. Gerade bei Einschränkungen und Behinderungen, die man nicht sehen kann, werden einem diese klein-geredet oder gar abgesprochen.
Das klassische Beispiel ist der Mensch im Rollstuhl: niemand sagt „na steh doch einfach auf“, anders herum wird gesagt, wenn der Mensch aus dem Rollstuhl aufsteht „wie, du kannst aufstehen/laufen?“ Beides nicht ok.
Zu einem Menschen mit Zwangsstörung sagt man aber auch nicht (als Beispiel) „dann kontrolliere doch einfach nicht ne Stunde lang, ob der Herd aus ist“, man sagt aber auch nicht „ach, hihi, da bin ich auch oft unsicher“ (das ist klein-reden von Problemen). Und es war noch keinem Menschen mit Depressionen eine Hilfe, wenn man ihm sagt „geh öfter spazieren, und lache auch mal öfter“. Genau so können Menschen die lachen Depressionen haben. Und so weiter.
Ja, das sind für einige Menschen nun vermutlich selbstverständliche Dinge, aber im Alltag merkt ein Betroffener, dass diese Dinge eben nicht selbstverständlich sind. An dieser Stelle kann sich jeder, ob Neurotypisch oder Neurodivers, ab und zu selbst reflektieren. Fehler sind nicht schlimm, sie so zu belassen schon.
In beiden Fällen sind Menschen individuell mit Stärken und Schwächen.
Nun aber zum eigentlichen Thema: Gedanken, Gefühle, Handlungen und Absichten (eines Anderen) einschätzen (können). Ein eher persönlicher Beitrag. Mit Triggerwarnung: Häusliche Gewalt
Aufgrund der allgemeinen Fremdsprache, von der Autist:innen mal mehr und mal weniger umgeben sind, (welche im gestrigen Thema „Kommunikation“ etwas behandelt wurde), ist es eingeschränkt, diese „gute Menschenkenntnis“ zu besitzen. Inzwischen, Aufgrund von Erfahrungen, besteht meine Menschenkenntnis aus einer Skepsis aus Prinzip. Das war aber nicht immer so, daher wühle ich ein wenig mehr in meiner Jugendzeit herum.
Wenn mich das durchgehende Mobbing in der Schulzeit eins gelehrt hat, dann so angepasst wie möglich zu sein. Das hat nicht so gut geklappt. Daher habe ich es später mit der Unsichtbarkeit versucht. Das habe ich inzwischen perfektioniert. Vor vielen Jahren ging das tatsächlich sogar schon mal so weit, dass mich das Einwohnermeldeamt nicht fand – nein, ich war nicht obdachlos. Ich musste ehemalige Adressen aus meinem Kopf kramen, (wir sind sehr oft umgezogen) an die ich mich kaum noch erinnern konnte. Hat dann aber geklappt. Aber zurück zum anpassen.
Ich erinnere mich, dass ich sehr oft in der Klasse saß, mich langweilte und dann die Personen beobachtete. Zwischenzeitlich war ich bekannt, als die gruselige Gedankenleserin. Das war aber nur ein kleiner Grund für das Mobbing. Denn abseits davon, hatte ich damals noch kein Problem damit, die Menschen einfach so anzusprechen. Und ich sprach ehrlich aus, was ich dachte. Ich fragte sie zum Beispiel, ob sie etwas bedrückt. Die Reaktionen darauf waren nicht positiv. Ich denke, dass ich einfach nur lernen wollte, wie ich die Mimik einordnen kann. Irgendwann ließ ich das bleiben bei diesen Personen. Ich beobachtete aber dennoch immer weiter. Und die Mädchen, die immer eine Freundin oder einen Freund bei sich hatten, diese Mädchen, auf die man gewartet hat, die, die interessant waren, sich interessant für alle anderen gemacht haben, die hatten immer einen Jungen an ihrer Seite. Es ging meist um die neuste Mode, (in dem Punkt habe ich aufgegeben, bevor ich begonnen habe) um die besten neuartigen Geräte, die zu der Zeit auf dem Markt waren (Nokia war noch beliebt und der Discman erfüllte seinen Zweck, sofern man regungslos dastand). Aber das Wichtigste waren die Jungs. Am besten jede Woche einen neuen. Von ein paar Ausnahmen mal abgesehen, die immer nur Jungs von außerhalb hatten, oder eine längere Beziehung, wo man sich dann gegenseitig mit ewiger Liebe zugesülzt hat. Letzteres wurde natürlich beneidet.
Irgendwann hatte ich dann auch einen Jungen von außerhalb und verbrachte meine Wochenenden dort. Und ich tat das, was erwartet wurde. Ging auf Partys, trank, rauchte, und darunter waren auch Dinge, die ich öffentlich gar nicht erwähnen mag. All das war „normal“ für mich. Ich war außerhalb, niemand wusste, dass ich anders war. Und viele Jahre war es ebenfalls normal für mich, seelische und körperliche Wunden hinter einem glücklichen Lächeln zu verstecken. Ich war Ende dreizehn/Anfang vierzehn. Aber ich konnte mich gelegentlich genauso interessant machen, wie die anderen Mädchen, wenn auch nur für kurze Momentaufnahmen.
Ich nahm an, dass Zwang und Gewalt hinter verschlossenen Türen, manchmal bis zur Bewusstlosigkeit etwas ist, was in einer Beziehung ganz normal ist. Und ebenso normal, diese bestmöglich vor allen zu verbergen, denn das taten die Anderen auch, so nahm ich es an. Niemand sprach darüber. Alles war immer toll, also war es das bei mir auch. Ich sah die Menschen immer nur händchenhaltend verliebt. Und so sah ich eben auch aus. Es war auch normal, mein Geld immer an diesen Jungen abzugeben und selbst nicht viel zu Essen. Es war normal, all das zu tun, was von mir erwartet wurde, was die anderen auch taten, oder womit ich sie vermeintlich beeindrucken konnte. Ob nun in der Schule (das klappte eher nicht), oder eben außerhalb, wo es meist gut klappte.
Als dieser Partner nach zwei Jahren endlich die Beziehung beendete, freute ich mich wie nie zuvor. Gelernt hatte ich leider nur das, was ich bis dahin eben gelernt hatte. Denn bei meinem Exmann, mit dem ich kurz darauf eine Beziehung einging, war es wohl noch schlimmer. Dass das nicht normal ist erfuhr ich erst, als ich bereits erwachsen war. Eine Sachbearbeiterin fragte mich nach meiner Ehe und wollte mich in ein Frauenhaus stecken – mehrfach. Sie war die erste Person, die mich gezielt fragte und die mir daraufhin sagte, dass das nicht normal ist und mir auch beantwortete, was genau nicht normal ist und wie es eigentlich sein sollte. Ich selbst habe diese geballte Normalität nie in Frage gestellt. Ich fragte mich allenfalls, weshalb andere Menschen das so erstrebenswert finden.
Damit schließe ich nicht aus, dass das auch nicht-autistischen Menschen passiert. Würde jedoch die Behauptung in den Raum werfen, dass das im allgemeinen nicht als „normal“ angesehen wird, sondern die Tatsache (zum Beispiel aufgrund von Emotionaler oder Finanzieller Abhängigkeit) eher verdrängt wird. Das macht es weder leichter/schwerer und auch nicht besser/schlechter. Aber hier geht es eben um meine autistische Wahrnehmung.
Nun, was im allgemeinen „Naiv“ genannt wurde, stellte sich als autistisch heraus. Inzwischen habe ich erfahren, dass häusliche Gewalt bei Autist:innen relativ häufig passiert. Bis heute empfinde ich das im Übrigen nicht als schlimm, denn es war ja normal. Am Ende war es sogar normal, sterben zu wollen.
Und auch heute habe ich noch Probleme, Menschen einzuschätzen. Fragen wie: was machst du, warum gehst du, wohin, was machst du da, warum machst du das, was fühlst du, etc…Ich glaube, wenn ich hier zu Hause jedes mal nen Euro bezahlen müsste, wenn ich das Frage oder gar hinterher laufe, um zu gucken, dann würde ich sehr schnell, sehr viel Geld ausgeben. Aber diese Fragen habe ich mir einfach angewöhnt, weil ich eben andernfalls überhaupt nicht einschätzen kann und dies dann mit großem Stress und Unsicherheit einhergeht.
Wie sich das im Alltag bemerkbar macht, kann ich kaum sagen, weil ich mich dazu viel zu selten in solche Situationen begebe. Damals wurde es wohl zum Teil sehr gefährlich, aber heute bin ich eben skeptisch. Halte Abstand, beobachte und muss nicht mehr dazu gehören.
EDIT: Nach dem Besprechen mit einer meiner Bezugspersonen komme ich zu der Entscheidung, hier die Kommentare auszustellen.
Brauche ich hier ne Triggerwarnung? Ich geb mal eine. Es wird ein wenig makaber.
Manchmal, wenn ich die Oberfläche meines Seins ertaste, klebt an meinen Fingerspitzen eine richtig dicke triefende Schmalzschicht. Andere würden sagen, welch zauberschönes Gedicht. Hier ein Blümchen, dort die Liebenden, schlabbern ihr Eis im Sonnenschein. Und natürlich ficken sie nicht, nein, sie machen Liebe, so auf die Baby-mach-Art, um am Ende im Happy End auf der Veranda zu sitzen und Socken für die Enkel zu stricken. Und ganz am Ende wird sich die Grabstätte geteilt. Diese Schicht trieft nicht nur, sie müffelt regelrecht wie eine Baustellentoilette nach einem arbeitsreichen Tag. Oder wie eine Festivaltoilette. Und wenn ich dann vor lauter Ekel zitternd in mein dunkles, höhlenartiges Konstrukt zurückkrieche, das ich mir in mühevoller und schweißtreibender Arbeit selbst errichtet habe, und mir schnell diesen Schmodder wieder abwasche, das dafür verwendete Tuch selbstverständlich auf all meinen zerbrochenen Scherben verbrenne, stelle ich für einen kurzen Moment fest, dass dort nicht nur dieser Schmalz klebt. Und blicke ich auf meine Fingerspitzen sehe ich, dass genau diese Reste noch immer unter meinen Nägeln kleben. Pfui! Diese großen Brocken voll „ich ersehne dich, aber schweige lieber“, die ich hier unten, unter dicken Lehmschichten luftdicht konserviere, verlieren dann und wann kleine Bröckchen, die bis an diese schmalzige Oberfläche treiben. Doch bevor mich der völlige Realitätsverlust ergreift, kaue ich meine Nägel ab und spucke sie auf die Erde, als würden sie mir nichts bedeuten. Und wenn das Feuer erloschen und nur noch Asche übrig ist, lege ich mich zum schlafen auf meine noch warmen Scherben und rede mir ein, dass sie mir die Gedanken an dich verbieten oder wenigstens den Schmerz übertönen, den dieses laute Schweigen verursacht. Und das alles nur, um dieser Schmalzschicht den Nährboden zu kredenzen, um am Ende doch für dich zu bluten.
173 Wörter und ich weigere mich seit Tagen diesen Text zu kürzen. Nun, also eigentlich sollte das mein Text zum Drabble-Dienstag sein und das mit den drei Worten: Baum, Springbrunnen und Krug, hat ja auch gut geklappt. Aber auf 100 Worte kürzen…nein. 140 Worte wären machbar, macht aber keinen Unterschied, daher lasse ich das so stehen. Hier also mein Text, nicht zum Drabble-Dienstag.
Schönheit
Wenn du der große Baum auf dem Mohnfeld wärest, spränge ich über deinen Schatten und ließe dich in den Weiten zurück. Du aber bist der Springbrunnen auf dem Kirchplatz, mitten in der überfüllten Altstadt, zu viel Wasser. Viele Menschen stehen um dich herum, bewundern aber nur deine Schönheit, wie sie in der Sonne glitzert, und manch einer verliert sich selbst in deinen Tiefen und ertrinkt vor lauter Sehnsucht. Ich jedoch schaue weg. Und wenn es Nacht wird, so stehe ich noch immer am Rand des Kirchplatzes und lausche hinter deine Schönheit und spüre die Rufe jener, die sich tief in dir verloren haben. Beinahe bedeckt ihr Summen, wie du auch mich aus der Ferne zu ertränken versuchst. Doch so rettet mir jener Krug das Leben, der in meiner Brust schlägt. Und ich fülle ihn mit deinen Worten und dem, was hinter deiner Schönheit liegt. Deine glitzernde Oberfläche und alles andere lasse ich zurück. Und so nehme ihn mit in ein Zuhause, welches das viele Wasser all die Jahrzehnte ungesehen und nur schweigend ersehnte.
© Amy Herzog
Zur Kommunikation gibt es wahnsinnig viel zu sagen. Ich finde, darin unterscheiden sich Autist:innen mit am häufigsten – von nicht sprechen bis hin zu viel sprechen, oder eben non-verbale Kommunikation ist alles dabei. Nur gar nicht kommunizieren geht nicht 🙂
Einen gemeinsamen Nenner kann ich jedoch spontan nennen – die direkte Kommunikation. Oder im Fall von dem Vier-Seiten-Modell (von Friedemann Schulz von Thun) die Sachebene. Wenn sich zwei Autist:innen miteinander unterhalten, kommen dementsprechend kaum Probleme auf, sofern sie sich, wie in der Regel zu erwarten, auf der Sachebene unterhalten. Neurotypische Menschen (NT’s) sprechen – und und vor allem verstehen – meist auf den übrigen drei Ebenen (Selbstauskunft, Appell, Beziehungsebene).
Ich versuche ein kleines Beispiel, die Erklärung fällt mir jedoch schwer.
Ich gehe mit einem NT an einem Blumenladen vorbei und sehe Blumen, die ich schön finde.
Ich sage: Die Blumen sind schön.
Und dies meine ich nur auf der Sachebene, davon ist generell auszugehen.
Ein NT versteht ggf.:
Die Sachebene „Die Blumen sind schön.“
Der Appell „Schenke mir die Blumen!“
Die Beziehungsebene „Du schenkst mir zu selten Blumen“
Die Selbstauskunft: „Ich bekomme selten Blumen“
Der NT geht los und kauft die Blumen, möglicherweise sogar genervt oder mit einem schlechten Gewissen?!
Ich bin sehr unsicher, ob das so korrekt ist. Aber es dürfte klar sein, was gemeint ist. Fachkundige unter euch dürfen aber gern korrigieren.
Wie liefe die Kommunikation besser ab? Nun, ganz einfach. Die Sachebene ist generell anzunehmen. Wollte ich also die Blumen, die mir gefallen, haben wollen, dann würde ich sagen „Ich kaufe mir diese Blumen“ – auch das ist wieder über die verschiedenen Kanäle zu verstehen. Oder ich sage/frage „möchtest du mir gern diese Blumen schenken?“ – und wieder, es kann anders verstanden werden. Unterm Strich meint ein:e Autist:in ganz einfach nur das, was sie/er sagt – und nichts anderes.
Wobei auch da – Sarkasmus und Ironie kann durchaus antrainiert sein – es bleibt spannend. 🙂
Als Nächstes hätten wir Redewendungen – das ein oder andere habe ich mir antrainiert, Sinn ergibt es jedoch oft nicht. Wieder ein Beispiel: „Der Fisch stinkt vom Kopf her“. Damit ist gemeint, dass die Führungsperson, zum Beispiel einer Firma nicht gut ist und daher das Unternehmen nicht gut funktioniert. Na, und warum sagt man das dann nicht? So genau weiß ich das nicht, ich vermute aber, dass es einfach nicht so ehrlich/böse?/direkt klingt. Aber wäre mit Ehrlichkeit nicht jedem mehr geholfen, als die Miesere hinter einem Sprichwort zu verstecken?!
Andererseits verwende ich mache sogar selbst – habe sie mir angewöhnt. Jacke wie Hose, Die Katze im Sack, Durch die Blume sagen, etc. Wenn ich jedoch darüber nachdenke, folgt auf eine Redewendung immer die Erklärung meinerseits. Und woher kommt eigentlich „Butter bei die Fische?“, das verwende ich des Öfteren – schaue gleich mal nach. Wikipedia klärt auf. 😀
Nun geht es weiter zu Kommunikationsschwierigkeiten – dabei kann ich nur von mir Sprechen. Denn dabei sind Autist:innen sehr unterschiedlich. Die einen sind, wie oben genannt, nonverbal, andere Plaudern sich die Seele aus dem Leib. Ich würde sagen, dass ich zu beiden Seiten gehöre. Bei Menschen, die ich sehr gut kenne/meine direkten Bezugspersonen (sind 2), kann ich sehr viel und sehr lange reden, ebenso ein Gespräch am laufen halten. Ich bekomme jedoch des Öfteren die Beschwerde, dass ich keinen zu Wort kommen lasse/es schwierig ist, gegen mich anzureden. Aber da sieht man, wie kommunikativ ich bin. 🙂 Bei Fremden jedoch bin ich meist nonverbal bzw. habe ich auch selektiven Mutismus. Schriftlich kann ich jedoch sehr aktiv sein, auch bei Fremden, manchmal sogar sehr gerne bei Fremden.
Ein Gespräch am laufen zu halten oder zu beginnen fällt mir jedoch immens schwer. Meist habe ich eine Menge fragen, sofern mich die Person interessiert. Hat dann aber wieder was von Kreuzverhör. Dann gibt’s noch die Alternative: „Wie geht’s dir – gut und dir – mir auch – was machst du – nichts und du – auch nichts. Manchmal bekommt man daraufhin ein Dickpic, was ich damit soll, weiß ich auch nicht. Hab mehr Penisse gesehen, als ich zählen kann (also nicht privat, sondern beruflich). Unterm Strich nutze ich sehr sehr gerne die blockieren-Funktion. Ich hasse Zeitverschwendung, obwohl ich sie in den Augen anderer vermutlich selbst betreibe.
Mit mir ins Gespräch zu kommen kann also sehr schwer sein und manchmal tut mir das auch weh. Denn es ist sehr selten, dass ich eine Person mag. Umso mehr freue ich mich jedoch, wenn jemand die Zügel in die Hand nimmt (das ist auch eine Redewendung, gell?!) und sich durch mein Schweigen durch quält. Fragen bekomme ich gerne gestellt und da habe ich im Grunde keine Tabu’s, will sagen, ein Thema ist wie’s Andere. So etwas empfinde ich aber als optimal. Ich kann eine Frage ausführlich beantworten und kann sogar eine Gegenfrage stellen. Nach meiner Erfahrung entsteht dies nur, wenn man sich gegenseitig mag. So zumindest mein Empfinden. Oder die andere Person ist ebenfalls sehr introvertiert – das ist dann wohl Pech für beide.
Kommunikation findet jedoch, wenn es nicht gerade nur schriftlich ist, überwiegend über die Körpersprache statt, Mimik, Gestik, oder der Tonfall.
Auch Autist:innen kommunizieren so nach Außen. Wenn ich etwas deutlich nicht möchte, dann sieht man das, wenn ich angespannt bin auch, oder auch, wenn ich mich sehr freue. Wie das aussehen kann, ist von Mensch zu Mensch individuell. Das Lesen jener Sprachen ist dann wieder schwieriger. Wenn die Mimik des Anderen ernst aussieht, mit heruntergezogenen Augenbrauen könnte das vieles sein. Hält er mich für dumm? Ist er sauer? Hat er eine Frage? Oder Bauchschmerzen? Komischerweise kann ich diese Dinge im Berufsleben, wenn nicht intuitiv antrainiert, dann eben durch Abfragen der Möglichkeiten oder durchgehen der Lösungswege. Im Privatleben schaue ich den Leuten oft nicht ins Gesicht, dadurch sind Personen auch eher geneigt zu sagen, was sie gerade nur zeigen. Nun ja, und die mit denen ich engen Kontakt pflege, kennen mich dahingehend ja auch schon.
Sicherlich lässt sich noch viel mehr zu diesem Thema sagen/schreiben, für heute jedoch soll’s das gewesen sein.
Demnächst weiter wird es gehen mit einem Thema, welches an dieses anknüpft: Gedanken, Gefühle, Handlungen und Absichten einschätzen können
Zunächst: Obwohl das Wort selbsterklärend ist – was ist das? „einen nicht selektiv steuerbaren, Flow-ähnlichen und stimulusabhängigen Zustand erhöhter Konzentration.“ Mal aus adhspedia geklaut (LINK) Fand ich recht treffend, der Rest des Artikels ist meiner Meinung nach zum Teil mit Vorsicht zu genießen.
Ich beschreibe lieber in meinen Worten, wie das für mich ist, und wie sich das bei mir äußert, auch welche Probleme sich dadurch ergeben können.
Wann sich also so ein Hyperfokus ergibt, ist nicht bewusst steuerbar, auch nicht (immer), worauf sich das Interesse bezieht. Es beginnt mit einem Auslöser und endet in einer nicht enden wollenden Recherche. Die meisten Menschen googeln mal kurz etwas, klicken vielleicht auf die ersten drei Seiten der Suchergebnisse. Im Hyperfokus klicke ich auf alle Seiten, daraus ergeben sich neue Suchanfragen, die ich ebenfalls alle durchsuche, und so weiter. Bis die Informationssammlung vorhanden ist, die angestrebt wurde. Natürlich weiß ich das bei neuen Themen nicht, daher dauert so ein Hyperfokus gern mehrere Stunden. Der „Hunger“ ist quasi kaum zu stillen.
Oftmals stürzt sich der Hyperfokus aber auf bereits vorhandene Interessen. Da es in diesem Blog um’s schreiben geht, nehme ich das auch als Beispiel. Sehr oft schreibe ich, ohne direkt Hyper-Fokussiert zu sein. Mindestens genau so oft schreibe ich aber im Hyperfokus. Meist gibt es auch da einen Auslöser, einen Impuls, eine Inspiration, ein Gefühl. Und nicht immer schreibe ich dann tatsächlich. Manchmal endet das ganze in einer Ansammlung von Stichworten und Notizen. Man kann sich das dann so vorstellen, dass ich stundenlang (ja, manchmal so ca. 6 Stunden) Zombieartig auf den Bildschirm starre und allenfalls gelegentlich die Maus bewege, damit dieser nicht aus geht. Im Kopf passiert hingegen so schnell, so viel, dass ich nie alles mitschreiben könnte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es einen Auslöser gibt, ein roter Faden, mit oftmals unzähligen Abzweigungen und einer riesigen Informationsflut. Mein Speicher ist das gute alte Gehirn, mein Gedankenpalast mit ganz vielen zweckgebundenen Räumen.
Manchmal mache ich „da oben“ mehrere Dinge Parallel, was die Unmöglichkeit des Aufschreibens unterstreicht.
Meine Umwelt nehme ich dabei fast gar nicht wahr. Obwohl der Hyperfokus an sich sehr kräftezehrend ist, ist es andererseits entspannend, mal nicht die ganze Umwelt gleichzeitig ungefiltert in sich zu spüren. Selbstverständlich dringt diese trotzdem ein. Das Endergebnis ist Erschöpfung, Müdigkeit, Stress, Kopfschmerzen, etc.
Störungen sind dennoch möglich und sowohl zu empfehlen, als auch nicht zu empfehlen. Denn ein heraus reißen löst definitiv sehr schlechte Laune aus. Ich bin dann sehr genervt und bei dem, was ich dann alternativ tun soll, nur halbherzig bei der Sache. Der Kopf versucht quasi im Hyperfokus zu bleiben und sich gegen die Störung zu wehren. Manche Störung ist jedoch wichtig, und wenn ich nicht gerade genervt bin, weiß ich das auch. Denn man könnte ja mal wieder etwas essen, trinken oder zur Toilette gehen. Ihr möchtet an dieser Stelle nicht wissen, wann ich das letzte mal getrunken habe. 😉 Ich mach’s gleich, Moment. 🙂
Ich habe mich in meinen eigenen Worten absichtlich so ausgedrückt, dass ein Hyperfokus „meist“ nicht steuerbar ist, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass dieser Zustand auch steuerbar ist. Zum Beispiel, wenn ich weiß, wann und wie lange ich alleine sein werde, stehe ich extra früh auf, erledige meine Routinen, und bin dann bereit für den Hyperfokus. Nicht immer kommt es dazu, manchmal mache ich auch gern ganz andere Dinge, aber wenn es dazu kommt, weiß ich auch sehr genau, wann ich wieder raus kommen muss.
Nochmal zusammenfassend ist diese Zeit sehr produktiv, die Leistungsfähigkeit scheint unbegrenzt.
Probleme können in allen Bereichen des Lebens auftreten – sprich, nicht nur essen und trinken. Auch Termine wahrzunehmen, Abmachungen einzuhalten (was üblicherweise ein großes Bedürfnis ist!) oder auch einer Arbeit nachzugehen kann ggf. problematisch werden. Da ich diese potentiellen „Störungen“ in meinem Leben auf ein Minimum reduziert habe, bin ich davon nicht besonders betroffen. Sehr oft halte ich aber zum Beispiel nicht das ein, was ich mir selbst vorgenommen habe. Weshalb ein schlechtes Gewissen mein ständiger Begleiter ist.
Zwei weitere Themen sind geplant und werden vermutlich heute oder morgen abgetippt.
Bei weiteren Fragen oder Anregungen zu Themen, gerne in die Kommentare oder so. 🙂
nicht deine wohltuenden Worte
säen die Angst in mir
es ist deine absolute Stille
welche mich in deine Tiefen
stürzen lässt und Furcht
auf meine Haut zeichnet
und wenn du dann in meine
schutzlosen Augen blickst
siehst du auch in meine Tiefen
spürst die Hingabe meiner Glieder
und noch tiefer empfundene Liebe
die aus meiner Seele tropft
wie mein zitternder Körper
dir leise dein Lieblingslied spielt
so atmest du noch lauter
immer schwerer, immer tiefer
bis ein Kuss die Stille bricht
© Amy Herzog
dann hörst du wieder diese alte
dark wave musik, um dich zu erden
kurz zu besinnen, und um dich zu erinnern
wie du einst diese kalten wände
in dir hochziehen konntest
und dann erkennst du, das warst nicht du
sondern jedes mal dein kleines herz
wenn es zerbrach und
du diesen schmerz gepresst hast
zu tausenden ziegeln und zu mehr
und dann ist da ein lächeln
wo es keinen sinn ergibt
und ein herzklopfen
wo keiner mehr sein kann
und dann hörst du wieder diese
alte dark wave musik von damals
und besinnst dich auf dein schweigen
damit niemand hört
wie diese mauer zerbricht
© Amy Herzog
Am 23.06.2022 lief auf RTL wieder eine Wallraff Reportage (Team Wallraff – jetzt erst recht). Da ich so gut wie nie TV schaue, ist dieses Programm komplett an mir vorbei gegangen. Jedoch habe ich am Tag darauf, also gestern, zahlreiche Reaktionen darauf gesehen. Bei tvnow kann man diese Sendung noch mal sehen, bei mir klappte dies ohne Anmeldung, jedoch mit einigen Werbepausen, die ich nutzen konnte, um mich über das Gesehene aufzuregen und oftmals auch, um zu weinen. Ich möchte diese Reportage jedem ans Herz legen, denn jeden von uns kann das in irgendeiner Art betreffen. Ob uns selbst, ob Bruder, Schwester, Oma, Opa, Mama, Papa, etc. Schaut bitte nicht weg.
Während dieser Sendung habe ich mir einige Notizen für einen Beitrag gemacht, gestern war ich jedoch zu emotional, um diesen für diesen Blog zu verfassen. Und auch heute weiß ich kaum etwas zu sagen. Und ich bin nun wirklich nicht mehr leicht zu erschüttern. Ich habe mich deshalb mehr oder weniger gegen einen Beitrag entschieden. Ich möchte stattdessen einige Fragen stellen. Fragen, die sich aus dieser Reportage ergeben, aber auch aus meinen eigenen Eindrücken, die ich im Laufe der Zeit in der Pflege erlebt oder erzählt bekommen habe. Diese beziehen sich nicht nur auf die in der Reportage genannte Altenheim-Kette. Sondern mal so ganz im Allgemeinen.
Auch möchte ich mit meinen folgenden Fragen niemanden an den Pranger stellen oder die Pflege über einen Kamm scheren. Denn sowohl in dieser Reportage, als auch die allermeisten Pflegekräfte darüber hinaus machen einen verdammt guten Job unter teils härtesten Bedingungen. Herr Lauterbach (von dem ich an und für sich relativ viel halte), sagt in diesem Zusammenhang in dieser Reportage, dass er den Pflegenotstand als solchen nicht erkennt. Na herzliche Brühwurst. Dabei sei gesagt, dass der Notstand definitiv da ist, aber noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat. Stichwort: Demografischer Wandel / Babyboom Generation. Jene, die nun also plus minus 5-10 Jahre um die 60 Jahre jung sind: werdet nicht pflegebedürftig, denn ihr seid grob aber ehrlich gesagt am Arsch.
Hier der LINK zur Reportage!
Ich möchte noch hinzufügen, dass ich die Kommentare hier ausstelle, weil mich dieses Thema emotional sehr mitnimmt. Jedoch via. Mail einem Austausch oder Kommentaren offen gegenüber stehe. Ich habe schon einiges geschaut, reales, fiktives. Und wer meinen Blog lange genug verfolgt, der weiß um meinen Hang zum Makabren, zum Leiden. Aber das war das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe. Und nun meine Fragen. Nochmal: diese Fragen ergeben sich nicht nur aus der Reportage, sondern auch aus meinen persönlichen Erfahrungen/Erfahrungen von Kolleg:innen, die ich im Austausch erfahren habe.
Diese Fragen könnten noch lange so weiter gehen, aber ich tue uns den Gefallen, und belasse es dabei. Selbstverständlich ist das nicht überall so. Aber ist bei diesen Fragen nicht schon ein Fall, bei dem es jetzt gerade definitiv passiert, nicht ein Fall zu viel? Will man wirklich Glück haben müssen, wo man irgendwann mal landet? Manches ist der Einrichtung geschuldet, manches auch der Überlastung, aber nicht alles. Es gibt Kolleg:innen, die ich nicht als solche bezeichnen will! Und dann gibt es Kolleg:innen, die so etwas nicht mehr aushalten und der Pflege den Rücken kehren. Dieses ganze miese System bricht zusammen. Und auf den Menschen, die unser aller Hilfe benötigen und sie verdienen (nicht zuletzt, weil sie teuer dafür bezahlen!!), diese Menschen sind die Leidtragenden. Und irgendwann werden auch wir das sein.
Zum Schluss bin ich einfach nur sehr glücklich nun erfahren zu haben, dass es nicht so laufen muss. Und ich kann nur jeder Pflegekraft, die so etwas erlebt und nicht mehr aushält, raten, nicht aufzugeben. Denn es gibt diese tollen Einrichtungen, die oft nur in der Phantasie existieren. Ich arbeite in solch einer und es kann der tollste Beruf sein, den wir Pflegekräfte alle mal ausüben wollten. Und jene (auf irgendeine Art involvierte/das sind nicht nur Pflegekräfte), die in dieser Reportage gezeigt oder genannt werden, oder eben auch außerhalb dieser Reportage existieren, die respektloses, unmögliches, Menschenverachtendes Verhalten zeigen – bitte verlasst diesen Beruf und ich wünsche euch, dass ihr euch irgendwann mal selbst begegnet.
Die weißen Blüten jener zarten
Pflanze, da am Wegesrand
wird wohl ewig warten
auf ein lang ersehntes Licht
und wenn dann auch
mein Kampf um dieses laute
in mir zehrend’s schweigen bricht
so wird’s noch vor dem Anfang
ein jähes Ende nehmen
für dich und mich
© Amy Herzog
so wird sie nicht erwähnen
das was sie ersehnt
sei Wind zu laut, das Licht zu grell
so wie der Weg auch geht
geht er sich selbst
und das was niemand hört
ward dann auch niemals gesagt
und verschwimmt als wär es nie gewesen
verstummt im nächsten Tag
© Amy Herzog
Du warst nicht mehr jung, aber so richtig alt warst du auch nicht. Auf jeden Fall warst du zu jung für das Ende, aber Krebs kennt eben kein Alter. Viel hast du darüber nicht erzählt, höchstens mal beiläufig erwähnt, wie eine kleingedruckte Randnotiz. Wir redeten über Mythen, über Blut und Geschichte und Kunst. Und irgendwann redeten wir nicht über das Ende selbst, sondern über ein Leben im Ende. Und wie es ist, dieses in völliger Einsamkeit zu erleben. Trotz allem warst du der glücklichste Mensch, den ich kennenlernen durfte. Und nach all den vielen Jahren denke ich immer noch beinahe jeden Tag an dich, obwohl ich dich kaum kannte. Ein Künstler warst du, und so wie du es wolltest, lebt deine Kunst weiter. Wenn ich also sage, dass ich noch immer an dich denke, dann denke ich zum Beispiel an dieses große Gemälde, das du geschaffen hast. Vermutlich landete dies nach dem Ausräumen deiner Wohnung in irgendeinem Container. Und wer weiß, bestenfalls wurde daraus ein Blatt Papier, auf das ich morgen schreibe. Oder aber es landete als recyceltes Toilettenpapier in irgendeinem Klärwerk. Manchmal wünschte ich, ich hätte noch eine Fotografie von deinem Gemälde, um es der Welt zu zeigen. Aber es existiert nur noch in meinem Kopf. Und beinahe täglich gehe ich daran vorbei und lasse mich davon überwältigen. Wie grau-grün-schwarz-rot-Töne ineinander verschwimmen und eine starke Gestalt vor dem Ende zeichnen, nackt, als hättest du die Ehrlichkeit und die Wahrheit neu erschaffen. Ein aufrechter Mensch in gebückter Haltung. Ob du dich wohl selbst porträtiert hast? Ein Jammerlappen warst du jedenfalls nie, selbst dann nicht, als der Krebs dich mehr und mehr fraß. Durchlöchert war dein Leib, deine Seele aber schwebte stolz über allem. Und so redeten wir weiter über Kunst, über das Leben und über die Selbstverständlichkeit. Nach einem Sinn hast du nie gesucht, hast ihn nicht gebraucht. Und obwohl wir nie über das Ende selbst geredet haben, so spürte ich, als deine Worte immer mehr wurden, dass es irgendwann mitten im Satz enden würde. Und so war es dann auch. Plötzlich warst du weg. Doch gefehlt hast du mir seither an keinem einzigen Tag. Manch einer fände das töricht, du aber würdest sagen, dass das Leben weiter geht. Und so ist nun auch. Das Leben geht weiter, so wie dein Gemälde weiter lebt. Und es lebt wahrhaftig, wenn ich daran vorbeigehe und kurz innehalte, lebt es mehr als zu deinen Lebzeiten. Ich glaube, damit hättest du leben können. Und ich habe zu danken, dafür, dass ich dich begleiten durfte.
Dein frostiger Januarwind
malte mir zyanotische Finger
und kroch in tagelanger Gänsehaut
unter unsere beheizte Decke
so wie ich ausgehungert
blind und taub und stumm
meinem Winterschlaf entging
warst du es bis ans Ende
der den Wind einfing
um den Frühling zu begrüßen
bis der Hunger schweigt
© Amy Herzog
Polyamorie, so finde ich, ist ein interessantes Thema. Es geht um Liebe (und wohl auch um Liebesbeziehung, aber das ist völlig nebensächlich, finde ich). Diese gottverdammte Liebe, die ich für mich bis heute nicht klar definieren kann. Ich mag Dinge, die eine einheitliche festgelegte Definition haben. Ich weiß, dass es für die Liebe eine Definition gibt. Im Kleingedruckten steht dann, dass diese von jedem individuell interpretiert und ausgelebt wird. Vorzugsweise finden sich Paare, die in Sachen Liebe das selbe Ziel verfolgen. Und dann bleibt das so. Aber warum? Warum wird Liebe begrenzt? Und was ist der Sinn von Eifersucht? Warum macht uns die Liebe so unsicher? Wenn ich eines sicher weiß, dann dass Liebe vielschichtig und unbegrenzt ist. Es geht nicht um besser oder schlechter, um mehr oder weniger. Es geht um Ehrlichkeit, um Geborgenheit, um Freiraum/Freiheit. Und dann wieder um fallenlassen, um ankommen.
Kann ein Mensch allein alle Bedürfnisse erfüllen? Ich denke nicht. Und es wäre sehr weit von Liebe entfernt, wenn ich das von einem Menschen verlangen würde. Unter diesem Druck zerbricht am Ende selbst die ewige Liebe. Und manchmal belügen Menschen sich dann selbst. Dann ist Liebe eine Verpflichtung. Ein Aufrechnen. Du hast dies für mich gemacht und deshalb muss ich das für dich tun. Ich schreibe ja wirklich gern über das Leid in der Liebe, aber so schlimm vermag ich dann auch wieder nicht zu sein. Denke da aber plötzlich an meine Scheidung. Was für ein Affenzirkus. Die Richterin war aber klasse. Mein Exmann ist nicht erschienen. Und ich wollte die Richterin unbeabsichtigt bestechen – mit nem dicken Strauß Blumen. In diesem Sinne, den größten Dank für die Entscheidung zu meinen Gunsten. Hab leider das Datum vergessen, ist aber auch egal.
Hauptsache ich bin frei. Er konnte mir jedwedes Gefühl nehmen. Und nun habe ich all die undefinierbare Liebe wiedergefunden. Bedingungslos ist sie, das muss ich sagen. Ich bin so glücklich darüber dieses Irgendwas empfinden zu können. Mit der Definition werde ich wohl mein Leben lang beschäftigt sein. Und auch mit der Entdeckung dieser Vielschichtigkeit. Aber einsperren lässt sie sich nicht. Im Gegenteil. Vermutlich entsende ich gerade dorthin Liebe, dem die Liebe wie mir einst abhandengekommen ist. Die Freie, die ewig Ungebundene Gebundene, die anmutig tänzelnde, die Vertraute, die Ehrliche, die Beständige, die, die dich auf allen Wegen still begleitet. Die, die Träume mit dir lebt, und die, die sie auch mit dir begräbt.
An diesem Abend, ich erinnere mich noch an das genaue Datum, die Stunde, die Minute, den präzisen Moment, da hast du die Zeit für mich angehalten. Wie sich das angefühlt hat, kann ich in Worten nicht ausdrücken. Wie sehr ich es auch versuche, nichts, nicht mal alle Worte zusammen beschreiben auch nur annähernd das Gefühl, dieser stehen gebliebenen Zeit. Ich würde den Atem anhalten, mir einen Strick fest um den Hals binden, damit du für dein nächstes Wort atmen kannst. Für dich wird es immer einfach nur atmen sein. Deine Uhr tickt weiter in deiner besten Zeit. Ich gönne es dir von Herzen – sagt man so. Hat so ein Satz überhaupt noch eine Bedeutung? Hat er die Bedeutung, die ich empfinde? Es genügt mir nicht.
So vieles sickert ungesehen, ungefühlt durch mein Hirn, diese scheiß Amnesie. Aber das hat sie mir nicht genommen, das wird sie mir nie nehmen können. Dieses Datum, dieser Abend. Nichts habe ich bisher so sehr analysiert wie dieses. Wieder und wieder habe ich jeden Moment auseinander genommen. Vermutlich ergibt es inzwischen das größte Puzzle der Welt. Hätte ich in einem anderen Takt geatmet, wäre dann alles anders? Habe ich überhaupt geatmet? Hätte ich atmen sollen? Hätte ich dich dann so gefühlt? Ich komme nicht weiter, was nicht bedeutet, dass ich feststecke. Wäre ich ein anderer Mensch, dann hätte ich dir einfach gesagt, wie toll du doch bist, so wie es alle anderen tun. Natürlich tun sie das, wie könnten sie auch anders. Und dann hätten wir gefickt. Das hätte mir gefallen, natürlich – als dieser andere Mensch. Da hätte ich es nicht bereut.
Aber ich bin nicht jemand anders. Ich passe nicht in diese plumpe Sammlung von Körperflüssigkeiten. Das ich anders fühle als andere, mag ich nicht gern beurteilen. Denn ich weiß nicht wie andere fühlen. Manchmal, wenn ich es will, spüre ich diese Verbindung, visualisierte Seelen, die miteinander tanzen, weinen, atmen, schreien, schweigen, schwitzen, in ihrer reinen und unschuldigen Form, frei von Urteil und Vorurteil, nur sein, einfach nur sein. Sich ineinander verknoten, ohne sich zu verlieren, sich verschweißen, ohne gefangen zu sein. Zu schweben und im Gleichklang zu fühlen, zu pulsieren, zu existieren. Und dann erscheint es mir, trotz allen Schweigens, wie eine Selbstverständlichkeit meine Augen zu schließen, in dieser Zeit stehen zu bleiben, ihr die Hand zu reichen, und den Atem anzuhalten.
Für diesen kurzen Moment bedingungsloser Intimität.
Würde mich nicht als müde beschreiben. Eher als betrunken. Nein, ich habe keinen Alkohol getrunken. Ich bin einfach nur seit 30 Stunden wach. Naja, nicht ganz. Irgendwann gestern Nachmittag habe ich ne Stunde gedöselt, wollte wenigstens ein wenig auf den Nachtdienst vorbereitet sein. Und mir war klar, dass ich heute so müde sein würde, dass ich entweder der Ohnmacht nahe ins Bett falle, oder mit lauter Musik auf den Ohren abdrehe. Interessant, dass es letzteres wurde, manchmal weiß ich nicht, woher die Energie kommt. Und mein Verstand fühlt sich messerscharf an, ist aber vermutlich genauso weitreichend, wie der einer Fliege. Aber die Hemmschwelle sinkt – wie bei betrunkenen. Aber keine Sorge, das sage ich mir selbst, ich plaudere keine Geheimnisse aus. Zumindest nicht mehr als sonst. Ich weiß, dass es reicht, wenn ich dir hier schreibe: wenn du meine Gedanken fühlen könntest, dann… Ja, das genügt völlig. Wobei ich nun für deine Gedanken nicht verantwortlich bin. Es sind deine Phantasien. Und ich fühle deine Gedanken. Lass mich dir einen guten Rat geben: Leg noch ein, zwei drauf, dann treffen unsere Gedanken aufeinander. Bis dahin, Kuss.
© Amy Herzog