Schreiben

Zeig‘ mir deine Leichen, ich zeige dir meine!

Triggerwarnung: hier gibt’s keine Blümchen und keine Sonne.

Ich mag den grauen Himmel, könnte mich stundenlang von den Wolken führen lassen und vom grellen Licht in die Irre. Stattdessen höre ich alte Musik und lese in alten Büchern. Man merkt es den Künstlern an, wenn sie glücklich geworden sind und es sei jedem von Herzen gegönnt. Aber selbst wenn ihre Texte weiterhin meinen Geschmack treffen, das Gefühl ist weg. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen, obwohl ich das mit dem Glück nicht lange aushalte. Es ist mir zu langweilig. Ich mag meine Leichen im Keller und mag Menschen, die ebenfalls ein paar Leichen hegen und pflegen. Ich kann also sagen, dass ich nicht glücklich, aber ruhiger geworden bin, rein äußerlich.

Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich das letzte mal die langen Ärmel meines Pullovers über meine frisch geschnittenen Wunden gezogen habe, welche dann selbstverständlich nach und nach mit diesem verklebten. An das Gefühl, wenn ich den Pullover wieder auszog, kann ich mich aber erinnern. Je nach Tagesform geschah das langsam oder ganz schnell. Heute müsste ich theoretisch, wenn ich kurze Ärmel trage, ne „Triggerwarnung-Kette“ um den Hals tragen, ganz wichtig: mit integriertem Warnsignal, damit die Ignoranten, welche die Narben durchaus mit verächtlichem Blick beäugen, auch die davor warnende Kette wahrnehmen. Nur zur Absicherung. So als kleinen humoristischen Rand. (Ist halt wirklich mein Humor)

Während ich mich also an meinen Leichen erfreue: in dem Zusammenhang: die weltweite Tötungsrate beträgt 6,2 je 100.000 Einwohner. Das nenne ich einen Gesprächseinstieg! „Hast du eine deiner Leichen selbst getötet?“ Wenn die Antwort lautet: „ich habe keine Leichen“, dann bitte, bitte lass mich in Ruhe. Heute hat mich auf Insta so ein glatt-gebügelter Mustersohn angeschrieben mit „Hallo, wie geht’s?“ Diese Frage hat mich irgendwann mal überfordert, inzwischen knallt mein Kopf reflexartig auf die Tastatur, eine Haarsträhne löst sich aus meinem Gammeldutt, bewegt die Maus, klickt auf „blockieren“ und dann werde ich wieder wach. Zumindest denke ich, dass es so abläuft, während ich vor lauter Ödnis mit dem Kopf auf die Tastatur knalle.

Aber ich kann ja auch angepasst höflich sein, also antwortete ich diesem ominösen Fake-Profil (keine Ahnung, ob das ein Fake war, ist ja auch egal) mit „kann nicht klagen“, als würde es ihn wirklich interessieren und hing die Frage an, wo er denn mein Profil gefunden hätte. Die Antwort, die ich darauf erhielt, beantwortete zwar nicht meine Frage, löste aber meinen üblichen Reflex aus. „Blablabla, schleimschmierglibbersülzkotz, du siehst so charmant aus, blablabla.“ Bei „charmant“ war ich raus, den Rest habe ich nicht mehr wahrgenommen. Ich bin nicht charmant, nur damit das klar ist. Mit solchen Leuten bin ich wirklich nicht kompatibel.

Um aber zurückzukommen, während ich mich an meinen Leichen erfreue, und den grauen Himmel so viel schöner als den sonnigen finde, höre ich alte Musik und lese alte Texte. Und dann erlebe ich das, was ich eben schon sehr oft erlebt habe, ich schaue nach Neuem und stelle fest: ah, die sind glücklich. Wirklich nichts für ungut, ich mag, also ich finde, also sie sollen glücklich sein, ich mag, ähm also, es hat definitiv ne Daseinsberechtigung, ja. So. Ich finde das Glückliche einfach unheimlich unheimlich und es kommt mir ziemlich suspekt vor. (Gibts eigentlich auch Sonne und Menschenhassende Paare, die sich gemeinsam in ihrem Depressionsmüll suhlen? Oder was auch immer die Psyche so hergibt.)

Ich muss es halt fühlen, mal so ganz allgemein, nicht nur bei Künstlern. Und ich fühle es nur, wenn die Menschen, entschuldigt diese Direktheit, echt gestört sind (das ist sehr wertschätzend und liebevoll gemeint). Je kaputter die Person, desto intensiver das Gefühl. Die Leidenschaft. – In eine Person konnte ich mich so gut hineinfühlen, dass sie dachte, ich läge seit Wochen unter ihrem Bett und ich spüre diese Person nach vielen Jahren immer noch so intensiv, trotz diverser Barrieren. – Aber das soll nichts zur Sache tun (um welche Zeitverschwendung es in diesem Text auch immer gehen mag).

Unterm Strich: zeig mir deine Leichen, dann zeige ich dir meine. Dieses System könnte funktionieren. Und nun höre ich weiter meine alte Musik und lese alte Texte.

Nicht alt, aber in diesem Sinne etwas Gänsehaut (bei dieser Stimme)

zeitrechnung

sieben Jahre
zwei Monate
drei Wochen
sechs Tage
siebzehn Stunden
neunundzwanzig Minuten 

die Zeit gehört mir 
mein ermatteter Reisender 
selbst wenn Fernweh nach verkohltem Geschenkpapier duftet 
ist die grün-orange tanzende Flamme wunderschön 
den letzten Tanz verbringen wir in Restwärme 
bis die Lichter ausgehen 

© Amy Herzog

Schmetterlinge
die silbenlos sterben
hinterlassen unsichtbare 
 - tiefste Wunden
und ein Lächeln aus Cyanid...

© Amy Herzog

Wann?

wie viele Notizen
wirst du noch in deinem Hirn stapeln
und wie viele davon verbrennen
wie oft wirst du noch vor dir und dem
(du weißt schon was)
davonrennen?

und wie tief willst du noch
in deiner zehrenden Sehnsucht ertrinken
bis das Feuer erlischt?
Wie zündest du dann die Zigaretten
um ins Leere zu starren
während du deine Gedanken vor dir selbst verschweigst
und neue Zettel voll Herzblut vor dir hertreibst

wann ist das alles vorbei?
wann wird das sein?
sag mir wann?

© Amy Herzog

Groupies

Wie die Frauen mittleren Alters
ihre Höschen auf deine Bühne werfen
– gefällt dir
talentiert und unverschämt gut aussehend
ganz offensichtlich
zählen wir nur die Slips unter deinem Bett

und ich wäre mit dabei
mit meinen ewigen neunundzwanzig Jahren
*hust*
gibt es angetackert zum Slip den passenden BH
eine vollständige Bewerbung
ne beglaubigte Geburtsurkunde
und die Referenzen verflossener Liebhaber

nur lad‘ mich bloß nicht ein
ich verfalle keinem Lügner mehr

© Amy Herzog

Mond

du aber bist so wunderschön 
meine sanftselige Liebe 
unvollkommen 
mit deinen Lebensnarben 
ich küsse jede davon 
ins rechte Licht 

und ich bleibe dir erhalten 
als das was dunkler 
(verwundet)
(verletzlich)
(gebrochen)
als im Schwarz 
deine Schönheit betrachtet 
wenn du sie selbst nicht 
sehen kannst 

© Amy Herzog

Alkohol

Wie viel hochprozentiger Müll
muss sich noch durch deinen wunden Hals brennen
bevor er deinem Nucleus accumbens den Garaus macht?
Am Boden der Flasche wartet keine Belohnung.

Dein Hochgefühl startet mit fahler Ernüchterung in den neuen Tag
selbst wenn es gerade schön ist, mit Leichtigkeit zu fliegen
und die bleierne Einsamkeit zu vergessen

Am Ende des Tages beißt sich deine Katze in den Schwanz.

Den Schmerz trägst du, solange er es dir wert ist.

© Amy Herzog

Regen

Regen ist nüchtern
und hält die Hand vor den Mund
starrt auf weiße Wände
einerlei ist was und wie ich etwas fände
wie bei einem unbarmherzigen Carcinoma
liege ich im Koma
und schaue den falschen Film
während der Werbepause schlafe ich ein
und träume mich in eine
‚richtige‘
Welt

Regen ist noch nüchtern
hält sich zurück
solange der Schock gesoffen wird
und ich besoffen die Hemmung verliere
dann will die Welt tragen
konservieren
meine Sehnsucht darin einkochen
jede Nacht in sie verlieben
(in dich)
selbst wenn es schmerzt
und sie am Ende im Regen ertrinkt

© Amy Herzog

Ein besonderes Buch

Während ich so von Sehnsucht getragen durch ein älteres Buch blättere, älter – nicht alt, ich kenne mich in vielerlei Hinsicht mit älter und alt aus, um es etwas selbstironisch zu sagen, stelle ich fest, dass meine eigenen Anmerkungen in diesem Buch überwiegen. Eigentlich sieht es sogar recht traurig aus, weil ich nicht besonders ordentlich geschrieben habe, wie das eben so ist, wenn der Kopf schneller denkt, als die Hand schreiben kann. Unterschiedliche Stifte habe ich verwendet, Kreuz und quer gekrakelt und als das Buch restlos überfüllt war, habe ich eine weitere lose Zettelwirtschaft hinzugefügt. Es ist bereits eine ganze Weile vergangen, seitdem ich das Buch das letzte mal in die Hand genommen habe, um darin herumzublättern. Wozu sollte ich auch – das kann ich auch im Kopf machen. Muss an dieser Stelle jedoch zugeben, dass der Zustand des Buches in meinem Kopf deutlich besser ist. Trotzdem ist dieses Buch ein besonderes. Ich trage es meistens in meiner Nähe, in meiner Tasche, nehme es mit nach hier und dort – obwohl ich es noch nie gebraucht habe. Ich beschütze es den ganzen Tag, das ich es nachts auch unter mein Kopfkissen lege, würde noch fehlen. Von den meisten Dingen, auch von Menschen, kann ich mich ohne mit einer Wimper zu Zucken trennen – dieses Buch gehört nicht dazu.

siebzehn Seiten

Auf der Suche nach Luft stolperte sie stets über die Sinnlosigkeit des Atmens. Obwohl sie das Gefühl hatte zu ertrinken, legte sie sich nicht in den Sarg, um diesen zu kaufen, denn eigentlich rechnete sie trotz diesen Gefühls, nicht mit ihrem baldigen Ableben. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie in diesem Sarg endlich atmen konnte, während sie an die Dinge dachte, wodurch sie außerhalb ins stolpern geriet. Sie blieb darin liegen, bis der Bestatter sie bat zu gehen, zwischenzeitlich nickte sie sogar ein. Als sie am Abend wieder zu Hause angekommen war, das Gefühl atmen zu können bei sich tragend, nahm sie sich sogleich einen Stift zur Hand und schrieb einen langen Brief. Die ganze Nacht, Seite um Seite mit aller Sinnlosigkeit, über die sie stolperte. Das sinnloseste aber war, dass niemand jemals diesen längsten und schönsten Brief, den sie bisher verfasst hatte, zu lesen bekommen würde. Doch bevor sie über diesen abschließenden Gedanken wieder zu stolpern drohte, verbrannte sie diesen Haufen loser Zettel und atmete auf.

Distanz

Wundbrand unter der Haut
es lechzt nach mehr
und pellt sich sichtlich ab
das was du kranke Seele nennst
sind einbetonierte Träume

Spritze mir den letzten Schuss
Sehnsucht in die Venen
und werde zum Fossil
in deiner Hand

Taumele am Ende volltrunken
über deine morsche Distanz
bis nah an den Rand

Blicke hinab
und kann den Himmel seh’n

© Amy Herzog

Parodie

Erzeugte Parodie 

Ich suche noch nach deinem Witz 
während sich im nackten Hirn 
Laufmaschen bilden 
aber Hauptsache es amüsiert 
köstlich verschlungen 
und wieder ausgewürgt 
wie die Katze den Haarballen 

Parodie ist ohne wahr zu sein, wahr 
wie das so ist im Leben
nach und nach brechen die Lungenäste 
irgendwann ist man das Atmen leid 
Hauptsache es hat gemundet
für einen Seelenblick 

Die Pointe lässt auf sich warten

© Amy Herzog

Nachtdienst (Drabble-Dienstag)

Wieder Drabble-Dienstag von Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Balance, Augen, Wohnung

Nachtdienst

Tage verliefen gedanklich kräftezehrend. 

Auf vierundsechzig Kilometern Richtung
Arbeit denke ich an Dinge, die ich lieber
täte, wohin ich lieber fahren würde, ob ich
in meiner Wohnung bliebe, oder in deiner.

Meiner nichtvorhandenen Mimik sieht man’s
an. Die Augen leer. Ich rechtfertige in der
Übergabe mit Kopfschmerzen, dabei verliere
ich innerlich die Balance. Ich erinnere
mich an eine letzte Mail, die mir jemand
geschrieben hat: „eine Enttäuschung ist das
Ende einer Täuschung“.

Meine Phantasie reicht gerade noch, um
darin meine Identität wegzuwerfen und
davonzulaufen. Irgendwohin, nirgendwohin.
Möglicherweise an Orte, an die ich während
der Fahrt dachte.

Ich bin unfassbar müde.

Feuersbrunst

Mit morschem Herzschlag verliebte ich mich ins Feuer. Dieses einsam knisternde, das mystisch in sich tanzende, das Unberechenbar ausbrechende und wieder in sich zusammenfallende. Nicht nur, um meine Fingerspitzen daran zu erwärmen, so wie es alle Anderen taten, ehe sie für immer verschwanden. Ich wollte hineinspringen, gemeinsam mit diesem Feuer brennen, dieses Feuer sollte mich besitzen, damit ich es, wenn auch ich brenne, selbst zur größten Feuersbrunst werde, sie selbst besitze, uns besitze.

Der Gedanke, selbst wie alle Anderen zu verschwinden, zog schmerzhafter durch meine Gefäße, löste eine noch größere Furcht aus, als vor dem Feuer selbst. Und während ich dieses Feuer über Jahre hinweg beobachtete, versuchte es zu studieren, damit sein Ausbrechen berechenbar für mich würde, meinen Blick also vom tiefsten Kern nie abwandte, aber immer nur den Abschied empfand, entschied ich, mich dem Feuer zu nähern. Als meine Sicht, je näher ich dem Feuer kam, immer klarer wurde, bemerkte ich, dass ich diese wunderschöne Leidenschaft des Feuers, welche mich auf unerklärliche Weise von Beginn an magnetisch anzog, bereits vor langer Zeit auf ewig in sich zusammengefallen war. Was blieb ist das Gefühl von Abschied in einer Hand voll kalter Asche.

Mit morschem Herzschlag tat ich aber nicht etwa das, was all die Anderen taten, denn ich verliebte mich nicht nur in die Wärme. Ich verliebte mich in das nicht sichtbare, aber alles erfüllende Wesen des Feuers und ich wusste, dass selbst aus der kalten Asche, irgendwann ein Phönix emporsteigen kann. Also sank ich nieder, schenkte der Asche meine einzige Träne, grub mich darin ein, schlief und ersehnte die Feuersbrunst.

© Amy Herzog

siebenundsechzig Briefe

siebenundsechzig Briefe schreibe ich dir 
nicht einer kommt zurück 

nur quält mich nicht das Gewicht 
dein Schweigen erzählt alles
was ich wissen muss

bleibe ich unwissend leer 
keinen Namen kein Gesicht 

dem achtundsechzigsten Brief
werde ich mein Wissen beifügen

und im Gedanken einen Kuss

© Amy Herzog

Beichtstuhl

wenn gefragt werde, 
wie nah ich meinem wort bin,
dann lüge ich.

ich bin das wort
das ist die wahrheit
ich bin nackt

© Amy Herzog

Tropf

Hält mein Atem kurz inne
so ist es nur ein Tropf
auf heißem Stein
und wirbelt er doch meine Sinne
wild umher
gehört er mir, nur mir
allein

Wie klingt ein Stöhnen
welches sich in süßen Küssen
um die rote Sonne legt
und wie kleidet sich die Nacht
die zwischen uns
das weite Meer bewegt

Hält mein Atem immer inne
so bleibt das eine mein
stiehlt mir auch an diesem Abend
bloß nicht den Gedanken
dieser Tropf auf heißem Stein
wird er bis ins tiefe Ende
ewig meiner sein

© Amy Herzog

Sie und Er (Part 2)

Triggerwarnung: Sexuelle Inhalte/sanftes BDSM. Wer so etwas nicht lesen mag, der möge diesen Beitrag dezent überlesen.

Ihre Phantasie ist eine, die er nicht in schönen Träumen zu sehen vermag, nicht mal in den Träumen seiner Phantasie. Allenfalls in seinen Albträumen. Sie lebt zu schnell und nährt sich an ihrer Gier, kein Glitzern in den Augen, keine Suche nach der Unendlichkeit, kein Ankommen, nur eine kurze Nacht, weil sie sich mehr nicht erlaubt herbei zu phantasieren. Nichts ahnend seiner. Ein gebrochenes trauriges Herz ist sie, das vor langer Zeit schon alle Wünsche so tief in sich verschlossen hat, dass niemand mehr je danach greifen könnte, so vermutet sie. Und wenn sie an ihn denkt, dann zündet sie keine Kerze an. Denn sie weiß, ein Mann, der nur das eine will, der dreht beim kleinsten Schnick-Schnack wieder um. Zu oft hatte sie schon die Liebe vertrieben, indem sie zu viel war, vielleicht waren sie beide aber auch nur stets zu wenig. Das wird sie nie erfahren.

Und so spürt sie nur noch das niederste aller Bedürfnisse, ihren Hunger, die Gier zu Fressen, die Lust nach seinem Körper, im tiefsten Innern verzehrend danach, ihn heimlich lieben zu dürfen, für diesen kurzen Moment in ihrer Phantasie. Die Kleidung vom Leibe braucht sie im nicht reißen, wartend und sie erwartend liegt er Nackt auf ihrem Bett, befehlend sich ihrer Kleidung zu entledigen. Fest greift er ihren Arm, packt fest zu und wirbelt sie in einer unsanften Bewegung aufs Bett. Ihr zitternder Körper fühlt sich real an, doch das ist ihr in diesem Moment nicht wichtig. Auf dem Bauch landend spürt sie nicht den Willen, in ihre eigene Welt einzugreifen. Wie er sich auf sie wirft, ihre beiden Handgelenke packt und fest auf ihren Rücken presst, lässt sie geschehen, lässt es über sich ergehen, weil sie diesen sanften Schmerz braucht um zu spüren, sich selbst und ihn.

So wie sie sich ihm ausgeliefert fühlt, genauso sicher fühlt sie sich in diesem Augenblick. So sicher, wie sie sich sonst nie fühlen kann. Und als er sein hartes Glied in schnellen Bewegungen wieder und wieder in ihren schwachen Körper presst, beginnt sich ihr unersättlicher Hunger langsam zu lösen. Ihr Stöhnen dringt vor bis in die Wälder und schreckt schlafende Buntspechte aus ihren Nestern. Mit jedem Stoß rutscht sie höher und höher, bis sie das Kopfteil des Bettes ein Ende spüren lässt. Und immer wieder schreckt sie mit einem leisen Schrei auf, während er feuerrote Abdrücke seiner Hände auf ihrem Hintern hinterlässt. So wie seine Bewegungen schneller werden, greift er tief in ihre Hüften, sie genießt das Brennen, das er ihr schenkt. Am Ende spürt sie in sich ein leichtes Zucken und sie weiß, das ist das Ende ihrer Welt.

Während sie sich umdreht, gesättigt von seiner Gier, die sie sich erträumt hat, hebt er seine Kleidung vom Boden auf und verlässt wortlos ihre Wohnung. Diesen sanften Übergang in die Realität genießt sie noch, während sie im Bett alle viere von sich streckt, sich die Anspannung löst und die Realität immer klarer wird. Wie sehr sie sich wünschte, es wäre nicht vorbei, das schließt sie sogleich fest mit in ihre Erinnerungskiste, die sie tief in sich trägt. Ungläubig, ob das ganze wirklich nur eine Phantasie war, geht sie zum Spiegel, entledigt sich ihrer Kleidung, die sie nie abgelegt hatte und betrachtet ihren Körper. Keine roten Stellen, keine warmen Hände, keine Greifspuren an den Handgelenken, nicht mal ein kleines Hämatom an den Oberschenkelinnenseiten. Nur die üblichen Narben der Zeit.

Ihre Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben, dennoch kleidet sie sich wieder an und zeigt sich in dankbarer Demut, kurz und heimlich geliebt haben zu dürfen. Nichts ahnend von seiner Phantasie geht sie weiter ihrem Alltag nach und verbucht die vergangenen zwanzig Minuten als bedeutungslosen, aber wirkungsvollen Power Nap. Die Hoffnung, sich beim nächsten mal einen liebevollen Kuss zu erlauben, verstaut sie sicher unter ihrem Kopfkissen. Die Zigarette danach sei ihr gegönnt, während sie sich daran erinnert, was vorher war. Das Mittendrin drängt sie in den Hinterkopf und das Danach ist verloren. Sie ist verloren, schimmert eine stille Träne im Sonnenlicht. Endlich wieder verloren.

Er und Sie (Part 1)

Triggerwarnung: Sexuelle Inhalte. Wer so etwas nicht lesen mag, der möge diesen Beitrag dezent überlesen.

Es liegt außerhalb ihrer Vorstellungskraft, wie sehr er sie begehrt, wie tief er ihre Nähe einatmen möchte, einatmen muss, als würde sie ihn vor dem ertrinken retten und mit dem ersten Atemzug blickte er in ihre Augen. Als wollte er in seinem gesamten Leben nichts anderes mehr sehen und alles andere davor vergessen, während sich ihr Duft um seinen Körper schmiegt und seine Sinne in entfernte Dimensionen manövriert. Doch das alles spielt sich nur in seiner Phantasie ab, diese Welt, die sie nicht zu erahnen vermag, gleichzeitig ist sie ihm die schönste, die, in der er ankommen und sich fallen lassen kann. Und sie ist darin seine Sicherheit, ihr sanfter Schoß, in der für ihn so unsicheren und schnelllebigen echten Welt. Nur fragt er sich dann: „was ist schon echt?“ In seinen Gedanken sieht er sie jeden Tag, wohin er auch schaut, sieht er ihre Augen vor seinem Inneren. Wir begehren, was wir täglich sehen. Wie jeden Tag flüchtet er vor dem Licht, dunkelt seine Wohnung mit Jalousien und zündet eine Kerze an, um sich weiter in seiner Welt zu laben.

Obwohl seine amourösen Gedanken schnell zu kochen beginnen, als er sie auf seinem Bett liegen sieht, atmet er tief durch und lässt sich Zeit. Denn Zeit ist hier in seiner Welt ein so weit dehnbarer Begriff, dass er bedeutungslos wird. Selbst im Schein seiner Kerze kann er ihre Augen leuchten sehen und als er ihr endlich wieder näher kommt, sich neben sie auf sein Bett setzt, kann er bis hinter ihre Augen, direkt in ihre Seele blicken. Und ankommen. Alles was ihm bis dahin ein Geheimnis war, liegt nun offen in seiner Brust. Wie eine Flutwelle trifft es ihn, überrollt ihn, macht ihn schwach, obwohl er stark sein wollte. „Wir haben Zeit“, flüstert er sich selbst immer wieder zu, während er leicht zu schwitzen beginnt und dieser Schweiß einen dünnen Film aus purer Leidenschaft auf ihm hinterlässt.

Und er denkt an all die Fragen, die sich nun aus seinem Wissen ergeben, das offen in seiner Brust liegt. Alles hat er von ihr, doch er will mehr, immer tiefer in sie hinein blicken. Sogleich denkt er an die Gespräche, saugt jedes Wort ihrer Stimme in sich ein, unersättlich kommt er ihr immer näher, bis sie in seiner Phantasie im Kusse verstummt. Erst ihre weichen Lippen, dann über die Wange an ihren Hals. Kaum traut er sich, sie zu entkleiden, viel zu schnell würde seine Phantasie in der Realität enden. Seine kochenden Gedanken sind längst verdampft, der Körper ist willig und sein Geist noch schwächer. All die angestauten Jahrzehnte versetzen seinen Körper in Anspannung. Wo er gerade noch alle Zeit hatte, hat er plötzlich keine mehr übrig, als er ihr mit zwei, drei ruckartigen Handgriffen die Kleidung vom Leib reißt.

Mit einem mal küsst er in seinem Gefühl alles zugleich, jeden Zentimeter ihres Körpers, ihrer zarten jungen Haut, seine Gedanken kommen nicht mehr hinterher. Und in einem Atemzug sind all seine Fragen beantwortet, jedes Haar, jedes Zeichen ihrer Zeit, mit allem was auf ihrer Haut geschrieben steht, begehrt er sie bis tief in ihre Seele. Seinen Körper stülpt er über ihren, umklammert ihn, vergräbt seinen Kopf in ihren Haaren und will sie nie wieder loslassen. Seine Schwäche ist verflogen, die Zeit flog mit, all seine Bedürfnisse liegen in diesem Moment, den er sich seit Jahrzehnten ersehnt. Endlich kann er fallen und endlich fällt er tief in sie hinein, immer tiefer, immer fester stößt er sie und krallt sich weiter fest. Ob er nur in seiner Phantasie, oder auch in echt stöhnt, ist völlig unerheblich. Die Lust fließt aus seinen Poren und verbindet sich mit ihrer. Mit jedem Stoß lauscht er mit seinem Ohr nahe an ihren Lippen ihrem leisen Stöhnen nach.

Immer schwerer fällt ihm das Atmen, die schnelllebige Welt da draußen hat er aus seinem Gedächtnis gestrichen, seine Welt dreht sich schneller. Berauscht von ihrem Meer der Sehnsucht entlädt er sich in ihr, um sie zu stillen und um gemeinsam mit ihr in die Weiten der Ewigkeit zu treiben. Langsam wird er müde, doch er lässt sie nicht los, im Gegenteil, er krallt sich noch fester, denn zu groß ist seine Angst, dass jetzt, wo er seine Begierde genährt hat, seine geliebte Phantasie, sie, mit einem mal verschwindet. Während er sie fest umklammert schläft er in den salzigen Spuren ihrer Leidenschaft behutsam ein. Eine Hand streichelt durch sein Haar und der Wind imitiert ihren Atem. Das erste mal kann er beruhigt einschlafen, denn er ist angekommen, endlich angekommen.

Ende

Der Mann, bei dem ich irgendeine Liebe suche, liegt nackt in meinem Bett und behauptet mich zu lieben, an meinem kalten Herzen prallt es ab. Mit schweigenden Tränen wanke ich mit letzter Kraft ins Badezimmer, drehe das Wasser in meiner Dusche und am Waschbecken auf, schalte das Licht aus. Am geöffneten Fenster genieße ich die nach Regen duftende Nachtluft, verschwommen malt mir der Mond sein Schlaflied in einem kurzen Bild und ich frage mich, ob der, den ich Liebe, den selben Mond sieht. Die gefühlt fünfzigste Zigarette verklebt meine Alveolen, während mich meine Gedanken innerlich in Stücke reißen. Hätte ich nur ein Hemd von ihm, würde ich es gerade tragen, um seinen Geruch in mir zu spüren. Ständig kommen mir Gedanken in den Sinn, die mich zwingen, mein Denken zu unterbrechen. Tränen schießen aus meinen Augen, wo ich doch an niemanden denke. Der Wind trocknet sie, leise.

Irgendwie fühlt es sich nicht mehr so an, als ob ich geweint hätte. Wieder ein Stückchen mehr zerrissen, wieder ein bisschen mehr betäubt, dieses mal wohl zu viel. Und nichts als Leere bleibt. Dabei kann ich meine Gedanken an den, den ich liebe, gar nicht als richtiges denken bezeichnen, es sind nur unzusammenhängende Fetzen, Bruchstücke aus zersplittertem Glas. Glas, das meine Seele zerschneidet und rote Tränen formt. Ein Gefühl, den Schmerz als Wort nicht wert, das mich schreien lassen würde, aber ich darf nicht schreien. Der, der vorgibt mich zu lieben liegt in meinem Bett und wartet auf meinen nackten Körper. Er weiß, dass ich weine, aber ich bin allein, also weine ich allein.

Gefühlt fünftausend Mal starre ich in diesen wenigen Minuten auf mein Smartphone, schaue nach, suche verzweifelt nach Luft, nach einer kleinen Nachricht, selbst wenn sie nichts bedeutet. Irgendetwas, egal was, von dem, den ich so sehr liebe. Warum weiß ich nicht, das alles ergibt keinen Sinn. Erst gestern dachte ich noch, dass ich sterben könnte, für ihn würde sich nichts verändern. Wie sollte es auch, er bemerkt mein Leben nicht, weshalb sollte er dann mein Ableben bemerken. Sein Leben würde glücklich weitergehen, alles wäre wie bisher. Und offen gestanden gönne ich ihm das. Dem, den ich liebe. Und ich weiß nicht, weshalb ich mir seine Gedichte durchlese, die beschreiben, wie glücklich er ist, während ich das Leben nicht mehr aushalte. Vielleicht, weil es das einzige ist, was ich greifen kann. Es ist kein einfach daher gesagtes „Ich halte es nicht mehr aus..“, diese Grenze habe ich längst überschritten. Und es ist auch egal, wie viele Medikamente ich in mich hineinwerfe, sie können diese unerträgliche Leere nicht füllen. Und die Gedankensplitter nie aufhalten.

Ich gebe mir die größte Mühe nicht daran zu denken, dass er seinen Abend mit dem, was er liebt verbringt, trinkt und glücklich ist. Ja, ich gönne es ihm von Herzen, wenn auch dieses Herz kaum noch schlagen kann. Dass er alles hat, was er sich erträumt und ersehnt hat und ich nicht dabei bin. Aber ich kann es nicht denken, ohne wieder zu weinen. Nur das Wasser tröstet meine feuchten Wangen, ich drücke die Zigarette aus, schließe das Fenster und gehe zurück zu dem Mann, der behauptet mich zu lieben. Lege mich nackt unter seine Decke dicht neben ihn und versuche leise und ruhig zu atmen.

Während ich an den Mann denke, den ich liebe, vergrabe ich meine Finger tief in sein Fleisch und versuche in ihm zu ertrinken, in dem, der mich liebt. Nur damit es für einen kurzen Moment erträglicher wird und ich unter seiner Liebe verschwinden kann. Wie er seinen lustvollen Körper an meinem reibt, seine Gier aus sämtlichen Poren tropft, es müsste mich anekeln, aber das tut es nicht. Nicht wenn ich an den denke, an den, den ich liebe und seine Küsse meine blutenden Tränen trocknen. Innerlich habe ich das Gefühl zu verbluten, doch wie kann ein Mensch verbluten, wenn er gar nicht mehr lebt. Ich fühle mich tot ohne gestorben zu sein. Und während ich mich tiefer und tiefer in den Körper dieses Mannes grabe, um in diesem Nest von verlogener Geborgenheit zu versinken, kann mich nur noch die Hoffnung tragen, dass das alles bald sein Ende findet.

Was wäre wenn

Wenn was wäre wenn
dann würde ich es dir 
und du wüsstest aber 
dann wäre ich verloren 
aber vielleicht auch nicht 
und was wäre denn dann
wenn ich wüsste was du 
und ich dann zusammen 
wenn wäre angekommen 
wenn das wenn dann wäre 
verwirrung küsst schweigen
und deine kennt mich nicht 
nichts wäre dann...oder
nein du kennst mich nicht 

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Roomtour

Der Titel ist sowohl zutreffend, als auch irreführend. Ich zeige euch nicht die Räumlichkeiten, in denen ich lebe, sondern die Räumlichkeiten, die in mir leben, worin ich lebe. Diese Idee finde ich sowohl spannend, denn ich habe Gelegenheit, selbst mal genauer hinzuschauen, als auch bereits im Vorfeld frustrierend, weil ich weiß, dass ich es unmöglich schaffen kann, alles zu zeigen, bzw. in diesem Fall zu beschreiben. Hab da oben nämlich keine Kamera. Darüber hinaus mag ich es überhaupt nicht, Menschen, mit Ausnahme von mir, dort oben durchlatschen zu lassen. Daher bitte ich euch die Handys auszuschalten, die Schuhe auszuziehen und in die bereitgestellten flauschigen Häschenpantoffel zu steigen. Und nicht reden, leiser atmen und vor allem nichts anfassen!

Durch eine große, schwere, alte Holztür gelangt ihr in den Flur, einen unendlich langen Flur, links und rechts an den Wänden hängen alte Gemälde, keine wertvollen, irgendwer hatte sie weggeworfen und ich habe sie vom Sperrmüll gerettet. Schwache Flammen von Kerzen an den Wänden sorgen gerade so eben für ausreichend Licht, um euch angemessen begrüßen zu können. In gleichbleibenden Abständen führen Türen in meine zahlreichen Zimmer. Dieser Flur hat kein richtiges Ende, was wie ein Ende erscheint ist nur die Dunkelheit, die sich von euch entfernt, je näher ihr dieser kommt. Beachtet nicht das kleine süß-lächelnde Mädchen mit engelsgleichem Gesicht und goldenen Löckchen im weißen Nachthemd und einem großen Fleischermesser in der Hand. Sie wird euch höchstwahrscheinlich nichts tun, sie summt nur die Tetris Melodie.

Wir gehen vorbei in den ersten Raum. Er ist der größte von allen und der, der mir am wenigsten bedeutet. In ihm ist es laut und schrill, skurril und alles redet in verschiedenen Sprachen durcheinander. Er speichert jeden Tag, in jeder Sekunde alles, was mich umgibt, überall fliegt nutzloses Zeug in der Gegend herum, Notizzettel regnen von der Decke, Garfield tanzt zu „Hey Mama“ und schmeißt alles um, in der Ecke sitzt Hannibal Lecter und bereitet sich in tiefer Entspannung seine Leibspeise zu. Im Hintergrund laufen die Top 1.000 schlechtesten Lieder, dessen Texte ich aus irgendeinem Grund auswendig mitsinge…“Maschendrahtzaun in the morning“ (nur damit ihr auch etwas davon habt). Dieser Raum ist schrill, er glitzert ohne System, er ist laut und unordentlich, geradezu verdreckt mit dem Müll der ganzen Welt. Schlechte Nachrichten stapeln sich entlang der Wände bis an die Decke, auch sie verschwindet im dunkeln ohne Ende. Für dieses grenzenlos-gnadenlose Messi-Erlebnis sollte ich Eintritt verlangen. Wer jedoch auf einen übriggebliebenen Legostein tritt und stürzt, der braucht nicht zu zahlen…mein Lachkrampf ist ausreichend.

Jeder darf sich nun einen der kleinen Äffchen mit Becken greifen und mitnehmen. Wie ihr seht habe ich genug davon. Und nach der überwältigenden, Luft-raubenden, ungefilterten Reizüberflutung habt ihr ein Souvenir verdient. Ach, und ich hoffe ihr stellt euch das ganze im Stil von MTV Cribs vor…würde mich dann fancy und important fühlen. Bitte keine Zwischenfragen nach einem Getränk, einer Toilette oder einem Sitzplatz. Solche Dinge gibt’s hier nicht. Naja, einen Stuhl gibt es vielleicht. Geht einfach in den eben grob gesehenen Raum zurück, irgendwo müsste da ne verrückte Olle sitzen, die den ganzen Tag TikTok Videos guckt und dabei hektisch herumzappelt. Manche verfolgen ja das Motto: Lieber schlecht gesessen, als gut gestanden. Die Tour geht trotzdem weiter.

Ein wenig den Flur hinunter wird hart gearbeitet. Fließbänder laufen den ganzen Tag, um sie herum kaum zählbare Mitarbeiter, ein rennen und treiben und kein freier Tag in Sicht. Wer sich ihnen anschließen möchte muss produktiv sein und das 24/7. Das Arbeitsschutzgesetz kennt hier zum Glück niemand. Aufregend ist anders, ich weiß, in all der Hektik herrscht Monotonie. Also weiter, im Nächsten Raum müssen wir sehr leise sein! Den Zustand des Raumes kann ich vor dem betreten nie so richtig einschätzen. Er ist ebenfalls riesig und scheint ungeordnet, überall liegen Zettel herum, aber sollte die geschundene Seele darin in guter Verfassung sein, könnt ihr sie ansprechen, doch mit euch reden wird sie niemals. Noch nie hat sie ihr Schweigen gebrochen. Es duftet nach Liebe, nach Sehnsucht, nach Kummer und amouröse Gedanken schweben an der Decke. In den Ecken tun sich finstere Abgründe auf und an der Bar gibt es Cocktails mit Schirmchen und Blut. Manchmal hört man diese Seele atmen, trotz der stickigen Luft, immer dann, wenn sie von einer Muse geküsst wird, sie durchströmt, mit ihr tanzt, sie streichelt und einen weiteren Kratzer hinterlässt. Ganz kurz duftet es dann nach Glückseligkeit und ein weiterer Zettel ist zum abtippen bereit. Den Teil erledige ich dann…irgendetwas muss ich ja auch tun, zumindest wirke ich dann so beschäftigt. Aber kommt weiter, die Seele beginnt zu schluchzen und ich möchte nicht ertrinken.

Vor dem Nächsten Raum braucht ihr keine Angst zu haben, nur weil ein Skelett vor der Tür steht. Ihr könnt es gern betrachten, mir jedoch ist es egal. Solltet ihr euch für Humanmedizin interessieren, dann kommt gern mit herein. Keine Sorge, die offene Leiche ist fiktiv und fast vollständig. Die Leber fehlt…gewiss war Lecter wieder hier. Nun ja, egal. Hier drin befindet sich mein wertvollster Besitz. Die unvollständige Geschichte bahnbrechender Erfindungen und Entdeckungen von Apparaturen und Medikamenten, die uns bestenfalls das Leben etwas verlängern. Bücherweise Anatomie, Physiologie und Pathologie, die ich seit der Kindheit aufsauge. Ein kleines Bisschen Psychologie ist wohl auch irgendwo dazwischen. Nur das Skelett steht halt draußen und begnügt sich mit dem Nötigsten. Also weiter.

Es werden keine Raumanzüge benötigt und trotzdem können wir nach den Sternen greifen, durch Galaxien schweben und schwarze Löcher aus nächster Nähe vom Ereignishorizont aus betrachten. Wem die Lichtjahre zu weit entfernt sind, der möge sich auf den Boden setzen und nach einer beliebigen Doku fragen, ich erzähle sie euch. Wem mein Gerede auf den Keks geht, der greife nach meiner Zeitschriften-Sammlung, bitte vorsichtig, die kosten um die fünfzehn Euro das Stück, ich will keine Eselsohren sehen. Die Suche nach meinem Heimatplaneten wird vermutlich bis in die Ewigkeit dauern.

Im Nächsten Raum bleibt ihr am besten dicht hinter mir. Die Zombies sind schnell und wie man sich denken kann, sind die recht bissig. Das hier ist keine Einbildung, es ist Realität! Na ja, zumindest ist mein Plan für eine Realität mit Zombies konzipiert. Von Werbung bzgl. „Zuflucht“ möchte ich absehen. Mein Plan benötigt zwar einige andere Menschen, aber ich bin sicher, die kommen auch so. Ich möchte so wenig wie möglich von den bösen Lebenden anziehen. Die guten Übriggebliebenen dürfen eintreten. Hier ist genug Platz und es gibt viel Arbeit. Und ihr seid ja gerade auch da. Und wenn das hier fertig ist, da uns die Besorgung benötigter Dinge leicht erschwert wird, wird es eine Weile dauern, aber dann haben wir Strom aus Solarenergie, wir bekommen Wasser und stellen unsere Nahrung selbst her. Denn irgendwann wird es nichts mehr zum plündern geben. Daher liegt der Fokus von Anfang an auf der Selbstversorgung. Das Schwierigste war das Waffenproblem, ist aber gelöst. Alles andere war schnell zu erlernen. Nun, das reicht, ist schließlich mein Plan, davon verrate ich nichts. Von dieser Welt freue ich mich über jeden luziden Traum. Aber ich verstehe schon, schnell wieder raus hier. Ist ja auch nur so für den sehr unwahrscheinlichen Fall.

Beim rausgehen bitte die plüschigen Häschenpantoffel austauschen und die mit zermatschtem Zombiehirn in den Müllsack, danke.

Nun, die vor uns liegenden Zimmer sind nicht allzu groß. Darin sind Persönlichkeiten, die mich interessieren…die meisten sind schon lange tot. Sehr viel Geschichte, allgemeines Geschichtswissen, interessante fun facts. Geschichte der schwarzen Menschen, Sklaverei, Kolonialismus, NS-Zeit, ein wenig Mittelalter, und worüber ich noch so ständig stolpere. Halten wir es hier kurz, es sind halt ein paar Bibliotheken.

Die übrigen Raume sehen nicht mehr allzu spannend aus. Decken hohe Schränke, schmale Gänge, alles voller kategorisierter Akten, randvoll mit den Informationen, die meine Arbeiter für wichtig befinden, auf ewig archiviert. Bitte nur nichts anfassen oder gar austauschen, das führt zu nem Kurzschluss im System. Und immer bei der Gruppe bleiben, das hier ist ein Labyrinth. Ich führe euch da durch und hoffe, ihr könnt in den Pantoffeln wandern. Die Zeit können wir nutzen um zu quatschen. Ich rede und ihr hört zu. Diese kleine Führung fiel mir alles andere als leicht, wenn man bedenkt, dass ich euch gerade mal einen winzigen Teil der Oberfläche gezeigt habe und ich selbst alles auf einmal und immer zur selben Zeit sehe. (Das erklärt das Mädchen am Anfang). Während mein Messi-Raum immer größer wird, pausenlos. Ich glaube meinen Heimatplaneten erkenne ich daran, dass es dort keine Farben gibt, keinen Müll und der Austausch ist auf das Nötigste reduziert, es gibt nur eine kleine Auswahl an Nahrungsmitteln, alles ist einheitlich und eintönig. Ich habe keine Ahnung wie es in anderen Gehirnen aussieht und ich will es auch gar nicht mehr wissen, denn das würde auch nur wieder in meinen Akten landen. Um es mit Murtaugh zu sagen: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“.

Manchmal wünsche ich mir, die richtige Verbindung zu finden, die im autistischen Hirn falsch verkabelt wurde (kann ich meiner Mutter wohl die Schuld dafür geben?) Will nicht sagen, dass es in anderen autistischen Hirnen auch so aussieht, bzw. wie in diesem Fall ein kleiner Teil der Oberfläche, das hier ist eben meine Beschreibung. Und inzwischen bin ich reichlich müde, daher bitte ich euch, eure Souvenirs einzustecken, die Pantoffel dürft ihr auch behalten. Normalerweise lese ich die Texte noch mal durch, aber dieses mal ist mir nicht danach, von daher dürfen Unstimmigkeiten und Fehler auch behalten werden. Wobei ich mir schon ein wenig wünsche, dass niemand bis zum Schluss gelesen hat. Denn obwohl es nur ein bisschen Oberfläche war, ist das Gefühl von nackt mitten am Tag im Einkaufszentrum stehen definitiv da. Egal, da vorne seht ihr das kleine Mädchen…geht einfach wortlos daran vorbei und schließt die Tür, wenn ihr draußen seid. Auf nimmer wiedersehen, also hier oben.

Zufall

Es wird mir nicht überdrüssig und alles andere blende ich geschickt aus. Damit erfinde ich noch lange das Rad nicht neu, im Gegenteil, die Gummierung hat sich längst auf den Straßen verloren. Aber selbst auf kreischenden Felgen finde ich noch den Weg. Meine Briefe haben gewiss die Welt mehrfach umrundet, aber ich überlasse es dem Zufall, obwohl, oder gerade weil es mir die größte Herzensangelegenheit ist. Ich rede mir ein nicht zu wissen was schmerzhafter wäre, aber ich glaube mir nicht. Ich denke das beste wird sein bis in die Sterne zu warten. Im Schwebezustand erträgt es sich leichter. Und wenn ich dann immer noch den Weg finde, dann erfinde ich das Rad neu. Bis dahin blende ich die Dinge geschickt aus, und zähle die Weltumrundungen in zufälligen Zahlen.

© Amy Herzog

Bilder

Dunkelheit schmückt Wohnung
Schallplatten malen Musik auf Wände
eine Gitarre sammelt Staub
in einer Ecke

Schließe ich meine Augen
hängen im Kopf abertausende Bilder
dann ist es gar nicht mehr
so dunkel

Wenn ich sie öffne
steht auf dem Nachttisch
ein Bild von dir

Das einzige, welches ich besitze…

Schlaf findet nicht
schaue dich wortlos an
dein Bild wortlos zurück
finde mich in irgendeiner Realität
und verliere die Balance

Plötzlich hören wir
gemeinsam Musik, berühren uns
in abertausenden Bildern
wälzen nackte Körper durch Farben
hinterlassen ein weiteres Bild

Und wenn Augen dann schließen
ist es gar nicht mehr so dunkel

© Amy Herzog

Stillstand

Die siebenundzwölfzigste Kippe qualmt im Aschenbecher vor sich hin, AnnenMayKantereit Songs laufen im Hintergrund, die Sonne steht an irgendeinem Punkt, vielleicht aber auch der Mond. Die Blätter des Waldes atmen still, Wolken warten auf ihren Auftritt und selbst die Menschen bewegen sich in Zeitlupe in der Ferne. Und während ich seit Stunden aus dem Fenster starre, verliere ich mich selbst. Fühlt sich an wie Samstagabend. Immer die selben Menschen, die selben Songs, das selbe Gesöff. Und wenn dann alles anders ist, dann bleibe ich zu Haus. Wie viel Nichts kann ein Mensch ertragen, wie viele Scherben kann er tragen und wie lange kann der Mensch dann damit an einer leeren Haltestelle stehen und warten, auf einen Bus der, wenn man der elektronischen Anzeige glauben schenkt, verspätet bleibt. Ich weiß nicht mehr seit wann. Mein Ladekabel ist schon lange kaputt, irgendwann hat irgendwer daran gerissen und ich ließ es zu. Und während ich noch immer aus dem Fenster starre, hat die Musik unbemerkt ihren Klang verloren, nicht aber in meinem Kopf. Dort laufen die selben Fragen, Tag ein Tag aus. Fühlt sich an wie Samstagabends an dich denken. Wie kann so viel Nichts diesen Sturm entfachen? Wo ich doch gar nicht an dich denke. Hm?

© Amy Herzog

Schmalzschicht

Brauche ich hier ne Triggerwarnung? Ich geb mal eine. Es wird ein wenig makaber.


Manchmal, wenn ich die Oberfläche meines Seins ertaste, klebt an meinen Fingerspitzen eine richtig dicke triefende Schmalzschicht. Andere würden sagen, welch zauberschönes Gedicht. Hier ein Blümchen, dort die Liebenden, schlabbern ihr Eis im Sonnenschein. Und natürlich ficken sie nicht, nein, sie machen Liebe, so auf die Baby-mach-Art, um am Ende im Happy End auf der Veranda zu sitzen und Socken für die Enkel zu stricken. Und ganz am Ende wird sich die Grabstätte geteilt. Diese Schicht trieft nicht nur, sie müffelt regelrecht wie eine Baustellentoilette nach einem arbeitsreichen Tag. Oder wie eine Festivaltoilette. Und wenn ich dann vor lauter Ekel zitternd in mein dunkles, höhlenartiges Konstrukt zurückkrieche, das ich mir in mühevoller und schweißtreibender Arbeit selbst errichtet habe, und mir schnell diesen Schmodder wieder abwasche, das dafür verwendete Tuch selbstverständlich auf all meinen zerbrochenen Scherben verbrenne, stelle ich für einen kurzen Moment fest, dass dort nicht nur dieser Schmalz klebt. Und blicke ich auf meine Fingerspitzen sehe ich, dass genau diese Reste noch immer unter meinen Nägeln kleben. Pfui! Diese großen Brocken voll „ich ersehne dich, aber schweige lieber“, die ich hier unten, unter dicken Lehmschichten luftdicht konserviere, verlieren dann und wann kleine Bröckchen, die bis an diese schmalzige Oberfläche treiben. Doch bevor mich der völlige Realitätsverlust ergreift, kaue ich meine Nägel ab und spucke sie auf die Erde, als würden sie mir nichts bedeuten. Und wenn das Feuer erloschen und nur noch Asche übrig ist, lege ich mich zum schlafen auf meine noch warmen Scherben und rede mir ein, dass sie mir die Gedanken an dich verbieten oder wenigstens den Schmerz übertönen, den dieses laute Schweigen verursacht. Und das alles nur, um dieser Schmalzschicht den Nährboden zu kredenzen, um am Ende doch für dich zu bluten.

Schönheit

173 Wörter und ich weigere mich seit Tagen diesen Text zu kürzen. Nun, also eigentlich sollte das mein Text zum Drabble-Dienstag sein und das mit den drei Worten: Baum, Springbrunnen und Krug, hat ja auch gut geklappt. Aber auf 100 Worte kürzen…nein. 140 Worte wären machbar, macht aber keinen Unterschied, daher lasse ich das so stehen. Hier also mein Text, nicht zum Drabble-Dienstag.

Schönheit

Wenn du der große Baum auf dem Mohnfeld wärest, spränge ich über deinen Schatten und ließe dich in den Weiten zurück. Du aber bist der Springbrunnen auf dem Kirchplatz, mitten in der überfüllten Altstadt, zu viel Wasser. Viele Menschen stehen um dich herum, bewundern aber nur deine Schönheit, wie sie in der Sonne glitzert, und manch einer verliert sich selbst in deinen Tiefen und ertrinkt vor lauter Sehnsucht. Ich jedoch schaue weg. Und wenn es Nacht wird, so stehe ich noch immer am Rand des Kirchplatzes und lausche hinter deine Schönheit und spüre die Rufe jener, die sich tief in dir verloren haben. Beinahe bedeckt ihr Summen, wie du auch mich aus der Ferne zu ertränken versuchst. Doch so rettet mir jener Krug das Leben, der in meiner Brust schlägt. Und ich fülle ihn mit deinen Worten und dem, was hinter deiner Schönheit liegt. Deine glitzernde Oberfläche und alles andere lasse ich zurück. Und so nehme ihn mit in ein Zuhause, welches das viele Wasser all die Jahrzehnte ungesehen und nur schweigend ersehnte.

© Amy Herzog

Stille

nicht deine wohltuenden Worte
säen die Angst in mir
es ist deine absolute Stille
welche mich in deine Tiefen
stürzen lässt und Furcht
auf meine Haut zeichnet

und wenn du dann in meine
schutzlosen Augen blickst
siehst du auch in meine Tiefen
spürst die Hingabe meiner Glieder
und noch tiefer empfundene Liebe
die aus meiner Seele tropft

wie mein zitternder Körper
dir leise dein Lieblingslied spielt
so atmest du noch lauter
immer schwerer, immer tiefer
bis ein Kuss die Stille bricht

© Amy Herzog

mauer

dann hörst du wieder diese alte
dark wave musik, um dich zu erden
kurz zu besinnen, und um dich zu erinnern
wie du einst diese kalten wände
in dir hochziehen konntest
und dann erkennst du, das warst nicht du
sondern jedes mal dein kleines herz
wenn es zerbrach und
du diesen schmerz gepresst hast
zu tausenden ziegeln und zu mehr

und dann ist da ein lächeln
wo es keinen sinn ergibt
und ein herzklopfen
wo keiner mehr sein kann
und dann hörst du wieder diese
alte dark wave musik von damals
und besinnst dich auf dein schweigen
damit niemand hört
wie diese mauer zerbricht

© Amy Herzog

Jähes Ende

Die weißen Blüten jener zarten
Pflanze, da am Wegesrand
wird wohl ewig warten
auf ein lang ersehntes Licht
und wenn dann auch
mein Kampf um dieses laute
in mir zehrend’s schweigen bricht
so wird’s noch vor dem Anfang
ein jähes Ende nehmen
für dich und mich

© Amy Herzog

Stumm

so wird sie nicht erwähnen
das was sie ersehnt
sei Wind zu laut, das Licht zu grell
so wie der Weg auch geht
geht er sich selbst
und das was niemand hört
ward dann auch niemals gesagt
und verschwimmt als wär es nie gewesen
verstummt im nächsten Tag

© Amy Herzog

Was bleibt ist die Kunst

Du warst nicht mehr jung, aber so richtig alt warst du auch nicht. Auf jeden Fall warst du zu jung für das Ende, aber Krebs kennt eben kein Alter. Viel hast du darüber nicht erzählt, höchstens mal beiläufig erwähnt, wie eine kleingedruckte Randnotiz. Wir redeten über Mythen, über Blut und Geschichte und Kunst. Und irgendwann redeten wir nicht über das Ende selbst, sondern über ein Leben im Ende. Und wie es ist, dieses in völliger Einsamkeit zu erleben. Trotz allem warst du der glücklichste Mensch, den ich kennenlernen durfte. Und nach all den vielen Jahren denke ich immer noch beinahe jeden Tag an dich, obwohl ich dich kaum kannte. Ein Künstler warst du, und so wie du es wolltest, lebt deine Kunst weiter. Wenn ich also sage, dass ich noch immer an dich denke, dann denke ich zum Beispiel an dieses große Gemälde, das du geschaffen hast. Vermutlich landete dies nach dem Ausräumen deiner Wohnung in irgendeinem Container. Und wer weiß, bestenfalls wurde daraus ein Blatt Papier, auf das ich morgen schreibe. Oder aber es landete als recyceltes Toilettenpapier in irgendeinem Klärwerk. Manchmal wünschte ich, ich hätte noch eine Fotografie von deinem Gemälde, um es der Welt zu zeigen. Aber es existiert nur noch in meinem Kopf. Und beinahe täglich gehe ich daran vorbei und lasse mich davon überwältigen. Wie grau-grün-schwarz-rot-Töne ineinander verschwimmen und eine starke Gestalt vor dem Ende zeichnen, nackt, als hättest du die Ehrlichkeit und die Wahrheit neu erschaffen. Ein aufrechter Mensch in gebückter Haltung. Ob du dich wohl selbst porträtiert hast? Ein Jammerlappen warst du jedenfalls nie, selbst dann nicht, als der Krebs dich mehr und mehr fraß. Durchlöchert war dein Leib, deine Seele aber schwebte stolz über allem. Und so redeten wir weiter über Kunst, über das Leben und über die Selbstverständlichkeit. Nach einem Sinn hast du nie gesucht, hast ihn nicht gebraucht. Und obwohl wir nie über das Ende selbst geredet haben, so spürte ich, als deine Worte immer mehr wurden, dass es irgendwann mitten im Satz enden würde. Und so war es dann auch. Plötzlich warst du weg. Doch gefehlt hast du mir seither an keinem einzigen Tag. Manch einer fände das töricht, du aber würdest sagen, dass das Leben weiter geht. Und so ist nun auch. Das Leben geht weiter, so wie dein Gemälde weiter lebt. Und es lebt wahrhaftig, wenn ich daran vorbeigehe und kurz innehalte, lebt es mehr als zu deinen Lebzeiten. Ich glaube, damit hättest du leben können. Und ich habe zu danken, dafür, dass ich dich begleiten durfte.

Januarwind

Dein frostiger Januarwind
malte mir zyanotische Finger
und kroch in tagelanger Gänsehaut
unter unsere beheizte Decke
so wie ich ausgehungert
blind und taub und stumm
meinem Winterschlaf entging
warst du es bis ans Ende
der den Wind einfing
um den Frühling zu begrüßen
bis der Hunger schweigt

© Amy Herzog

Gedanken über die Liebe

Polyamorie, so finde ich, ist ein interessantes Thema. Es geht um Liebe (und wohl auch um Liebesbeziehung, aber das ist völlig nebensächlich, finde ich). Diese gottverdammte Liebe, die ich für mich bis heute nicht klar definieren kann. Ich mag Dinge, die eine einheitliche festgelegte Definition haben. Ich weiß, dass es für die Liebe eine Definition gibt. Im Kleingedruckten steht dann, dass diese von jedem individuell interpretiert und ausgelebt wird. Vorzugsweise finden sich Paare, die in Sachen Liebe das selbe Ziel verfolgen. Und dann bleibt das so. Aber warum? Warum wird Liebe begrenzt? Und was ist der Sinn von Eifersucht? Warum macht uns die Liebe so unsicher? Wenn ich eines sicher weiß, dann dass Liebe vielschichtig und unbegrenzt ist. Es geht nicht um besser oder schlechter, um mehr oder weniger. Es geht um Ehrlichkeit, um Geborgenheit, um Freiraum/Freiheit. Und dann wieder um fallenlassen, um ankommen.

Kann ein Mensch allein alle Bedürfnisse erfüllen? Ich denke nicht. Und es wäre sehr weit von Liebe entfernt, wenn ich das von einem Menschen verlangen würde. Unter diesem Druck zerbricht am Ende selbst die ewige Liebe. Und manchmal belügen Menschen sich dann selbst. Dann ist Liebe eine Verpflichtung. Ein Aufrechnen. Du hast dies für mich gemacht und deshalb muss ich das für dich tun. Ich schreibe ja wirklich gern über das Leid in der Liebe, aber so schlimm vermag ich dann auch wieder nicht zu sein. Denke da aber plötzlich an meine Scheidung. Was für ein Affenzirkus. Die Richterin war aber klasse. Mein Exmann ist nicht erschienen. Und ich wollte die Richterin unbeabsichtigt bestechen – mit nem dicken Strauß Blumen. In diesem Sinne, den größten Dank für die Entscheidung zu meinen Gunsten. Hab leider das Datum vergessen, ist aber auch egal.

Hauptsache ich bin frei. Er konnte mir jedwedes Gefühl nehmen. Und nun habe ich all die undefinierbare Liebe wiedergefunden. Bedingungslos ist sie, das muss ich sagen. Ich bin so glücklich darüber dieses Irgendwas empfinden zu können. Mit der Definition werde ich wohl mein Leben lang beschäftigt sein. Und auch mit der Entdeckung dieser Vielschichtigkeit. Aber einsperren lässt sie sich nicht. Im Gegenteil. Vermutlich entsende ich gerade dorthin Liebe, dem die Liebe wie mir einst abhandengekommen ist. Die Freie, die ewig Ungebundene Gebundene, die anmutig tänzelnde, die Vertraute, die Ehrliche, die Beständige, die, die dich auf allen Wegen still begleitet. Die, die Träume mit dir lebt, und die, die sie auch mit dir begräbt.

Der Abend, der die Zeit stehen ließ

An diesem Abend, ich erinnere mich noch an das genaue Datum, die Stunde, die Minute, den präzisen Moment, da hast du die Zeit für mich angehalten. Wie sich das angefühlt hat, kann ich in Worten nicht ausdrücken. Wie sehr ich es auch versuche, nichts, nicht mal alle Worte zusammen beschreiben auch nur annähernd das Gefühl, dieser stehen gebliebenen Zeit. Ich würde den Atem anhalten, mir einen Strick fest um den Hals binden, damit du für dein nächstes Wort atmen kannst. Für dich wird es immer einfach nur atmen sein. Deine Uhr tickt weiter in deiner besten Zeit. Ich gönne es dir von Herzen – sagt man so. Hat so ein Satz überhaupt noch eine Bedeutung? Hat er die Bedeutung, die ich empfinde? Es genügt mir nicht.

So vieles sickert ungesehen, ungefühlt durch mein Hirn, diese scheiß Amnesie. Aber das hat sie mir nicht genommen, das wird sie mir nie nehmen können. Dieses Datum, dieser Abend. Nichts habe ich bisher so sehr analysiert wie dieses. Wieder und wieder habe ich jeden Moment auseinander genommen. Vermutlich ergibt es inzwischen das größte Puzzle der Welt. Hätte ich in einem anderen Takt geatmet, wäre dann alles anders? Habe ich überhaupt geatmet? Hätte ich atmen sollen? Hätte ich dich dann so gefühlt? Ich komme nicht weiter, was nicht bedeutet, dass ich feststecke. Wäre ich ein anderer Mensch, dann hätte ich dir einfach gesagt, wie toll du doch bist, so wie es alle anderen tun. Natürlich tun sie das, wie könnten sie auch anders. Und dann hätten wir gefickt. Das hätte mir gefallen, natürlich – als dieser andere Mensch. Da hätte ich es nicht bereut.

Aber ich bin nicht jemand anders. Ich passe nicht in diese plumpe Sammlung von Körperflüssigkeiten. Das ich anders fühle als andere, mag ich nicht gern beurteilen. Denn ich weiß nicht wie andere fühlen. Manchmal, wenn ich es will, spüre ich diese Verbindung, visualisierte Seelen, die miteinander tanzen, weinen, atmen, schreien, schweigen, schwitzen, in ihrer reinen und unschuldigen Form, frei von Urteil und Vorurteil, nur sein, einfach nur sein. Sich ineinander verknoten, ohne sich zu verlieren, sich verschweißen, ohne gefangen zu sein. Zu schweben und im Gleichklang zu fühlen, zu pulsieren, zu existieren. Und dann erscheint es mir, trotz allen Schweigens, wie eine Selbstverständlichkeit meine Augen zu schließen, in dieser Zeit stehen zu bleiben, ihr die Hand zu reichen, und den Atem anzuhalten.

Für diesen kurzen Moment bedingungsloser Intimität.

Dreißig Stunden, Ende offen.

Würde mich nicht als müde beschreiben. Eher als betrunken. Nein, ich habe keinen Alkohol getrunken. Ich bin einfach nur seit 30 Stunden wach. Naja, nicht ganz. Irgendwann gestern Nachmittag habe ich ne Stunde gedöselt, wollte wenigstens ein wenig auf den Nachtdienst vorbereitet sein. Und mir war klar, dass ich heute so müde sein würde, dass ich entweder der Ohnmacht nahe ins Bett falle, oder mit lauter Musik auf den Ohren abdrehe. Interessant, dass es letzteres wurde, manchmal weiß ich nicht, woher die Energie kommt. Und mein Verstand fühlt sich messerscharf an, ist aber vermutlich genauso weitreichend, wie der einer Fliege. Aber die Hemmschwelle sinkt – wie bei betrunkenen. Aber keine Sorge, das sage ich mir selbst, ich plaudere keine Geheimnisse aus. Zumindest nicht mehr als sonst. Ich weiß, dass es reicht, wenn ich dir hier schreibe: wenn du meine Gedanken fühlen könntest, dann… Ja, das genügt völlig. Wobei ich nun für deine Gedanken nicht verantwortlich bin. Es sind deine Phantasien. Und ich fühle deine Gedanken. Lass mich dir einen guten Rat geben: Leg noch ein, zwei drauf, dann treffen unsere Gedanken aufeinander. Bis dahin, Kuss.

© Amy Herzog

Was auch immer, irgendwann (Drabble-Dienstag)

Wieder Drabble-Dienstag von Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Strick(en), Tick(en), Fick(en).

Vielleicht bleibt dies nicht das einzige Drabble für heute, mal schauen. 🙂

Was auch immer, irgendwann

Irgendwann sitzen wir uns in diesem schwach beleuchteten Raum gegenüber. Über uns baumelt eine einsame Glühbirne, die an der kahlen Wand unseren Strick im Schatten zeichnet. Die Worte waren alle gesagt, zogen sich im Nachgang aber noch prickelnd über unsere Haut. Und unser Schweigen ist nun auch so laut. Die Uhr tickt uns in Sekundenbruchteilen durch das, was vor uns liegt. In unseren Gedanken ficken wir schon seit Jahren. Und doch sind wir nicht müde, nein. Wir sitzen nur da und starren uns gegenseitig an. Irgendwann würden wir aufstehen und was dann passiert, versickert am Morgen danach ewig im Grundwasser.

© Amy Herzog

Vorspiel

Deine Stimme umgarnt meine Sinne wie in Rauch getaucht. Bewusst wahrnehmen kann ich nur das ticken der Uhr, aber nicht die Zeit, die uns davonrennt. Einfach alles ist stehen geblieben, selbst mein Atem, wenn du mir nahe bist, obwohl du mir ferner nicht sein könntest. Ich weiß, was du weißt, und weiß es nicht. Aber ich weiß, was ich denke…und denke es nicht. Ich denke, ich wüsste gerne mehr. Ein stummer Schatten tänzelt umher, ergreift meine Seelenhand, ich greife zurück. Dort, wo Glück und Verderben so nahe beieinander liegen, dass ich keines davon zuordnen kann, nichts davon trennen kann. Das macht es so aufregend, zu meinem persönlichen Abenteuer. Und du bist mittendrin. Aber keine Sorge, noch ist es nicht schlimm, noch ist nur Vorspiel. Und nun ja, ich finde ja, dass wenn man weiß, wie es geht, kann es schnell gehen. Aber vielleicht änderst du meine Meinung und erweiterst meinen Horizont. Und wer weiß, wie lange es gehen kann und wie lange es noch gut ist. Im Zweifel nehme ich dich mit ins Grab, denn eines weiß ich sicher. Selbst dort wirst du mein Herz noch höher schlagen lassen und meine Sinne in eine fremde, in deine Welt versetzen können.

© Amy Herzog

Widmung

Einst schrieb ich getrieben
von der Angst in der Dunkelheit
um Dämonen zu vertreiben
und die Einsamkeit

Nun schreibe ich von Liebe
die im Mondlicht, im All verborgene
um ihnen zu huldigen
wärmstens

Und sie zeigen ihr Gesicht
und nennen mir all ihre Namen
damit jedes meiner Worte
eine Widmung trägt

Verschleiert

© Amy Herzog

Liebeskummer

Würde Liebeskummer im Supermarktregal liegen, würdest du ihn für jeden Preis kaufen. Und doch wäre er dir nie genug, sogar stehlen würdest du ihn in allen Formen und Farben willst du ihn nicht nur besitzen, du willst ihn in dir aufnehmen, aufsaugen wie ein Schwamm, du willst zu ihm werden, dich verwandeln und leben wie er leidet. Wo immer du einen gebrochenen Menschen siehst und siehst, wie er sich quält, willst du die Tränen sammeln und kategorisieren und ihm die Qualen nehmen, sie ihm entreißen. Nicht um etwas gutes zu tun, denn ein Gutmensch warst du noch nie, du willst diesen Liebeskummer einfach nur für dich ganz allein. Du willst der ewig einsam Liebende sein, der Schweigende, der besonnen vor sich hin neigende, während du innerlich den Boden verlierst. Schweben willst du, fühlen willst du die meterhohen Wellen, die gegen dein scharfkantiges Herz preschen. Du willst der sein, der stets das begehrt, was er verliert oder gar nie bekommt. Tag für Tag gräbst du dein Innerstes tiefer und tiefer, Höhle um Höhle, schmale Gänge, die ins Nichts führen, ein Labyrinth trifft auf das Nächste. So tief, dass dich niemand wirklich sehen kann, und vor allem tief genug, dass dein geliebter Kummer auf ewig Konserviert bleibt. Die Liebe aber schwimmt auf der Oberfläche, hübsch angerichtet und wirkt einladend auf jeden, der sie braucht. Nacht um Nacht verteilst du deine Liebe, schickst sie über jede Entfernung schweigend per Express durch den Wind. Und wenn du dann jemanden liebst, dann bricht ein neuer Tag an und du gräbst weiter für deinen geliebten Schmerz, der dir das Leben einhaucht und dir dein ersehntes letztes Lächeln schenkt.

Musenkuss

Nicht vieles ist mein
der Ozean aber mein Stolz
wenn die Muse ihren Kuss
am Grund hinterlässt
und so tauche ich tiefer
in deinen kühlen Geist
wie mich das Jahr verlässt

Nur zähle ich längst nicht mehr
in dem was du Zeit nennst
wenn dein Spiegelbild zeigt
wovor du erschrocken davonrennst
dann erwidere ich deinen Kuss
in diesen Tiefen, die niemand
in dir je zu ergründen wagt

© Amy Herzog

Liebe(lei)

Tausend Enden geben wir uns hin
und tausend Enden sterben wir
meine verbotene Frucht
ist nur eine Liebe weit entfernt
die süßen Tränen trocknen
auf deiner pfirsichweichen Haut
den Anfang haben wir verlernt
mit dem Ende streifen wir
gebrandmarkt durch Garten Eden

© Amy Herzog

Sonnenuntergang

Dem Sonnenuntergang aber
sende ich meine Liebe
und so fürchte dich nicht
vor deiner Dunkelheit, Liebster
wo doch die Liebe in diesem Licht
bis zum Aufgang für dich scheint

Und ich wärme deine Dunkelheit
in dieser wolkenlosen Nacht
nehme sie mit zu mir nach Haus
so sende ich dem Sonnenaufgang
die Sterne, die ich darin zählte
und deine Kälte, die ich wählte

Dann morgen wird es regnen
doch fürchte nicht dem Ertrinken
aus unseren Poren tropft die Liebe
in der wir, wenn die warme Sonne
unsere müden Augen verschließt
wolkenzart gebettet versinken

© Amy Herzog

Eine Muse

So leise bist du
beinahe schweigend betrübt
tropft aus deiner Seele
dieser Schmerz allen Lebens
und wenn’s genügt
zu reden, zu schreiben
dann würdest du nicht mehr
so laut in dich hinein schweigen

Doch wenn die Nacht
über aller Köpfe hereinbricht
dann horche ich dir nach
und ziehe Wolken in meinen Bann
bis der Regen mich ertränkt
und deine Seele schweben kann

© Amy Herzog

Halten

Der Schmerz in deinen Augen
strömte mir entgegen
und darin lag deine große
flehende – doch sterbende Welt
sodann strömte aus meinen
für dich das flüssiges Gestein
und da im Schatten unter dem Fels
wirf nur deinen Anker in See
und ich werde dich halten
in meiner heilen Welt

© Amy Herzog

Ersehnt

Ich traue mich nicht
dich zu brauchen
und dann erscheint mir dein Wort
ein banales, doch mein verwundetes
Herz springt mit letzter Kraft auf

Dann verschlinge ich es
wieder und wieder
so wie der Wind für mich singt
doch es bleibt nur ein kleiner Augenblick
der mir die Einsamkeit nimmt

Es ist eine schwere Geschichte
die du niemals kennst
und irgendwann kommt wieder ein Wort
das wie immer lang – von mir ersehnt
und ich traue mich nicht, dich zu brauchen
hab’s auch diesmal nicht erwähnt

© Amy Herzog

Niemand

Niemand will dem anderen hinterherrennen. Nicht, weil der andere es nicht wert wäre, sondern weil ich ein Niemand bin. Und gewiss rennt mir niemand hinterher, nicht weil ich es nicht wert wäre, sondern weil auch du ein Niemand bist. Verirre mich im Labyrinth von endlosen Selbstgesprächen, hänge mich an Fragen auf und gebe mir selbst die Antworten, die nicht mal Google gefunden hätte. Und dann stehe ich morgens auf und stelle fest, dass reflektieren ein Euphemismus für wiederkäuen ist, schleppe mich in eine Welt voller Niemande, rege mich wieder darüber auf, dass jeder lächelt und nickt, aber keiner mehr die Wahrheit spricht. Am Ende des Tages bin ich müde von der Ignoranz, von deiner, von meiner. Aber ich bade nicht in meiner Sickergrube aus Selbstmitleid. Bevor ich dem Irrsinn gänzlich verfalle schalte ich das Licht aus. Auf meinem verirrten Weg stolpere ich über nichts und sammle fleißig weitere Fragen, die niemanden interessieren. Und ja, vielleicht bist du kein Niemand. Vielleicht bist du für mich nur so leichter zu tragen. Aber das wird hier niemals jemand fragen.

Wünsche (Drabble-Dienstag)

Wieder Drabble-Dienstag von Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Mond, Würfel, Taschenlampe.

Wünsche

Schon lange sind die Batterien meiner Taschenlampe leer. Und ich bin nicht gewillt neue einzulegen. Denn sind meine Wünsche erst sichtbar, kann ich sie nicht einfach zurück nehmen. Nur hoffen, dass der Schmerz nachlässt. Was wie eine Entscheidung wirkt, sind eher gefallene Würfel. Es sind keine alltäglichen Wünsche, die man sich erfüllt, um die Illusion vom Glück zu erschaffen. Es sind verborgene, nicht auszusprechende, die nicht greifbaren, weil sie verloren gehen könnten. Die an der dunklen Seite des Mondes schlafen. Die nie da gewesenen, die aber mein schönstes Lächeln hervorbringen, bis der Vollmond hell erstrahlt und mein wahres Gesicht entblößt.

© Amy Herzog

taumelnd

Die tagelange Schlaflosigkeit
macht mich taumelnd im Kreis
und zurück bleibt nur dieses Sehnen
nach zurückgerufenen Gedanken
die sich gegen dich wehren

Und dein Schweigen schlägt
lauter in meiner Brust
als dein Schreien jemals wiegt
und zurück bleibt nur dieses Hoffen
dass du in meinen Träumen liegst

Zu dunkel spüre ich die Anmut
deiner allumkreisenden Anwesenheit
doch zurück bleiben nur bleierne Lider
wieder wartend auf einen Hauch
sinken meine Gedanken nieder

© Amy Herzog

Anfangsmondlicht

Versteck dich nicht mein Liebster
im Mondlicht sehen wir alle gleich aus
und er kommt, er kommt gleich
um uns zu holen, damit wir uns finden

Schäme dich nicht mein Liebster
deine dunklen Narben sind mir Kunst
und im lilafarbenen Schimmer
meiner Hämatome sonnen wir uns

Und fürchte dich nicht mein Liebster
die Klingen zerschneiden Fäden
die wir uns auf unsere Lippen Nähten
doch wir brechen unser Herz nicht

So lasse dich fallen mein Liebster
meine Wunden bedecken nur das Ende
ich zeige dir den Anfang des Mondes
und gleich nimmt er uns mit nach Haus

© Amy Herzog