Schmerz

Liebe(lei)

Tausend Enden geben wir uns hin
und tausend Enden sterben wir
meine verbotene Frucht
ist nur eine Liebe weit entfernt
die süßen Tränen trocknen
auf deiner pfirsichweichen Haut
den Anfang haben wir verlernt
mit dem Ende streifen wir
gebrandmarkt durch Garten Eden

© Amy Herzog

Eine Muse

So leise bist du
beinahe schweigend betrübt
tropft aus deiner Seele
dieser Schmerz allen Lebens
und wenn’s genügt
zu reden, zu schreiben
dann würdest du nicht mehr
so laut in dich hinein schweigen

Doch wenn die Nacht
über aller Köpfe hereinbricht
dann horche ich dir nach
und ziehe Wolken in meinen Bann
bis der Regen mich ertränkt
und deine Seele schweben kann

© Amy Herzog

Halten

Der Schmerz in deinen Augen
strömte mir entgegen
und darin lag deine große
flehende – doch sterbende Welt
sodann strömte aus meinen
für dich das flüssiges Gestein
und da im Schatten unter dem Fels
wirf nur deinen Anker in See
und ich werde dich halten
in meiner heilen Welt

© Amy Herzog

Ersehnt

Ich traue mich nicht
dich zu brauchen
und dann erscheint mir dein Wort
ein banales, doch mein verwundetes
Herz springt mit letzter Kraft auf

Dann verschlinge ich es
wieder und wieder
so wie der Wind für mich singt
doch es bleibt nur ein kleiner Augenblick
der mir die Einsamkeit nimmt

Es ist eine schwere Geschichte
die du niemals kennst
und irgendwann kommt wieder ein Wort
das wie immer lang – von mir ersehnt
und ich traue mich nicht, dich zu brauchen
hab’s auch diesmal nicht erwähnt

© Amy Herzog

Wünsche (Drabble-Dienstag)

Wieder Drabble-Dienstag von Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Mond, Würfel, Taschenlampe.

Wünsche

Schon lange sind die Batterien meiner Taschenlampe leer. Und ich bin nicht gewillt neue einzulegen. Denn sind meine Wünsche erst sichtbar, kann ich sie nicht einfach zurück nehmen. Nur hoffen, dass der Schmerz nachlässt. Was wie eine Entscheidung wirkt, sind eher gefallene Würfel. Es sind keine alltäglichen Wünsche, die man sich erfüllt, um die Illusion vom Glück zu erschaffen. Es sind verborgene, nicht auszusprechende, die nicht greifbaren, weil sie verloren gehen könnten. Die an der dunklen Seite des Mondes schlafen. Die nie da gewesenen, die aber mein schönstes Lächeln hervorbringen, bis der Vollmond hell erstrahlt und mein wahres Gesicht entblößt.

© Amy Herzog

Samstagabend

Schon wieder Samstagabend. Die Woche neigt sich dem Ende zu und du greifst nach ihrer Hand. Nicht weil du willst, sondern weil du keine andere Wahl hast. Und spätestens am Abend weißt du, diese Nacht wird lang. Also trink, mein Lieber, trink. Immer weiter flussabwärts. Irgendwie musst du ja jene Orte erreichen, die dich nicht nur an deiner Oberfläche kratzen lassen. Diese schöne Oberfläche, die du Woche für Woche auf deine gebrochene Haut spachtelst, damit sie für die Welt funktioniert. Selbst das Licht fällt an diesen Tagen irgendwie anders. Anders als Samstagabend. Und dann sehnst du dich nach der Nacht. Nervös arbeitest du darauf hin, aber mit jedem Schluck fällt die Hemmung. Leise flüstert dir deine Einsamkeit all das oder dieses Eine ins Ohr, was dir fehlt. Dass alles was du hast…nicht reicht. Und du alles was du hast, sofort eintauschen würdest. Also trink mein Lieber, trink. Vielleicht, ja vielleicht, wartet ja heute am Boden der Flasche die Liebe, die ich dir schon zu lange verschweige. Trink, mein Lieber, trink.

© Amy Herzog

Fundament

Es sind die banalen Fragen,
die ich mit Kreide unter meine Haut schreibe.
Sie tragen das Ungewisse, den Geist,
das Unerwiderte, die Schwere,
das unter Eis verschlossene,
die Melancholie.

Da draußen
trägst du die Sonne mit dir herum,
aber das ist Fassade. Komisch,
dass sie nach all den Jahrzehnten
noch nicht bröckelt.

Eigentlich sollte das abschrecken.
Tut es das? Schließlich schleife
ich deinen Schatten wie eine Leiche
hinter mir her.

Hätte ich keine Angst vor dem Regen,
würde ich dich mit ein, zwei dicken Steinen
beschweren und dich ins Meer werfen.
Und deine Sonne würde ich behalten,
um mich endlich in dir zu wärmen.

Aber dann würde es regnen.
Und meine Kreide gemeinsam
mit dir ertrinken.

Und mit dir mein Fundament.

© Amy Herzog

Dein Bild

Ich sehe dich wieder. Wieder.
Sehen. Noch nie gesehen, spüren?
Doch. Im Grau. Im Kopf sehen. Dich.
Stehen Fragen, tausend. Farben.
Dein perfektes Bild. Zu perfekt.
Zu unwirklich. Unwiderstehlich.
Wieder. Zu unwiderstehlich. Wieder?

So oft. Viel zu oft. Allgegenwärtig!
Mir bleibt die Luft in den Lungen stecken.
Meine Hand umfasst meinen Hals.
Befreien. Ich will mich befreien. Machtlos.
Ich bin machtlos. Du zu perfekt.

Zu groß. Zu machtvoll. Schein.
Ich schnappe nach Luft. Ringe darum.
Und bin verzweifelt. Versuche zu atmen.
Schneller. Immer schneller. Knoten.
Es geht nicht. Nichts geht. Nichts!
Nur sehen. Dich sehen. Wieder.

Meine Augen tränen. Verschwommen.
Dein Bild bleibt klar. Machtvoll bestehen.
Benommen. Meine Lungen voller Lust.
Verbraucht. Ich spüre meinen Puls.
Schneller. Immer schneller. Zu Dir.
Schlägt mein Herz. Wo ist die Luft?

Mein Hals vibriert im Takt des Pulses.
Schmerz. Brustschmerz. Herz.
Mein Herz. Zu voll. Zu leer. Zu schnell.
Zu viel Du. Ich kann nicht atmen.
Ich kann nicht mehr. Schwach.

Dich nicht mehr sehen. Breche zusammen.
Mein Körper zu schwach. Aufgeben.
Dein Bild. In meinem Kopf. Hellwach.
Perfekt. Unperfekt. Perfekt. Ich rase.
Innerlich. Kribbeln. Glück. Freude. Liebe?
Blase. Platzt. Keine Liebe. Nichts.

Erdrückt von deiner anwesenden Abwesenheit.
Siehst du das Bild? Meinen Kopf.
Den kranken Kopf. Geschundene Seele.
Wunde Leere. Verstörend. Du bist blind.
Perfekt. Unwahr. Lüge. Unsichtbar.
Nur in meinem Kopf sichtbar.

Unsichtbare Zerstörung. Ahnungslos.
Du. Ich. Beide. Dumm. Dumm. Dumm.
Angst. Ich. Nur ich. Dumm. Naiv.
Sterbend. Auge. Sterbender Glaube.
Unwissend. Jungfräulich. Klein.
Rennend in deine Ahnungslosigkeit.

Stille. Zu still. Die Luft zum Reden fehlt.
Dein Bild. In meinem Kopf. Perfekt. Quält.
Zerstörerisch. Verschwinde. Bild. Verschwinde!
Lass mich wieder sehen. Wieder. Bitte.
Wieder schweben, spüren, atmen, Wind.

© Amy Herzog

Unerreichbar

Es wird kalt, Liebster
in unerreichbaren Parallelen
die Unbekanntes wählen
im Gleichklang fremd
läuft Farbe in schwarz-weiß
und die Jahreszeit zieht vorbei
sei du der Vogel, Liebster
und verzeih mein Schweigen
würde ja noch bleiben
doch es ist kalt

© Amy Herzog

Suche nach Land (Drabble-Dienstag)

Lyrix hat die Drabble-Parade wieder wachgerüttelt und ich mache sehr gerne mit. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Auge, Frage und Magnet.

Suche nach Land

Eine Frage lässt mich nicht einschlafen. Die Ungesagte, im Raum schwebende, die ziellos an die Decke starrt, dann wieder gen Himmel, in den Sternen suchend. So bleibt mein Auge zu viel Meer und deines das Land, schlafend unter einer dichten Nebeldecke. Treibe ohne Kompass übers Wasser mit einem Magnet in meiner Seele und der Sehnsucht im Hirn. Dein Hafen ist zum greifen nah, fände ich ein Wort. Schöpfe Nacht um Nacht die Hoffnung aus meinem Schiff, möchte nicht ertrinken. Noch nicht. Erst wenn ich einschlafe, kann ich es sehen. Dieses große Nichts, das Bilder malt, in denen wir leben können.

© Amy Herzog

Grenzenlose Liebe

Eifersucht ist besser als Unsicherheit
Klingt halt mehr nach Liebe
Und Liebe ist grenzenlos
Innerhalb geschmackwahrender
Grenzen der Monogamie

Wenn zwei das Gleiche tun
Ist es noch lange nicht das Selbe
Aber klingt so individuell
Der eine besitzt den Schlüssel
Und der andere hat nen Käfig für sich

Zur Besuchszeit werden Kuchen
Auf feilende Gegenstände geprüft
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Kleine Briefchen sind jedoch erwünscht
Als Brennstoff für die große Liebe


© Amy Herzog

Scherben

wie ich irrte
mich in den Gesängen
waren sie doch lieblich
zart – so folgten Schritte
schleichend durch die Scherben
deines Herzens – über Schnitte
brach mir Bein und Seele
schreibst du heiter
über deine Leere

schreitest weiter
und ich trage diese
schwere deines Herzens
wie mich Hoffnung trägt
und lauschend deinem Klang
wartend an warmen Sommer-
tagen, ersehne deine fragen
wie Jahrelang ein Herz
solch große Scherben
tragen kann

© Amy Herzog

gute Nacht

Es ist dunkel, ruhig, endlich Nacht, endlich nackt. Aus der Ferne tönen die Autos der suchenden, der flüchtenden und der ankommenden Menschen. Klingt wie Meeresrauschen direkt unter deinem Fenster, in einer Flasche voll betäubender Substanz, einem leeren Blatt Papier und dem Flimmern deines Bildschirms. Und wieder atmen. Schon wieder atmen. Eine Kerze schenkt dir die Wärme, in der du dich so geborgen fühlst. Die Illusion schluckst du runter, ertränkst sie. Schwitzt und blutest auf dein Papier, denkst an Wünsche, gedenkst der Träume, mit einem Kuss an jedes deiner Geheimnisse. Für jedes Wort die passende Verkleidung. Buntes Treiben in deinem Kopf und Karneval in deinem Herzen. Selbst die Schmerzen tanzen mit. Alter Mann wird wieder jung. Finger gleiten über deine Tastatur, erst langsam, behutsam, dann immer schneller. Du willst schweben, schreibst darüber und schwebst. Du lebst. Legst alles ab, nichts nimmst du mit, was so schwer auf deinen Schultern lastet. Frei, endlich frei. Raum und Zeit verbrennen in einer handvoll Staub. Im Takt deiner tickenden Uhr steigst du höher, immer höher. Ersehnst diesen kurzen Moment, in dem fallen wie das fliegen der Vögel ist.

Du bemerkst nicht mal, dass es hell wird. Du hörst aber die Vögel zwitschern und plötzlich hörst du auf zu schreiben. Hörst ihnen zu und kannst den Liedern lauschen, die dir weh tun. Den Duft deines Lieblingsparfums auf der leeren Bettseite, die tiefe Vertrautheit. Du hörst klimperndes Geschirr in deiner Küche und das Summen deiner Kaffeemaschine. Dann näherkommende leise Schritte. Und den Duft von frischen Brötchen am Morgen mit einer Tasse voll Liebe über deinem Bett. Wie du als Kind an Weihnachten gelächelt hast, so lächelst du gerade. Und du windest dich in dem Moment, der dich für immer fest umarmt. Aus der Ferne bellt ein Hund. Dabei bist du doch ein Katzen-Mensch. Schlägst die Augen auf, dein Bildschirm flimmert noch immer kaltes Licht. Du liest in deiner Seele und blickst tief in die sonst so verborgene Wahrheit deiner Existenz. Mit zeilenlangem Herzschlag durch die Nacht, wünscht du dir dein Ende. Aber der Morgen ist da, die Flasche leer, wankst zum Spiegel und kannst wie immer keinen Blick hinein wagen. Kramst deine Maske aus der obersten Schublade und lebst dich glücklich durch den Tag. Niemand sagt dir guten Morgen, niemand „richtiges“. Schaltest aber deinen Bildschirm noch aus bevor du deinen Koffer nimmst und gehst. „Bis heute Abend“, sagst du, wohl wissend, dass er dich wieder zum Atmen zwingen wird.

tau

erdrückend kleines herz
kontakt zum fleisch tut weh

verbrennst dir nicht die finger
liebes, du wirst erfrieren
da hilft keine schachtel kippen
mit scotch gegen gedanken
an unnahbare lippen

liebes, dir wird nicht heiß
nein, du wirst erfrieren
traum minus gefühl
merkste was?
jetzt wird dir kühl

aber’s sind scherben
so wirf das fleisch weg
liebes, es hebt dich nicht mal auf
es lässt dich sterben, siehste?
da hilft kein wort auf erden
glotzt verträumt gen himmel
erdrückend kleines herz
mach die augen zu
und tau auf

© Amy Herzog

unsichtbar

Dann ist es wie damals
in der hinterletzten Reihe
schreibe täglich deinen Namen
inzwischen ist die Tinte rot
du sitzt da vorn, atmest, lachst und lebst
und ich sitze da mit ner Flinte
und warte auf Bruder Tod

© Amy Herzog

Zu alt

Da bleib ich lieber
bei diesem Misanthropen –
Dings – und schenk dir deine Worte
viel zu menschlich Auge zuckt
stell‘ die Gefühle schon mal kalt
bin zu alt dafür geworden
fuck auf Liebe – wenn ich frage:
„Mami, warum tropft der aus den Augen“
werde ich dieses mal die Antwort
nicht in hundert Jahren glauben

© Amy Herzog

schlaf, mein Liebster

trinke die schlaflosschleifende Nacht
schmeckt genauso gut wie eine dieser bunten
halbliter Cocktails auf Ex – knallt
aber besser als dein gelegenheitstrauriger Sex

schon zwanzig nach drei, mein Liebster
du bist endlich frei, flieg – flieg – flieg –
Gefühl ist im Preis, Tränen kosten extra
nimm den Alkohol mit, brauchst ihn dringender als ich

Die milde Nacht denkt mir ein, denkt mir nach
bis zum Mond und wieder zurück ist zu kurz
nur ein Sturz in deine Tränen mit Dingen
die du nie hattest – schlaf endlich Liebster, schlaf

© Amy Herzog

Abschied

So blütenjunge Frau
und Sehnsucht blühe auf
duftet zweiter Frühling
deine süße Liebe schweigt

Spiegelbild in grau
und stirbt in meiner Nacht
deine leere Seite weint
zerfällt der Rest zu Staub

Geraubte junge Frau
in handvoll Tränen treibt
gereicht dem Wind den Kuss
und süßer Abschied bleibt

© Amy Herzog

eine träne der erinnerung

alles ist anders
ruhiger – ruhe ist gut
das reden wir uns ein
wir haben platz
gefunden

erinnerung
ist ein wertvolles gut
damals brauchten wir mut
und selbst wenn wir’s nicht wussten
wir haben ihn gefunden

nun haben wir platz
unseren ganz persönlichen
der uns ewig erhalten bleibt
schön, ruhig und sicher
der mut kann geh’n

und die sehnsucht
wenn wir tief in der nacht
zu den sternen blicken
und an szenen denken
die nie gedreht wurden

doch warum nicht
warum tauschten wir diesen
aufregend wunderbaren mut
gegen ruhe – damals richtig
heute ist sie zu ruhig

und wir haben gelernt
dass sehnsucht nur noch
wenn verantwortung schläft
ein stern hoch oben trägt
schwebend und ruhig

das schönste auf der welt
in einer kleinen träne
der erinnerung

© Amy Herzog

graue tränen…

 

tränen
die ich um dich weine
sind längst zu schmerz erstarrt
kalt zu stein
im herz aus glas
konntest du sie niemals sehen
so wie in mir
die farben fehlen

zerbrochen
seh ich keine farben
du hast sie mir genommen
schimmert auch der mond nicht rot
nur im grau schreien letzte worte
wo tränen nicht mehr
schreien können

© Amy Herzog

Weg

Wer den einen Weg geht
nimmt bei der Hand
die Melancholie
weil der andere Weg
verwehrt bleibt
die Phantasie
treibt an

© Amy Herzog

Dein inneres Kind

Im Zweifel meiner Neugier
bist du ein Schatten
auf der Suche nach dem Licht
das dich besser sieht
als du dich selbst

So flieht dein Leib
das innere Kind
weil große, starke Männer
nun mal nicht so sind

Und bleibt dir nur ein Wort
keine Schulter, kein Schoß, kein Weib
nein, dein Leib bleibt Schatten
und Sehnsucht, die bis an’s zähe Ende
an deiner wunden Seele reibt

© Amy Herzog

Dreiundzwanzig Tage Regenbogengarten

Regenbogenbilder regnen mir ins Haus
und zieh’n mit Freud die Freude aus
wo weiße Strände ungeküsst
die Küste mit den Krallen kratzen
lebe ich mit schmerzverzerrten Fratzen
laufe doch auf weichen Tatzen
der stummen Akzeptanz

Wolken legen lauter nieder
als der Tod ans Häuschen klopft
tropft mein Hirn mit jedem seiner Lieder
immer stärker stürmend wieder
bis mein Herze an den Trümmern
mit dem Wind am Abgrund steht

Weht der Wind noch frage ich
und erreicht der Schmerz auch dich
frage ich wo ist die langgezog’ne Zeit
doch längst ist sie mir nicht mehr weit
und doch kann ich mein Blut nur lecken
nicht aus diesem Traum erwecken

Zieh an meinen kalten Kippen
denk‘ im Rauch an bittersüße Lippen
dacht es würd ein Ende auf mich warten
doch schlaf ich fest in meinem
Regenbogengarten…

© Amy Herzog

Dein Ende

Wolke, sei mein Anfang
trage mich durch den Wind
lass dich atmen, tasten, schmecken
auf dir räkeln, in dir strecken

Mach mich frei

Oh, schließe deine Augen, Wolke
und ich öffne dir mein Heim
kannst mich atmen, tasten, schmecken
und ich verspreche dir
es wird dein süßes

Ende sein

© Amy Herzog

Einmal noch (immer)

Immer einmal noch
folge auf leisen Schritten
von Freude bis Gelitten
durch die Nacht

Amnesiegetränkte Worte
zeichnen deinen Schatten
im Vollmondlicht
Windig ist die Nacht
trägt Flüstern in Orte
denen ich glaubte
doch sie hielten mich nicht

Verloren an der Gabelung
dunkellinks, dunkelrechts
renne wieder zurück
und ende
(wieder)
im Nichts

© Amy Herzog

Halb

Vom Wind, der mich verlassen
hat, so wollt ich ihn nur lassen
doch, wie könnt ich nunmehr atmen
weil, ich brauch ihn für mein Seelenheil.

So marmorgleich die Wangen
sind, muss ich im Dunkeln bangen
denn, der Regen über Seen schwimmt,
so wie der Nebel Freude nimmt.

Die Sehnsucht nach der Sonne gleicht,
durch Gassen nur ein Schweigen schleicht,
dem Blick gen Himmel – Wind bleib hier,
das Seelenherz schlägt halb nur hier.

© Amy Herzog

Verlust

Nur ein Zettel
an der Außenseite meiner Tür
erinnert mich noch daran
was ich verlor

Kann meinen Schlaf
nicht halten
(wieder einmal nur zu viel)
so taste ich durch deine Venen
Bilder sinken, Worte hinken
als sei das alles nur
ein fades Spiel

Doch ich schweige
und im Innern wird es kühl
was ich einst verlor
es war zu viel

© Amy Herzog

Verlust…

Flughafenszene…

Wie sehnsuchtsvoll dein Blick

zurück in Menschenmassen

doch keiner hört und keiner sieht

wenn du nur in die Leere fällst

Und hin und her und hin und her

als würdest du ein Kindlein suchen

bringt dir selbst dein Innerst fluchen

deine liebe nicht dort hin

© Amy Herzog

Videolesung: Luft…

 

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Wenn fremde etwas besser wissen..?

Und ich vermisse dieses Leben,
welches Fremde mir einst nahm,
hämisch lachend über Herzen,
die fortan gebrochen warn.

Was mir bleibt ist eine Lehre,
und ein Weg entlang dem Fluss,
weg vom Bösen nur zur Liebe,
weil mein Herz dort leben muss.

Ohne Takt kann es nicht singen,
übertönt die Fremden nicht,
doch lachen sie nur ewig einsam,
und ich wandere zum Licht.

© Amy Herzog

Ertragen

Ertrage ich den Schmerz
du stolperndes in meiner Brust
so springt mein Herz in einer Handvoll
zwischen Tränen zwischen Lust

Zeichne Punkte auf ein Glas
wirkt der Frühlingswind fortwährend klar
doch auf Regen folgen dicke Steine
bis ich nur noch Scherben sah

Lebe ich mit diesem Drang
nur jeden Abend zu ersehnen
selbst wenn er mich zu Boden zwang
kann ich mich an die Stille lehnen

 

© Amy Herzog

Beängstigende Worte …

*

Manchmal
Suche ich nach Worten
Verzweiflung spricht vom Herzen
Und schrecke dann zusammen
Wenn ich sie gar gefunden
Habe…

*

Worte
Die beschreiben
So klar durch Scherben spiegeln
Was tief in meiner Seele
Verursacht diese
Schmerzen…

*

Finden
Will ich sie immer
Doch machen Sie mir Angst
So kann ich sie nur löschen
Vertreiben aus Gedanken
Dass du sie niemals
Hören kannst…

*

© Amy Herzog

Glockenläuten

Einsam klingt das Glockenläuten,
durch verregnete Straßen,
in der Pfütze, in der wir trafen,
bleibt eine Träne zurück.

Einsam klingt der Regentropfen,
mit seiner tausend Liebe,
sind Straßen doch die Diebe,
verschlucken mein Herz.

Einsam klingt das schlagend Herz,
in den glänzenden Morgen,
und machte es sich noch Sorgen,
wäre es hier nicht allein.

Allein aber in abertausend Tränen,
ertrinkt in Einsamkeit,
bleibt mir noch die kurze Zeit,
lausche dem Glockenspiel.

© Amy Herzog

Verdampfen…

Schmerzen – die verdampfen
wie der Qualm nach oben zieht
mit den Stürmen – in den Wolken
schneller, immer schneller flieht
bis zur Sternenklaren Nacht.

(dann leiser, immer leiser)

Bis es regnet, an den Tagen
keiner mehr die Wolken sieht
kann ich mich zum Wort
schon lange nicht mehr wagen
wo mein Herz am Boden kniet.

 

 

© Amy Herzog

Seelenschnitt…

Ich atme deine Worte ein,
sie rauben mir die Luft,
erdrosselt liegt die Hoffnung hier,
es raucht des Sterbens Duft.

Tränen die vergossen sind,
nur Blut tropft in den Fluss,
Schatten über Glück sich legt,
versperrt den letzten Kuss.

Tief der blutend Seelenschnitt,
doch nichts gegen den Schmerz,
ich bade unter Rauch und Schwarz,
es ruht – mein stummes Herz.

Ich atme deine Worte ein,
sie gaben mir die Scherben,
aßen reich und tranken Wein,
und ließen mich im Sterben.

© Amy Herzog

Richtung…

Schreien in die selbe Richtung,
schlagen unsere Herzen gleich,
graben selbst die tiefsten Löcher,
schweigen wie ein Fisch im Teich.

Worte fliegen um Gesichter,
Fetzen bleiben stumm bedeckt,
schlafen mit den hellen Augen,
wünschen, dass uns einer weckt.

Irren lautlos durch die Straßen,
winken trüb dem richtigen Weg,
fügen uns den eigenen Löchern,
schleichen einsam dem Abweg.

Schreien in die selbe Richtung,
sind es tausend Löcher wert?
Unsere Seele schläft in Fetzen,
wo sich unser Herz noch wehrt.

 

© Amy Herzog

Grau..

Einsam bleibt der Untergang,
wie Staub auf meiner Haut,
der Schmerz verweilet ewig lang,
selbst wenn man ihn umbaut.

Der Wind mir keinen Schrei ertönt,
im Halse rinnt der Sand,
ein Lächeln bleibet ungekrönt,
wie Regen an der Wand.

Trüber wird es nur im grau,
selbst wenn’s von außen glänzt,
fester hält mich nur ein Tau,
so wie’s am Schweigen grenzt.

 

© Amy Herzog

In Gedanken..

Still bist du schwer mir im Herze verkeilt,
du Windhauch im Schweigen vorbei,
und wie du auch ewiglich schwerer verweilst,
bist irgendwann du an der Reih‘.

Nach Pfützen die Meere, so schwimmend dahin,
die Beine noch schwerer doch leicht,
gemeinsam wir suchen und denkend den Sinn,
die Seele daneben verbleicht.

Mein Herze zum Uhrwerk, es lahmet schon sehr,
die Zeiger den Abgrund im Blick,
das Herze mag schwimmen, doch all dieses Meer,
sinkt tiefer und schweigend zurück.

 

© Amy Herzog

Kalter stummer Wind..

Ein letzter sanfter Kuss
zum Schluss, der Atemzug
weht der Wind an mir vorbei
meine Hand auf deiner Brust
wonach du gehen musst.

Die duftende Erinnerung
bleibt mir nur erhalten, immer
wird sie schlimmer, sehe nicht
sehe nur durch Nebelschimmer
dich mein allzu fernes Licht.

Hat es mir noch weh getan
einst, wenn so stumm du weinst
weint mein Auge keine Tränen
mehr, schwimme längst im
bittersüßen Tränenmeer.

So ward ich in die Knie
gezwungen, hast dich nur nie
umgedreht, dann – wenn du
und dieser kalte stumme Wind
in die falsche Richtung weht.

 

© Amy Herzog

Fort..

Wollte nie diesem Leben entkommen,
wie benommen, doch entrissen,
hörte ich mit deinem Wissen – bald
das Schärfen der Klingen
im dunklen Wald.

Wollte nie diesem Leben entkommen,
so zerronnen, in den Träumen,
zwischen den Bäumen – die Hasen
konnten auch nicht schneller
um ihr Leben rasen.

Wollte nie diesem Leben entkommen,
doch genommen, meine Seele,
wolltest du, dass ich lebe? – in bunt
gemaltes Bild in Flaschenpost
blieb mein Leben wund.

 

© Amy Herzog

Kalter Kuss..

Wie der Schnee auf meinen Poren,
so der Rauch um Hirn und Kuss,
auch das Herz in meinem Magen,
der noch schwer verdauen muss.

Wie das Eis in meinen Welten,
blau zersplittert schläft das Glas,
nur der ferne Sturm lässt hören,
wie mein Geist erstickt im Gas.

Wie die Wärme in den Bergen,
doch mein Schritt versinkt im Blei,
muss ich stumm im Hier verharren,
doch der Regen tönt den Schrei.

© Amy Herzog

Leblos..

Farbenlos versinkt die Welt,
und ringt um kein Gefühl,
die Seele ward herausgerissen,
das Herz ist alt und kühl.

Taub und stumm erstarrt das Herz,
der Feind ist nicht die Zeit,
doch als das Blatt vom Baume fiel,
versank die Welt im Leid.

Leblos schweigt der Regen noch,
die Wolken tragen schwer,
und meine Welt ertrinkt im Schnee,
die Seele stirbt noch mehr.

© Amy Herzog

Furcht…

Ich fürchte mich vor deiner Stimme,
denn dort hab ich mich einst verirrt,
verstecke mich vor deinen Worten,
wo mein Herz doch nur fallen wird.

Ich fürchte mich vor deinen Worten,
wo eines mir die Hoffnung spricht,
wenn du doch niemals dazu stehst,
erlischt zugleich mein kleines Licht.

Ich fürchte mich vor deiner Sonne,
vielleicht erscheint sie nicht für mich,
ich bleibe ängstlich in den Schatten,
und warte letztlich dort auf dich.

© Amy Herzog

Ankommen?

Ich dachte einst vor langer Zeit,
dass ich schon angekommen wär,
doch jagt mich hier die Traurigkeit,
umhüllt von Sehnsucht immer mehr.

Der Weg, ist er denn endlos lang,
so sag, wohin wird er mich führen?
Zuweilen wird mein schwerer Gang,
in Sackgassen das grau berühren.

Ich dachte einst vor langer Zeit,
dass ich längst angekommen wär,
und wird der Weg auch endlos weit,
die Hauptsache, er bleibt nicht leer.

© Amy Herzog

Meine Asche…

Wie Regenbogenfarben in den Augen brennen,
so rennen sie doch schnell an mir vorbei,
ungesehen, in meinem schwarzen Kämmerlein,
wünsch ich mir nicht mal mehr den Trost herbei.

Nur die Träume senden meine Asche noch dem Himmel,
und treiben meine Tränen durch die Nacht,
vermissen sie im Sonnenschein wohl noch das Gold,
erliegen letztlich lieber dieser größten Macht.

Und wenn die letzte Farbe schon verschluckt ist,
was nützt mir dann noch dieses letzte Wort,
ich bleibe schweigend sitzen, während du nie warst,
und sehne mich so kraftlos nach dem warmen Hort.

© Amy Herzog

Erdrückend.

Eingesperrt bin ich. In mir, in dir. Du kommst mir näher. Kälte kitzelt meine Nerven. Erdrückst mich. Heiß wird es. Suggerierst Sicherheit. Wärme. Schutz und Zuflucht. Ich genieße. Schließe meine Augen. Und falle in mein sicheres Schwarz.

Du lachst. Stumm. Aber du lachst. In meinem Kopf. Du zeigst mit dem Finger auf mich. Die Kranke nennst du mich hinter den Türen.

Dann wieder fängst du mich auf. Schenkst mir deine Liebe. Deine Ruhe. Lässt mich Freiheit spüren. Während ich eingesperrt bin. Und niemand kann mich hören. Ich bin stumm. Kalt. Ich genieße.

Schließe meine Augen. Und falle in mein ewiges Schwarz.

Farblos.

Wenn ich schlafen könnte,
wo ich doch nicht mehr atme,
dann würde ich jetzt schlafen.

Doch ich suche nach Farben,
während ich Schokolade fresse.
Sie schmeckt nur nach Asche.

Und reibt sich um mein Herz.
Pumpt durch mein kaltes Blut,
bis in meine tränenden Augen.

Alles was ich finde bleibt grau.
Doch kann ich nicht schlafen,
und lebe in der farblosen Kälte.

© Amy Herzog

In der Wüste…

Einsam ging ich durch die Wüste,
schrieb im Sand „ich liebe dich“,
hoffnungslos verging die Nacht,
doch unerwartet fand ich mich.

Einsam ging ich durch die Wüste,
und fand darin dein blaues Meer,
traf dein Blitz in meinem Herzen,
Liebe – doch sie trägt sich schwer.

Einsam ging in durch die Wüste,
wenn das Schweigen mich geleit,
genügt ein Blick in deine Sterne,
wo Zweisamkeit mein Herz befreit.

© Amy Herzog

Die Träne..

Tränen spiegeln keine Worte,
leer im Staub und ausgeräumt,
allein im kalten Nichts der Hoffnung,
blickt der Geist, der weiter träumt.

Tränen spiegeln keine Nähe,
weisen ins Alaska fort,
unterm Eis die schwache Seele,
flüstert eine Liebe dort.

Tränen spiegeln keine Zukunft,
heiße Steine trocknen still,
niemand nimmt sie in der Wahrheit,
was die Träne wirklich will.

© Amy Herzog